Saitenfeuer KeinZurück
Saitenfeuer Kein Zurück

Mit ihrem Erstlingswerk „Auf und davon“ hat sich die Band SAITENFEUER innerhalb der an sich sehr homogenen Deutschrock-Szene Gehör verschafft und zahlreiche Fans erspielen können. Jetzt folgt der nächste Streich, denn mit „Kein Zurück“ steht der zweite Longplayer der Leipziger Truppe in den Startlöchern, der am 23. August 2013 veröffentlicht wird.

Hätte die Band die Intension gehabt in eingefahrenen Gewässern noch eine Schippe aufzulegen, um die gefestigte Fangemeinschaft zufrieden zu stellen, dann hätten sie sicherlich mit Genre-typischen Superlativen, wie „noch härter, noch lauter, noch schneller“ um sich geworfen – doch bis auf wenige Ausnahmen ist hier das absolute Gegenteil der Fall. Das Ergebnis der Leipziger Band Seitenfeuer kann sich hören lassen und überrascht positiv durch neuartige musikalische Impulse, wie auch einem menschlichen Reifegrad in den Texten, der Sie in dieser Form von vielen Genre-Kollegen abgrenzt.

Geboten werden 13 Songs, die allesamt äußerst vielseitig von selbstreflektierend, teils rebellisch („Lasst uns endlich wieder“), über partytauglich („Das ist der Moment“) bis tiefschürfend („Ein letzter Kuss“) reichen.

Ein klares Plus sind lebensbejahende Sichtweisen mit Blick nach vorne und gesundem Rocker-Pathos. Keine narzisstische Ego-Lyrik, sondern smarten Texte stehen im Fokus. Dieses Image steht den Jungs gut und lässt mit fetten Riffs die Schultern breiter werden. Klanglich flexibel bewegen sich Saitenfeuer in ihrer aktuellen Besetzung zwischen Streetrock a la „Vogelfrei“ und modernem Punkrock mit mehrstimmigen Gesang a la „Planlos“. Zuweilen wird man bei einzelnen Songs den Eindruck nicht los, das Aphorismen a la „Böhse Onkelz“ oder „Wirtz“ inspiriert sind.

Mit jedem Song und nahezu jeder Textzeile spürt man, wie es sie nach vorne drängt und sich ihre Gier nach Leben nicht stillen lässt. Somit steht „Kein Zurück“ nicht für einen einzelnen Songtitel, sondern offensichtlich für einen Meilenstein in der recht jungen Musikerkarriere. Und falls es einer dennoch nicht gemerkt haben sollte, schreien sie es sich zur Sicherheit in „Gesagt, Getan“ gleich selbst von der Seele.

Mit der Ballade „Immer wieder“ liefert die Band sogar eine handfeste Ballade, die als letzter Albumtrack zwar losgelöst vom Kontext funktioniert, allerdings im Vergleich zur übrigen Songausrichtung Weise zum Rockerimage viel zu weichgespült rüberkommt.

Trotz des spürbar hohen Selbstanspruch, sich künstlerisch möglichst vielseitig aufzustellen, bleibt ein einziger Kritikpunkt, der bereits beim Vorgänger „Auf und davon“ aufgefallen ist: Die Gitarren und Drums klingen weiterhin tiefenlos und unspektakulär, da es ihnen an „Drive“ und Dynamik fehlt und mir persönlich zu glatt sind. Hier sollten die Herrschaften bei den nächsten Aufnahmen definitiv mutiger werden und an Ecken und Kannten gewinnen, um die Luft nach oben zu schmälern und in der nächsten Rezension den ein oder anderen Stern mehr rauszuholen.

Review von Marcus Berg

Tracklist:
01. Bis ins Herz
02. Weder Schein noch Sein
03. Begierde
04. Flussaufwärts
05. Lass uns endlich wieder
06. Komm mit mir
07. Ein letzter Kuss
08. Gesagt, Getan
09. Spring ab
10. Das ist der Moment
11. Dein Rausch
12. Wir reisen durchs Land
13. Immer wieder

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