SaitenfeuerRockband Fotocredit:maxisängerlaub

Die Leipziger Rockband Saitenfeuer veröffentlichen mit Ein wenig Farbe am 15. Juli 2016 ihr neues Album über das neue SPV-Label Laute Helden. Kein Zweifel: Dieser (bunte) Sommer gehört Saitenfeuer. Mit Pressure Magazine sprach die Band über die Entstehung der Platte, die neuen Songs und die bevorstehende Tournee.

Hi Leute, zunächst einmal Glückwunsch zum ersten Single-Release zum neuen Song „Ihre Welt“, der einen musikalischen Vorgeschmack auf das Album „Ein wenig Farbe“ gibt. Weshalb ist Eure Auswahl gerade auf diesen Song gefallen?

Carsten: Danke Marcus! Wir haben uns für den Song entschieden weil er Ohrwurmcharakter hat und weil er natürlich vom Text her einfach hervorsticht. Mal etwas oder jemanden zu thematisieren der sonst vielleicht eher am Rand der Gesellschaft steht, dass machen leider nicht viele und das war uns vor allem auch als Botschaft wichtig!

 

Zudem habt Ihr ein aufwendiges Video zum Song produziert. Wer sind die Darsteller im Video und welche besonderen Erinnerungen habt Ihr an den Drehtag?

Carsten: Die drei Mädels aus dem Video, Anastasia, Maxi und Monique sind Freunde von uns. Maxi (die Malerin) zum Beispiel ist eigentlich unsere Fotografin. Sie haben zwar kein Handicap wie im Song beschrieben aber ihre dargestellten Leidenschaften sind echt. Das war uns wichtig, das sieht man auch und es macht das ganze authentisch. Der Tag war echt lang und anstrengend aber auch extrem witzig. Wir hatten viel Spaß zusammen und werden uns sicher noch eine Weile an den Tag zurückerinnern.

 

Kommen wir zum Album. Welche Botschaft steckt hinter dem Titel „Ein wenig Farbe“ und welche Themen lagen Euch diesmal besonders am Herzen?

Carsten: Wir wollten mit unserem neuen Longplayer einfach mal zeigen, dass man auch musikalisch über Genregrenzen hinaus denken kann und darf und da ein paar imaginäre Mauern einreißen – einfach „Ein wenig Farbe“ in die deutsche Rocklandschaft bringen. Ich denke, dass ist uns mit der Platte auch ganz gut gelungen!

 

Welche Ereignisse haben Euch in der Schaffenszeit des Albums für das Schreiben der Songs inspiriert?
Carsten: Unsere dritte Platte hat ja schon etwas länger auf sich warten lassen, demzufolge waren es auch unheimlich viele Dinge, die uns zu den einzelnen Songs inspiriert haben. Zum einen sind da jede Menge persönliche Erfahrungen verarbeitet worden wie zum Beispiel in „Mein Vertrauen“ oder „Ich danke dir“. Zum andern haben uns auch diesmal einige politische Themen beschäftig um die man ja in den letzten Monaten gar nicht mehr herum kam und uns dazu bewogen jetzt auch mal klar und mit unseren Mitteln Stellung zu beziehen. Im speziellen meine ich da „Keine Fackel“ und „Auf der Flucht“.

 

Das Soundkostüm von Saitenfeuer im Jahr 2016 klingt handwerklich professioneller als je zuvor. Was hat die Produktion des neuen Albums diesmal besonders gemacht?

Carsten: Mit den Jahren wächst natürlich auch der Anspruch an sich selber und die Songs die man schreibt. Wir haben deshalb den Stücken einfach mehr Zeit zum Wachsen und Entwickeln gegeben. Wir hatten relativ genaue Vorstellungen wie die Platte klingen soll und konnten das dann für uns nahezu perfekt mit unserem Producer Christian Moos im Studio umsetzen.

Saitenfeuer mit neuem Studioalbum "Ein bisschen Farbe" im Jahr 2016 - (Foto: Maxi Sängerlaub)
Saitenfeuer mit neuem Studioalbum “Ein bisschen Farbe” im Jahr 2016 – (Foto: Maxi Sängerlaub)

 

Im Jahr 2015 ist Stefan Kern der Band beigetreten und löst Roberto Weise an der Gitarre ab. Wie hat sich der Wechsel auf die aktuelle Produktion ausgewirkt?

Carsten: Stefan hat natürlich einen ganz anderen Gitarrenstil als Roberto und uns damit auch neue musikalische Horizonte eröffnet. Das hört man auch. Einige Stücke, die noch mit Roberto „Norbi“ Weise entstanden sind, haben wir dann nochmal neu mit Stefan arrangiert und viele sind erst mit ihm entstanden. Das hat selbstverständlich auch viel Zeit gekostet denn wir mussten erst wieder lernen wie der andere tickt und was er musikalisch kann und will und uns aufeinander einspielen. In eine neue, bereits seit Jahren bestehende Band einzusteigen ist schon nicht leicht aber dann noch mitten in einer laufenden Produktion ist das noch einmal eine ganz andere Hausnummer.

 

Ein Aushängeschild für die Scheibe ist die Nummer „Am Leben“ bei der eindrucksvoll das Verlangen nach Freiheit und Ferne beschrieben wird. Was bedeutet „Leben“ für Euch und wie definiert ihr den Begriff „Zuhause“ für Euch persönlich?

Benny: Leben bedeutet für uns die Chancen die dieses Leben und diese Welt bietet auch zu nutzen. Leben bedeutet nicht, sich zu Hause einzuschließen und durch imaginäre Welten zu ziehen, wie es leider zu viele Leute heutzutage tun. Die machen sich was vor! Man kann alles haben, alles sehen, genießen und anfassen, warum tun wir das dann nicht?

Ich will nicht irgendwann im Alter mal aufwachen und merken, dass mein Leben eine Illusion war und wie eine Seifenblase zerplatzt ist. Bin ich denn hier um zu arbeiten, zu schlafen, zu essen und wieder zu arbeiten? Nein, ich bin hier um zu leben.

Zuhause ist eine Art Gegenpol, obwohl es ja zum Leben dazugehört. Dorthin kehrt man zurück von seinen großen Reisen und Abenteuern, dort lehnt man sich zurück, nimmt sich in den Arm und genießt die Zeit mit all den Menschen, die das Zuhause zum Zuhause machen.

 

Im Song „Gewissen“ geht es um Rechtschaffenheit und Sünde. Was hat Euch dazu bewogen den Song zu schreiben und was sagt er für Euch aus?

Carsten: Der Song ist eigentlich mit einem Augenzwinkern zu sehen. Wir haben da einfach mal mit ein paar Musiker-Klischees gespielt. Eine witzige groovige Nummer mit Mitsing-Charakter. Ich denke, da muss man nicht so viel reininterpretieren.

 

Im Song „Keine Fackel“ setzt Ihr Euch eindrucksvoll mit ewiggestrigen Meinungsmachern auseinander, die aus den Fehlern der Vergangenheit nicht gelernt haben. Was war ausschlaggebend diesen Text zu schreiben?

Benny: Ich sehe kaum noch Hunde- und Katzenbilder in den sozialen Netzwerken! Stattdessen haben sich die Leute vermehrt dazu entschieden politisch tätig zu werden und uns an ihrem politisch wertvollen Wissen teilhaben zu lassen. Lange Zeit war uns das egal, bis die ersten Landtagswahlen gezeigt haben, dass es verdammt viele von denen gibt. Ja, ich weiß, die wollen alle niemanden was böses und machen das nur aus Protest. Aber hatten wir das nicht schon mal?

Sicherlich läuft nicht alles rund, viele haben auch Angst und wissen nicht wie sie mit Veränderungen umgehen sollen. Die Medien leisten da ja auch „hervorragende“ Arbeit diesbezüglich!

Aber das kann nicht der Grund dafür sein, dass wir aufhören unseren Verstand einzusetzen.

Und mal ganz ehrlich, wir jammern hier auf ganz hohem Niveau!

 

Mit dem emotionalen Song „Vertrauen“ kehrt Ihr eine sehr persönliche und verletzliche Seite. Wo beginnt und endet „Vertrauen“für Euch?

Benny: Vertrauen an konkreten Handlungen festzumachen ist schwierig. Da ist immer irgendwie situationsabhängig.

Vertrauen beginnt bei dir selbst und endet auch dort. Es ist gar nicht so wichtig wie sehr du einer anderen Person vertrauen kannst, sondern viel mehr, wie sehr sie dir vertrauen kann. Wenn du deinem Gegenüber das Vertrauen gibst, dass er auf dich zählen kann, dann wird er auch für dich da sein. Auch wenn er es mal nicht kann oder will, wird er zu mindestens das Gefühl haben, dass er gern für dich da gewesen wäre. Es fühlt sich einfach gut an, für jemanden anderes da zu sein. Geben macht einfach mehr Spaß, als Nehmen.

Klingt komisch, ist aber so.

Saitenfeuer mit neuem Studioalbum "Ein bisschen Farbe" im Jahr 2016 - (Foto: Maxi Sängerlaub)
Saitenfeuer Pressebild 2016 – (Foto: Maxi Sängerlaub)

Im November 2016 seid Ihr mit dem neuen Album auf Tour. Im Gepäck sind außerdem die Bands „The Headlines“, Venterra und Hangar X. Was verbindet Euch mit den Supportbands und was erwartet die Besucher der Konzerte?

Benny: Mit den Headlines waren wir ja schon im Frühjahr auf Tour, wir mögen die Schweden einfach. Die wissen wie man feiert und sind großartige Musiker. Deswegen haben wir sie auch extra für das Konzert in Leipzig eingeladen, unser Heimspiel sozusagen. Venterra kennen wir auch schon etwas länger, haben schon ein, zweimal zusammen gespielt, die gehen ab. Typische Berliner halt, irgendwie. Ja und mit den Ösis von Hangar-X kommt eine

Band, die es schaffen sich vom typischen Genre abzuheben, ähnlich wie wir. Das gefällt uns sehr und passt perfekt zum Bundle. Also was die Bands angeht, wird es eine riesen Sause und die Besucher sollten sich anschnallen.

Bezüglich unserer Show sind wir aktuell noch in den Planungen, aber es werden diesmal weder Mühe noch Kosten gescheut, es richtig krachen zu lassen.

Tickets gibt es unter www.ms-rockshop.de/

Ein wenig Farbe Tour 2016:

03.11.16 – Oberhausen, Resonanzwerk
04.11.16 – Osnabrück, Bastard Club
05.11.16 – Berlin, Blackland
10.11.16 – Herdorf, Rattenloch
11.11.16 – Lübeck, Riders Cafe
12.11.16 – Rotteil, Primel’s Bar
17.11.16 – München, Garage
19.11.16 – Leipzig, Hellraiser

Herzlichen Dank für das ausführliche Interview. Die abschließenden Worte an Eure Fanbase überlassen wir gerne Euch.

Saitenfeuer: Wir bringen ein wenig Farbe in Land, am 15.07.2016 ist es soweit. Wir freuen uns wie Bolle auf euer Feedback und die Tour mit euch! Es wird großartig!

Wer´s verpennt, ist selber schuld!

Interview von Marcus Liprecht – Pressure Magazine im Juni 2016

CD Review im Pressure Magazine: Saitenfeuer – Ein wenig Farbe

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BESETZUNG
Carsten Thiecke – Gesang
Benny Mertens – Gitarre
Stefan Kern – Gitarre
Robert Kunze – Bass / Gesang
Johannes Kreißig – Schlagzeug

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