BADLY Shirts PressureMag

„Hätte ich nur auf meine Oma gehört und etwas ordentliches gelernt.“

Holger Fichtner ist für Cover-Artworks und das Merchandise-Design vieler Musiker zuständig. Neuerdings ist er auch mit einer eigenen T-Shirt Kollektion, seiner Rock’n’Roll Marke „Badly“ am Start. Pressure Magazine unterhielt sich mit dem leidenschaftlichen Grafikdesigner über seinen Traumberuf und dem Konzept hinter der Kick Ass Rock`n`Roll Fashion.

Hey Fichte, du bist Grafikdesigner und arbeitest seit vielen Jahren für verschiedene Bands. Seit wenigen Tagen ist die erste Kollektion deines eigenen Modelabels „Badly“ beim EMP Mailorder erhältlich. Wie fühlt man sich als frisch gebackener „Modedesigner“?
Fichte: Hallo erstmal an alle Leser des Pressure Magazine!
Also ich für meinen Teil fühle mich dabei sehr gut, da ich das schon sehr lange machen wollte. Eine eigene Shirt- bzw. Modekollektion, bei der man alles machen kann, worauf man Bock hat. Oft sieht man Klamotten, bei denen man sich denkt: „Ist eigentlich ein geiles Teil, aber das müsste noch so sein und wenn das jetzt noch so wäre…dann wärs perfekt!“
Das kann ich jetzt eben bei meiner Kollektion genau so machen wie ich das haben will. Das ist natürlich jetzt sehr subjektiv, ich hoffe einfach mal, das noch viele andere Menschen meinen Geschmack teilen… sonst hab ich ein Problem. *lacht*
Eine große Hürde, wenn man so ein Geschäft startet sind einfach die Partner, die einem zu Beginn fehlen. Man kann ja nicht einfach hunderte von Shirts produzieren und die liegen dann bei einem im Keller rum und kein Mensch interessiert sich dafür, bzw. bewirbt die ganze Geschichte. Ich hatte das WAHNSINNS Glück, bei EMP unterzukommen, die haben einen riesen Kundenkreis und somit auch gute Absatzmöglichkeiten. Das wäre auf eigene Faust so nicht möglich.

 

„Ich bin jetzt einfach mal tierisch gespannt, wie die Leute meine Shirts annehmen. Ansonsten brauche ich mir in den nächsten 100 Jahren nie wieder ein T-Shirt zu kaufen!“

 

Für Bands arbeite ich jetzt seit vielen Jahren, das ist richtig. Auf dem Gebiet habe ich auch wirklich die ganze Bandbreite abgearbeitet mittlerweile, ob Coverbands, Unplugged-Bands oder Bands, die eigene Musik machen – alles schon da gewesen.

Aktuell betreue ich Frei.Wild bei sämtlichen grafischen Belangen, sowie Serum 114, Raven Henley, Down Below. Außerdem bin ich als Fotograf und teilweise auch als Grafiker für das WACKEN OPEN AIR tätig…du siehst, mir wird nicht langweilig!

 

Seit wann bist du künstlerisch tätig und wie kam es überhaupt dazu, dass du dich für das designen von T-Shirts entschieden hast?
 
Fichte: So wirklich eingrenzen kann man das nicht, ich habe schon immer gemalt und war ab Photoshop Version 3.0 mit am Start!
Da konnte man sogar einen Kreis erstellen…das war damals schon irre!! Im Ernst, also was sich seit meinen Anfängen Softwaretechnisch getan hat, ist schon Wahnsinn. Da wird man ja fast melancholisch, wenn man daran zurück denkt.
So richtig angefangen hab ich aber, als ich selbst Musiker war. Ich war damals Sänger einer Coverband mit der wir deutschlandweit jedes Wochenende Freitag und Samstag unterwegs waren. Das war ziemlich cool, wir haben Songs von Metallica, Slayer, Rage against the Machine, Rammstein, Disturbed, Slipknot usw. gecovert…und viel erlebt.
Für die Band hab ich damals schon das Merchandise und die Website, Plakate, Flyer usw. gemacht. Darüber bin ich dann auch an Aufträge für andere Coverband gekommen und so weiter und so weiter. Als ich dann meine Firma gegründet habe, gings dann auch für andere Kundenkreise los…natürlich wie`s immer so ist: Jeder fängt mal klein an. Mein erster Auftrag war das Design eines Heckscheibenaufklebers im Format 20 x 20 cm auf dem stehen sollte: „Julian an Bord“ … glaubt man das??
Ja, ja, die Anfangszeit war alles andere als spannend. Aber man kann sagen, ich bin jetzt eigentlich genau da, wo ich hinwollte. Der Weg war lang und beschwerlich, hat sich aber gelohnt!

 

Wie kam es zu der Idee mit einer eigenen Kollektion und Label durchzustarten?
 
Fichte: Die Idee hatte ich wie gesagt schon sehr lange, oder besser gesagt, den Wunsch sowas mal zu machen. Richtig ernst wurde es dann, als ich die Zusage von EMP hatte. Da nahm das ganze dann Formen an und dann gings eingentlich gleich an die Erstellung der Motive.
Dafür bin ich EMP natürlich sehr dankbar und ich hoffe, meine Shirts verkaufen sich so gut, daß die Zusammenarbeit sehr lange hält…das wäre mein größter Wunsch für die Zukunft!
 
Im Bereich Musik bist du ebenso für zahlreiche Bands tätig. Wessen Merchandise-Motive stammen denn aus deiner Feder?
 
Fichte: Oh je, neben vielen, vielen Coverbands mache ich das Merchandise von Frei.Wild, Serum114, Raven Henley, Wilde Jungs, BRDigung, Hämatom – übrigens eine sehr geile NDH-Band, bei der ich auch das Songwriting mit mache… und natürlich auch die Grafiken…wie könnte es anders sein – ich komme halt nicht weg von meinem Rechner! Hätte ich nur auf meine Oma gehört und was ordentliches gelernt! *lacht*
 
Wieviel Freiraum geben dir die Bands bei der Gestaltung der Produkte?
 
Fichte: Das ist unterschiedlich. Viele Motive sind Auszüge oder „Verbildlichungen“ von Songs oder Texten. Oft haben da die Bands dann genaue Vorstellungen, wie sie diesen Text/Song grafisch dargestellt haben wollen. Dann habe ich natürlich ziemlich genaue Vorgaben. In den meisten Fällen aber, kann ich frei arbeiten und so richtig schön die sprichwörtliche „Sau“ rauslassen. Aber genau das mag ich an meinem Job, ich kann immer kreativ sein und (zu einem gewissen Teil) auch mich selbst verwirklichen.
Ich wäre glaube ich kein guter Angestellter, denn ich brauche beim Arbeiten einfach meinen Freiraum. Ausserdem mag ich den Gedanken, das z.B. ein CD Artwork von vielen Leuten gesehen wird und hoffe dann immer, das die genauso viel Spaß beim anschauen haben, wie ich beim erstellen.

„Ich wäre glaube ich kein guter Angestellter, denn ich brauche beim Arbeiten einfach meinen Freiraum.“

 

Deine aktuelle Auslastung durch neue Aufträge scheint offenbar gut zu sein. Woher nimmst du überhaupt noch die Ideen neue Shirt-Designs bei so einem straffen Zeitplan zu entwickeln?
 
Fichte: DAS WEISS ICH AUCH NICHT!!! Im Ernst: Es ist machmal schon sehr hart, es geht auch mehr als nur ein Wochenende im Monat für die Arbeit drauf. Da leidet die Freizeit schon ordentlich darunter. Man braucht dazu auch Menschen um sich herum, die das verstehen und tolerieren. Vor meiner Frau zum Beispiel kann ich da nur den Hut ziehen!
Ich hätte mir schon längst mal so richtig ordentlich in den Allerwertesten getreten. Aber meine Frau ist auch in viele Arbeitsprozesse eingebunden, gibt Meinungen zu Motiven ab und steht mir immer mit Rat und Tat zur Seite. Sie nimmt auch schon mal die Kamera in die Hand und fotografiert bei einem Live-Konzert, wenn ich zur gleichen Zeit eine Videokamera auf der Schulter habe und somit nicht fotografieren kann… das muss Liebe sein. *lacht*
 
Ideen sind so ein Thema in meinem Job. Ich persönlich versuche immer, bei all dem Stress trotzdem noch meine Auszeiten zu nehmen. Anders geht das auch gar nicht, weil man eben nicht immer auf Knopfdruck kreativ sein kann. Vor allem dann nicht, wenn man vor lauter Arbeit nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. Dann braucht man mal einen Tag, an dem man abschalten kann und sich einfach mal an einen Badesee legt. Ansonsten würde man einfach abstumpfen und darunter würde dann auch die Qualität der Arbeit leiden.
Was ist dir bei der Produktion deiner Shirts besonders wichtig und worauf legst du wert?
 
Fichte: Auf jeden Fall auf die Qualität! Bei all meinen Shirts handelt es sich zum Beispiel nicht um einfachen Siebdruck, sondern um einen aufwändigen Discharge Druck. Kurz zur Erklärung: Bei einem Discharge Druck wird vor dem Bedrucken der Shirts die Farbe aus der Faser gezogen, und dann erst bedruckt. Das hat den Effekt, daß man nicht diese „erhöhten“ Druckergebnisse hat, wo man den Druck beim darüberfahren mit den Fingern wie „aufgemalte“ Farbe spüren kann. Das ist qualitativ hochwertiger und wäscht sich auch nicht aus.
Das war mir sehr wichtig. Des Weiteren habe ich auch bewusst einen dünneren, qualitativ aber hochwertigen Stoff für die T-Shirts gewählt. Ich persönlich mag das einfach nicht so gerne, wenn Shirts so schwer und dick sind. Ich hab die lieber luftiger und leichter zu tragen.
Produziert werden die Shirts hier in Deutschland, von einer Firma, die auch das komplette Merchandising für den FC Bayern machen, viel für den EMP drucken und auch selbst viele Bands merchandise-technisch betreuen. Das war mir auch sehr wichtig, das ich auf diesem Gebiet mit Leuten arbeite, die Erfahrung haben und auch gewisse Standards halten können.
 

Das Gespräch führte Marcus Berg

 

BADLY – Kick Ass Rock`n`Roll Fashion

Hier sind einige Motive für Herren beim EMP Online-Shop, T-Shirts für Damen gibt es derzeit nur im offiziellen BADLY Shop.

Mehr zum Thema:

BADLY Online-Shop: www.badly-wear.com

EMP Mailorder: BADLY T-Shirt Kollektion bei EMP Merchandise – www.emp.de

Kommentar verfassen