red dead redemption

Ein Spiel wie ein Italowestern: “Red Dead Redemption” ist nicht nur ein weiteres Game, das den Wilden Westen als Setting hat. Der Rockstar-Titel ist vielmehr das erste Videospiel, dass sich dem Thema in angemessener Form widmet. Und dank Open-World, überzeichneten Charakteren und packender Handlung zum bis dato wichtigsten Game des Jahres avanciert.

red_dead_redemption[1]

Worum geht’s?

1911, mexikanisches Grenzland. Ein Outlaw im Zug kommt an, steigt aus, wird von zwei Männern in Anzügen abgeholt. Die beiden sagen ihm, dass er keine Scheisse bauen soll und wisse, was auf dem Spiel steht. Dann lassen sie ihn ziehen. So beginnt „Red Dead Redemption“ – ein Italowestern hätte keinen besseren Start hinlegen können. Wenig bis nichts ist über den Helden bekannt, seine Geschichte liegt irgendwo im Schatten, keinerlei Informationen über seine Beweggründe. Wer ist dieser Typ namens John Marston, den wir spielen? Sicher kein Niemand, das lernen wir schnell. Sondern jemand auf der Suche. Mehr noch: Auf der Jagd. Die Beute: Bill Williamson, ein Outlaw, mit dem Marston lange geritten ist. Nicht zum Kühe treiben allerdings, sondern in einer Gang.

Und so erfahren wir mit dem Fortschreiten der Handlung Stück für Stück mehr über den pikaresken Marston, die mysteriösen Agenten und die grausame Geschichte, das Marston zu seiner Jagd antreibt. Diese führt durch Steppen, über verlassene Nester, stinkende Saloons, mexikanische Banditos bis hin zu einer Stadt mit dem doppeldeutig anmutenden Namen „Blackwater“.

Kurz: „Red Dead Redemption“ ist ein verdammter Italowestern von Spiel geworden, egal ob man nun die Handlung, die Szenerie oder die wortkargen Figuren betrachtet. Gerade letztere sind so herrlich überzeichnet, dass man eigentlich permanent über den Humor der Entwickler Rockstar Games lachen könnte. Aber zum Lachen ist keine Zeit, denn hier warten noch einige Drecksäcke auf ihren Richter und Henker in Personalunion. Und sicher ist: Vor Marston läuft keiner davon. Leone, Corbucci und Castellari wären stolz auf diesen Typen.

Wie funktioniert’s?

Soweit, so gut. Das Western-Genre ist ja auf Konsolen und PC nix neues, einige Games haben sich daran versucht, doch so richtig gerockt hat noch keines davon. Im Gegenteil, viele haben gezeigt, wie man es eben nicht machen sollte. „Red Dead Redemption“ macht dagegen von Anfang an einiges richtig: Die Spielwelt ist offen, die Steppe liegt einfach da und es gibt keinen Zwang, die Story direkt durchzuspielen. Stattdessen kann ich auch einfach in den Sonnenuntergang reiten, Kojoten jagen, Verbrecher suchen, eine Runde Poker spielen oder Aufträge für Fremde erledigen. Darunter finden sich die obskursten Typen, egal ob Pferdeliebhaber der besonderen Art oder Huren, deren Zuhälter dringend eine blutige Lektion in Sachen ehrwürdige Behandlung von Angestellten nötig haben. Es gibt eine Menge zu tun und jede Menge Gelegenheiten, sich davon abzulenken. Das kennt man aus „GTA IV“ schon und auch da hat es prima funktioniert.

Überhaupt, „GTA IV“: Wer das gezockt hat, wird sich hier blendend zurecht finden. Spielmechanik, Steuerung und Karten sind mehr oder weniger identisch geblieben. Neu ist logischerweise, dass es keine Autos zu knacken gibt, sondern Pferde, auf denen geritten wird. Das funktioniert ganz prima (auch hier lief in anderen Games einiges schief) und nimmt dem Spiel vor allem eines: die Hektik. Denn mit dem Pferd von A nach B zu reiten, nimmt schon mal gut und gerne eine viertel Stunde in Anspruch.

Während dem Trip sitzt man aber nicht nur vor dem TV und treibt seinen Gaul durch die Landschaft, sondern erfreut sich auch ein ums andere mal an deren Anblick. Denn grafisch ist „Red Dead Redemption“ einfach nur zauberhaft geworden. Wo andere Games schnell mit monotoner Optik langweilen, setzt Rockstar hier auf pure Gigantomanie: Die Spielwelt ist nicht nur abwechslungsreich ohne Ende, gigantisch verdammt groß. So groß, dass man manchmal fast schon fürchtet, darin unterzugehen und zu verschwinden wie die zahlreichen Gegner von Marston. Genau dann nimmt man einfach den roten Faden wieder auf, macht mit der Hauptstory weiter und taucht mal wieder für einige Stunden in die düstere Geschichte des Antihelden ein. Und schon wieder ist ein Nachmittag rum – „Red Dead Redemption“ ist ein Zeitfresser geworden, keine Frage.

Wie lange dauert’s?

Wer nur durchrennt, nicht nach links oder rechts schaut und das Spiel so schnell wie möglich richtung Abspann treiben will, dürfte das in 15 bis 20 Stunden packen. Dann hat man zwar das Ende gesehen, aber noch längst nicht alles, was das Game bietet. Da ist noch so verdammt viel mehr zu tun, dass man locker das dreifache dieser Zeit mit „Red Dead Redemption“ verbringen kann. Und dazu bietet einem das Game auch die Möglichkeit, denn nach dem Ende ist nicht Schluss, wie bei „GTA IV“ kann man auch hier weiterhin durch die Lande reiten und erledigen, was noch nicht erledigt wurde. Sollte man wirklich mal alles getan haben, was das Spiel anbietet, bleibt immer noch der Mehrspieler-Modus. Und spätestens hier kann man sich dann endgültig auf monatelangen Spielspass freuen. Ein paar Freunde einladen, zusammen losreiten und den Westen aufmischen – selten haben altbekannte Spielmodi so viel Spaß gemacht.

Was rockt

Eigentlich hat Rockstar alles richtig gemacht: Gute Story, offene Spielwelt, viel zu sehen und tun, kaum Langeweile, aberwitzige Figuren, Anspielungen auf die Gegenwart, Querverweise auf Meisterwerke des Western-Genres. Hier steckt verdammt viel Arbeit drin und mindestens ebenso viel Liebe. Das merkt man zu jeder Sekunde.

Was nicht rockt

Typisch für den Entwickler gibt’s allerdings auch den einen oder anderen Bug. Gut, das ist nicht wild und wird per Patch erledigt, aber es nervt bisweilen. Ansonsten fällt vor allem auf, dass die Nebenmissionen und das Verhalten von Marston zwar bewertet werden, das aber leider keinerlei Auswirkungen auf die Story hat. Wenn ich doch schon die ganze Zeit als Badboy spiele, wieso bekomme ich dann dafür nicht irgendwann auch die Rechnung in Form eines alternativen Endes präsentiert? Hier bleibt Rockstar leider inkonsequent.

Und der Schluss…

… ist kein Ritt in den Sonnenuntergang, soviel sei schon mal gesagt. Aber das findet am Besten jeder für sich raus, denn „Red Dead Redemption“ ist ein Pflichtkauf, der in keinem gutsortierten Gamerhaushalt fehlen darf. Das hier ist das erste echte Western-Game, dass sich diesen Titel völlig zurecht ans verdreckte Revers heften darf. Insofern keine weiteren Worte, sondern ab auf’s Pferd, da ist schließlich noch was mit so einer Bande von Hurensöhnen zu klären.

Mehr zu Red Dead Redemption

Systeme: Xbox 360, PS3

Entwickler: Rockstar San Diego

USK: ab 18

Preis: zwischen 50 und 60 Euro

Unser Kauftipp

Bestellen für 51,44 € bei Amazon: Red Dead Redemtion (Uncut) für Xbox360
Bestellen für 53,84 € bei Amazon: Red Dead Redemtion (Uncut) für PS3

Artikel von Volker

Fotos: Rockstar San Diego

Kommentar verfassen