VeritasMaximus GlaubeundWille AlbumCover()
Veritas Maximus - Glaube und Wille - Album Cover (2014)

Da ist es nun, das Erstlingswerk von VERITAS MAXIMUS, der Band um Kevin Russell, vielen besser bekannt als die Stimme der Böhsen Onkelz. Von zahlreichen Fans heiß erwartet und von seinen Kritikern schon im Vorfeld in höchster Form verteufelt, erblickt das Album „Glaube und Wille“ im Jahr 2014 das Licht der Welt.

Was hat dieser Mann nicht schon alles erlebt, ein Leben wie eine Berg-und-Tal-Fahrt. Von der Straße ins Rampenlicht und dazwischen unzählige Eskapaden, Abstürze und zur Schau gestellte menschliche Abgründe voller Liebe, Leid und Selbstzerstörung.

Mit Textzeilen, wie „Jetzt will ich’s wissen – Blut geleckt, viel zu oft hab ich den Tod geschmeckt“ soll all das nun der Vergangenheit angehören. Wie ein Phönix aus der Asche kommt Kevin Russel zurück und vollzieht mit „Glaube und Wille“ offensichtlich sein Comeback ins Leben und ein kompromissloses ehrliches Resultat von Selbstreflexion in Personalunion.

Wem, wenn nicht Kevin Russell steht es zu, sein Album mit der Botschaft „Keine Macht Den Drogen“ zu eröffnen und seine durchlebten Erfahrungen, dem jahrelangen Wunsch, Clean zu sein, in Verbindung mit höllischem Selbsthass und Flucht musikalisch glaubhaft aufzuarbeiten. Er weiß, wovon er spricht! Es handelt sich hierbei nicht um einen Song, der um Vergebung bettelt, sondern vielmehr um eine Botschaft, die Runde machen soll, um Menschen in ähnlicher auswegloser Situation die Hand zu reichen und wachzurütteln.

Selbstverständlich zieht der Hörer unweigerlich den Vergleich zu den Böhsen Onkelz und findet in „Erkenne Dich Selbst“ starke Parallelen zum Klassiker „Zieh mit den Wölfen“. Der Song soll ermutigen, Power und Freude schenken, aber auch zum Nachdenken über die eigene Person anregen. „Trag dein Kreuz und jammer’ nicht – steh zu dir und komm ins Licht“.

Die musikalische Stilrichtung der Songs ist hauptsächlich an der Schaffensphase der Böhsen Onkelz Mitte der 90er Jahre orientiert und kommt mit satten Rock’n’Roll Bordmitteln und hochprofessionellen Soli aus. Von Effektüberfrachtung oder überproduzierten Songs keine Spur, was den Songs die nötige Bodenhaftung verleiht.

Brachial und offen kehrt Kevin Russel mit den Songs „Veni Vidi Veritas“ sein Innerstes nach Außen. Wenn er singt „Jetzt mach dich grade, Wurm der Lüge – Ehre gegen Satans Züge“ so klingt es wie ein Befreiungsschlag.

Eine Fortsetzung des Böhse Onkelz-Klassikers „Koma“ gibt es in Form des Titels „Schicksalsflügel“, in dem sich Russell erneut schonungslos mit seiner selbst auseinandersetzt und Zeilen, wie „Jetzt will ich’s wissen – Blut geleckt – Viel zu oft hab ich den Tod geschmeckt“ wie ein Mantra manifestiert und mit „Wie neu geboren mit geschärften Sinnen – kann ich nun endlich in Freiheit beginnen“ definiert.

Eine Presseschelte a la „Danke für Nichts“ schreit der blonde Hühne mit „Bild Tilt“ in Richtung des Axel Springer Fischblatts und rechnet so ab mit den vermeintlichen verleumderischen Schlagzeilen über Russells vergangene Eskapaden und Fehltritte in der Öffentlichkeit. „In unserem schönen Land der Dichter und der Denker – Objektivität – steht zitternd vor dem Henker“.

Aber auch an der Kirche, dem Papst und Gottesglauben lässt er kein gutes Wort. Seine objektive Auseinandersetzung mit der Theologie und dem damit verbundenen Kampf um Macht, Reichtum und Ansehen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Songs „Des Teufels Geleit“ und „Verfechter des Bösen“ und gipfelt in dem VERITAS MAXIMUS Fazit: „Kirche, Synonym für Folter und den Wahn – Skrupellose Marionette des Vatikan“.

„Glaube und Wille“ ist sicherlich keine leichte Kost. Dafür über ein wichtiges Album, nicht nur für Kevin Russell, sondern um die Person Kevin Russel verstehen zu können. Obendrein bietet die Scheibe gelungene Rocksongs mit Tiefgang und vielfältigen Gitarrenarrangements, mit der markanten Lead-Stimme eines Sängers, die es so kein zweites Mal zu hören gibt.

Kein Zweifel, die „Stimme aus der Gosse“ ist zurück und rechnet mit allen ab – in erster Linie aber mit sich selbst.

Review von Marcus Berg

 

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Tracklist – Glaube und Wille

1. Keine Macht den Drogen
2. Erkenne dich selbst
3. Veni vidi veritas
4. Heimat
5. Ehrlichkeit
6. Verfechter des Bösen
7. Schicksalsflügel
8. Bild tilt
9. Kein Ende
10. Satansmedium
11. Noahs Erben
12. Des Teufels Geleit

1 Kommentar

  1. Wirklich eine klasse Review!!!

    Endlich mal einer der objektiv und vorwärtsgewandt denkt.
    Und nicht wie die von allen “geliebten” Schundblätter, die noch 4 Jahre danach die Bilder der Gerichtsverhandlung zeigen.

    Das was Kevin geschafft hat ist bemerkenswert. Viele währen an seiner Stelle schon lange Tot (vor allem nach dem eiskalten Entzug nach Jahrzehnten des exzessiven Drogenmissbrauchs).

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