BonsaiKittenInterview Bandfoto

Bonsai Kitten, das ist Speed Rock’n’Roll aus Berlin, der sich auch bereits über die Grenzen der Hauptstadt hinaus einen Namen gemacht hat. Tiger Lilly Marleen, die sexy Frontfrau der Band, überzeugt mit rauchiger Stimme und heißen Outfits. Pressure haben sie auf dem Rock’n’Ink Festival in Chemnitz einige Fragen zum Werdegang der Band und ihrer Musik beantwortet.

Redaktion: Stellt euch doch bitte alle einmal kurz dem Leser vor!

Tiger Lilly Marleen: Ich bin Tiger Lilly Marleen und die Lead-Sängerin der Band Bonsai Kitten.

Alexx: Alexx ist mein Name und ich bin der Schlagerzeuger.

Hajo Sun: Ich bin Hajo Sun und für die Gitarrenarbeit zuständig.

Krczycz: Ich heisse Krczycz und bin der Kontrabassist.

Redaktion: Da es für eure Musik noch keine passende Schublade gab, habt ihr eure eigene Musikrichtung erfunden: Killbilly! Was macht euren Stil aus, wie definiert ihr Killbilly?

Tiger Lilly Marleen: Alles was wir machen ist Killbilly!!! Es ist einfach eine Bezeichnung für unseren eigenen musikalischen Stil! Wir haben zwar verschiedene Musikrichtungen wild gemixt, aber so, dass dabei wieder etwas Neues entstanden ist.

Alexx: Sähe ja auch blöd aus, wenn auf Flyern und Plakaten stehe: Bonsai Kitten – ein Mix aus Rockabilly, Psychobilly, Punkrock, Trash-Pop, Rock’n’Roll und Ska. Oder?

Redaktion: In der Rockabilly und Psychobilly Szene spielt Lifestyle eine große Rolle. Welche Rolle spielen bei euch Dinge wie Klamotten, Frisur und Tattoos und welchen Stellenwert haben sie…?

Alexx: Für mich persönlich ist das mein Leben. Ich zieh Klamotten an, die mir Gefallen, trag ne Frisur die mir gefällt und was ich mir tätowieren lasse, ist auch meine Sache. Das hat aus meiner Sicht nichts mit der Band zu tun. Klar, wir ziehen auf der Bühne auch mal Sachen an, die wir vielleicht nicht unbedingt im Alltag tragen würden, aber das gehört dann eben zur Show.

Tiger Lilly Marleen: Für mich spielt dieser Lifestyle schon immer eine große Rolle in meinem Leben. Rock´n´Roll ist eine Lebenseinstellung, die man von Innen durch diesen Stil nach Außen trägt. Persönliche Tattoos sind da genau so wertvoll, wie Klamotten, die Frisur oder die Haarfarbe. Wichtig ist aber die Aussage und was die für jeden individuell bedeutet. Aber zu machen, was einem gefällt, ist auf jeden Fall die Basis für Alles.

Redaktion: Als Bonsai Kitten von dir, Tiger Lilly Marleen, im Jahr 2004 gegründet wurde, habt ihr hauptsächlich 80er und 90er Hits in euren eigenen Rock’n’Roll Versionen gespielt wie z.B. Poison von Alice Cooper. Warum habt ihr dann doch angefangen, eigene Songs zu schreiben und von wem ging das aus?

Tiger Lilly Marleen: Zuerst haben wir einen Weg gesucht, um uns als Musiker kennen zu lernen und schnell auftreten zu können, indem wir bekanntere Stücke in unserem Stil gecovert haben. Das ging auch super gut. Ich wollte aber ursprünglich immer meine eigene Musik mit meinen eigenen Texten machen, weil ich einen Weg brauche, um mich mit den Dingen, die mich bewegen, auseinanderzusetzen. Da ich schon immer alles aufgeschrieben habe, was mich hält in dieser Welt und bewegt in meinem Leben, haben diese sehr persönlichen Texte den Ausschlag gegeben, sie als Songtexte zu unserer eigenen Musik zu nehmen. Letztendlich ging das Schreiben eigener Songs also von mir aus, um meine Erlebnisse zu verarbeiten. Aber auch die anderen wollten lieber eigene Songs schreiben als zu covern.

Hajo Sun: Ich hab Bonsai Kitten nie als Coverband gesehen. Auch ganz zum Anfang nicht. Covern und Verfremden macht Spaß. Wir waren uns aber von Anfang an einig, dass das nicht unser Weg ist. Da sind immer  Texte oder Grooves in uns, die darauf warten, zu einem Song gebacken zu werden. Das finde ich sehr gut.

Redaktion: Könnt ihr euch daran erinnern, wie es war, als ihr zum ersten Mal einen eigenen Song vor Publikum gespielt habt? Seid ihr aufgeregter gewesen als bei den Cover Versionen, bei denen man ja eine gewisse Sicherheit hat, dass sie gut ankommen…?

Hajo Sun: Nee. Ich bin immer gleich aufgeregt oder nicht. Bei Coverversionen wird mir sogar noch mehr auf die Finger geschaut, weil das Original ja jeder Zweite kennt. Unsere ersten Live- Sets waren aber auch schon mit eigenen Songs gemischt.

Alexx: Ich denke, nicht wirklich. Soweit ich mich erinnern kann, hat das keinerlei Unterschied gemacht. Die gesamte Show ist das, was zählt. Es sollte für jeden was dabei sein und alle sollen sich am Ende prächtig amüsiert haben.

Tiger Lilly Marleen: Für mich ist es schon sehr wichtig, dass auch unsere eigenen Stücke so gut ankommen, wie die Cover, schließlich werden wir in der Zukunft nur noch eigene Stücke schreiben. Die Coversongs sind lediglich Füllwerk, um die Stimmung aufzulockern. Ich kann mich zwar ehrlich nicht mehr erinnern, wie es war, als wir das erste Mal “Don´t You Get Too Drunk To Fuck” live gespielt haben….aber ich bin jedes Mal glücklich, wenn dem Publikum unsere eigenen Stücke genauso gut gefallen. Und ehrlich: es ist ein verdammt geiles Gefühl, auf der Bühne Songs zu spielen, die man selber erfunden hat, und die die Leute gut finden. Die dann klatschen und schreien und diese Songs nach dem Konzert auf CDs mit nach Hause nehmen wollen. Dafür mache ich Musik!!!

Redaktion: Euer Debutalbum ist 2007 bei dem japanischen Label On the Hill / Downer Records erschienen. Wie seid ihr als kleine Berliner Band ausgerechnet an ein japanisches Label gekommen?

Alexx: Ich kenne Tetsuya noch aus alten Zeiten, da hab ich mal ein Plattencover für ihn bzw. für DamageDoneByWorms gemacht, bei denen damals auch unsere Ex-Basseuse gespielt hat. Wir haben ihm das Demo geschickt und er wollte es -so wie es war- sofort rausbingen.

Tiger Lilly Marleen: Da haben wir natürlich sofort zugesagt und damit war die Katze im Sack!

Das ging alles ganz schnell und innerhalb von ca. 2 Monaten hatten wir die Scheibe in den Händen.

Redaktion: Kennt man euch in Japan?

Alexx: Ich denke, in der spezifischen Psychobilly oder Rock’n’Roll-Szene bestimmt.

Tiger Lilly Marleen: Wir haben auf MySpace ziemlich viele japanische Fans und Freunde, woraus sich schließen lässt, dass wir in Japan nicht ganz unbekannt sind. Wir haben inzwischen schon die zweite Auflage unseres aktuellen Albums in Japan pressen lassen, weil die erste relativ schnell weg war. Auch die zweite Pressung ist schon fast wieder ausverkauft…

Redaktion: 2009 war ein aufregendes Jahr für euch. Ihr habt an eurem zweiten Album „Done With Hell“ gearbeitet und viele Konzerte gegeben. Zwei mal habt ihr sogar The BossHoss supported und vor 8000 Leuten gespielt! Was war das für ein Gefühl?

Alexx: The BossHoss zu supporten war sehr geil! Ein sehr dankbares und aufgeschlossenes Publikum, das uns gefeiert hat und uns unsere CD “aus den Händen gerissen” hat. Das würden wir jederzeit gerne wiederholen.

Hajo Sun: Ja, ist schon ein irres Gefühl vor so vielen Leuten zu spielen. Da war ich dann doch etwas aufgeregt und gespannt wie unsere Songs ankommen. Die Leute waren ja nicht wegen uns da. Hat aber super funktioniert.

Redaktion: Und obwohl alles super zu laufen schien, trennte sich die Band dann Ende des Jahres von Maggi, Bassist und Mitgründer der Band. Wie kam es dazu?

Hajo Sun: Stimmt nicht ganz. Es hätte schon mindestens seit einem Jahr besser laufen können. Wir hatten immer verschiedenere Ansichten von Zusammenarbeit und davon, wo die Reise hingehen soll. Das war für mich der Hauptgrund. Wir haben uns das auch gründlich überlegt, aber da war nichts mehr zu löten.

Tiger Lilly Marleen: Maggi hat die Band ja nicht mitbegründet. Ich habe die Band gegründet und ihr den Namen Bonsai Kitten gegeben. Dann habe ich Maggi kennengelernt und gefragt, ob er der Bassist bei Bonsai Kitten sein möchte. Warum wir uns dann getrennt haben, liegt daran, dass wir am Ende nicht mehr in dieselbe Richtung gesteuert haben.

Alexx: Wir hatten letztendlich die endlosen Diskussionen satt, die man mit einem Bandkollegen führen musste, der nicht dasselbe wollte wie der Rest der Band. Einer, der demokratische Entscheidungen ablehnt und versucht, die Band auszubremsen, wenn es nicht nach seiner Nase lief. Irgendwann reichte es uns! Dann muss man Konsequenzen ziehen. Eine unserer besten Entscheidungen in der Geschichte der Band, wie wir alle finden. Diesen Schritt hätten wir schon viel, viel eher gehen sollen.

Redaktion: Und wer ist der Neue, dessen Namen ich leider nicht aussprechen kann…?

Alexx: Krczycz spricht man Chrischi aus. Er hat uns anfangs nur ausgeholfen, z.B. bei den Supporstshows für The BossHoss, die unser Ex nicht mitmachen wollte. Aber wir haben uns auf Anhieb so prächtig verstanden, dass wir ihn dann in unsere Familie aufgenommen, quasi adoptiert haben. Er spielt eigentlich Kontrabass bei den Polkaholix. Nun konnte er leider zum Rock’n’Ink nicht, weil er ne Mucke mit den Polkaholix hatte und da haben wir unsere Freunde von Deafmen gefragt und uns Rico ausgeborgt. Ein alter Freund und super Kontrabassist, der gerne eingesprungen ist. Festes Bandmitglied ist aber definitiv Krczycz und den lassen wir auch nicht so schnell wieder gehen.

Hajo Sun: Krczycz ist ein Vollblutmusiker wie aus dem Bilderbuch. Das sieht und hört man.

Wenn wir neue Songs schreiben, hat er auch jede Menge eigene Ideen am Start. Das tut unserer Musik sehr gut. Auch menschlich ein spitzen Typ.

Tiger Lilly Marleen: Das stimmt, wir sind sehr glücklich mit Krczycz!

Redaktion: Marleen, Anfang des Jahres hat dein Telefon geklingelt und Köfte von Mad Sin war dran, er hatte eine Bitte. Was hat er gesagt und wie hast du reagiert?

Tiger Lilly Marleen: Da wir  mit Mad Sin schon oft die Bühne teilten und Köfte auch schon bekundet, dass er uns cool findet, sind er und ich darauf gekommen, doch mal ein Duett aufzunehmen. Anfang 2009 haben wir Köfte dann für den Titelsong unseres neuen, bald erscheinenden Albums “Done With Hell” als Duettpartner engagieren können. Anfang 2010 hat Köfte dann bei mir angerufen und gefragt, ob ich bei der neuen Mad Sin Platte “Burn and Rise” mitsingen könnte. Klar hab ich ja gesagt! Für das Intro auf der Platte musste ich richtig hoch und “kirchlich” singen… Ein etwas wilderes Duett haben wir dann auch noch aufgenommen. Aber der Song wird wohl erst in einem anderen Zusammenhang erscheinen…

Redaktion: Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, meine Fragen zu beantworten! Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß und Erfolg und freue mich schon darauf, euch mal in Berlin zu sehen!!

Alexx: Super! Danke für das Interview und wir freuen uns drauf, dich in der ersten Reihe zu sehen. Vielleicht zur Record Release Party…

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Offizielle Webseite: www.bonsai-kitten.de

INTERVIEW VON DIANA RINGELSIEP

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