Die Böhsen Onkelz spalteten die Öffentlichkeit wie kaum ein anderes musikalisches Phänomen: radikale Ablehnung auf der einen, bedingungslose Liebe und Treue auf der anderen Seite. Am 14. November ist mit „GONZO“ die offizielle Biografie des Gitarristen und Co-Songwriters Matthias „Gonzo“ Röhr erschienen.

Pressure Magazine sprach mit den beiden Autoren Dennis Diel und Marco Matthes, sowie mit Gonzo über das 400-Seiten starke Werk. Dies ist seine Geschichte!

Hallo Marco, Dennis & Gonzo, das neue Buch, die offizielle und authorisierte Biografie von Matthias „Gonzo“ Röhr ist gerade erst, am 14. November erschienen. Wie fühlt ihr euch?

Marco: Wir verfolgen die einschlägigen Kanäle, also Facebook, Instagram und Co. Gespannt schauen wir uns an, was die Leute dort über „Gonzo“ schreiben. Wir haben den Eindruck, dass die Resonanzen echt positiv sind. Das betrifft die Qualität des Buches inhaltlich und die Machart – wir sind sehr zufrieden.

Dennis: Ich kann mich Marco nur anschließen. Wir freuen uns über die Rückmeldung und Stimmen der Leute, die das Buch innerhalb der ersten Tage gelesen haben. Von positiven bis euphorische Meinungen ist alles dabei. Manche Dinge, die wir beim Schreiben oder Korrekturlesen gar nicht so wirklich wahrgenommen haben, werden von Lesern plötzlich entdeckt und sind in deren Betrachtung total wichtig. Für uns drei ist es wirklich interessant zu erfahren, was die Leute alles in dieses Buch hineinlesen und welche Information über Gonzo für die Leser neu sind.

Gonzo: Das ist total interessant und ist für mich auch immer das Spannendste an einer neuen Veröffentlichung. Wenn man eine CD oder einen Song aufnimmt, oder wie in diesem Fall ein Buch veröffentlicht, dann sehen die Leute immer alles aus ihrer subjektiven Sicht. Die Leser und Hörer picken sich Sachen heraus, auf die man selbst gar nicht den Fokus gelegt hat. Du selbst hast ein eigenes Bild von dem, was du da machst. Doch was der Leser schließlich aus diesem Bild macht, entwickelt oft eine interessante Eigendynamik. Ich hatte schon seit einiger Zeit den Eindruck, dass die Außenwahrnehmung von mir überhaupt nicht meiner wahren Persönlichkeit entspricht. Dieses falsche Bild galt es nun zu korrigieren.

Wie viel anders ist es, an der eigenen Biografie zu arbeiten, im Vergleich zu einem Studioalbum?

Gonzo: Da gibt es natürlich immense Unterschiede. Aber gleich bleibt: Ein Song muss, genau wie ein Buch, reifen und es ist wichtig, dass man sowas nicht im Schnellschuss praktiziert. Das muss beim ersten Anlauf sitzen, damit ich mir nicht hinterher Gedanken darüber machen muss, was man alles hätte anders machen können. So eine Idee muss sich entwickeln und das ist es, was die Arbeit am Buch, oder auch beim Schreiben an Songs, so wichtig macht. Man darf nicht in Hektik verfallen, und vor allem muss man bei sich selbst bleiben.

Wenn du etwas versuchst zu sein, was du nicht bist, dann wird es nie werden, wie du es dir wünschst.

Ich mache nicht auf dicke Hose und brauche mich auch nicht als Superheld darzustellen. Das käme aufgesetzt und unauthentisch rüber. Alles in allem ist uns das mit diesem Buch gut gelungen, wie ich finde. Wir haben es geschafft, die Authentizität zu wahren. Wichtig waren uns neben dem Inhalt, die zeitliche Einordnung der Dinge, die sich in meinem Leben abgespielt haben.

Matthias "Gonzo" Röhr auf dem Matapaloz Festival Foto: Christian.Thiele
Matthias “Gonzo” Röhr auf dem Matapaloz Festival Foto: Christian.Thiele

Wann genau ist die Idee entstanden eine Biographie schreiben zu wollen?

Dennis: Das muss Ende des Jahres 2015, nach den „Böhse fürs Leben“ Konzerten, gewesen sein. Gonzo hatte die Idee und schrieb mir, wir könnten ja mal über die Möglichkeit eines autobiografischen Buches nachdenken. Völlig angefixt haben wir vorsichtig erste grobe Inhalte gesammelt, aber die Idee schnell wieder aus den Augen verloren. Die Onkelz waren mit dem damaligen „Memento“ Album und der folgenden Tour so dermaßen ausgelastet, dass wir es zeitlich gar nicht realisieren konnten. Und 2017 stand ein eigenes Festival an. Nach diesem Festival, dem Matapaloz, habe ich die Idee nochmal bei Gonzo angestoßen. Der sagte auf Anhieb zu und warnte gleichermaßen auch vor der Menge Arbeit. Und clever, wie ich bin, holte ich mir meinen Freund und Kollegen Marco mit ins Boot. *lacht*

Gonzo: Neben den anderen Projekten rund um die Onkelz, die Album Promo und Festival-Planung, war das Buch ein höllischer Kraftakt. Mal hatten wir wochenlange Phasen mit nächtelangen Skype-Konferenzen, in denen wir nur über meine unterschiedlichen Lebensphasen gesprochen haben. Dann gab es wiederum Phasen, in denen wir gar nicht voran kamen, weil Bandproben, Album-Promo oder Reisen soviel Zeit in Anspruch genommen haben.

Marco: In Summe haben sich 175 Stunden Gesprächsstoff aus endlos vielen Unterhaltungen angesammelt.

Gonzo, in deinem Buch zeigst du dich sehr privat. In den vergangenen Jahrzehnten hatte man das Gefühl, dass die Onkelz immer eine Schutzmauer um ihr Privatleben gezogen haben. Ist dir dieser Perspektivenwechsel schwergefallen?

Gonzo: Das ist eine Frage des Alters, um es ganz ehrlich zu sagen. Ich wäre vor 10 Jahren noch nicht bereit gewesen das Buch zu schreiben. Nach 40 Jahren Böhse Onkelz, die wir im Jahr 2020 feiern, ist es an der Zeit, den Vorhang zu lüften.

Das kann ich natürlich nicht für die anderen drei Bandmitglieder machen, aber ich hatte das Gefühl, dass es jetzt an der Zeit ist, etwas Persönliches von mir zu erzählen und meine subjektive Sicht preis zu geben. Ausschlaggebend war möglicherweise noch der Meilenstein am Hockenheimring zuvor, bei dem wir massive Nachfrage von der Presse hatten. Darunter auch die berüchtigte Presse mit ihren Vertretern mit dem großen B und Fernsehsendern, die massiv gedrängt haben, über das Konzert berichten zu wollen.

Wir mussten uns erneut fragen, wie wir damit umgehen wollen und haben ebenfalls gemerkt, dass sich die Situation auch ein wenig entspannt hat, im Vergleich zu den früheren Jahren. Ich persönlich war soweit, dass ich dem ein oder anderen Journalisten ein Interview geben wollte. Sollte der Schuss nach hinten losgehen, kann ich die Schotten ja jederzeit wieder dicht machen *lacht*.

Gonzo, Du bist verheiratet und hast zwei Söhne. Bietet deine Biografie Einblicke aus Deinem Leben, die Deiner Familie bislang noch nicht bekannt waren?

Gonzo: Ich habe meine Schulkarriere bis heute eher unter den Teppich gekehrt… das dürfte für meine Söhne neu sein. *lacht* Im Ernst: Ich bin ein ziemlich starker Familienmensch und bin mit meiner Familie mehrfach um die Welt gezogen. In den Neunzigern und Zweitausendern, in der Zeit bei den Onkelz oder danach in den Studios in Brasilien oder in den USA. Meine Familie ist in dieser Musikszene und in diesem Leben aufgewachsen und haben alles mitbekommen.

Dennis: Nach diesem Buch kannst du natürlich nicht mehr erzählen, dass du mal Klassenbester warst. *lacht*

Marco und Dennis, was hat euch in der Zusammenarbeit mit Gonzo am meisten beeindruckt?

Dennis: Die Gastfreundschaft und Offenheit mit der Gonzo, seine Frau Verena und die gesamte Familie Röhr auf uns zugekommen sind, waren schlichtweg beeindruckend. Das hat mich nachhaltig beeindruckt und das tut es immer noch.

Marco: Sein gesamtes Umfeld hat uns mit offenen Armen empfangen. Wir waren ja nicht nur in Irland bei Gonzo zuhause, sondern auch in Frankfurt, und sind bestimmte, historische Orte abgefahren. Wir waren an seiner Schule, den ersten Wohnorten und in Bonames. Sein Bruder, der uns überhaupt nicht kannte, hat sich die Zeit genommen, uns herum zu fahren.

Dennis: In den gerade angesprochenen Skype Konferenzen haben wir uns chronologisch durch alle Jahre durchgearbeitet. Wir haben in der Kindheit angefangen und in jeder Konferenz ein Jahr abgehandelt. Durch die Arbeit am Buch haben wir den Menschen Matthias Röhr noch besser kennengelernt und das ist nicht zuletzt auch der Tatsache geschuldet, dass wir viele tolle Gespräche hatten.

Marco: Korrekt. Der Deal war von Anfang an, dass wir eine bedingungslose Offenheit pflegen und das merkt man auch im Buch. Das war ein großer Vertrauensvorschuss.

„Vertrauen“ ist ein tolles Stichwort. Neben den zahlreichen Erfolgen mit den Onkelz, wird eine weitere Sache im Buch sehr deutlich: „Enttäuschung“, insbesondere menschliche Enttäuschungen. Es gab den Zwischenfall, dass ein Artikel im BOSC Fanzine, über das vorzeitige Ende der Onkelz am Zenith des Erfolgs, geschrieben von Edmund Hartsch, veröffentlicht wurde. Du hast davon zum Tourneestart während einer Show in Kreuth erfahren. Es kam zum Eklat hinter der Bühne und kurz darauf wurde der betroffene Artikel in mühevoller Arbeit durch den Fanclub aus dem Magazin herausgetrennt. Wie haben solche Erlebnisse auf Euch als Autoren gewirkt, Dennis und Marco?

Marco: Dadurch, dass wir schon seit vielen Jahren für die Onkelz arbeiten, kannten wir die beschriebene Szenerie bereits. Ich denke jedoch nicht, dass der Vorfall in dieser Tiefe schon einmal berichtet wurde.

Dennis: Wir haben im Onkelz Fanzine von 2014 die Hosen heruntergelassen und berichteten zum ersten Mal darüber, wie es zum Streit zwischen Stephan und Gonzo kam. Allerdings wurde das Thema sehr stark in wenigen Sätzen abgehandelt. In seiner Biografie hat sich Gonzo dazu entschieden, die Vorkommnisse aus seiner Sicht zu schildern und die Geschehnisse anhand seiner Wahrnehmung darzustellen. Das damalige Ereignis hatte einen großen Einfluss auf alles, was danach an Problemen zwischen beiden Musikern entstand. Außerdem war es maßgeblich der Grund, weshalb die Freundschaft zwischen Stephan und Gonzo zerstört wurde und erst viel später wieder gerettet werden konnte.

Klar war also: Dieser Vorfall musste vernünftig aufgearbeitet werden. Wir hätten es gar nicht weglassen können, das hätte ziemlich komisch ausgesehen. Wir haben lange über diesen Inhalt gesprochen, viel darüber diskutiert und waren uns einig, das Thema nicht reißerisch aufzubauschen, sondern diskret und unaufgeregt darzustellen. Ich hoffe, das uns gelungen ist, das Thema sehr dezent zu beschreiben, aber trotzdem Matthias Emotionen in diesem Moment deutlich werden zu lassen.

Marco: Außerdem war die Intention auch nie, ein „Danke für Nichts – Teil II“ zu schreiben. Daher haben wir uns auch ganz bewusst dagegen entschieden, bei anderen Protagonisten zu sehr ins Detail zu gehen. Aus dieser Perspektive werden auch die Geschehnisse in Kreuth beschrieben.

Gonzo: Es ging ja in erster Linie darum, meine Geschichte und subjektive Sicht der Dinge zu erzählen und nicht darum, irgendwelche „Skandale“ zu inszenieren, oder etwas schön- zureden. Es gibt auch Geschichten im Buch, die bewusst nicht weiter ausgeführt sind, wie beispielsweise Kevins Historie. Das ist auch nicht die Aufgabe von mir.

Ich erzähle meine Sicht der Dinge. Wenn Kevin, Stephan oder Pe später einmal ihre eigene Biografie herauszubringen sollten und ihre Sicht der Dinge erzählen möchten, dann muss dieser Raum unbedingt noch gegeben sein.

Haben deine Bandmitglieder die Bio vor Veröffentlichung gelesen und ihren Segen dazu geben?

Gonzo: Natürlich wurden meine Bandkollegen darüber informiert. Kurz nach der Fertigstellung, aber noch vor dem Lektorat, habe ich den anderen drei Onkelz die Rohfassung zur Verfügung gestellt.

Was würdest du mit dem Wissen von heute, damals anders machen?

Gonzo: Ich neige nicht dazu, einen Rückblick zu machen. Das Leben ist das Leben und damit verhält es sich, wie mit einem Tattoo. Das lässt du dir einmal stechen und trägst das den Rest eines Lebens mit dir rum. Wenn man also eine intelligente Person ist, dann sollte man sich schon darüber im klaren sein, was man tut und was man besser lässt. Aber im Zusammenhang mit den Böhsen Onkelz, und auch in der Zeit danach, würde ich nichts ändern.

Gelebt ist gelebt. Reue ist nicht angebracht.

Matthias “Gonzo” Röhr auf dem Matapaloz Festival Foto: Christian.Thiele

Im Buch findet auch Philipp Burger, der Sänger von Frei.Wild Erwähnung. Man hatte den Eindruck, dass dir die Begegnung mit ihm gut getan hat, ihr habt Musik produziert und gemeinsame Shows gespielt. Im Buch liest sich der spätere Rückblick allerdings so, dass du den Auftritt im Vorprogramm eher ungeschehen machen würdest.

Gonzo: Nein. Da bin ich komplett wertfrei. Ich weiß, dass es viele Leute nicht gerne sehen, dass ich mit Philipp Burger bekannt bin und es sind ja auch noch die anderen drei Jungs aus der Band, die ich sehr nett finde. Wir haben uns oft getroffen und sie haben mich zuhause besucht, als ich noch in der Nähe von München gewohnt habe.

Ich hege keine Vorurteile gegen Frei.Wild. Ich sehe viele Dinge anders als sie, aber so ist das nun mal. jeder Mensch ist anders.

Also, warum soll man nicht eine andere Meinung haben, als ich. Das finde ich auch so krank in Deutschland, dass es immer mehr Menschen gibt, die andere Meinungen partout nicht akzeptieren wollen. Ich muss, insbesondere politisch, nicht mit jedem einer Meinung sein, aber kann mich trotzdem gut mit ihm verstehen.

Philipp hat mich damals nicht in der musikalischen Durststrecke erwischt – im Gegenteil. Das Album „Zuflucht vor dem Sturm“ war bereits fertig geschrieben. Er kam dann zu mir nachhause und hat sich von mir die Texte und Griffe zeigen lassen, und wir haben darauf zusammen gejammt und weiter daran gearbeitet. Daraus ergaben sich weitere gemeinsame Aktionen, wie das Charity Projekt „Wilde Flamme“ und das war auch gar kein Problem für mich. Das habe ich unentgeltlich gerne gemacht.

Dennis: Was Gonzo sagt, ist ein entscheidender Punkt. Er kennt die Leute und er weiß, mit wem er da zusammengearbeitet hat. Ich gehörte noch bis vor gar nicht langer Zeit höchst selbst zu denjenigen, die Frei.Wild über viele Jahre extrem kritisch gesehen haben – um es nett auszudrücken. Klar war aber: Um das Kapitel zu schreiben, musste ich mich auch mit Philipp auseinandersetzen. Da musste ich in diesem Fall auch lernen, über meinen Schatten zu springen und bin froh, dass ich es getan habe, denn die Gespräche mit Burger waren wirklich überraschend gut.

Ich habe mich mit den Jungs in Düsseldorf getroffen und die Band somit zum ersten Mal kennengelernt. Nach einigen Gesprächen und Anekdoten habe ich meine Meinung in menschlicher Hinsicht revidieren müssen. Musikalisch kann man immer geteilter Meinung sein – das, was Frei.Wild künstlerisch machen, ist nach wie vor nicht meins, muss ich ehrlich gestehen.

Matthias "Gonzo" Röhr auf dem Matapaloz Festival Foto: Christian.Thiele
Matthias “Gonzo” Röhr auf dem Matapaloz Festival Foto: Christian.Thiele

Dein Sohn Vincent Röhr war mit auf Tour bei den Böhsen Onkelz. Zuletzt ist mir in Erinnerung geblieben, dass er Ferdy Dörnberg, beim Artwork des Kinder-Hörspiels „Käptn Helge zieht aufs Land“ unterstützt hatte. Kann man also davon ausgehen, dass er musikalisch ganz nach dir kommt?

Gonzo: Vincent ist der neue Tour Keyboarder von den Böhsen Onkelz. Er studiert Musikproduktion in Boston. Er hat verschiedene Bandprojekte gehabt und veröffentlicht die Songs bei Soundcloud, hört mal rein: https://soundcloud.com/vincexreed.

Vincent ist auch dort in der Musikszene aktiv und malt ziemlich gut mit seiner persönlichen Note. Musikalisch ist er sehr vielseitig und hat auch schon verschiedene Plattencover für Musiker in den USA gestaltet. Vinny ist eindeutig der musikalische Teil meiner Söhne. Mein anderer Sohn Melvin studiert Medizin und geht somit in eine ganz andere Richtung. Beide sind super (lacht).

Für die visuelle Aufmachung der Gonzo Biografie ist Lennard Menkhaus verantwortlich. Wie kam es dazu?

Dennis: Lennard ist ein unheimlich talentierter Künstler. 2016 hatte er mal Kontakt aufgenommen und hat u.a. viele Designs und Plakatgrafiken für das Matapaloz Festival angefertigt. Er unterstützt auch das Deichbrand Festival von Design wegen. Er ist ein total lässiger Hund und als wir in den letzten Zügen des Schreibens waren, kam die Frage auf, wie das Buchcover aussehen soll. Gonzo kam die zündende Idee, hat Lennard Menkhaus angefragt und 3 Tage später flatterte das erste Layout in mein Postfach.

Gonzo: Ich lese ziemlich viele Bücher über Musik und sammle viele Musiker Biografien. Ich hatte mir eine Art Coffee-Table-Book im „punkig, Rock-n-Rolligem“ Stil mit einigen Illustration gewünscht, bei dem man auf den ersten Blick sieht, worum es im Buch geht. Da musste einfach der Stil vom Lennard her, und zudem auch in Schwarz-Weiß gehalten. Es wäre nicht schön gewesen, ein unpersönliches Cover zu wählen. Von dieser Idee zeigte sich auch der Verlag sehr begeistert.

Im Buch finden sich jede Menge alte Fotos. Aus welchen Archiven habt ihr Euch bedient?

Gonzo: Während des Schreibens am Buch meldete sich auf einmal Norbert Nebenführ, ein uralter Freund, den ich bestimmt seit 40 Jahren nicht mehr gesehen habe, bei uns. Mit ihm habe ich angefangen Musik zu machen, einige Male Gitarrenunterricht genommen. Wir haben Mitte der 70er Jahre die ersten gemeinsamen Bands gegründet und im Keller seiner Eltern gemeinsam geprobt. Als er uns kontaktierte, wusste er überhaupt nicht, dass ich gerade eine Biografie schreibe, und stellte uns Fotos und alte Autogrammkarten zur Verfügung, die er noch in einer Schachtel aufbewahrt hatte. Es gibt auch noch einen alten Zeitungsartikel, den wir nicht verwenden durften, da nicht geklärt werden konnte, wer die Bildrechte des Fotos im Artikel besitzt. Aber durch Norbert sind total viele Erinnerungen und Anekdoten aufgetaucht, die ich schon lange vergessen hatte. Es war super schön ihn wieder zu treffen. Wir haben uns bei dem Konzert im Frankfurter Waldstadion nach so vielen Jahren wiedergesehen.

Dennis: Norbert hat so viel Herzblut reingesteckt und die vielen Stunden Gespräche mit ihm haben das Kapitel über ihn wirklich zu einem tollen Ergebnis werden lassen. Es war eine echte Wohltat mit diesem Mann zusammenzuarbeiten. Er hat den Kreis dieser Arbeit geschlossen und wenn es irgendein Zeichen gebraucht hatte, dass wir auf dem richtigen Weg sind, dann war es Norbert Nebenführ. Er kam genau zum perfekten Zeitpunkt dazu und lieferte die fehlenden Mosaikteile in der Geschichte, ohne wissen zu können, dass wir an der Biografie schreiben.

Gonzo: Das war alles für die zeitliche Einordnung sehr wertvoll, um zu erklären wer ich bin, wo ich herkomme und wieso ich der geworden bin, der ich heute bin. Das strahlte ja auch viel auf die Onkelz ab. Ich habe schon vorher in Bands gespielt und in den frühen 70er Jahren angefangen Gitarre zu spielen und Musik gehört, die mich massiv musikalisch beeinflusst hat. Wen man diese Information hat und daraufhin das ein oder andere Onkelz Album analysiert, dann ergeben sich auch ganz neue Einblicke. Man versteht, warum es mir wichtig war, zum Beispiel einmal ins Abbey Road Studio zu gehen. Es er- geben sich daraus einige kleine Mosaiksteine mehr, um den kompletten Onkelz Kosmos zu verstehen.

Stichwort: Die neue Onkelz – im Februar 2020 geht der Wahnsinn in die nächste Runde. Wie weit seid ihr mit den Arbeiten?

Gonzo: Musikalisch gesehen wird es ein sehr Onkeliges Album, vielleicht das Onkeligste seit Jahren. Mehr darf ich nicht verraten, sonst gelte ich wieder als Whistleblower (Gelächter). Wir sind gerade im Produktionsprozess und Kevin ist gerade am Einsingen. Das VÖ-Datum ist inzwischen bekannt und die Onkelzfans dürfen sich wirklich drauf freuen. Es wird ein saustarkes Album.

Weihnachten steht vor der Türe. Wie verbringt ihr die besinnlichen Tage?

Dennis: Weihnachten ist das Fest der Familie und ich freue mich auf ein paar ruhige Tage mit Familie und meinem Hund.

Marco: Gleiches bei mir. Da die Arbeit an der Biografie einiges an Zeit in Anspruch genommen hat, bin ich froh, dass die Schreibarbeit abgeschlossen ist und wir uns nun auf die Reaktionen der Leser freuen können. Da ich Vater einer kleinen Tochter bin, freue ich mich dieses Jahr an Weihnachten auf eine ruhige Zeit, im Kreise der Familie.

Gonzo: Weihnachten ist ein Familienfest, genau. Ich nehme mir vor, dieses Jahr einmal keine Gitarre in die Hand zu nehmen und nicht in mein Heimstudio zu gehen.

Mein Wunsch an die Welt sind Frieden, Vernunft und mehr Rock ‚n‘ Roll.

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Mehr erfahren über Matthias „Gonzo“ Röhr im Web unter:
gonzomusic.com

Interview von Marcus Liprecht, am 16. November 2019
Gonzo Biografie Matthias Roehr mit den Autoren Dennis Diel und Marco Matthes

Alle Fotos bereitgestellt durch Matthias „Gonzo“ Röhr / Gonzomusic