Label: Cargo
Veröffentlichung: 08.06.2007

Eine der letzten großen Hamburger Punkbands meldet sich mit neuem Material zurück. Nachdem der Ärtzte-Bassist Rod die Mannen um Frank Z. wiedervereinte, steht mit „Rom“ das neue Album von Abwärts am Start. Erneut hat Rod den Part der zweiten Gitarre übernommen, hinzu gesellt sich ein rund 50 Minuten langer DVD-Part von einem Gig in Hamburg 2006. 13 Songs inklusive Intro sind aus der kreativen Zusammenarbeit entstanden. Die Spannung vor dem ersten Hören ist natürlich groß: Klingt das ganze noch nach „Computerstaat“ oder geht’s mehr in Richtung des Alltime-Klassikers „Beim ersten Mal tut’s immer weh“? Wie hoch ist der Elektro-Anteil, der auf dem wenig beachteten Vorgänger „Nuprop“ doch deutlich hörbar war? Machen wir es kurz: Abwärts brettern auf „Rom“ vor allem astreinen Punk runter. Die Experimente sind weiterhin da, treten aber deutlich in den Hintergrund. Statt dessen ist das Programm, was auf dem Intro krachend beginnt: Riffs und schnelles Geschrammel. Zuvor wird noch eine ordentlich Breitseite gegen die Fußballproleten des WM-Jahres 2006 lanciert, deren Präsenz und scheinheiliger Nationastolz wohl auch in Hamburg einigen auf den Sack ging. „Alles was ich seh“ schließt sich dem nahtlos an: Wütender, anklagender Punk, der durchaus an die eine oder andere Hamburger Legende erinnert. Der Titel-Track „Rom“ spielt dann bereits wieder mit der Elektronik und verweist inhaltlich darauf, dass Imperien auch heute noch auf den selben Prinzipien wie annodazumal aufgebaut sind. Abwärts sparen erneut nicht mit Gesellschaftskritik, was an ihrem Ruf als Studentenpunks wenig ändern dürfte. „Caprifis’n“ fängt brutal an, ehe sich der Track zu einer Art Lovesong entwickelt. Ganz im Gegenteil zu „Du bringst mich nicht runter“ – hier ist der Name Programm. Was schnell auffällt: „Rom“ ist recht glatt produziert. Die Mischung aus Metal-Riffs, Punk-Attitüde und verspielter Elektronik geht auf und auch ins Ohr, will dort aber bis auf wenige Songs nicht so recht bleiben. Frank Z. näselt noch immer herrlich vor sich hin, die Texte sind so Punk wie eh und je, aber richtig packen will „Rom“ zumindest während der ersten Durchläufe nicht. Nach und nach gesellen sich zu den potenziellen Hits der Scheibe noch „Cheesy Shit Show“, das bitterböse „Lucky Fucky“ und der Anti-Lovesong „Verlassen“, der vor allem dank simplem Text zu gefallen weiß. Damit tritt zumindest die Hälfte der Platte gut Arsch. Tracks wie „Der gute Mensch“ und „Millionen Killer“ dagegen schreien geradezu danach, übersprungen zu werden. Dafür, dass Abwärts jedoch mittlerweile 28 Jahre lang unterwegs sind, ist „Rom“ noch immer ein sehr ansehnliches Werk geworden. Da haben andere Bands nach derart langer Karriere deutlich schlechtere Sachen gemacht.

Wertung: 0=5 Sterne

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