Am 17.11.2023 ist mit „Twist“ das neue Studioalbum von ADAM ANGST erschienen. Frank Wolfschmitt sprach mit Felix im Vorfeld der Veröffentlichung darüber.

Nennen uns 3 Gründe warum die jetzige Platte eure bisher Beste ist?

Weil jetzt alle Fäden zusammen sind und wir uns sicher sind was wir tun. Wir müssen etwas zurückblicken. Die erste Platte war ein Alleingang von mir. Die zweite Platte war die Findungsphase der Band und das hört man ihr auch an. Wir mögen und lieben sie aber immer noch. Die jetzige Scheibe ist deshalb unsere Beste, weil wir Songs zusammengeschrieben haben und es ist auch das erste Mal das wir musikalisch im Songwriting als Band zusammengearbeitet haben und es auch geschafft haben uns musikalisch freizuschwimmen. Wir haben geschrieben auf was wir Bock hatten ohne darauf zu achten ob es jetzt ein typischer Adam-Song ist. Friss oder stirb quasi. Und am Ende ist es die beste Platte weil wir damit einfach total glücklich sind. Es ist jetzt auch egal was passiert. Floppt sie ist es auch egal, wir sind super zufrieden und happy mit dem Produkt und mit uns im Reinen.

Was auffällt ist, dass jeder Song komplett anders ist. Ihr fangt mit einer Klavierballade an, dann kommt eine Onkelz-Verarsche und dann ein tanzbarer Pop-/Rocksong.

Das ist zum einen mutig. Marketingtechnisch und strategisch aber ein kompletter Totalausfall.

Sich nach einer längeren Pause mit der Single „Die Lösung für deine Probleme“ zurückzumelden wirkt total verrückt.

Ja, das war unser erstes Lebenszeichen nach 5 Jahren. Eine Klavierballade die auch nicht härter wird. Danach folgt „Unangenehm“ als Song Nummer zwei und das ist verkaufstechnisch kompletter Nonsens. Aber das sind wir.  Wir wollten es anders machen und eine diverse Scheibe veröffentlichen. Kurzweilig soll sie sein und ich habe ja auch keinen Bock mir eine CD anzuhören von einer Band, die seit 20 Jahren dieselben Platten machen. Wenn der Hörer eine gute Zeit hat und jeder Song für sich einzeln funktioniert, dann ist doch alles gut und sie dürfen auch gerne für sich alleine stehen. Im Zeitalter des Streamings ist das aber auch okay.

In welchem Zeitraum wurde die Scheibe aufgenommen?

Angefangen haben David und ich während der Pandemie. Wir haben uns in einem Ferienhaus mit Studio in der Eifel für eine Woche eingeschlossen und einfach mal Ideen sprudeln lassen. Normalerweise sitze ich im stillen Kämmerlein und nehme alles so auf wie es später auch klingen sollte. Jetzt war es anders. Einige Songs waren in ein paar Stunden fertig, andere haben wir hundertmal umgeschrieben. Das war auf jeden Fall ein komplett anderer Aufnahmeprozess als früher.

Haltet ihr in den Bandpausen untereinander Kontakt, oder weniger?

Wir sind befreundet und haben schon immer mal Kontakt. Kurz vor einer Tour und Veröffentlichung ist es natürlich mehr, aber man ist eigentlich immer im Kontakt. WhatsApp Gruppen machen das Leben hier auch einfacher.  Wenn aber mal bandmäßig mal weniger ist, dann sieht man sich auch mal länger nicht, da wir auch verteilt sind. Aachen, Eifel, Köln und Osnabrück ist halt nicht alles um die Ecke.

Es ist kein Geheimnis, dass du im Hauptjob als Unternehmensberater tätig bist. Ich bin ähnlich wie du öfter in Jour-Fixe, Konferenzen, Besprechungen etc. und du hast deine Erfahrung damit schon öfter niedergeschrieben. Der Text „Was der Teufel sagt“ passt zu 100% auf die meisten Meetings zu. Danke dafür!

Haha, das ist schön und habe ich auch schon öfter gehört. Die ganzen Büroarbeiter habe ich damit im Sack. Ich kenne es und kann es auch bestätigen. Wenn das Leute rausgefunden haben, bekam ich hier immer nur positive Reaktionen. Kunden oder Kolleginnen kommen auch zu Konzerten und es ist so eine absolute Parallelwelt. Du spielst mehrere Festivals an einem Wochenende und kommst Sonntag nachts komplett zerstört zurück. Du schläfst 2-3 Stunden und Montag ist Status-Jour-Fix und denkst dir „wo bin ich jetzt gerade“. Das klingt zwar jetzt ein bisschen großkotzig oder selbstverliebt, aber du hast vor ein paar Stunden noch vor 20.000 Leuten gespielt und dann sitzt du hier am runden Tisch und denkst dir nur, „was haben die jetzt eigentlich für Probleme hier“?

Mental umzuswitchen ist eine Aufgabe für sich, aber hilft auch total. Ich habe ein anderes Leben neben der Musik und nehme am normalen Leben teil und bin nicht nur mit meiner Musik beschäftigt. Das ist aber auch die riesige künstlerische Freiheit die ich habe. Es ist super anstrengend einen Vollzeitjob und die Band zu haben, aber es ist auch schön zu wissen nicht darauf angewiesen zu sein, Songs zu schreiben um deine Miete und Rechnungen zu bezahlen. Musik die gemacht wurde, weil sie gemacht werden muss ist auch schnell mal scheisse. Deswegen ist das für mich wirklich ein Segen.

Wie organisierst du dich im Job während einer Tour?

Früher habe ich tagsüber noch gearbeitet und bin dann auf die Bühne. Mittlerweile bin ich komplett raus. Ich habe zum Glück einen Arbeitgeber, der mir das ermöglicht hat. Falls ich nicht genügend Urlaubstage hatte, war ich dann im Bus früh auf das Handy-WiFi irgendwo auf der Autobahn in Brandenburg angewiesen und auch wenn die anderen Bands Soundcheck machten, war ich dann öfter mal am Rechner. Das mache ich aber nicht mehr. Das macht einen fertig und das geht auch nicht dauerhaft. Jetzt habe ich Urlaub bei den Tourneen, dann bin ich auch ohne Arbeitshandy und Laptop unterwegs. Zum Glück geht das auch in meinem Job. Ich finde es auch gut, dass dies mittlerweile in der Arbeitswelt ankommt. Es muss ja immer jeder immer erreichbar und flexibel sein, aber mittlerweile ist es schon so dass Freizeit – Freizeit sein soll und Job – Job. Das ganze Arbeitsleben hat sich seit der Pandemie ja auch gewandelt.

Ich bin sehr interessiert, was deine Texte angeht. Um welche Personengruppen geht es im Song „Mord“?

Keine bestimmten. Der Song ist eigentlich mehr ein Gag und handelt von Personen, die selbst denken total crazy, durchgeknallt und innovativ sind. Natürlich wollen wir niemand umbringen, aber diese Platte ist schon etwas durchtrieben von Emotionen und das blitzt hier und da mal auf und entlädt sich dann in einem Song wie „Mord“.

Woher kommen deine Ideen und Gedanken für die Texte? Auf einer Lesung meines Lieblingsautors erfuhrt ich einmal, dass er abends in Berlin in irgendwelche Kneipen geht, sich mit fremden Leuten unterhält und sich somit Inspiration für neue Charaktere seiner Bücher holt.

Ich hole mir meine Inspiration aus dem echten Leben. Ich bin aber auch nicht so sehr gefordert wie ein Autor. 11-12 Songs alle paar Jahre zu schreiben ist nicht besonders anspruchsvoll. Ich mache das aber ähnlich. Ich hole mir viel aus der Arbeit, das wird aber auch immer schwieriger, weil ich ja nur noch daheimsitze. Ich versuche es in den alltäglichen Situationen zu holen. Beim Einkaufen oder ganz normal bei irgendwelchen Veranstaltungen die man besucht. Je nachdem wie auch dein Leben verläuft, tun sich auch immer neue Felder auf. Vor einem Monat habe ich einen Hund adoptiert und jetzt komme ich viel mit Hundehaltern in Kontakt. Das sind auch ganz interessante Menschen, die man hier kennenlernt und mit denen man sich unterhält.  Es ist zwar eine Floskel, aber es ist so: Das Leben schreibt die besten Geschichten.

Ihr seid mit den Donots auf Tour, im Frühjahr steht eine Tour in den Startlöchern und im Sommer einige Festivaltermine. Ab September 2024 ist dann der Zyklus wieder vorbei und Pause angesagt. Oder wie ist der Plan?

Es ist mehr bestätigt als veröffentlicht. Da kommt noch einiges im Sommer. Wir sind total glücklich mit den Donots Konzerte spielen zu dürfen vor unserer Tour. Es passt und „matcht“ sicher mit den Donots total. Wir kennen uns und mögen uns und auch das Publikum passt. Wir mussten uns schon oft das Publikum erspielen, aber mit den Donots gibt es schon Überschneidungen mit dem Publikum. Bei der eigenen Tour haben wir jetzt größere Läden und der Vorverkauf ist gut und wird sicherlich nach der Donots-Tour und mit der Veröffentlichung nochmal anziehen. Im September wird es noch nicht vorbei sein. Im März ist die A-Tour in den wichtigen Städten. Es soll Ende des Jahres noch eine B-Tour geben mit Städten in denen wir jetzt nicht waren.

10 Jahre Adam Angst. Davor war Frau Potz. Wäre ich jetzt dein Manager, würde ich eine Konzertreihe starten mit dem Titel „An Evening with Felix Schönfuss“, so im Corey-Taylor Style. Ist so etwas mal ein Thema für dich?

Nein. Ich habe keine Lust mich als Person selbst darzustellen. Ich habe nicht mal einen eigenen Facebook oder Instagram Account. So wie es jetzt ist mit der Band ist es top. Ich hatte früher auch mal hin und wieder psychisch daran zu knabbern, da alles was mit der Band passiert ist -egal ob positiv oder negativ- immer mit mir in Verbindung gebracht wurde. Ich bin da viel zu viel und zu oft damit schwanger gegangen. Was ich sehr gerne machen würde und schon vor Jahren angefangen habe, ist einen Roman zu schreiben. 100 Seiten habe ich schon und das will ich jetzt endlich mal fertig machen und dann mal auf eine Lesetour gehen. Das wäre mein Traum. Ein Auto, ein Buch, ein guter Freund dabei. Kein Equipment, kein Soundcheck ein bisschen quatschen. Gläschen Wein dazu. Das ist mein absoluter Traum.

Das Interview führte Frank Wolfschmitt

ADAM ANGST Tour 2024

Alle Termin findet ihr hier auf der offiziellen Bandseite

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