WWE NXT Sportler Marcel Barthel und Fabian Aichner Interview
WWE NXT Sportler Marcel Barthel und Fabian Aichner Interview

Marcel Barthel und Fabian Aichner entscheiden sich schon in Kindheitstagen dazu, ihren Traum zu leben: Eines Tages Profi-Wrestler in werden. Marcel in die Fusstapfen seines Vaters und Fabian mit der Motivation eines Filmstars. Beide Sportler vereint eisenharte Disziplin. Die beiden Freunde sind im Ring Tag-Team-Partner im Vierer-Team von „Imperium“. Die Ziele sind Ambitioniert und doch realistisch. Ob eine Teilnahme bei der „Wrestlemania“ in Zukunft nur ein Wunsch bleibt, erfahrt Ihr im Interview.

Pressure Magazine hatte im Zuge eines Besuchs im WWE Performance Center in England die Gelegenheit mit Marcel Barthel und Fabian Aichner zu sprechen.

Stellt euch doch bitte kurz vor, für die Leser, die Euch und möglicherweise noch nicht kennen. Wo kommt er her, was macht ihr?
Marcel: Ich bin Marcel Barthel, komme aus Hamburg in Deutschland und bin 28 Jahre alt. Ich bin seit meinem zwölften Jahr als Profi Ringer aktiv.
Seit 2 Jahren lebe ich in Orlando und arbeite für die WWE. In meiner Familie bin ich in zweiter Generation „Sports Entertainer“, denn mein Vater Axel Dieter war 33 Jahre lang Deutschlands erfolgreichster Ringer nach dem Zweiten Weltkrieg. Somit bin ich mit diesem Sport aufgewachsen und war lange Zeit auch unter dem Namen Axel Dieter Jr. unterwegs. Inzwischen trage ich den Namen nicht mehr, aber ich gehe den Weg in seinen Stiefeln weiter, den mein Vater begonnen hat.

Fabian: Mein Name ist Fabian Aichner und ich bin Marcels Tag-Team-Partner. Ich komme aus Südtirol in Italien und ich spreche trotzdem deutsch. Grund dafür ist, das Südtirol mal ein Teil von Österreich gehörte und dann mit dem Weltkrieg ein Teil von Italien wurde, deswegen spreche ich auch Italienisch. Ich bin der erste Italiener in der WWE, seit Bruno Sammartino (ursprüngl. Bruno Leopoldo Francesco Sammartino) und bin jetzt im achten Jahr im als Profi Ringer tätig.

Vor zwei Jahren habe ich Marcel Barthel kennengelernt. Wir haben beide am selben Tag bei der WWE angefangen und als ich ihn am Hotel abholte, haben wir uns auf Anhieb gut verstanden – Das war am 30. Mai 2017. Komischerweise haben wir uns aber nie vorher getroffen, obwohl wir beide viel in Deutschland und England gerungen haben. Beim ersten Treffen hat die Chemie direkt gestimmt und wir sind sehr gute Kumpels geworden. Der Rest ist Geschichte. Jetzt sind wir hier und arbeiten tagtäglich sehr hart und ich finde es geht alles in die richtige Richtung. „Hard work pays off“ und da ist etwas wahres dran.

Wie sieht denn für euch ein typischer Alltags aus?
Das kommt immer auf den Trainingsplan an. Wenn wir uns auf die Matches vorbereitet, gehen wir jeden Tag ins WWE Performance Center. Hier gibt es verschiedene Klassen, die sogenannten „Tiers“.
Wir sind in den letzten zwei Jahren ziemlich hochgestiegen und sind jetzt in der höchsten Klasse unter der Anleitung unseres Coach Mr. Terry Taylor angekommen.

Montags analysieren wir meistens Kämpfe, nachdem wir erst mal zwei Stunden trainiert haben. Das Training geht in der Regel um 9:45 Uhr los im Gym und dann geht es in die sogenannten „Sky Sessions“ mit unserem Coach Terry Tailor. Da werden die Matches unserer letzten „House Shows“ sehr spezifisch und detailliert analysiert, um zu sehen, was wir verbessern können. Zusätzlich zum Ringtraining bekommen wir  jede Menge Fachwissen aus dem medizinischen Bereich vermittelt.

Dienstags geht zum Training ebenso nochmal zwei Stunden in den Ring. Wir sprechen hier über die hohen Klassen, die unteren Klassen sind wirklich jeden Tag ohne Ausnahmen im Ring.

Hinzu kommt ein hohes Reisepensum, das für den Körper sehr belastend ist. Dennoch ist die WWE eine Firma, bei der unsere Gesundheit an allerhöchster Stelle steht, und die darauf achtet, dass wir unsere Körper nicht mehr als nötig kaputt machen. Im WWE Performance Center erlernen wir alles über die Prävention von Verletzungen und Fitness im Allgemeinen.

Bei andere Wrestler, die ihre Abläufe noch nicht so drauf haben, werden im Training meistens Wiederholungen, also „Reps“ geübt, damit sich Abläufen festigen und neue Griffe erlernt werden. Alles in allem ist das PC unser Arbeitsplatz. Jeder einzelne ist Enthusiastisch und arbeitet sehr hart, um sich weiterzuentwickeln. Das ist auch gut, denn wenn du in die Halle kommst, dann bist automatisch in der richtigen Stimmung ordentlich Gas zu geben.

Florian: Die Wochenenden von Freitag bis Sonntag verbringen wir dann meistens mit den „Coconut Shows“, die in Florida stattfinden. Ein bis zweimal im Monat haben wir „Outside Loops“ und verbringen diese Ausflüge in wechselnden Staaten in den USA. Und Montag darauf geht es wieder zurück zum Training ins Performance Center.

Wie Marcel schon sagte, sind wir in der fortgeschrittenen Klasse, und wenn wir im PC in den Ring steigen, dann feilen wir lediglich nur noch an Kleinigkeiten. Oft sind es ja die kleinen Sachen auf die es ankommt. Für uns kommt es mehr darauf an, die Kämpfe zu analysieren und dann an Details zu arbeiten, um unsere Kämpfe zu perfektionieren.

Marcel: Man stellt sich das vielleicht recht schön vor, da wir enorm viel Fliegen, aber der Alltag sieht bei uns in der Realität folgendermaßen aus: morgens um 4 Uhr aufstehen, gegen 5 Uhr am Airport, etwa 7 Stunden fliegen, dann geht’s direkt in die Halle zum Event, danach sitzen wir bis zu 4 Stunden im Bus sitzen, um zum nächsten Hotel zu kommen. Dort schlafen wir kurz und danach geht das ganze wieder von vorne los.

Florian: Insbesondere das Reisen beansprucht den Körper sehr. Da kann sich jeder selbst reinversetzten, der längere Zeit in einem Bus verbracht hat. Wenn du gerade noch voll aufgewärmt warst und dich in den Bus setzt, kühlt der Körper massiv herunter und wird vollkommen steif. Dann fahren wir weiter in die nächste Stadt und müssen am nächsten Morgen wieder direkt zum nächsten trainiert. Wir müssen uns in Shape halten.

Jeder kann sagen und denken was er will, Wrestling ist ein extremer Sport und körperlich sehr beanspruchend.

Marcel: Wir werden in erster Linie dafür bezahlt, in Form zu bleiben. Wir werden nicht fürs kämpfen bezahlt, das machen wir ohnehin gerne.

Wie viele Besucher kommen denn zu den Coconut Shows?
Florian: Da kommen zwischen 500 oder weniger. Bei den „Outside Loops“ kommen ab 5.000 Besuchern. Bei Takeover Shows finden in den großen Arenen statt und da können es bis zu 20.000 Besucher werden. Das sind die größten Events, welche die NXT zu bieten hat.

Wir wollen auf jeden Fall in die großen Arenen und haben noch größere Ziele. Das ist der Grund, weshalb wir jeden Tag auch weiterhin so hart arbeiten.

WWE NXT Sportler Marcel Barthel und Fabian Aichner Interview
WWE NXT Sportler Marcel Barthel und Fabian Aichner Interview

Was Motivierte Euch in jungen Jahren diesen Weg zu gehen?
Dir Marcel, wurde der Sport ja quasi in die Wiege gelegt, mit einem Bekannten Ringkämpfer als Vater.
Ich bin aufgewachsen mit einem Vater, der unfassbar stolz auf seine sportlichen Erfolge war. Es gab in seinen Leben drei Dinge, die ihm wichtig waren: Ringkampf, Ringkampf und nochmals Ringkampf …danach kamen alle anderen Sachen.
Ich habe wirklich noch niemanden kennengelernt, der so derartig besessen vom Ringkampf war und der für seinen Sport wirklich alles andere aufgegeben hat. Dieser Mann war fünfmal verheiratet und das hatte damit zu tun, weil er nie zu Hause war und immer an einem anderen Ort gerungen hat.
Das waren auch krasse, andere Zeiten, denn mein Vater wurde 1933 geboren und hatte schon als Kind in zwei Armee dienen müssen. Er hat echt hart gearbeitet und 33 Jahre lang unseren Sport betrieben. Zu einer Zeit mit ganz harten Umständen, ohne die medizinische Unterstützung und das medizinische Wissen, auf das uns heute zur Verfügung steht.
Ich habe damals die ersten Tapes von meinem Vater mit 3 oder 4 Jahren gesehen. Natürlich habe ich auch damals schon WWF im Fernsehen geschaut. Meine Heros waren genauso wie für andere auch, Bret Hart oder Ultimate Warrior.
Aber ich bin natürlich auch noch mal mit ganz anderen Leuten aufgewachsen, wie im Robbie Brookside, William Regal, meinem Vater Axel Dieter, Steve Wright, der Vater von Alex Wright. Leute, die ebeso meine Helden waren, aber hier in Europa gar nicht so bekannt sind. Deswegen komme ich aus einer ganz anderen Ecke mit anderen Einflüssen und ich denke, das sieht man auch im Ring.

Und ja, mir wurde der „Wrestling“ Sport in die Wiege gelegt. Ich wurde als Kind im Alter von 8 oder 9 Jahren in die Umkleiden in Hannover geschmuggelt, da es dort tatsächlich gar nicht erlaubt war, die Ringkämpfe unter 18 Jahren zu sehen. Meinen Vater durfte ich somit im Jahr 1997 noch einmal kämpfen sehen. Das war echt toll.

Mein Vater hat mich immer gefördert, was den Sport angeht, ich sollte bei allem was ich tue immer Profi werden. Wenn ich gesagt habe, dass ich Fußball spielen will, sagte er „Junge, das ist gut, damit kannst du Geld verdienen.“ Doch eigentlich wollte ich eigentlich immer Catcher werden. In der Schule gab es diese Freunde-Bücher in denen man reingeschrieben hat, was man einmal werden möchte. Während alle anderen Polizist oder Feuerwehrmann reingeschrieben haben, war das in meinem Fall, dass ich Catcher werden will.

Ich habe versucht, in einen Amateurliga Verein zu komme, weil mein Vater unbedingt wollte, dass den Ringkampf von der Pike auf erlerne. Daraufhin habe ich erst mit dem Boxen angefangen, wurde Norddeutscher Meister im Amateurboxen und bin dann zum Amateurringen gekommen. Allerdings wollte ich diesen Sport nur als Sprungbrett nutzen.
Mit 16 wurde ich dann zum ersten Mal von meinem Vater im Ring trainiert, bin alleine mit 18 nach Hamburg gezogen und habe dort auf einer Matte unter dem Ring geschlafen, weil ich noch keine Wohnung hatte.

Ich bin morgens aufgestanden und habe trainiert und abends bin ich wieder unter den Ring gekrochen um zu schlafen. Ein Leben für den Sport.

Darauf war mein Vater sehr stolz gewesen. Der hat mich noch kämpfen sehen, Titel gewinnen sehen und das hat am Ende für beide Seiten gepasst. Allerdings habe ich mir niemals erträumt, hier bei der WWE zu sein – ich wollte einfach nur catchen. Früher habe ich für 100 Euro gecatcht und bin 5 bin 8 Stunden von Hamburg nach Saarbrücken gefahren. Ich habe das immer aus Liebe zum Sport und aus ganzem Herzen gemacht und daher fühlt sich das jetzt eher als Belohnung an, nach einer langen Entwicklung.

Klar, motiviert das auch und treibt weiter an, neue Horizonte zu entdecken. Fabian Aichner als Teampartner treibt mich zusätzlich an, weil wir so verschieden sind und uns gegenseitig weiter nach vorne pushen.

Fabian, wenn ich an Südtirol denke, da fallen mir unzählige andere Bereiche ein, in denen man aktiv werden kann, wie kamst du zum Ringkampf?

Ich bin aufgewachsen in Pfalzen, das ist ein ganz kleines Dorf mit knapp 3.000 Einwohnern im Nordosten Südtirols in Italien.
Ich kann mich noch genau daran erinnern, warum ich Westler werden wollte. Als ich 5 Jahre alt war, habe ich mit meinem Vater, Fernsehen geschaut, und da lief der Film „Commando“ (1985) mit Arnold Schwarzenegger und noch nie zuvor hatte ich so einen großen Bizeps gesehen. Arnold ist ja in meiner Nähe in Graz aufgewachsen und mein Vater hatte mit mehr über seine Entwicklung erzählt, dass er als Bodybuilder erfolgreich sein wollte und alle zu ihm gesagt haben, es wird nie klappen. Aber er hat es gemacht und ist damit nach Amerika gegangen. Diese Einstellung hat mich motiviert und ich habe zu meinem Vater gesagt: „Ich mache was Besonderes in meinem Leben und werde irgendwann auch nach Amerika ziehen.“

Ich habe echt viele Sportarten ausprobiert, wie Fußball oder Tennis, ich war professioneller Skifahrer und als ich 13 Jahre alt war, habe ich im Fernsehen eine Episode von WWE Smackdown gesehen – da hat es bei mir „Klick“ gemacht. Ab diesem Moment habe ich nur noch versucht, irgendwie in das Wrestling Business zu kommen.

Es gab bei uns jedoch keine Wrestling Schule in der Gegend und so habe ich im Internet die Werbung von Alex Wright’s Wrestling Schule gefunden, habe ihn angeschrieben und bin dann von Südtirol aus nach Nürnberg gefahren. Das wurde zur Regel und ich habe an meinen Wochenenden 14 Stunden am Tag Samstag und14 Sonntag im Ring verbracht. Anschließend bin ich wieder nach Hause gefahren und Zwischendurch unter der Woche gearbeitet.

Mein Vater ist ein ziemlich sturer Bock und diese Eigenschaft habe ich offenbar von ihm. Bei mir war nie die Frage, ob es klappt, sondern nur wann. Ich war immer positiv eingestellt, dass es klappt und habe immer hart gearbeitet. Ich hatte einfach das richtige „Mindset“ – ich höre nicht auf, bis ich da bin, wo ich hinkommen will. Wie Arnold Schwarzenegger immer sagte: „Hard work pays off

Du kannst diesen Sport nicht machen, wenn du ihn nicht liebst.

Marcel hat regelmäßig unter dem Ring geschlafen, das ist nicht nur eine Floskel – Du musst soviele Kompromisse eingehen und Verzichten, um diesen Sport ernsthaft auszuüben. Ich habe an Flughäfen geschlafen, bei Promotoren auf dem Fußboden gepennt. Das alles hat seinen Preis. Marcel und ich profitieren sehr von unseren Stärken. In den letzten beiden Jahren haben wir uns beide sehr stark weiter entwickelt und hoffen, es geht so weiter.

Auf dem Download Festival in Donington seid ihr mit WWE NXT vor Ort. Welche Rolle spielt Musik in eurem Leben.

Fabian: Musik spielt beim Sport schon eine große Rolle, insbesondere was die Motivation angeht. Wir sind beide große Fans der „Rocky“-Filme. Ich mag die Klassiker der Rockmusik aus den 80er und 90ern. Die Musik gibt mir einen Energie-Push und da habe ich richtig Bock hart zu trainieren.

Marcel: ich höre gerne deutsche Musik, genauso wie ich in den USA oder England auch deutsches Fernsehen schaue. Das versetzt mich immer wieder zurück in die Heimat.
Wenn ich Musik höre, dann ist das AC/DC, Metallica oder Guns N Roses – da gibt es übrigens einen lustigen Zusammenhang, als ich damals zum ersten Mal gegen WALTER gekämpft habe, dann hatte er „Welcome to the Djungel“ als Einzugsmusik, das fand ich cool. Im Rockbereich gibt es auch soviel Bands, die coole Gimmicks haben, wie „Steel Panther“ oder „Mötley Crüe“. Letztes Jahr haben wir auf dem Download Festival auch die Bands Guns n Roses, Ozzy Osbourne und Marilyn Manson gesehen. Mansons The Beautiful People

War damals ja auch schon das offizielle Theme zu „Smackdown“.
Beim Wrestling gab es schon immer tolle Musik, die man mit dem Wrestlern selbst in Verbindung bringt. Denke mal an The Rock – “Electrifying, oderRap Sheetbei Moka T – „Can you dig it, Sucka?“ Musik ist ein ganz großer Bestandteil des Wrestling geworden.

Tipp: Wrestling Theme Compilations findet ihr bei YouTube

Was wünscht ihr euch für eure weitere Karriere?

Fabian: Luft nach oben gibt es immer und dann wir wünschen uns in erster Linie Gesundheit und das unser Körper weiterhin mitmacht. Wir sind beide sehr hungrig und ohne, dass wir mit dem Tag-Team-Titel rauslaufen, und bevor wir nicht aus dem Main Rooster der Wrestlemania herauslaufen haben wir noch lange nicht genug.

Marcel: Mein Vater hat immer gesagt: „Gesundheit und Glück“ denn viele Passagiere der Titanic waren sehr gesund, aber hatten sehr wenig Glück. Das Glück ist mit den Tüchtigen und von nichts kommt nichts.

Mehr über die WWE NXT erfahren auf: https://de.wwe.com/shows/wwenxt/

Interview von Marcus Liprecht aus dem WWE NXT Performance Center in Enfield, London am 13.06.2019

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