Megaherz: X-Ti und Lex im Interview zum “Götterdämmerung”-Album

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Megaherz Band Interview

Am Nachmittag ihres Auftritts beim „Black Forest Invasion“ in Freudenstadt, haben sich X-ti und Lex von „Megaherz“ Zeit für einen Plausch mit uns genommen. Es ging aber nicht nur um ihre neue Scheibe „Götterdämmerung“, sondern auch um das neue Studio, das DFB-Pokal-Finale und vieles mehr!

Es ist Samstagnachmittag und für Mai extrem kalt, vor allem hier im Schwarzwald! Aber zunächst Euch ein herzliches Willkommen auf der „Black Forest Invasion“ hier in Freudenstadt. Lex, Du hast ja bereits vor dem Interview klargestellt, dass ich besser keine Fragen vor 2006 stelle.

Lex: Nee, kannst Du ruhig! Deshalb hab ich ja X-ti als Verstärkung mitgenommen! (lacht)

 

Vielleicht später, aber erzählt doch bitte etwas über “Götterdämmerung”?

X-ti: Was möchtest Du denn wissen? Kennst Du es? Wie findest Du es?

 

Moment mal, ich wollte doch eigentlich Euch die Fragen stellen? Also los, habt ihr einen Lieblingssong auf der neuen Scheibe?

X-ti: „Heute Nacht“ ist mein Lieblingssong.

Lex: Bei diesem Album ist es für mich total schwierig. Vielleicht „Mann im Mond“, weil der Song für mich eine ganz persönliche Kiste ist. Aber ansonsten ist es für mich tatsächlich das komplette Album. Mich hat’s total gepackt!

 

Wieso persönliche Geschichte?

Lex: Ich habe den Song eigentlich alleine geschrieben, zwar nicht komplett, aber die Musik, die Gesangs-Line und den Text; das kam doch größtenteils von mir. Und dann ist es natürlich eine ganz persönliche Kiste, weil im Text auf ein heikles Thema eingegangen wird, auf Kindesmissbrauch und Sexualtriebtäter. Aber der Song wird ja eher auf eine märchenhafte Art und Weise erzählt.

 

Ich habe nicht ohne Grund nach der persönlichen Geschichte gefragt.

Lex: Nein, nicht dass ich so eine persönliche Geschichte hätte!

X-ti: Er hatte eine ganz harte Jugend! (Lacht)

Lex: (lacht) Obwohl ich sogar mal ein Schlüsselerlebnis als 11jähriger hatte. Wo mich ein…

X-ti: Das wollen wir nicht hören!

 

Und ob wir das wollen!

Lex: Nein, ist schon o.k., es ist auch eine Geschichte wo nicht wirklich etwas passiert ist. Aber es war ein schmaler Grat. Und zu der Entstehung des Songs: er entstand vor ungefähr einem Jahr, als die Diskussion um die Sicherheitsverwahrung von Sexualtriebtätern hochkochte, wo u.a. Till Schweiger zum Beispiel in dieser Talkshow so abgegangen ist und es auch in der Bild-Zeitung hin- und hergegangen ist. Und ich habe mich da an eine Situation in meiner Kindheit erinnert, wo ich als 11jähriger von einem 16/17-jährigen Jugendlichen auf einem Moped mitgenommen worden bin. Der wollte mich dann auch in den Wald locken, quasi mit dem Versprechen „Du kannst Dir mal fünf Mark verdienen“. Ich habe damals nicht gewusst was er wollte, bis er seine Hose runtergelassen hat! Ich war 10 oder 11 Jahre alt und Sex war da noch nicht in meinem Hirn.

Das hat dann noch zwei oder drei Jahre gedauert, aber meine Reaktion war damals schon typisch! Ich habe ihn gefragt wo denn die fünf Mark wären. Er hatte keine fünf Mark dabei und ich bin mit den Worten „Du kannst mich mal“ aus dem Wald gelaufen (lacht). Da ist nix passiert! Aber im Prinzip ist es ein schmaler Grat. Hätte er ein Messer dabei gehabt, oder wäre er auf einem anderen Trip gewesen, hätte auch etwas ganz anderes passieren können. Damals habe ich mich an diesen Moment zurück erinnert und so ist dann schließlich diese Geschichte von dem Triebtäter, der ein kleines Mädchen in den Wald lockt, mit dem Versprechen ihr den Mann im Mond zu zeigen, entstanden. Die Musik und vor allem der Basslauf, der sehr mystisch und düster ist, hat mich dann zusätzlich inspiriert.

 

Wie funktioniert bei Euch das Songschreiben? „Mann im Mond“ ist ein Song, der fast ausschließlich aus deiner Feder ist, sowohl Text als auch Musik.

Lex: Ja, genau.

 

Und damit gehst Du dann zu X-ti und sagst: Ich hab da mal was vorbereitet?

Lex: „Mann im Mond“ und auch „Abendstern“, das ist eine ganz alte Nummer von mir, die habe ich schon vor zehn Jahren geschrieben, das sind Songs, die von mir kamen. Aber eigentlich ist das nicht die typische Arbeitsweise bei uns. Eigentlich ist das so, dass X-ti komplett die Musik schreibt, Playback macht, einfach alles und mir dann das Playback schickt. Ich mache dann den Gesang dazu und schreibe den Text. Auch unser Schlagzeuger Bam (Anmerkung der Redaktion: Jürgen “Bam Bam” Wiehler) hat bei dem Album einen Song geschrieben. „Prellbock“ ist von ihm! Klar, haben wir den Song schon zusammen kreiert, aber das haben wir generell bei vielen Songs dieses Mal gemacht. Es war sehr viel Teamarbeit dabei, was auch sehr cool war.

 

Das heißt, dass aber normalerweise die Songs von Dir kommen, X-ti?

X-ti: Genau!

 

Wie reagierst Du, wenn Lex mit einem fast fertigen Song um die Ecke kommt?

X-ti: Mit offenen Armen! Wenn irgendwas funktioniert, dann freue ich mich natürlich. Wenn es eine gute Nummer ist, dann macht es auch Spaß. Es ist ja nur extrem rudimentär was da eigentlich kommt! Es sind wirklich nur Einzeltöne, kaum ein Akkord, nix!

Lex: Das stimmt nicht! Akkorde hatte ich auch!

X-ti: Stimmt, jetzt wo Du es sagst kann ich mich erinnern. Akkorde hatte er auch. Aber Akkorde bestehen aus mehr als einem Ton, oder? (lacht)

Lex: Ja, da siehst Du mal wieder, wie schön interaktiv bei uns diskutiert und gearbeitet wird! (lacht)

X-ti: Ist ja auch egal, jedenfalls ist das dann so, als würdest Du einen Christbaum verzieren. Mit Lametta und Kugeln und so, bis er halt richtig fertig ist. Ich baue dann das Playback auf und sorge dafür, dass es auch klingt und durchdacht ist.

 

„Götterdämmerung“ ist im Januar erschienen, eine verdammt lange Zeit seit „Heuchler“. Ihr habt zwar noch eine weitere Scheibe in der Zwischenzeit veröffentlicht, das Remix-Album „Loblieder“, aber Eure Fans haben langsam mit den Hufen gescharrt!

X-ti: Wir haben die Zeit gebraucht. Wir hatten eine personelle Umbesetzung, die sehr wichtig für uns war. Und ich habe in der Zwischenzeit ein Tonstudio aufgebaut. Ich wollte dieses Mal nichts mieten, sondern wirklich zuhause einfach runter gehen bei mir und den Computer anschmeißen und die Gitarre in die Hand nehmen und es funktioniert sofort alles, einfach loslegen. Und wenn mir etwas nicht gefällt kann ich es auch zwei oder dreimal einspielen, selber editieren. Das alles war schon immer meine Wunscharbeitsweise und dieses Mal wollte ich es eben echt durchziehen. Und das war auch ein Grund warum das Album so lange gedauert hat. Es war eine irrsinnige Arbeit das alles zu machen, so etwas kann man ja nicht beim Studiobauer bestellen. Naja, kann man schon, aber nur wenn man im Lotto gewonnen hat. (lacht)

 

Bei Vollblut-Musikern wie Euch, die permanent wahrscheinlich irgendeine Melodie oder einen Songtext im Kopf haben, stelle ich es mir unglaublich schwer vor, alles zur Seite zuschieben und sich komplett auf etwas anderes zu konzentrieren, wie zum Beispiel den Aufbau eines Tonstudios.

X-ti: Das ist tatsächlich so. Es passiert mir ganz oft im Alltag, einfach so. Wenn Du zum Auto gehst um zum Einkaufen fahren willst, dann hast Du auf einmal ein Song im Kopf. Und dann musst Du kurzfristig abwägen: Einkaufen, weil der Kühlschrank leer ist und versuchen die Idee zu behalten, oder schnell aufschreiben, essen kann man später. Die Idee geht einem unglaublich schnell verloren. Es ist dieser eine Moment, das dauert dann maximal 5 oder 10 min und dann ist es wieder weg. Da hat man besser ein Diktiergerät dabei, wo man das dann so völlig für die Außenwelt grauslich reinspricht oder summt. Aber es geht darum genau die Emotionen dieses einen Moments einzufangen. Denn nur dann kannst Du es wieder reproduzieren.

Lex: Wir haben uns alle schon gewünscht diesen Stöpsel im Kopf zu haben, wo man das Kabel einsteckt und dann die Ideen gleich ins Mischpult rein, das wäre super!

 

Wie bei „Vernetzt“ mit Keanu Reeves?

Lex: Ja, genau!

 

Ich hab da gerade so ein Bild im Kopf, von Euch an der Tiefkühltheke, eine Hand schon nach dem Pizzakarton ausgestreckt und in der anderen das Diktiergerät um schnell eine Songzeile reinzusingen.

X-ti: Na so schlimm ist es noch nicht, da überwiegt dann Gott sei Dank mein Schamgefühl, das kann man auch keinem antun. (lacht)

Lex: Aber a apropos Kreativität, die kreativsten Momente beim Texten habe ich in diesem halbwachen Zustand zwischen dämmern und aufwachen. Weißt Du, dieser Moment wo man aufwacht und sich eigentlich noch einmal umdrehen will. Vor allem wenn, wenn man aktuell in der Studiophase ist und die ganze Zeit an Texten arbeitet.

Ich habe schon einige Songs und Songideen geträumt. Deshalb habe ich in der Zeit immer einen Schreibblock neben dem Bett, immer! Und den Text zu „Herz aus Gold“ und auch einige Teile des Songs habe ich geträumt. Ich bin aufgewacht und hab’s mir gleich notiert. Und das lustige war, dass ich noch überlegt habe es richtig aufzunehmen und es X-ti zu schicken. Aber ich dachte dann: „Nee, lass es lieber, er kann eh wenig damit anfangen.“ Und wenn ich ihm einen Gesang schicke dann motzt er bloß „Was soll ich wieder damit?“ Ich habe es dann einfach zur Seite gelegt. Und am nächsten Tag schickt er mir ein Playback, das Playback zu „Herz aus Gold“. Und normalerweise bekomme ich Playbacks von ihm und werde erst einmal überfahren von diesem brutal perfekt abgemischten Sound. Da ist ja schon alles fertig im Großen und Ganzen. Da steh ich dann da und soll einen Gesang dazu machen! Ich höre mir das dann erst mal an und denk mir häufig: Scheiße, was muss ich mir dazu wieder einfallen lassen! Du schiebst es dann weg und wartest ein paar Tage! Aber in diesem Fall war es tatsächlich so: Ich habe es mir angehört, ich fand’s supergeil und am nächsten Tag hatte ich einen dringenden Termin. Es war wirklich super dringend! Ich wollte nur mal kurz reinhören. Ich hab dann einfach die Melodie-Line gesungen, die ich zuvor geträumt hatte und dachte mir nur: das passt, das ist ja Wahnsinn! Also habe ich mich hingehockt, und ich hatte echt keine Zeit, habe den Text fertig geschrieben und sofort an X-ti geschickt. Und das war das erste Mal, wo er richtig glücklich war!

X-ti: (lacht) Das war wirklich ein Volltreffer! Einfach super gut!

 

Das heißt, Du brauchst normalerweise länger für die Texte, Lex?

X-ti: Ja, aber das ist ganz normal! Als der Alexx noch bei uns gesungen hat, da hatten wir einen Song „5. März“. Das Playback hat ihm so gut gefallen, dass ihn das komplett blockiert hat. Nach 6 oder 8 Wochen kam er mit einem Text raus, der auch noch nicht so wirklich der Bringer war. Und dann ist letztendlich der Text zusammen mit dem Produzenten im Proberaum entstanden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Leute dann zu viel Ehrfurcht haben.

Lex: „Heute Nacht“ war bei uns ja auch so eine Baustelle!

X-ti: Stimmt!

Lex: Ich hab zehn oder elf Versuche gebraucht, glaube ich!

X-ti: Ich glaub sogar mehr! Ich hab einen Ordner mit fast 15 kompletten Texten zu dem Song!

Lex: Und im Endeffekt haben wir dann ein Patchwork daraus gemacht. Wir waren mit dem Song schon im Studio und haben uns während der Aufnahme nochmal zusammengesetzt. Ich habe praktisch den Gesang aufgenommen und dann haben wir gesagt, ja das klingt cool oder die Stelle ist noch völlig Banane, da muss was anderes her. Wir haben auch Bam Bam angerufen und gefragt was hast Du da noch für eine Idee, wir brauchen eine Zeile! Und am Schluss ist so eine geile Nummer dabei herausgekommen! Das ist immer wieder faszinierend wie man unter Druck arbeiten kann. Und wir waren echt unter Zeitdruck. Ich weiß, das hört sich jetzt blöd an, weil zwischen „Heuchler“ und „Götterdämmerung“ fast vier Jahre lagen. Aber der X-ti hat es ja schon gesagt, er hat das Studio aufgebaut und zwei Jahre waren wir dadurch kreativ gesehen blockiert. Dann kam natürlich irgendwann die Plattenfirma und hat angeklopft: „So jetzt wird’s mal langsam Zeit, Jungs!“ Und dann hatten wir eigentlich nur ein halbes Jahr zum Songwriten und produzieren. Das war so etwas wie der Tritt in den Arsch!

 

Mit dem Remake-Album habt Ihr aber den Fans ja auch zwischenzeitlich etwas geboten!

X-ti: Ja, das war einerseits die Intention, aber ich war auch neugierig, was andere Leute aus meiner Musik machen. Die Leute sagen immer, dass Loblieder so ein Zeitschinder-Album ist. Das mag vielleicht nach außen so wirken, aber es ist unglaublich geil wenn man nur so ein paar Spuren weggeschickt, oder auf einen Server hochlädt und dann bekommst Du etwas zwei bis drei Wochen später zurück mit einer komplett andere Sichtweise von dem Song. Das Mono Inc. Teil zum Beispiel („Herzblut“ Anmerkung der Redaktion) oder der Remix von Die Krupps („Ebenbild“ Anmerkung der Redaktion) ist einfach großartig. Da sitzt Du in deinem Studio und bekommt so ein MP3 und drückst drauf und hast das Grinsen im Gesicht!

Lex: Und vor allem, ich weiß nicht ob es Dir auch so gegangen ist, aber ich hab mir gedacht, warum ist das mir nicht eingefallen?

 

Es gibt also wirklich Songs, wo Euch die Remixe besser gefallen, als Eure Originale?

X-ti: Also ja, der Krupps-Remix ist geiler als das Original, absolut! Ich finde es Wahnsinn, richtig geil!

Lex: Aber in der Hinsicht möchte ich auch sagen, dass im Nachhinein betrachtet, „Loblieder“ für uns eine gute Vorbereitung für „Götterdämmerung“ gewesen ist. Es hat uns wieder ein bisschen resettet von den Ideen her, hat den Horizont erweitert, hat uns ein bisschen über den Tellerrand schauen lassen, um soundmäßig vor allem zu sehen, wie gerade so Elektro-Acts mit deiner Musik umgehen, es hat einen neuen Vibe gebracht.

X-ti: Ich bin ja total interessiert an Elektronik. Das mache ich ja fast lieber, als Gitarre spielen. (lacht) Und wir haben darüber auch den Ash von „Heimaterde“ kennen gelernt, der uns auch bei „Götterdämmerung“ immer wieder mit guten Einfällen, sowohl Arrangement, als auch mit Synti-Spuren, unterstützt hat. Das hat uns echt weiter gebracht.

 

Nochmal zurück Du den Songs, die einem nicht so leicht fallen, wo man vielleicht ein wenig länger dran sitzt. Gibt es Lieder, die Ihr heute nicht mehr so enthusiastisch beurteilt, bei denen Ihr Euch später fragt: „Was haben wir uns nur dabei gedacht“?

X-ti: Also bei der „Götterdämmerung“ jetzt nicht! Ok, bei einem einzigen Song würde ich jetzt vielleicht etwas klanglich verändern, aber nur bei einem, tatsächlich. Aber es gibt in der Geschichte der Band zwei Titel, die wir noch einmal aufgenommen haben. Zum einen „Gott sein“ und zum anderen „Das Licht am Ende der Welt“, das jetzt auch auf die Götterdämmerung gekommen ist. Der Grund dafür war, dass wir damals einfach noch nicht so weit waren, vor allem soundtechnisch, dem Titel das Gewand zu verpassen, das er verdient hat. Bei “Licht am Ende der Welt“ hätten wir uns ein ganzes Orchester mieten müssen. Es gab damals sogar das Angebot der Plattenfirma, die uns ein Filmorchester bezahlt hätten, aber wir haben es damals abgelehnt. Weißt Du, die Library, die ich jetzt habe, das ist genau was ich es mir vorgestellt habe. Mit einem Orchester hätten wir unglaublich lange probieren müssen bis wir dieses Ergebnis bekommen hätten.

 

Ihr habt einige Wechsel in Eurer Bandgeschichte gehabt. Wie war das, als Christoph zu Euch gestoßen ist?

X-ti: Der Christoph war ein absoluter Glücksgriff für uns alle und bringt wirklich frischen Wind und neuen Einfluss. Er ist ein irrsinnig netter Kerl und wir haben jetzt ein echt hammergeiles Bandklima! Das war richtig gut, davor hat das einfach ein bisschen gefehlt. Einfach cool!

Lex: Das soll ja nicht heißen, dass wir davor dauernd Zoff hatten!

X-ti: Das habe ich ja auch nicht gesagt! Aber der Christoph passt einfach super zu uns. Das hätte auch anders kommen können und vor allen in dem kurzen Zeitraum! Andere Bands suchen Monate oder Jahre nach neuen Musikern!

 

Ihr seid ja alle keine 20 mehr, na gut, wir auch nicht mehr! Hattet Ihr früher irgendwelche Vorbilder musikalischer Natur?

Lex: Musikalisch, naja. Ich kann Dir sagen, dass ich ein absoluter „Chris Cornell“ Fan bin und dass „Soundgarden“ nach wie vor meine absolute Lieblingsband ist. Gab es von denen nicht eine Reunion, sind die nicht wieder zusammen? Vorbilder, das ist immer schwierig! Vorbild heißt ja, dass ich jemandem nacheifern will. Und das war nie so mein Ding. Ich habe als Teenie für „Kim Wilde“ geschwärmt, weil das einfach eine geile Sau auf der Bühne war und mir mit 15 die Zunge runterhing bei dieser Frau; und mir hat nicht mal die Musik gefallen! Aber ich fand sie halt einfach total scharf! Sowas nennt man dann schwärmen, aber ein Vorbild gab’s nie. Dazu habe ich glaube ich auch, typisch Frontmann, ein zu großes Ego! (lacht) Ich bin auch schon so oft nach meinem Einstieg bei „Megaherz“ gefragt worden, ob ich da keine Angst gehabt habe, bei der Vorgeschichte! Erstens habe ich das gar nicht so bewusst wahrgenommen, was da vorher alles ablief und ich bin da auch völlig unbedarft, weil ich mir nie solche Gedanken mache. Erst im Nachhinein, als ich ziemlich viel auf die Ohren gekriegt habe (lacht), aber so bin ich halt! Ich habe keine großen Vorbilder. Es gibt einige Musiker, die ich gigantisch finde, weil sie eine Superstimme, eine Superpräsenz haben, aber ich würde nie einem nacheifern.

 

Dann verrate mir doch, welchen Klingelton Du aktuell auf deinem Telefon hast?

Lex: Ich habe zwar ein Handy, aber ich werde einen Teufel tun und irgendwelche Klingeltöne einstellen. Ich habe irgendeinen Scheiß-Klingelton, der da schon drauf war. Das interessiert mich überhaupt nicht. Da musst Du besser Herrn Bystron fragen. (lacht)

X-ti: Nein, auch ich habe keinen vernünftigen Klingelton. Jedenfalls nicht was Dich begeistern würde.

 

Du weißt ja nicht was mich begeistern würde, also los!

X-ti: Na gut, kennst Du „Old Phone“?

Lex: Stimmt ja, Du hast diesen Klingelton von früher!

 

Wenn Ihr als Band unterwegs seid, läuft dann auch Musik im Tourbus? Und wenn ja, welche?

X-ti: Das macht eigentlich immer der Wenz! Er legt Hardcorebands auf, zum Beispiel „Slipknot“ aufwärts!

 

Das ist doch cool!

Lex: Finden wir ja auch, aber doch nicht 5 Stunden am Stück!

 

Dürft Ihr kein Veto einlegen?

Lex: Unser Veto ist, wenn wir die Kiste ausmachen! Es ist ja auch so, dass das in einer großen Truppe/Crew ist wie in einer Familie. Klar bilden sich da auch Grüppchen, die sich besonders gut unterhalten. Es ist aber kein Zwang da, dass wir als Gruppe alles zusammen erledigen müssen. Und das ist auch gut so! Man hat auch seine Rückzugsmöglichkeit, wo Du dann auch mal Ruhe hast vor den anderen! Wichtig ist ja, dass wir einfach als Gemeinschaft funktionieren, dass wir uns alle mögen und am Wochenende Spaß haben zusammen unterwegs zu sein.

 

Wie ist das unterwegs? Was passiert wenn einer mal nicht gut drauf ist? Greift dann die Gruppendynamik und reißt den anderen einfach mit?

X-ti: Das ist wirklich, wie in einer Familie! Klar passiert es, dass einer mal schlecht drauf ist. Das ist dann halt so, jeder ist irgendwann mal grummelig. Das dauert dann 10 Minuten und dann passt das meistens schon wieder.

 

Wenn man nach vier Jahren erneut zusammen wieder auf Tour geht, ist man dann noch nervös?

X-ti: Man freut sich zunächst mal, dass das Programm sich ändert! Schließlich hat man zwei Jahre die gleichen Songs gespielt! Und dann freut man sich natürlich auch, dass man wieder neue Songs bringt.

Lex: Wir haben insgesamt schon neun von elf Liedern von der „Götterdämmerung“ live gespielt. Die einzigen Songs, die wir noch nicht live performed haben sind „Kopf oder Zahl“ und „Keine Zeit“. Sonst haben wir alles schon gespielt! Aber was uns unheimlich umgehauen hat waren unsere Fans! Wir haben nach fast vier Jahren ein neues Album herausgebracht und durchweg positive bis enthusiastische Reaktionen unserer Fans bekommen! Ich sag nur: Platz 19 der Albumcharts! Das ist einfach Wahnsinn! Wir haben kein großes Budget und können tausende von Euros für Werbung ausgegeben. Aber wir haben unglaublich geile Fans, absolut treu! Wir haben in einem halben Jahr eine Art Steetteam aufgebaut, wie man das auf neudeutsch so schön sagt. Das sind die Megaherz-Feldjäger! Total treue Fans, auch verrückte Fans, das muss ich wirklich sagen! (lacht) Die verteilen Flyer für uns, hängen Plakate auf und bringen uns und „Megaherz“ ins Gespräch, posten in Foren usw. Alles mehr oder weniger ehrenamtlich! Du musst Dir mal vorstellen, dass wir in den sechs Wochen vor Erscheinen des Albums durch die Megaherz-Feldjäger über 150.000 Flyer deutschlandweit verteilt bekommen haben. Das musst Du erst einmal hinbekommen! So etwas zahlt Dir keine Plattenfirma. Einfach der Hammer!

 

Habt Ihr damit gerechnet?

X-ti: Es war wirklich krass! Wir haben die Feldjägergruppe in Facebook aufgemacht und dachten wir bekommen vielleicht 20/30 Leute zusammen. Und innerhalb eines halben Tages hatten sich da 80/90 Leute angemeldet! Uns ist echt mit einem lauten Knall die Kinnlade auf dem Boden aufgeschlagen. Das war wirklich krass!

Lex: Ja, aber wir halten auch wirklich ständigen Kontakt zu unseren Fans. Uns ist Fannähe sehr wichtig. Wir gehen jedes Mal nach einem Gig an den Merch-Stand, geben Unterschriften usw. Für die Leute in der Gruppe ist das natürlich auch ein Bonus, weil wir auch wirklich online sind und mit den Leuten quatschen. Es ist nicht so, dass wir uns da nur alle drei, oder vier Wochen mal melden, sondern wir reden auch mal über anderen Krams und keine bandtypischen Themen. Klar geben uns die Fans damit einen unglaublichen Rückhalt, aber das ist auch ein Wunsch von uns, diesen engen Kontakt mit ihnen zu haben. Ist uns eben wichtig!

 

Was erwartet uns heute Abend?

Lex: Vollgas Rock’n’Roll, mehr gibt es bei uns da eigentlich nicht zu sagen! Hier hast Du schon einmal die Setliste für heute Abend. Aber ich weiß nicht, ob Du die mitnehmen kannst, nicht das unser Bassist vergisst welche Nummern in welcher Reihenfolge kommen! (lacht) Wir haben heute ja nur eine Stunde Zeit und wir haben heute ja erschwerte Bedingungen!

Wir leiden ja darunter, dass unser Auftritt während des DFB-Pokalfinale Bayern – Dortmund stattfindet. Wir sind alles Bayern in der Band! Was erwartest Du? Wir kommen alle aus München, das wollen wir sehen! Wir werden nach 60 min pünktlich aufhören müssen, um wenigstens noch den Schluss zu sehen!

 

Sollen wir Euch regelmäßig den aktuellen Torstand durchgeben?

Lex: (lacht) Unser Backliner hat schon den Auftrag bekommen. Aber wenn ich irgendwann während eines Songs mal Tor schreie, dann wisst Ihr Bescheid! (lacht)

 

Wohl kaum wenn es für die Dortmunder fällt, oder?

X-ti: Nee, aber ich bin sehr gespannt auf heute Abend und freue mich einfach!

 

Vielen Dank für die Zeit, die Ihr Euch genommen habt und wir drücken die Daumen! Und viel Spaß heute Abend!

Interview von Mostly Harmless am 12.05.2012

 

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Bild: Pressefreigabe