sniper ghost warrior games

„Sniper: Ghost Warrior“ ist vermutlich der erste Titel, bei dem sich wirklich alles ums Scharfschützen-Dasein dreht. Von Herzschlag bis Windgeschwindigkeit sollen diverse Faktoren eine große Portion Realismus ins Spiel bringen. Wird’s ein Headshot oder eher ein Schuss ins Knie?

Worum geht’s?

Um die vermutlich älteste Frage der Mehrspielerpartie-zockenden Gamerschaft: Wer macht den Sniper? Richtig, der Sniper, das ist der, den immer jeder spielen will und nur selten jemand gut spielt. Aber was macht den Typen mit dem Scharfschützengewehr eigentlich so interessant? Schließlich kauert er meist nur irgendwo rum, wartet auf einen ahnunglosen Neuling, verpasst selbigem einen Headshot und lacht sich dann ins Fäustchen, dass ihm wieder so ein Depp vor die Dragunov oder MK11 gelaufen ist. Und weiter nix. Aber scheinbar genug, dass City Interactive dem Sniper ein eigenes Spiel widmet: „Sniper: Ghost Warrior“ ist vermutlich der erste Titel, bei dem sich wirklich alles ums Scharfschützen-Dasein dreht.

Wie funktioniert’s?

Naja, wie eine Kugel fliegt, dürfte hinlänglich bekannt sein. Bei „Sniper: Ghost Warrior“ will man sogar ganz genau drauf geachtet haben. Heißt: Herzschlag, Windrichtung und andere Faktoren sollen eine Rolle spielen, wenn es sich um die Flugbahn des Projektils dreht. Mit Betonung auf „sollen“, denn so richtig simulations-lastig ist das Game nicht geworden. Auf den niedrigen Schwierigkeitsgraden bekommt man gar angezeigt, wo die Kugel mal landen wird. Eine echte Herausforderung stellt damit nur noch der höchste Schwierigkeitsgrad dar, also legen wir damit mal los. Und stellen kurz danach fest, dass die Kugel auch hier meist problemlos ins Schwarze trifft.

Apropos Treffer: Die sind ja ganz hübsch animiert, vor allem wenn’s ein Headshot wird und das Spiel auf Bullet-Time umschaltet. Das ist eingangs sehr ansehnlich, nervt mit fortschreiten des Games aber zusehends. Eine „Überspringen“-Funktion hätte hier ganz gut getan. Oder eine Story, denn die dargebotene Marke „südamerikanisches Eiland wird von Diktator terrorisiert, flieg mal hin und pump alle um!“ ist nun wirklich alles andere als neu.

Aber über all zu viel Eigenständigkeit kann man sich hier ohnehin nicht beklagen. Im Gegenteil: Grafik und Gameplay erinnern nicht nur an „Modern Warfare 2“, sondern scheinen geradezu aus dem Activision-Hit entnommen zu sein. Ein Beispiel? Die Steuerung beispielsweise ist absolut deckungsgleich, von nachladen bis robben alles schon verinnerlicht, noch bevor das Game überhaupt startet. Weiter geht’s mit dem Level- und Missionsdesign: Alles gescriptet von vorne bis hinten und sogar mit ähnlichen Missionen wie „MW2“ versehen (Stichwort: Bohrinsel stürmen). Aber gut, klauen ist eine Sache, Spass kann ein Game ja dennoch machen.

Und das tut „Ghost Warrior“ sogar hier und da. Denn es hat die eine oder andere knifflige Stelle, bei der man mit Ballern allein nicht weiterkommt. Stattdessen ist Stealth gefragt und nur wer leise bleibt, packt’s, alle anderen werden gnadenlos zerballert. Schön: Endlich mal wieder ein Game mit Medipacks. Statt einfach irgendwo angeschossen liegenbleiben und warten bis der Charakter wieder regeneriert ist, muss man hier schon schauen, dass man nicht jedes Medipack verschwendet, bevor die Mission rum ist. Da läuft man aber auch gar keine Gefahr, denn leider liegen selbst auf höchstem Schwierigkeitsgrad viel zu viele von den Dingern rum – hier hätte man noch ein wenig was drauflegen können und das Game für Profis anspruchsvoller gestalten.

Wie lange dauert’s?

So dagegen ist nach gerade mal sieben Stunden der Zauber vorbei. Kein fetter Bossfight, kein grandioses Finale, eher ein stilles und leises Ende. Bisschen enttäuschend ist das schon.

Was rockt

Sniper spielen natürlich. Das wollen ja immer alle. Nun kann man’s ausgiebig, sprich: Wer die Scharfschützen-Missionen in „Modern Warfare“ und „Modern Warfare 2“ mochte, wird sich hier pudelwohl fühlen. Die Dschungel-Landschaft ist zudem dank Chrome 4 Engine wunderhübsch dargestellt, auch wenn hier und da kleinere Grafikfehler nerven.

 

Was nicht rockt

Eine ganze Menge: Zu schnell durch, zu linear, zu einfach, zu schnell durchschaut. Auch in höherem Schwierigkeitsgrad keine Herausforderung für Profis, stattdessen nach einigen Stunden Routine und dann abrupt zu Ende. Hier wäre ne Menge zu tun gewesen. Gleiches Gilt für die Story, die in etwa so viele narrative Höhepunkte aufweist wie eine Folge „Lindenstrasse“.

 

Und der Schluss…

… ist eben kein Headshot, sondern eher ein Schuss ins Knie. Das ging daneben, City Interactive. Aber: Das hier will eben auch keine AAA-Produktion sein, sondern ein Budget-Titel. Deshalb kommt „Sniper: Ghost Warrior“ schon für kleines Geld in den Handel – verglichen mit „Modern Warfare 2“ spart man hier mal eben 50 Prozent. Dafür gibt’s einige Stunden Unterhaltung ohne nennenswerte Höhepunkte. Wer Bock drauf hat – go for it. Alle anderen hatten eh noch nie Lust auf Sniper spielen und nahmen lieber das Sturmgewehr.

Sniper: Ghost Warrior

Systeme: Xbox 360, PC

Entwickler: City Interactive

USK: ab 18

Preis: zwischen 35 und 40 Euro

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Artikel von Volker

Fotos: City Interactive

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