Shrimpfield: Die Easycore-Cover-Helden von Youtube im Interview

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Das Easycore-Cover-Duo namens Shrimpfield, veröffentlichte am 23. Juni 2018 ihr Debüt-Album „The Shrimpfield Lane“. Auf dem Album befinden sich 14 Pop-Punk-Cover mit Klassikern von ABBA bis Toto.

Hey Leute, über die sozialen Medien insb. „YouTube“ haben viele Musikinteressierte Menschen in den vergangenen Monaten den ein oder anderen Song von Euch um die Ohren bekommen. Bitte stellt Euch dennoch unseren Leser vor, die Euch möglicherweise noch nicht kennen.

Pascal: Hey Marcus und Leser da draußen! Wir sind Shrimpfield, eine kleine zwei-Mann-Band und hauptsächlich machen wir aus 80s/90s Songs Easycore-/Pop-Punk-Cover. Dazu machen wir uns dann meistens noch mit Videos zum Affen…nicht gewollt, aber irgendwie sind wir mit unserer Motorik und Mimik zu nichts anderem in der Lage. Und wir stehen auf Party.

Julian: Als staatlich geprüfter Ausdruckstänzer muss ich meinem Kumpanen hier etwas widersprechen. Das „zum Affen machen“ ist, zumindest von meiner Seite, eigentlich genau so gewollt. Natürlich könnten wir unsere kleine Fangemeinde auch mit akkuraten Standardtänzen und kinoreifem Schauspiel langweilen, doch da bei uns eigentlich der Humor an erster Stelle steht, müsste ich hier eventuell nochmals mit Pascal Rücksprache halten. Scheinbar kann er wirklich nicht tanzen. Das schockiert mich jetzt dann doch etwas… Ansonsten sind wir uns zumindest musikalisch einig und versuchen jeden Song, mit dem nötigen Respekt vor dem Original, in unsere eigens erfundene Shrimpfield-Schublade zu quetschen.

Wie überraschend war es für Euch mit dem ersten Video einen „viralen“ Hit im Internet zu landen und quasi über Nacht tausendfach geklickt zu werden?

Pascal: Da muss Jul dich leider kurz korrigieren (immer muss er recht haben): Unser erstes Video war das nicht, aber vorher haben das noch weniger Leute mitbekommen, dass wir Sachen veröffentlichen, nicht mal unsere Eltern. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit kam dann schon mit dem Video, das stimmt. Und in den ersten Tagen ging es auch echt schnell hoch mit den Klicks, das hat uns schon sehr überrascht, dass die Klicks nicht nur von uns selbst kamen. Irgendwie haben wir es dann aber nicht so geschickt angestellt, das Video mal noch an andere Medien als nur Noisey/Vice zu schicken, damit es noch mehr verbreitet wird … und auch direkt bei Spotify hochzuladen. Naja. So war das nach ein bis zwei Wochen vorbei – Aber vielleicht klingt Jul bei dem Song ein bisschen „viral“, wegen Pollenallergie zu der Zeit oder weil er mal auf Deutsch gesungen hat. Dann können wir das mit dem „viralen Hit“ so durchgehen lassen 🙂

Julian: Ja, es ist eine schwere Bürde mit dem Rechthaben. Aber hey… such is life. Auch nicht immer einfach, aber immerhin wüsste das ja keiner, wenn Pascal hier keine internen Infos ausplappern würde. Ist ja fast wie ein Interview. Schräg. Die Viralität des Böhmermann-Songs war, in der Tat, eine kleine Überraschung. Natürlich hatten wir eine optimale musikalische Vorlage und auch den richtigen Zeitpunkt erwischt. Dennoch konnten wir nicht ahnen, dass uns plötzlich Vice auf dem Radar hat. Das war dann ganz witzig und wir waren praktisch viral „angefixt“. So war es dann logisch, dass wir den Hit von Bibi Blocksberg innerhalb von 2 Tagen shrimpfield’esk umkrempelten. Zack, erneut bei Vice – Yacht bestellt. Ne Woche später war es dann wieder ruhiger und wir stornierten die Yacht.

Eure Musikvideos sind ultra-witzig und schon jetzt Kult. Wie viel Zeit steckt ihr in die Aufnahmen und wer unterstützt Euch bei den Produktionen?

Pascal: Danke dir! Freut uns zu hören. Also bei den Videos hat Jul die meiste Arbeit, macht er aber sicherlich liebend gerne. Da ich in Berlin wohne und er in Huttenheim (bei Karlsruhe, falls man Huttenheim nicht kennt), müssen wir in den meisten Fällen getrennt voneinander die Aufnahmen machen. Ich hab meine Takes eigentlich immer schnell drin, weil es eh nicht besser wird, je öfter ich es versuche. Unterstützung hab ich dabei von meiner Freundin, die mit Belichtung besser umgehen kann und auch mit der Kamera … Ich neige von Natur aus dazu, überbelichtet zu strahlen und unscharf auf dem Bild zu sein, da brauch ich also eine Betreuerin. Dann schick ich meine Takes an Jul durch, er schneidet dann alles mit seinen Takes zusammen und das ist anscheinend nicht so wenig Arbeit. Ich muss aber sagen, dass wir teilweise echt schnell sind – manchmal haben wir einen Song plus Video an zwei bis drei Tagen fertig.

Julian: Der Schnitt wird von meiner französischen Bulldogge erledigt. Deshalb mag sie auch hin und wieder in einem Video auftauchen, was für uns aber echt in Ordnung ist. Immerhin hat sie ja keine Finger und auch eine flache Nase. Die Ideen zu den Videos kommen eigentlich immer erst im Nachhinein. Pascal bekommt die Anweisung, irgendwelche Takes zu drehen, dann warte ich gespannt auf das Ergebnis. Wie er bereits geschrieben hatte, ist er absoluter Bewegungsprofi und auch optisch ein helles Schmankerl. Jedenfalls improvisiere ich dann. Wenn die Takes von Pascal mir (und Maggie) keine Knoten ins Zwerchfell krempeln, muss halt der Jul ran. Mit Handy und Stativ (mit Einmachglas-Gummiband) geht es dann meist in den heimischen Garten. So entsteht der (ab und zu vorhandene) Zusammenhang komplett spontan und auch erst im Nachhinein. Method Acting halt!!!

„Für Pop-Freunde zu hart, für Hardcorekids zu soft, für Punkfans zu langsam und für Großeltern zu schnell. Für uns genau richtig. "
Shrimpfield sind: Julian Baader – Vocals, Produktion und Pascal Weick – Gitarre, Bass, Produktion „

Wie habt Ihr als Duo zueinandergefunden und wie ist Euer bisheriger musikalischer Werdegang?

Pascal: Wir kommen beide aus der gleichen Ecke (bei Huttenheim dort unten) und kennen uns jetzt schon seit 10 Jahren oder so … Ich hing damals gern in Juls Laden ab, weil er Dr.Pepper im Kühlschrank hatte. Nachdem ich in verschiedenen Bands vorher gespielt habe, wurde ich 2013 von ihm für seine damals kurz auf Eis gelegte Band „Joy Became Clear“ für die freie Flügel-Gitarristen-Position verpflichtet, und wir haben ein „Revival“ gestartet. Da haben wir quasi dann zum ersten Mal auch zusammen Songs geschrieben, viel getourt, Bier getrunken, und Fleischkäsebrötchen gegessen. Als dann JBC 2016 in seinen wiederholten Dornröschenschlaf versetzt wurde, war für uns beide klar, dass wir trotzdem irgendwie zumindest zu zweit weitermachen wollten, wenn auch geografisch getrennt, da ich in der Zwischenzeit nach Berlin gezogen bin … Nur eben ohne das gemeinsame Bier trinken und Touren, da das über das Internet nicht so Spaß macht. Und das mit den Punkcovern hat sich dann automatisch so ergeben, da wir nicht so gut darin sind, Hip-Hop Cover zu machen. Schon bei JBC hatten wir ein Punkcover im Repertoire, das extrem live-kompatible „You’re The Voice“ von John Farnham. Wir können es dennoch nicht lassen, auch weiterhin eigene Songs zu schreiben, aufzunehmen und ab und zu zwischen die Cover zu mogeln.

Julian: Das stimmt. Pascal hat literweise Dr.Pepper getrunken.

Was hat es mit dem Bandnamen „Shrimpfield“ auf sich, gibt es hierzu eine Entstehungsstory?

Julian: Shrimpfield ist eine extrem kreative Wortschöpfung aus dem Wort „Shrimp“ und „field“, was aus dem sibirischen Ursprungsdialekt stammt und so viel bedeutet wie „Mars macht mobil, bei Arbeit, Sport und Spiel“. Dies fanden wir extrem passend, vor allem aufgrund der Tatsache, dass wir als alte Simpsons-Fans die kleine Ortschaft „Springfield“ immer auf dem Schirm hatten. So begab es sich zu der Zeit, als wir mit Joy Became Clear Songs schrieben, dass einer unserer Arbeitstitel eben „Springfield“ war. Aufgrund der Inflation unserer Gehirnzellen mutierte dieser Arbeitstitel im Laufe der Zeit, bei einem Eimer Chicken Wings, zu Shrimpfield. Chickenwingsfield klang schrottig. Der Song mit besagtem Arbeitstitel war ebenfalls dämlich und der Name war somit erfunden und frei für unsere Schandtaten.

Shrimpfield musik album preview Musik video
„Für Pop-Freunde zu hart, für Hardcorekids zu soft, für Punkfans zu langsam und für Großeltern zu schnell. Für uns genau richtig. „

Mit „The Shrimpfield Lane“ (Link zu Spotify) veröffentlicht Ihr in Kürze eure erste offizielle Platte. Wie seid ihr bei der Produktion vorgegangen und wie wählt ihr die Songs aus, die ihr mit Eurem eigenen Stil verpackt?

Pascal: Generell gehen wir bei der Produktion so vor, dass ich mich erstmal in meiner Kammer einschliesse, bis ich die Drums programmiert und mehr oder weniger tighte Takes auf Gitarre und Bass eingespielt hab. Danach folgt der Datentransfer vom Instrumentalmix ins idyllische Baden und Jul hört zum ersten Mal, wie das Instrumental klingen wird. Dann sagt er entweder „Fettes Teil!“ (auf den Song bezogen) oder „Alter … was soll der Stampfbeat?“. Tritt der letztere Fall ein, gibts ein paar unnötige und manchmal nötige Verschlimmbesserungen am Instrumental, bis 2/3 von uns zufrieden sind und somit den anderen überstimmt haben, was die „Instrumental_Final_Final2_WirklichFinal_Jetztwirklichfinal_version12.wav“ wird. Dann singt Jul sein Zeug ein, schreit ab und zu manisch ins Mikrofon oder imitiert einen Knabenchor und verwurstelt seinen Vocalmix in meinen Instrumentalmix. Dann werden wieder ganz viele wirklich finale Versionen mit Vocals erzeugt. Im Anschluss machen wir beide irgendwas mit Mastering am Song … bis von uns beiden verschiedene wirklich finale Master fertig sind und wir keine Ahnung haben, was denn jetzt die beste Version ist. Aber dann wissen wir: Jetzt haben wirs! Auf die Art haben wir dann von Anfang 2016 bis Anfang 2017 so an die 25 Songs aufgenommen und die, zumindest unserer Meinung nach, 14 besten haben wir dann auf das Album gepackt.

Julian: Songauswahl? Ja haben wir. Per Whatsapp. Wichtig ist nur, dass ich es mal in meiner Blütezeit bei meinem Daddy im Auto gehört hab. Außerdem muss es einen Refrain haben, der, wie wir Feuerwehrleute es nennen, „aufgeht“.

Welche Musik hört ihr privat und welche Bands haben euren Stil geprägt?

Jul: Ich hör gerne Musik. Vor allem altes Zeug, da damals noch eine gewisse Abgrenzung der Songs möglich war.

Pascal: Im „Privaten Modus“ bei Spotify hör ich meistens so 80er und 90er Sachen, die wir vershrimpen können. Ansonsten hör ich privat viel Zeug in der Richtung, die wir selbst machen und darüber hinaus … Bands wie Senses Fail, A Day To Remember, Jimmy Eat World, Nofx, Silverstein, Lonely The Brave, Hellions, No Use For A Name, um ein paar zu nennen. Ich denke, die haben auch ein wenig den Stil von mir geprägt, der dann auf Juls Stil trifft, was dann letztendlich unseren „Shrimpfieldstil“ wohl ausmacht.

Was steht bei Euch als Nächstes an und wie sehen Eure Tourpläne zur Platte aus?

Pascal: Tourpläne gibt es erstmal keine, leider … Proben über das Internet klappt irgendwie noch nicht und mein Mac spielt Live nicht so gut Drums, bzw. sieht bei der Performance nicht so gut aus. Aber wer weiss, vielleicht wird das mal irgendwann etwas mit Live. 1/2 von uns ist ja noch jung, haben also noch etwas Zeit. Ansonsten sind die Pläne wie immer: Weiter Songs aufnehmen, mit Videos zum Affen machen und hoffen, dem ein oder anderen ein Schmunzeln aus den Falten zu entlocken.

Jul: Ich werde mir nun ein paar Nudeln abkochen, da ich noch kein Mittagessen hatte. Vermutlich werde ich mir dann aus passierten Tomaten und weiteren frischen Zutaten eine toskanisch angehauchte Tomatensoße zaubern. Dies platziere ich dann mit ausreichend Käse auf eine Pastaplatte. Mit der werde ich aber vermutlich nicht auf Tour gehen.

Welche Musikalben und/oder Songs habt ihr in letzter Zeit besonders abgefeiert?

Jul: Ich find die Melodie der russischen Nationalhymne bei der WM immer wieder schön. Ohne Text hat die was grandioses.

Pascal: Die neuesten Alben von Silverstein und Senses Fail waren das so bei mir in letzter Zeit … auch wenn das erstgenannte Album schon seit einem Jahr jetzt ca. draussen ist. Auch die beiden neuen Singles von Trash Boat vom kommenden Album (und die Band generell) hör ich grad recht oft. Und ich hab gerade immer wieder einen Ohrwurm von der Jurassic Park Titelmelodie. Toller Song!

Herzlichen Dank für das ausführliche Interview. Die abschließenden Worte an Eure Fanbase überlassen wir gerne Euch.

Pascal: Danke auch dir für das Interview! An unsere Fans und alle, die es mal werden wollen (es lohnt sich, ist gratis!) : Rauchen kann tödlich sein. Und hört gerne mal unser Album an, findet man bei jedem Streaming-Dealer eures Vertrauens! Danke 🙂

Jul: Ich grüße Pascal nach Berlin!

Shrimpfield Interview geführt mit Marcus Liprecht am 21. Juni 2018

Tracklist Shrimpfield – The Shrimpfield Lane

Shrimpfield musik album preview Musik video
„Für Pop-Freunde zu hart, für Hardcorekids zu soft, für Punkfans zu langsam und für Großeltern zu schnell. Für uns genau richtig. „

01 – You Win Again

02 – I Love It

03 – Straight Up

04 – St Elmo’s Fire

05 – Dancing With Tears In My Eyes

06 – I Love You Always Forever

07 – The Cave

08 – Super Trouper

09 – Glory Of Love

10 – Heaven Is A Place On Earth

11 – It Must Have Been Love

12 – Manic Monday

13 – How It Is (Wap Bap…)

14 – Africa

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