Am vergangenen Wochenende feierte in Chemnitz das Rock’n’Ink Festival Premiere! Tagsüber schlugen in der Messehalle die Nadeln aus über 100 Tätowiermaschinen zu, abends gaben sich Größen aus Rock’n’Roll und Psychobilly das Mikro in die Hand. PRESSURE MAGAZINE hat sich dort für euch unters Volk gemischt und war sogar hautnah dabei als die Halle am frühen Samstagabend wegen einer Bombendrohung evakuiert werden musste…

 

 

Am Freitag eröffneten um 18:00 Uhr die Berliner Speed-Rock’n’Roller Bonsai Kitten die Mainstage. Frontfrau Tiger Lilly Marleen, die u.a. auch auf dem aktuellen Mad Sin Album Burn & Rise zu hören ist, gab Vollgas und schaffte es, die bis dahin etwas steifen Besucher aufzulockern. Anschließend gab es u.a. bei einer Burlesque Show etwas für’s Auge, doch dem eigentlichen Höhepunkt des Eröffnungstages näherte man sich erst gegen 22:30 Uhr als The Meteors die Bühne betraten. Die Urväter des Psychobilly spielten einen Kracher nach dem anderen, doch der Funke zum Publikum wollte nicht richtig überspringen. Knutschende Pärchen in den ersten Reihen und Mädels die lässig an ihrem Bier nippten (mich eingeschlossen), für ein Meteors Konzert ein doch eher unübliches Szenario… Sänger Paul Fenech stand die Irritation ebenfalls ins Gesicht geschrieben.

 

Am Samstag war allgemeines Schlendern angesagt. Schließlich gab es eine Menge zu sehen. Namenhafte Tattoo Studios wie Jenny B’s aus Kassel, Red Corner Tattoo aus Hamburg und Portrait-Spezialist Andy Engel aus Kitzingen waren vertreten. Doch es gab auch einige neue Gesichter unter den Tattoo-Artists zu entdecken wie zum Beispiel den nur 23-jährigen Alex Stein von Flip-Tattoo in Bielefeld, der viele Comic-Fans für seine Arbeit begeistern konnte. Zwischendurch war am Samstag bereits nachmittags für einige musikalische Leckerbissen gesorgt. Bei einer Mischung aus Gute-Laune-Country von So Fucking What und härteren Tönen von den Offenbachern V8 Wankers war für jeden etwas dabei. Trotzdem standen die Konzerte nie wirklich im Mittelpunkt, sondern plätscherten nebenbei ein wenig vor sich hin. Und während sich die Einen am frühen Abend bereits an der Bar niedergelassen hatten, andere dem Shoppingwahn verfallen waren und wieder andere noch unter der Nadel lagen, verkündete der Veranstalter dann, was im ersten Moment niemand ernst nehmen wollte:

„Liebe Gäste und Besucher, in 15 Minuten muss die Halle komplett geräumt sein! Das ist kein Scherz!  Wir haben die Anweisung von der Polizei, die hier anschließend einen Sicherheitsrundgang machen wird. Bitte nicht in Panik ausbrechen, Ruhe bewahren und langsam zu den Ausgängen gehen!“

Die zu dem Zeitpunkt anwesenden 2500 Besucher (dpa) staunten nicht schlecht als sie auf dem Parkplatz von unzähligen Polizisten mit Maschinengewehren empfangen und angewiesen wurden, umgehend das Gelände zu verlassen. Circa eineinhalb Stunden später war der Spuk endlich vorbei und die Besucher durften zurück in die Halle, was bei 8°C und Nieselregen dann wirklich eine Erlösung war. Wie es aussieht hatte sich jemand den Scherz erlaubt, eine telefonische Bombendrohung loszulassen. Vielen Dank dafür, selten so gelacht. Mit einer Stunde Verspätung betraten gegen 23:00 Uhr The Bones die Bühne.

 

 

Diesmal war die Halle im Bühnenbereich bis hinten gefüllt und die Schweden aus Karlskrona rockten in gewohnter Manier. Mit Krachern wie Stuck in the Mud und Screwed, Blued and Tattooed heizten sie dem Publikum ein, bis auch dem Letzten die Kälte von der Bombenwarterei wieder aus den Knochen gekrochen war.

 

 

Im Anschluss an dieses musikalische Highlight folgte die CIRCUS BIZARRE FREAKSHOW, die ihrem Namen alle Ehre machte. Clowns die sich Flyer an den Körper tackerten und Nägel in den Kopf hämmerten, eine sexy Feuerspuckerin in einem Hauch von einem Slip und eine Domina die ihren beiden Slaven Haken durch den Rücken stach und Ketten daran befestigte, an denen sie dann riss, bis das Blut floss…

 

 

Es war also für jeden Schaulustigen etwas dabei, bevor es dann für Samstag hieß: Schlaf schön Chemnitz, gute Nacht!

 

Am Sonntag war den ganzen Tag über bereits eine unterschwellige Aufbruchstimmung zu spüren, da viele Auswärtige bereits den Heimweg antraten. Bands wie The Cowboy Prostitutes aus Schweden waren daher immer wieder eine willkommene Abwechslung zu den Piercing- und Klamottenständen, deren Sortiment man am dritten Tag bereits auswendig kannte und selbst die Kundenberatung hätte übernehmen können. Als gegen Abend dann The Generators aus Los Angeles los legten, begann die Sache noch einmal richtig Spaß zu machen. Doug Daggers melodische Stimme in Kombination mit dem dreckigen Sound der Band, macht sie zu einer derartig geilen live Nummer, dass man die Publikums-Fluktuation um einen herum nur noch am Rande wahrnahm… Die Formulierung in der Kurzbiographie der Generators trifft daher mit den folgenden Worten den Nagel auf den Kopf: „Diese Band gehört auf die Bühne wie die Ratten in die Gosse!“. Während des Konzerts waren bereits die meisten Stände abgebaut worden, sodass man sich anschließend nur noch bedingt die Zeit vertreiben konnte und alle nur noch auf eins warteten:

MAD SIN!

 

 

Als die Berliner gegen 21:30 Uhr auf die Bühne stürmten, war es schon fast ein wenig unangenehm, zu diesem mittlerweile wirklich erbärmlich wirkenden Publikum zu gehören. Gerade einmal die ersten zwei Reihen waren „gefüllt“, die restlichen Besucher standen kleckerhaft in der Halle verteilt. Köfte, der noch am Abend zuvor hohes Fieber hatte, zeigte sich davon jedoch unbeeindruckt und startete mit der aktuellen Single Cursed voll durch. Rattattatta-tattattattata-uh! Die noch anwesenden Leute konnte er bereits während den ersten Zeilen mitreißen und so gesehen schaffte er es tatsächlich, aus dem „scheiß-langweiligen Sonntag einen Freitagabend“ zu machen.

 

 

Am Ende gab sogar Hellvis noch zwei Songs zum Besten und das Publikum war begeistert! Nach dem Konzert wurde lautstark nach Zugabe verlangt, doch leider betrat daraufhin einer der Veranstalter die Bühne und erklärte, dass das Event nun am Ende sei. Keine drei Minuten später fuhren auch schon Gabelstapler durch die Halle, was dem Ganzen einen doch sehr abrupten Schluss verlieh. Schade.

 

Alles in Allem darf man natürlich nicht vergessen, dass es sich in diesem Jahr um die Rock’n’Ink Premiere gehandelt hat und beim ersten Mal läuft bekanntlich vieles nicht so glatt wie gedacht. Die Veranstalter zeigten sich mit den insgesamt 8000 Besuchern sehr zufrieden und bis auf die Bombendrohung gab es ja auch keine nennenswerten Zwischenfälle.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Kombination einer Tattoo Convention mit ordentlichen Psychobilly und Rock’n’Roll Konzerten eine tolle Idee ist. Außerdem waren die Preise für Messe-Verhältnisse überraschend fair, denn über 10,-€ für ein Tagesticket und 18,-€ für das gesamte Wochenende (VVK) kann man beim besten Willen nicht meckern, wenn man das Band-Lineup bedenkt. Auch ein Bier für 2,50€ konnte man sich dort im Gegensatz zu vielen anderen Conventions noch schmecken lassen.

 

Fazit: Wenn im nächsten Jahr noch etwas mehr Leute kommen, die auch bock auf Konzerte haben und nicht nur herumschlendern wollen, kann es durchaus lustig werden. Wir wünschen den Veranstaltern viel Erfolg, denn die planen bereits das Rock’n’Ink 2011!

 

Eventbericht von Diana Ringelsiep

 

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