Label: Nix Gut Records
Veröffentlichung: 2007

“Missbrauch” aus München sind bereits seit 1992 unterwegs. Neben diversen Sampler-Beiträgen (unter anderem auf der “Schlachtrufe BRD”) hat die Band mit “Strafbar” ihr viertes Album veröffentlicht.
Die Scheibe ist die zweite Veröffentlichung der Band auf Nix-Gut-Records. 13 Songs bei einer Spielzeit von rund 35 Minuten lassen schon mal klassischen Punk ohne große Experimente vermuten und so ganz daneben liegt man damit nicht unbedingt. Eigener Beschreibung nach scheuen sich “Missbrauch” nicht, “Finger in die Wunden zu legen”, textlich geht es folglich politisch zu.
Wer Saufhymnen oder Straßenköter-Lyrik erwartet, macht also besser einen Bogen um die Scheibe und wendet sich dem Geprolle zahlloser Ruhrpott-Combos zu. Der Opener “Zwei im Unrecht” kommt noch ein wenig flügellahm daher, auch wenn inhaltlich mit der Thematik Israel/Palästina schon ein brisantes Thema gewählt ist. Auffällig sind die Ska-Anleihen und der mehrstimmige Gesang. Speziell die Saxophon-Arbeit bleibt im Ohr und erinnert an die “Stage Bottles”. Mit “Es muss raus” geht es dagegen schon druckvoller zur Sache. Ordentliche Gitarrenarbeit und erneut sozialkritische Lyrics lassen das ganze schon deutlich besser klingen. Auf “Don’t cry” regiert dann der Ska, während der Refrain herrlich schrammelnd daher kommt. Damit wäre schon mal ein erstes Album-Highlight gefunden.
Spätestens auf “Die Schere” fällt dann auch auf, wo die Münchener ihre Lektionen in Sachen Punk gelernt haben: Sänger Barny lässt schon einiges an älteren “Slime” heraushören, “Dritte Wahl” sind auch nicht weit entfernt. Mit “Die Ruhe vor dem Sturm” und “Imperialismus 03” sind die persönlichen Highlights der Scheibe dann auch gefunden. Schnell, melodisch und kritisch im Text – Dinge, die andere NixGut- oder Deutschpunk-Produke bisweilen schmerzlich vermissen lassen. Gegen Ende wird “Strafbar” richtig gut, “Guantanamo Bay” scheppert nochmal amtlich aus den Boxen und nach “Rendevouz mit dem Tod” ist dann abrupt Schluss.
Fazit: Gut gemachter Deutsch-Punk mit politischem Anspruch und schönen Ska-Anleihen. Größtenteils ohne Experimente, dafür mit einem guten Gespür für Melodie und Themen. Kein Soundtrack zum nächsten Bierfest und eher für politisch interessierte Zeitgenossen jenseits des Kiddiepunk-Alters interessant, die mit den erwähnten Querverweisen etwas anzufangen wissen.

Wertung: 0=4 Sterne

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