Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 19.02.2010

Ob sich Betontod bei ihrem neuen Album „GlaubeLiebeHoffnung“ durch Paulo Coelho’s Bestseller, „Krieger des Lichts“ oder durch die Grundlehren des Christentums inspiriert gefühlt haben, müsste man wohl gesondert in einem Interview mit der Band hinterfragen.

 

Fakt ist, dass die Punkband aus dem beschaulichen Rheinberg im Februar 2010 nach vier langen Jahren mal wieder ein neues Album veröffentlicht haben und damit an das damals erschienene „Schwarzes Blut“ anknüpfen. Der Vorgänger hatte mich wirklich sprachlos gemacht und vollkommen aus den Socken gehauen. Nicht nur, dass es sich dabei seit langer Zeit um ein sensationelles Produkt aus dem Hause „Nix Gut Records“ handelte, konnte das Album mit einer Reihe arschtretenden Songs aufwarten, von denen sich bis heute einige Juwelen in meiner persönlichen „All Time Playlist“ manifestiert haben.

 

Das nun vorliegende Album ist die logische Fortführung einer Band, die sich im Laufe der Jahre weit über die Grenzen des Punk-Genres hinaus entwickelt hat und von einem Album zum nächsten immer eine gehörige Schippe auflegen konnte. Auf dem ersten Blick sieht das Gesamtkonzept schon mal äußerst Erfolgversprechend aus, das Cover-Artwork mit der „Girl and Car“ – Konstellation hatte sich bereits bei den bisherigen Psychopunch Veröffentlichungen bewährt, die neuen Band-Photos sind so professionell und anmutend wie die der Toten Hosen und der Sound so arschgeil wie der von Social Distortion. Gönnt man „Glaubeliebehoffnung“ einige Durchläufe klingen die Jungs zunächst einmal gar nicht so weit entfernt von „Schwarzes Blut“, jedoch klingt die Produktion deutlich klarer und professioneller. Überdies zielen auch die Texte in die gewohnte Richtung sind jedoch tiefgründiger geworden und warten auch mit deutlich mehr metaphorischen und philosophischen Bezügen auf.

 

Mein persönliches Highlight der Scheibe ist der Titelsong „Glaubeliebhoffnung“ selbst, der sich inhaltlich mit den Irren und Wirrungen des Lebens, respektive einer Liebesbeziehung befasst. So sprechen die Texte von Frontmann Oliver Meister für sich: „Hast du gedacht, wir wären Freunde oder könnte das nur sein. Sag mir glaubst du an Bestimmung, an ein willenloses Sein? Dazustehen und nicht zu wissen 
wohin die Reise geht.
In Richtung Himmel oder Hölle kommt drauf an wo man grad steht“.

 

Mit dem Videosong „Nichts“ machte die Band bereits als Vorbote zum Album klar wohin die Reise geht. Mit einem Dauerfeuer an Powerchords geht es dem größten Feind, der eigenen Psyche an den Kragen. „Die Ketten aus Angst halten dich fest, ein Gefängnis aus Lügen, das du in diesem Leben nie mehr verlässt. Tief in dir, da ist ein Nichts und so lange du es suchst, du findest es nicht“.

 

Mit der Fan-Hymne „Ewigkeit“ setzt sich die Band zwar selbst ein Denkmal und schafft mit reichlich Mutmacherlyrik und „Olé olé“-Chören den nächsten Partykracher für ihre Konzerte. Allerdings driftet dieser neben dem textlich flachen „Leb dein leben (auf dieser Welt wird es kein neues geben)“ eher in die Richtung der Onkelz und bietet somit nicht wirklich viel Neues.

 

Im nostalgischen „Sexy Blutsommernacht 89“ dringt die Erinnerung an vergangene Tage durch und lässt mit gereifter Einsicht und einem Schmunzeln auf den Lippen zurückblicken: „Das erste mal die Pistols, es war laut und nicht normal und das wollte ich von jetzt an nie mehr sein. Ich kämpfte hart und ungerecht, hatte von nun an immer recht. Dagegen sein ist nicht so einfach, wie es heißt“. Sich gegen die Regeln des Establishment aufzulehnen und zu rebellieren ist ein Lebensgefühl, dass man niemandem erklären kann und will, der nicht mindest genauso gelebt hat. So transportiert die Band mit diesem Song schon sehr treffend was sie einst bewegte, diesen Weg zu gehen. „Die Konsequenzen warn mir so was von egal. Wir waren jung und hatten soviel zu erleben, wir warn frei“.

 

Abschließend entlässt uns die Band mit dem Song „Widerstand“ angelehnt an den Smile Klassiker „Bullenschweine“ in Begleitung einer Akustikgitarre passend zur Lagerfeueratmosphäre mit den Zeilen “Ein Drittel Heizöl, zwei Drittel Benzin, brennender Asphalt mitten in Berlin” in die Nacht.

 

Insgesamt liefert Betontod mit „Glaubeliebehoffnung“ ein starkes Album, welches inhaltlich mit gereiften Texten glänzen und in puncto Sound durch eine astreine Produktion von sich reden machen kann. Somit gehören die Herren vom Niederrhein meines Erachtens fortan zum oberen Drittel des Punkrock und sind darüber hinaus auch sicherlich bestrebt diese Lücke nach oben mit der nächsten Veröffentlichung zu schließen.

 

Aber auch kritische Ansichten seien hier erlaubt, so haben es Betontod mit ihrem Album inzwischen sogar auf Platz 89 der Deutschen Album-Charts geschafft. Wenn sich die Band weiterhin den Schlachtruf: „Wir treten dem Mainstream in den Arsch“ auf die Fahne schreibt, beißt sich die Katze irgendwann selbst in den Schwanz, wenn man auf dem besten Weg dahin ist selbst dazuzugehören. Aber seien wir mal ganz ehrlich: Wer es schafft mit den großen Hunden zu pissen, dem sei der Erfolg zu recht gegönnt und damit kann ich gut leben.

Wertung: 0=5 Sterne

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Bitte Namen eingeben