Label: Sire Records
Veröffentlichung: 24.08.2007

Was mich an Against Me! schon immer faszinierte, war die Tatsache, dass sich die Band einen feuchten Dreck auf die Meinung anderer gaben – sogar auf die Meinung ihrer Fans. Wirft man einen Blick auf diverse Biografien der Jungs aus Florida, die im Internet so rumschwirren, entdeckt man immer wieder Worte wie “vergraulten Fans” oder “Bruch mit Fangemeinde”. Und das nur, weil sie taten, was sie wollten und was ihnen Spaß machte. Deswegen dürften ihnen die Vorwürfe des Ausverkaufs und Mainstreams auch jetzt ziemlich egal sein. Denn ihr neues Album “New Wave” erscheint auf dem Major-Label Sire Records und wird Fans wieder einmal in Erstaunen versetzen.

 

Wer Against Me und ihre älteren Veröffentlichungen kennt, wird sich über den neuen, sehr fetten Sound auf “New Wave” sicherlich wundern. Produziert wurde die die Platte von Butch Vic, der auch schon seine Finger beim legendären Nevermind von Nirvana im Spiel hatte. Die Band versucht sich an neuen Sounds. “Animal” ist ein langsamer, ruhiger Rocksong und “The Ocean” erzählt eine Story begleitet von epischen Hymnen. Das Duett mit Tegan Quin von Tegan & Sara bei “Borne Of The FM Waves Of The Heart” fällt total aus dem Rahmen. Diese Songs klingen gut und es ist schön zu sehen, dass sich Against Me! an Neuem probiert. Doch bei diesen Liedern ist das Problem, dass sie zwar für die Jungs aus Florida neu sind, aber für andere, alteingesessene Rockbands nichts wirklich Innovatives bedeuten.

Tom Gabels Stimme klingt weniger nach Reibeisen, die Melodien haben eingehendere Hooklines und der Sound klingt insgesamt einfach viel runder als bei den bisherigen D.I.Y.-Alben. Verloren gegangen sind leider die akustischen Stücke, die immer eine Art Markenzeichen von Against Me! waren. Dafür sind die Chöre im Background geblieben, die die Melodien weiter nach vorne und direkt in den Gehörgang transportieren. Sie retten die Songs auch oftmals davor, in den typischen Pop-Punk-Sound abzudriften.

Nach wie vor genial sind auch die ideologischen, bissigen Texte, was man vor allem in „White People For Peace“ und „Americans Abroad“ hören kann. Ihre eigene Meinung haben sie kein bißchen eingebüßt, und auch für diese einzustehen ist ihnen geblieben. Lieder wie der Titeltrack “New Wave“, “Piss and Vinegar” oder “Stop!” beschäftigen sich genau mit dem Thema des Mainstreams: sie hinterfragen und verurteilen das Pop-Business und die Industrie, die dahinter steckt.

 

Die Band besteht darauf, dass sie genau das tut, was sie will und dabei trotzdem zu Neuem aufbricht. Und obwohl viele es als scheinheilig verurteilen werden, sich an ein Majorlabel zu verkaufen, muss man den Tatsachen ins Auge blicken: Against me! versuchen etwas Neues und bringen dabei ihre Alben einem größeren Publikum näher. Das gelingt ihnen mit einem soliden Album von Anfang bis zum Ende.

Wertung: 0=4 Sterne

Kommentar verfassen