Label: Pork Pie
Veröffentlichung: 27.04.2012

Acht Jahre ist es mittlerweile her, dass sich im dänischen Kopenhagen sieben junge Herren aus dem Dunstkreis der Ska-Punk-Band FURILLO zusammenfanden und beschlossen, neue musikalische Wege zu beschreiten. Unter dem – zugegebenermaßen etwas sperrigen – Namen BABYLOVE & THE VAN DANGOS machten die Dänen fortan wie über Landes-, Underground- und Genre-Grenzen von sich Reden. Kontinuierliche Livepräsenz, ein wachsender Record-Output und ihr Händchen für Songwriting taten ihr übriges; und so erfreuen sich BABYLOVE & THE VAN DANGOS weitreichender Beliebtheit und genießen in einigen Kreisen den Ruf, die beste europäische Ska-Band zu sein.

Der Weg dahin ist zweifelsohne nicht einfach und man kann durchaus behaupten, dass BABYLOVE & THE VAN DANGOS sich  jeden einzelnen Fan, jede verkaufte Platte und jedes wohlwollende Review hart erspielt haben. Über 400 Konzerte haben sie seit ihrer Gründung 2004 gegeben und dabei ganz Europa bereist. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, vor welchen logistischen Schwierigkeiten eine Band mit so vielen Mitgliedern, die zudem allesamt anderweitigen Beschäftigungen nachzugehen haben, steht, um regelmäßig auf ausgedehnte Konzertreisen gehen zu können. Geschafft haben sie es dennoch immer wieder. Dabei ist es ihnen egal, so resümiert Sänger Daniel, ob sie in einem holländischen Squat, einer südfranzösischen Strandbar oder vor einem tausendköpfigen Publikum wie auf dem dänischen Roskilde-Festival spielen; sie sind überzeugt, dass jeder und jede, die ein Babylove-Konzert besucht, es verdient hat, in den Genuss ihrer energetischen Bühneperformance zu kommen. Allüren sucht man hier vergebens. Babylove & The Van Dangos sind eine Band, die an einem Konzertabend mit Leuten, die sie mit ihrer Musik begeistern können, eine Nacht mit vielen alten und auch neuen Freunden, mehr bedeutet als die Zahl ihrer Facebook-Freunde. „Gute Musik zu machen, erfordert eigentlich nicht viel: eine Band muss lediglich  hart an sich arbeiten und dabei nicht die Freude an dem, was sie machen, verlieren. Dazu braucht es natürlich noch ein Publikum, dass ihre Spielfreude zu schätzen weiß und ihre Talent erkennt,“ fasst Daniel zusammen. Zweifelsohne können BABYLOVE & THE VAN DANGOS beides vorweisen.

 

Sie hinterlassen aber nicht nur mit ihren Auftritten einen nachhaltigen Eindruck, auch ihr Verhältnis sowohl zu ihrer eigenen Musik als auch zum allgemeinen Musikkonsum ist ein besonderes. „Bei dieser Flut an Veröffentlichungen, die heutzutage den Musikmarkt überschwemmt, ist es für die Leute schwierig den Überblick zu behalten. Einzelne Platten können da kaum noch gewürdigt werden. Alben haben nur noch unglaublich kurze Haltbarkeitsdaten und geraten sehr leicht in Vergessenheit. Wir versuchen, diesem Trend etwas entgegenzusetzen. Wir glauben, dass es da draußen immer noch genügend Leute gibt, die sich mit diesem Fast Food-Verständnis von Musik und Popkultur nicht zufrieden geben möchten und für genau diese Leute versuchen wir Musik von langer Haltbarkeit zu schaffen“ bringt es Daniel auf den Punkt. Tatsächlich gelingt es der Band, dem Trend von Schnelllebigkeit und kultureller Vergänglichkeit zu trotzen. Mit ihren Songs, die nicht auf sofortigen und demzufolge flüchtigen Erfolg formatiert sind, schaffen es die Dänen, überzeugende Alben zu schaffen. Es sind subtile Nuancen im Songwriting, (pop-)kulturelle Zitate und Melodien, die ihre wahre Pracht zumeist erst nach eingehender Beschäftigung mit den Songs entfalten – ohne Effekthascherei widersetzen BABYLOVE & THE VAN DANGOS sich der aktuellen Tendenz, Musik als Wegwerfprodukt zu behandeln. Sie bieten eine Alternative: Musik von Bestand und Substanz, als Kulturgut, wie es die verschiedensten Musikströmungen der letzten Jahrzehnte vormachten.

 

So ist es die musikalische Vielseitigkeit, die eine Babylove-Platte und jeden einzelnen Song ausmacht. In ein starres Genrekorsett lassen sie sich nur schwerlich zwängen. Laut Daniel bewegen sie sich „über Blues, Doo Wop, Soul bis hin zu – selbstverständlich – jamaikanischen Interpretationen dieser Stilistiken: Reggae, Ska und Rocksteady. Darüber hinaus aber auch Popmusik in ihrer ursprünglichen Auslegung: melodiegeladen, harmonieschwanger und detailverliebt arangiert – eben so, wie es die englischen Beat-Bands der 60er Jahre im Sinne hatten.“ Und damit trifft er den Nagel auf den Kopf: Uptempo Ska-Songs kokettieren mit Rock’n’Roll-Riffs, smoothe Rocksteady-Beats beißen sich mit Daniels euphorischem und souligen Gesang, einfache Beats werden mit mehrstimmigen, zum Teil melancholischen Gesangsparts und technisch versierten Bläserparts verzuckert. Scharfe Spielweisen vornehmlich afroamerikanischer und jamaikanischer Musik trifft auf die unterkühlte Gelassenheit, wie sie vielen Bands aus nördlichen Gefilden zu eigen sein scheint. Bei alldem bleiben sich nicht zuletzt dynamisch, kraftvoll, tanzbar. Kein Wunder, dass sie mit dieser Mischung weltweit die Fanzinelandschaft und Radio-Hosts sowie andere Bands von sich überzeugen konnten und viele Freunde dazu gewannen.

 

Zwischen ihrem Erstling „Run Run Rudy“, dass sie 2005 auf ihrem eigenen Label veröffentlichten, ihrem 2008er Album „Lover’s Choice“ (Megalith Records) und ihrem letzter Platte „The Money & The Time“ (veröffentlicht 2010 auf dem Berliner Ska-Label Pork Pie) machten BABYLOVE & THE VAN DANGOS einen Entwicklungsprozess durch. Über die Jahre teilten sie sich die Bühne mit Größen ihres Genres und arbeiten mit Legenden wie Doreen Shaffer, Victor Rice, Chris Murray oder den TOASTERS zusammen. Wie Daniel resümiert, wächst man als Songwriter aber auch als Musiker an seinen Aufgaben. So reifte die ehemaligen Ska-Punk-Musiker zu einer veritablen Koryphäe in ihrem Gebiet mit viel Gespür und ausgeklügelte, elegante Arrangements, spannungsgeladene Albenkonzepte und eingängige Pop-Reminiszenzen. Auch lyrisch hieß es für Daniel, den richtigen Weg zu finden – klischeebehaftet Texte gilt es zu vermieden, gleichzeitig sollen leicht zugängliche Songs geschrieben werden. Diesem Anspruch zu genügen gelingt mal mehr, mal weniger gut.

 

Spätestens jedoch mit ihrem neuen Album „Let It Come, Let It Go“, das ebenfalls auf Pork Pie erschienen ist, gelingt den Dänen dieser Balance-Akt. Mit Geschichten, die sich um den fiktiven Charakter Glengali, Halbgott des Seemannsgarn und Baron der Hafenspelunken, winden erschaffen sie einen Bezugspunkt, auf denen sich Daniels abstrakte lyrische Ideen projizieren lassen. Sie drehen sich um Erlebnisse in Badehäusern, ausartende Kellerpartys und das Gefühl von Verlassenheit auf staubigen Landstraßen. Das Album erzählt Geschichten, verfolgt einen roten Faden, kann fast schon als Konzeptalbum bezeichnet werden. „Als Songwriter stehst du ja streng genommen in der klassischen Tradition des Geschichtenerzählers. Es ging uns darum, diese Idee wieder aufzugreifen, nachdem es in der modernen Musik zunehmend nur noch Plattitüden, abertausende Wiederholungen von ‚boy loves girl’-Stories und kaum noch Gehalt gibt“, klärt Daniel über seinen ungewöhnlichen Ansatz an das Songwriting des aktuellen Albums auf. Storytelling trifft es wohl ganz gut. Der erwähnte Wiederholungseffekt tritt ein – ein Song gewinnt mit zunehmender Rotation an Bedeutung, Sinnbilder erschließen sich. Dazu strotz „Let It Come, Let It Go“ nur so vor Spielfreude und dem hörbaren Ehrgeiz, Songs von Bedeutung und Substanz zu schaffen. Sie sind sich ihrer musikalischen Tradition bewusst, greifen auf Vintage-Equipment und analoge Aufnahmetechniken zurück, bewahren altbewährtes und retten längst Vergessen Geglaubtes in die Moderne. Trotzdem: „Nostalgie oder Revivalismus sind nicht unser Ding.“ Wahrscheinlich ist genau dies das Rezept, mit der man auch heutzutage noch Musik von Bestand schaffen kann.

 

„Let It Come, Let It Go“ – verziert mit einem detailverliebten Artwork – kann eine Menge Geschichten erzählen. Es lohnt sich, ihnen etwas genauer zuzuhören. Darauf setzen BABLOVE & THE VAN DANGOS: „Nehmt euch Zeit! The road was made for walking.“ Ein Album, dem man nur etwas Zeit und Raum lassen muss, um seine Brillanz zu erkennen. Was damit gemeint ist, sich einfach kurz zurückzulehnen, alles andere links liegen zu lassen, erklärt das Video, das BABYLOVE & THE VAN DANGOS als Appetithappen für das kommende Album zu „The Road Was Made For Walking“ gedreht haben:

 

{youtube width=”580″}TCPakRPv474{/youtube}

 

„Stories are everywhere. If you let them pass you by, you’re a fool.
Be good, keep your feet dry and your eyes open.“

 

Wem das alles noch nicht reicht, kann die Chance die dänische Offbeat-Institution auf einer ihrer Shows ihrer Deutschland-Tour im Mai diesen Jahres live erleben.

 

Review von Matti Bildt (Gastbeitrag)

 


<OBJECT classid=”clsid:D27CDB6E-AE6D-11cf-96B8-444553540000″ codebase=”http://fpdownload.macromedia.com/get/flashplayer/current/swflash.cab” id=”Player_89aef723-d704-45f1-9705-64c21b15d327″ WIDTH=”600px” HEIGHT=”200px”> <PARAM NAME=”movie” VALUE=”http://ws.amazon.de/widgets/q?rt=tf_cw&ServiceVersion=20070822&MarketPlace=DE&ID=V20070822%2FDE%2Fbergwork%2F8010%2F89aef723-d704-45f1-9705-64c21b15d327&Operation=GetDisplayTemplate”><PARAM NAME=”quality” VALUE=”high”><PARAM NAME=”bgcolor” VALUE=”#FFFFFF”><PARAM NAME=”allowscriptaccess” VALUE=”always”><embed src=”http://ws.amazon.de/widgets/q?rt=tf_cw&ServiceVersion=20070822&MarketPlace=DE&ID=V20070822%2FDE%2Fbergwork%2F8010%2F89aef723-d704-45f1-9705-64c21b15d327&Operation=GetDisplayTemplate” id=”Player_89aef723-d704-45f1-9705-64c21b15d327″ quality=”high” bgcolor=”#ffffff” name=”Player_89aef723-d704-45f1-9705-64c21b15d327″ allowscriptaccess=”always” type=”application/x-shockwave-flash” align=”middle” height=”200px” width=”600px”></embed></OBJECT> <NOSCRIPT><A HREF=”http://ws.amazon.de/widgets/q?rt=tf_cw&ServiceVersion=20070822&MarketPlace=DE&ID=V20070822%2FDE%2Fbergwork%2F8010%2F89aef723-d704-45f1-9705-64c21b15d327&Operation=NoScript”>Amazon.de Widgets</A></NOSCRIPT>

Wertung: 0=5 Sterne