Label: Destiny
Veröffentlichung: 25.05.2007

Kann sich noch jemand an die Terrorgruppe erinnern? Nach deren Auflösung haben sich Gitarrist Johnny Bottrop und Bassist Slash Vicious entschlossen, mit einer neuen Band weiterzumachen. The Bottrop beabsichtigen zwar keine Ähnlichkeiten mit der Vorgängerband, doch ob sie wollen oder nicht: sie erinnern schon an die Punkrocker von früher. Schon von Anfang an haben die Bottrops bewiesen, dass sie eine Liveband sind – wie auch die Terrorgruppe.

 

Fans beider Bands konnten die Lieder meist auswendig, lange bevor diese auf CD gepresst wurden. Das Album, das den schlichten Namen “The Bottrops” trägt, hat den Anspruch, einfach nur “simple Garagen-krachige punkrockende Powerpop-Hymnen mit so etwas wie echten, konkreten und geradlinigen deutschsprachigen Songtexten” zu haben. Und das trifft es ganz genau. Schon nach dem zweiten Anhören der insgesamt 14 Tracks kann man die Refrains mitsingen. Die Melodien sind eingängig und ein Mitwippen lässt dich kaum verhindern. Durchaus auch zum Pogo tanzen geeignet.. Besonderen Augenmerk sollte man auf das Booklet legen. Nicht nur, dass es neben den Texten auch immer eine kleine Entstehungsgeschichte des jeweiligen Songs gibt. Das Booklet selber ist eigentlich ein Retro-Poster mit herrlichen Bildern aus Berlin. Außerdem steht noch eine Bandgeschichte dabei. Für Menschen, die bisher nicht den Zugang zu Punk hatten, bekommen mit dieser Platte die Möglichkeit dazu.

 

Wer sich schon immer gefragt hat, was Punk eigentlich ausmacht, bekommt es in “4 Akkorde” ausführlich erklärt: “Wisst ihr denn nicht, dass ein Akkord alle Zäune niederreißt und die versprengten Stämme der Unterhunde zusammenschweißt?” Generell sind es die Texte der vier Berliner wert, genauer hinzuhören. Nicht so derb und sarkastisch wie die der Terrorgruppe, aber doch mit kleinen ironischen Seitenhieben an die ach so schlimme Gesellschaft. So kritisieren sie beispielsweise in “Reduziert” die ungebremste Kauflust oder den haltlosen Fernsehkonsum in “Nicht Wie Im Fernsehen”. Auch die bei den Deutschen so beliebten Kleingarten-Kolonien bekommen ihr Fett weg. Was die Bottroper daran so stört? Wenn die europäischen Nachbarn etwas störe, gingen sie alle auf die Straßen, um zu protestieren. “Die Deutschen gehen aber lieber in ihren Kleingarten und schimpfen auf Dosenpfand und die Ausländer.”

 

Für wen genau machen die vier dann ihre Musik? Das sollen sie mal schön selbst beantworten: “Existenzberechtigung und Ziel der The Bottrops ist die Verbreitung von Text, Melodie und Rhythmus (?) für Underdogs, Unterhunde, Verweigerer, Nichtswoller, Nichtskönner und krasse Außenseiter der Gesellschaft.” Und genau das ist mit dem Album gelungen. Engagement und Botschaften an die Gesellschaft treten bei diesem Album hervor. Aber auch Melodien und Spaß an der Sache zeichnen sich deutlich ab. So will man deutschsprachigen Punkrock hören. Auch wenn die Lieder das eine oder andere Mal verdächtig nach Terrorgruppe klingt, das Potential zur Eigenständigkeit ist da. Auf jeden Fall macht die Platte viel Spaß

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