eastside boys

Die Eastside Boys aus Berlin sind seit 1993 eine feste Größe in der Punkrock-Szene. Pressure Magazine traf Roman zum Gespräch, um ihm einige interessante Infos über vergangene Zeiten und über die nächsten Konzerten, wie auch den neue Songs zu entlocken.

Hallo Roman, ihr spielt seit fast 18 Jahren Punkrock. Was hat sich seit eurer Bandgründung verändert?

Roman: Hallo, ehrlich gesagt werden es erst im nächsten Dezember 18 Jahre, so alt sind wir nun auch wieder nicht. Aber dann werden wir endlich volljährig. Was sich verändert hat? Wir haben etwa 10 verschiedene Proberäume “verbraucht”. Wir sind über die Grenzen der Kreisstadt raus gekommen, waren fast überall in Deutschland und haben einige Gigs international gespielt. Wir hatten ein paar Besetzungswechsel. Wir haben ganz klassisch Demokassetten (kennt das noch jemand?) aufgenommen und Demo-CDs gebrannt. Jetzt haben wir Labels, die uns sehr gut unterstützen. Wir sind nach und nach alle nach Berlin gezogen. Wir haben viele interessante Leute, Bands und Veranstalter kennengelernt… usw. und manchmal ist es trotzdem wie früher, dann packen wir die Instrumente einfach in den Kofferraum, fahren los und müssen uns durchfragen, wie wir zum Club kommen.

Wie habt ihr euch damals gefunden und entschieden, gemeinsam Musik zu machen?

Roman: Da spielten viele Zufälle und eine gehörige Portion Langeweile mit rein. Wir hatten ein Mikro, eine Gitarre, ein Keyboard und gerade einen Jugendklub übernommen, in dem eine alte Vermona-Anlage stand. Dazu eine Menge komische Ideen, immer davon abhängig, welchen Akkord man gerade neu gelernt hat. Nach ca. 1 1/2 Jahren hatten wir bei einem Musikwettbewerb gewonnen und uns vom Preisgeld eine Gesangsanlage gekauft, etwa ab dem Zeitpunkt sind wir das dann etwas ernsthafter angegangen. Die Gesangsanlage benutzen wir heute immer noch.

Wie mittlerweile jeder wissen dürfte, kommt ihr aus Berlin. Wie muss man sich dort die Punkrock-Szene vorstellen? Habt ihr regelmäßigen Kontakt mit befreundeten Bands aus der Hauptstadt, mit denen ihr euch in eurer Stammkneipe trefft?

Roman:Berlin ist einfach zu groß und unübersichtlich, als dass man da von einer konsistenten Szene sprechen kann. Mein Eindruck ist, dass es hier viel mehr einzelne kleine Szenen gibt und man sich aufgrund des Überangebotes an Klubs und Konzerten nur selten über den Weg läuft. In anderen Gegenden muss man sich sicher mehr zusammenraufen, um mit anderen Leuten klar zu kommen, in Berlin scheinen sich die Leute ihre Spezis aussuchen zu können. Vielleicht täusche ich mich, aber das ist mein ganz persönlicher Eindruck, ich bin oft genug auf sehr unterschiedlichen Konzerten, um dieses Phänomen zu beobachten.

Es gibt dann natürlich auch Ausnahmen, wie vor Kurzem das Swinging Utters Konzert, da konnte man durchaus die “Prominenz” aus ganz verschiedenen Bereichen treffen. Kneipentechnisch gesehen betreiben wir keinen “Stammtisch” mit unterschiedlichen Bands, da spielt dann eher Meister Zufall die tragende Rolle.

Nach drei durchaus erfolgreichen Alben habt ihr jetzt, zusammen mit “Lousy”, eine Split-CD veröffentlicht. Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Roman: Da seit dem letzten Album schon wieder viel Zeit vergangen war, wollten wir mal ein Lebenszeichen von uns geben. Wir sind nicht so schnell gewesen, dass wir einen kompletten Longplayer aufnehmen konnten, da kam die Idee zur Lousy Split. Wir haben uns vor einigen Jahren kennen gelernt, sie hatten uns dann auch zu ihren Record Releases eingeladen. Das ist eine ganz schräge Truppe und wir hatten immer viel Spaß, wenn man sich über den Weg gelaufen ist. Daher dann die Idee zu der gemeinsamen Scheibe.

Die LP-Version wurde etwas später veröffentlicht, dafür aber in einer exklusiven, limitierten Version. Wer hatte die Idee dazu, vor allem mit dem Stoffbeutel?

Roman: Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ich denke die Beutel-Idee kam von der Contra-Crew. Wir wollten unbedingt was ganz Schickes. Jens, Bert und die Contras haben sich dann zusammen viele Gedanken um das Layout, die Limitierung und die anderen Gimmicks gemacht.

Der Song “Die Kids sehen scheisse aus” beschreibt die heutige Entwicklung der Jugend. Was haltet ihr von dieser Emo-Schiene?

Roman: Der Song bezieht sich ja nicht ausschließlich auf die Emos und man sollte ihn auch nicht so ernst sehen. Das Phänomen, dass jede Teeniegeneration ihre Betroffenheitsmusik hat, gibt es doch seit langer Zeit. Bei uns war das Grunge und die Leute hatten Schlabberpullover oder Holzfällerhemden an. Jetzt redet halt jeder über Emos. Auch wenn das von den Kids noch keiner glauben will, für die meisten kommt eine Zeit, wo sie über die Fotos von heute lachen werden. Jeder darf/soll sich ausprobieren. Mir persönlich gehen diese Hilfshopper wesentlich mehr auf den Geist, die keinen richtigen Satz rausbringen, ihren Schwanz aber ständig und überall reinstecken wollen.

Eure Texte sind meistens mitten aus dem Leben gegriffen. Wie entsteht bei euch ein Song und wer hat die Ideen?

Roman: Grob gesagt, die Texte schreibe ich, Bert kümmert sich um die Melodien. Ein Rezept, wie ein Lied funktioniert, gibt es aber nicht. Manche Ideen liegen jahrelang rum, manchmal kommt man im Proberaum in 30 Minuten zu einem Ergebnis. Mittlerweile basteln wir meistens etwas länger an den Songs, damit dann alle damit zufrieden sind.

Das letzte Album “The boys are back in town” ist nun bereits vier Jahre auf dem Markt. Arbeitet ihr an bereits einem neuen Studioalbum? Was darf man erwarten und könnt ihr schon was verraten?

Roman: Ja klar, wir haben Ideen, ein paar Sachen sind so gut wie fertig – dieses Jahr muss es werden. Verraten wird hier noch nichts. Ich denke aber, dass wir mittlerweile eine Linie entwickelt haben, die unsere Songs ausmacht, so dass der absolute Stilbruch sicher ausbleiben wird. Wer also jetzt auf die Electro-Boys gehofft hat, den muss ich leider jetzt schon enttäuschen.

An welches Konzert, vielleicht in Verbindung mit einer lustigen Backstage-Story, erinnert ihr euch besonders gerne zurück?

Roman: Auf unserer Tour mit den Gumbles und Emscherkurve 77 waren wir mit nem Nightliner unterwegs. In Hamburg hatte der Bus aber keinen Strom mehr und konnte deshalb nicht vom Club wegfahren. Wir hätten nicht gedacht, dass sowas geht, aber alle zusammen haben das Riesending dann angeschoben gekriegt.

Am 30.April 2011 spielt ihr auf dem Revolution Fest Vol.2. Dort gibt es mit Bands wie Madball, H2O, Volxsturm oder auch Flatfoot 56 einen musikalischen Mix. Ist euch so eine Mischung lieber, als nur mit deutschsprachigen Bands die Bühne teilen zu müssen und was ist der Unterschied?

Roman: Ich gehe gern auf Konzerte, wo nicht alle Bands die gleiche Suppe kochen. Unsere Geschmäcker sind mittlerweile recht vielseitig, da schaut man auch gern mal übern Gartenzaun. Für uns ist so ein Festival natürlich eine Chance, dass uns auch Leute hören, die nie auf ein normales Eastside Boys Konzert gehen würden. Das kann interessant werden – das kann auch nach hinten losgehen, am Ende liegt es an uns, eine ordentliche Show abzuliefern.

Es ist ja auch nicht zu übersehen, dass gerade im Hardcore Bereich sich in den letzten Jahren viel getan hat, während der Punkrocksektor, wie wir ihn mögen,  etwas stagniert. Es gibt natürlich bekannte Ausnahmen und das, was jetzt gern Deutschrock genannt wird, zähle ich nicht mit. Kurz gesagt, wir freuen uns aufs Revolution Fest.

Was sind eure Pläne für dieses Jahr?

Roman: Ganz einfach, Songs schreiben, Songs schreiben, Songs schreiben – und dann aufnehmen.

Vielen Dank. Die letzten Worte gehören natürlich euch.

Roman: Danke, dass wir zu Wort kommen durften. Leute, geht auf Konzerte, auch wenn ihr mal die eine oder andere Band nicht kennt, es gibt viel zu entdecken. Ciao!

Tourdaten der Eastside Boys 2011:

04.03.2011 – Sun of a Bastard Festival – The Ride 2011, Oberhausen

05.03.2011 – Hamburg is Calling!, Hamburg

30.04.2011 – Revolution Fest Vol.2, Leisnig

07.05.2011 – Jugendzentrum Kombi, Nünchritz

Interview von Florian Puschke im Februar 2011.


Mehr über die Band Eastside Boys:

Facebook: www.facebook.com/eastsideboys

MySpace Seite: www.myspace.com/eastsideboysberlin

Bilder: Eastside Boys

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