Label: Eigenvertrieb
Veröffentlichung: bereits erschienen

Das, was mir da in grünem Vinyl aus der Hülle in die Hände fiel ist die erste EP einer Band aus Israel und wurde laut eigener Aussage an nur einem Tag komponiert, aufgenommen und produziert – Respekt! Wer aber die seit dem Jahr 2000 aktiven Brutal Polka kennt, weiß in etwa, daß man genau nicht weiß, was einen als nächstes erwartet. Doch eines ist sicher, mit einer ordentlichen Portion Spaß ist auf jeden Fall zu rechnen. Eine Sache vorweg: Ich möchte diese Herren eindringlich bitten, sich das nächste Mal ein Paar Tage mehr in ihrem Studio einzuschließen, denn mit Vorlage dieser LP, könnte dabei sicherlich das Album des Jahres herauskommen. Meinen derweil mit einer leichten Staubschicht bedeckten Plattenspieler holte ich anlässlich dieser Besprechung vom Dachboden, um der Scheibe einige Durchläufe zu gönnen. Die Nadel des alten Technikwunders suchte sich durch die Furchen 10 Minuten guter Laune und wurde fündig: Geboten werden einige Überraschungen, insgesamt sehr knapp und kurzweilig, aber dennoch nach den ersten Klängen so angenehm in die Gehörgänge einfahren, dass das Tanzbein zu zucken beginnt. Positiv anzumerken ist, das ich hier die perfekte Musik für eine vielversprechende Live-Show befindet. Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Absichten die Jungs aus dem Heimathafen Tel-Avivs da rangegangen sind, denn der ohnehin sehr vollen Tourkalender der Band bietet wohl nur wenig Freizeit (Shows in der Vergangenheit waren unter anderem mit Bands wie Terror, Walls of Jericho, Madball, Dwarves und Toy Dolls). Aber es wurde zu einer Art Zeitreise durch die verschieden Genres Punk, Hardcore, Ska und Metal komprimiert auf eine EP-Länge, sogar ein Glockenspiel vom Schützenverein wird geboten. Lustig, selbstironisch, sympathisch und vor allem authentisch! “Politics Shmolitics” heißt die neue EP, wie auch der erste Titel. Manche bräuchten für die gleiche Qualität des Songwritings länger als die diesem Lied gewidmet wurden: durchaus abwechslungsreiche und melodische, punkige Gitarren mit einer Ecke Rock. Textlich verkündet Sänger Kramer E. Frog gleich zu Beginn, dass sich mit der perfekt inszenierten Kombination von Musik, Text und Flair auch in den tiefsten Wintermonaten locker machen kann und sie damit um so schneller verfliegen. Weiter geht’s in der Reihenfolge mit „Small Dick“. Ich wußte gar nicht, daß so was gute Laune tauglich ist, aber das ist die nächste Midtempo-Nummer, die es knapp zu einer Minute Spielzeit gebracht hat. Schöner Partysong mit gutem Punk-Einschlag, schnelle Riffs mit melodischen Gitarrenkombinationen der Klampfer Marky Mark und IZ. Dann kommt das Erste der insgesamt vier Stücken, die es nicht über die 10 Sekunden schafften, meißt auf ein paar Takte und wenige Wörter beschränktes Geprügel. Klassische Hardcore Viertöne und 5 sekündige Nackenbrecher, die man live 10 Minuten ankündigen muß, um sie dann in 5 Sekunden runterzuballern. Von dieser Art Kopfverdreher gibt es gleich zwei Songs, gefolgt von weiteren zwei längeren Version (unter 20 Sekunden), aus denen man auch heraushören kann, dass sie aus mehr als einer Silbe bestehen. „When Did Fat Mike Become A Hippie?“, gute Frage! Welche dann in einem verhältnismäßig langen zweiminütige Song geklärt wird. Allerdings, geht dieses Lied dann doch weniger in die Richtung NOFX wie manch einer hätte erwarten können. Hört man hier genauer hin und achtet auf den catchigen Refrain, enthält der Song auch eine Message. NOFX-Stil bietet dann aber „Easy“: zwei Gitarren, fehlen nur noch die Bläser. Sommerfeeling, ein hauch Reggae. Man soll es ruhig angehen lassen mit der Suche nach einer Frau, die alle wichtigen Attribute mit sich bringt, und alles kann. Tempo: auch easy. „Hardcore Star“ hat den Titel dann gut verdient. Bietet aber nicht nur das. In der Kurzversion: 80er Hardcore, Glockenspiel, Knüppel, Punk/Ska, fetter Moshpart, nochmals Glockenspiel. Klinkt gut, macht Laune und vor allem so kombiniert, daß es paßt. Um der guten Laune noch einen draufzusetzen, was paßt da besser, als die „Bangles“. Wie spielt man „Walk Like An Egyptian“? Kaum besser als mit Orgel, fett-düsteren Gitarren, dem dann schon liebgewonnenen Glockenspiel, und noch einmal eine schöne Runde durch die Gitarrenmusikstile. 10 Minuten beträgt die Gesamtspielzeit dieser Platte, dennoch braucht es einen gesamten Tag, um das ganze Aufzunehmen und erfordert natürlich obendrein eine Menge Erfahrung in dieser kurzen Zeit ein Feuerwerk an musikalischer Überraschungen abzufeuern. Hier wird inhaltlich so einiges verarbeitet und auf die Schippe genommen ohne allerdings als Lachnummer empfunden zu werden. Vermutlich kann das Ganze auch Live sehr gut transportiert werden um für gehörig Stimmung zu sorgen. Konzertbesucher können hier sicherlich Spaß und gute Laune, ohne überhebliches Klischeegetue erwarten. Da zieht man sich doch gerne ein albernes Kostüm an, um in der Menge der verkleideten Meute nicht aufzufallen, packt die Partyschlappen ein und macht sich in diesem Jahr zur bevorstehenden Tour 2009 auf den Weg zu einem Konzert der Jungs. Wer die alten Bad-Brain-Sachen, Rancid, NOFX (und die Live Darbietungen von R.A.M.B.O. und den Dwarves) kennt, sollte sich diese Platte mal näher ansehen und. Man sieht sich vor der Bühne mit einem Bierchen in der Hand.

Wertung: 0=5 Sterne

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