Saitenfeuer – Ein wenig Farbe

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SAITENFEUER Ein Wenig Farbe Albumcover

Ein wenig Farbe… heißt das Motto und ist der Albumtitel der Rockband SAITENFEUER. Der Name ist Programm und kommt gerade zu wie gerufen in einer Zeit an der Schwarz-Weiß denken die Schlagzeilen dominieren. Im Mittelpunkt ihrer Songs stehen eigene Beobachtungen, wichtige Erfahrungen oder Erlebnisse, die es wert sind, erzählt zu werden. Das neue Saitenfeuer-Album strotzt nur so von musikalischer Vielfalt und Kreativität. Mit smarten Texten und musikalischer Brillanz demonstriert die fünfköpfige Gruppe aus Leipzig eine deutliche Weiterentwicklung auf der ganzen Linie.

Auf ihrer dritten Studioveröffentlichung „Ein wenig Farbe“ zieht die Band alle Register in puncto Stilvielfalt und zeigen, dass sie die gesamte Bandbreite von soften Melancholie-Nummern bis beinharten Rocksongs und –Achtung- sogar auch softeren Pop-Songs beherrschen. Von Alltagsphänomenen über zwischenmenschlicher Thematik bis hin zu gesellschaftlichen Statements finden die Jungs von Saitenfeuer die richtigen Worte und untermalen diese farbenfroh mit der perfekten Melodie.

Alles richtig gemacht, findet Pressure Magazine, was die erste Singleauskopplung „Ihre Welt“ angeht. Diese kommt der Idee Herbert GrönemeyersMusik nur, wenn sie laut ist“ aus dem Jahr 1983 sehr nahe und handelt von einer Künstlerin, die sich mit Ihrem Handeln ausdrückt und auf diese Weise sprichwörtlich Berge bewegt. Eine herrlich rockige und eingängige Nummer, die harmonisch nach vorne geht, ohne aufdringlich zu sein. Obendrein wirft der Text die schöne philosophische Frage auf: Wer ist schon perfekt und vor allem wofür?

Für den Stimmungs-Hit „Am Leben“ feiere ich die Band schon jetzt ordentlich ab: Selten gab es einen Song, der Gefühl von Leben und Freiheit mit so viel Leichtigkeit angereichert und musikalisch transportiert hat. „Musik liegt in der Luft und der Rauch der Zigarren. Ich höre sanfte Töne von der Bühne des Lebens und dem Chaos dort oben.“. Musikalisch klingt diese Abgehnummer zeitweise total Punkrockig nach Rise Against, drückt unglaublich gut nach vorne und macht gute Laune. Absoluter Anspieltipp!

Für die Toten“ ist eine schöne Rock’n’Rollige Hommage an Fans, Musiker, Tontechniker, tätowierte- und gepiercte Weggefährten, welche die Band über Jahre begleiten und auf deren Konzerte besuchen. Vor allem aber ein Weckruf an diejenigen, die sich aus welchen Gründen auch immer zu alt fühlen und einmal wieder mit musikalischen Kalibern neu kalibriert werden müssen.

Ohne es ansprechen zu müssen, wird bei genauer Textanalyse des Titels „Auf der Flucht“ klar, welche weltpolitischen Ereignisse der Band Anlass für diesen Text waren. Der Song beginnt mit einer grandios effektvollen Gitarrenwand a la Dead Kennedys und liefert enorme Schlagzeugbreaks, welche die schwermütigen Inhalte untermauern. Hierbei entfaltet sich die Stimme des Sängers zu voller Stärke und authentischer Emotionalität. „Man spürt die Angst doch alles schweigt, die See hält still und die Hoffnung macht sich breit, endlich ein freier Mensch zu sein.“

Genau zur richtigen Zeit kommt der Song „Keine Fackel“ an all jene, „die vergessen haben, wie verbrannte Erde riecht“. Mit dem Klang eines Soldatenmarsches eingeleitet, liefert die Band ein klares Statement „Bis Ihr begreift, dass Vaters Land keine Nazis haben will“.

Kennt hier noch jemand die Neue-Deutsche-Härte-Band Schweisser und deren überraschender Stilwechsel, den sie mit ihrem letzten Album „Bitte warten“ Ende der Neunziger einschlugen? Daran ist spontan bei „Ich danke Dir“ zu denken. Etwas effektvoll verspielt mit vielen Chören und irgendwie verdächtig harmonisch, kommen die Textzeilen „Egal wie viele Täler und Berge wir noch sehen, in meinem Herzen wird Dein Name geschrieben stehn“ daher. Ebenso Melancholisch geht es mit dem Track „Mein Vertrauen“ weiter und den epischen Textzeilen „Mein Vertrauen, meine Liebe, mein Wort“, aber das geht vollkommen okay, denn auch Bands von härterem Kaliber, dürfen sich einmal ruhigere Songs leisten, ohne gesteinigt zu werden.

Mit „Marsch in Moll“ haben sich Saitenfeuer kunstvoll ausgetobt und das Ende einer Beziehung als eine einzige Metapher bildhaft ausgeschmückt. „Der Marsch in Moll läuft kläglich aus dem alten Grammophon, ich bin dann mal kurz weg, mal kurz Zigaretten holen“ Man wird dabei den Eindruck nicht los, dass der Song ebenso auch von Revolverheld hätte geschrieben sein können.

Saitenfeuer liefern mit dem Album „Ein wenig Farbe“ ein deutschsprachiges Rockalbum voller Stilvielfalt, das Akzente setzt. Die Scheibe liefert jede Menge neuer Ideen und katapultiert positive Energie durch die Boxen. Die Stimme von Carsten Thiecke fällt positiv ins Gehör und schafft es auf Anhieb sich nachhaltig zu verankern. Mit „Ihre Welt“ und „Am Leben“ haben außerdem mindestens zwei lupenreine Hits ihren Platz in die Setlist gefunden, die zweifellos auch live mächtig abgefeiert werden dürften. Glückwunsch an Saitenfeuer für die Bestwertung: 5 von 5 Sternen im Pressure Magazine.

CD Review von Marcus

Interview lesen: Saitenfeuer im Interview zum Album “Ein wenig Farbe”

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Tracklist:
1. So bekommt ihr es zurück

2. Wer’s nicht wagt

3. Nicht mein Ding

4. Ihre Welt

5. Auf der Flucht

6. Marsch in Moll

7. Wenn es dich noch gibt

8. Am Leben

9. Gewissen

10. Keine Fackel

11. Ich danke dir

12. Für die Toten

13. Mein Vertrauen

Saitenfeuer im Internet:

www.saitenfeuer.de

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