hydro Joshua at work

Joshua M. Smith, besser bekannt als HYDRO74, kommt aus Orlando und zählt zu den weltweit meistgefragtesten Grafikern und Illustratoren. Zu seinen Kunden zählen bekannte Brands wie Nike, Adidas, Burton oder Levis. Pressure Magazine sprach mit dem vielbeschäftigten Multitalent.

Hallo Joshua, du bist ein talentierter Künstler und Grafiker. Bitte stell dich unseren Lesern von Pressure Magazine vor die dich möglicherweise noch nicht mit dir und deiner Arbeit vertraut sind.
Joshua: Ich bin die Nachteule und der Lieferant der Sünde. Derjenige, der hervorragenden Whisky zu schätzen weiß – der wahre Sith-Lord der Vektor Kunst.

Nun, vielleicht nicht ganz so heroisch. Ich bin Joshua M. Smith, ansonsten als Hydro74 im WorldWideWeb bekannt. Ich lebe in Orlando, Florida und verbringe die meiste Zeit damit bis tief in die Nacht an meinem Rechner zu arbeiten.

Wie sind Sie mit Veranschaulichung loszulegen und wann haben Sie sich entschließen, Ihr Hobby zum Beruf zu machen?
Joshua: Eine lange Geschichte. Ich wollte eigentlich nie ein Zeichner oder Grafiker werden. Als ich aufs College ging und auf Lehramt studierte, fiel mir das ziemlich schwer. Ich nahm am Kunstunterricht teil, um meine Noten zu verbessern und entdeckte den Kurs: Visual Communications. Ich befand mich offenbar auf der gleichen Level wie mein Professor, der uns lehrte mit den damals aktuellen Adobe-Software umzugehen, das war schon recht frustrierend. Kurz nachdem ich im Rahmen einer Klassenprojektes meine eigene Website am Start hatte, habe ich damit begonnen, Aufträge als Freiberufler anzunehmen. Am Anfang nichts aufregendes, meist öde Anime-Zeichnungen, aber wenn Du zur Schule gehst und Dir jemand 500 $ dafür gibt, um nebenher noch etwas zu machen, dann sagte ich natürlich nicht nein.

Erst als man mich schließlich vom College warf, sah ich es endlich ein, dass ich verdammt nochmal ein abgeschlossenes Studium oder einen Nachweis meines Berufes benötigen würde, um nicht wie viele andere in Indiana am Fließband einer Fabrik stehen zu müssen. Also wurde mir klar, dass ich mir von nun an den Arsch aufreißen musste, um so viel zu lernen wie ich nur konnte. Das war im Jahre 1999 – 2000.

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Ich war schon immer freiberuflich tätig und seltsamerweise habe ich in der High School damit begonnen einige Cartoon-Zeichnungen für die High-School-Zeitung (1993-1994) zu entwerfen. Das Zeichnen mochte ich schon immer, dachte aber nie daran eine Karriere daraus zu machen. Nachdem ich meine Webseite (hydro74) im Netz hatte fing ich an damit mir jegliche Arten von Jobs unter den Nagel zu reißen. Angefangen von günstigen 50 $ T-Shirt-Entwürfen bis hin zu kostenlosen Konzertplakaten für Bands. Wenn ich an die Zeit von 2002-2003 denke, dann ergaben sich hier und da einige große Projekte, durch die ich meinen eigenen Stil gefunden und meine Technik weiter verfeinert habe. Und das half mir auch meine Arbeiten über die Grenzen hinaus ins Gespräch zu bringen.

Dazwischen machte ich weiterhin einige Design-Jobs. Einer davon war im Auftrag einer Skateboard Firma aus Grand Rapids mit dem Namen „Stink Brand Skateboards“ und eine weitere aus Dayton Ohio namens „Axis“, die den Fokus mehr auf BMX hatte. So fing alles an.

Ich glaube nicht, dass „Design“ jemals ein Hobby war, es war vielmehr ein Mittel, mich aus einer Fabrik fernzuhalten oder für eine Supermarktkette wie „Wal-Mart“ oder in einem Call-Center arbeiten zu müssen. Von dem Moment ab, als ich mich für den Designer-Beruf entschieden hatte, arbeitete ich Tag und Nacht und zwang mich dazu soviel zu lernen, wie ich nur konnte, um dieses Ziel zu erreichen.

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Wieviel verdankst du dem Internet und den digitalen Medien in Bezug auf deinen heutigen Beruf?
Joshua: Ich wurde quasi in sie hineingeboren, somit hat sich für mich nicht wirklich viel geändert. Einige Teile meiner damaligen Ausbildung fanden in einer alten Schule noch vor den digitalen Möglichkeiten und der Technik von Heute statt. Meinen ersten Kontakt zum WorldWideWeb hatte ich eigentlich genau in der Phase, als das Zeitalter des Internets begann zu explodieren und die Verwendung von digitaler Software immer häufiger wurde.

Du hast viele Designs für große Marken und namhafte Kunden gemacht. Was war die bisher aufregendste Arbeit an die du dich erinnerst?

Joshua: Ich hasse es das zu sagen, aber ich gebe wirklich nicht viel auf große Namen und Projekte. Ich genieße es aber wie alles andere was ich tue, denn es ist mein Job. Ich glaube, ich bin in dieser Hinsicht recht bodenständig geblieben und das halte ich auch bei allem was ich sonst tue. Ein großartiger Kunde ist  für mich einer der pünktlich zahlt, nicht der Name des Unternehmens.

Ich persönlich empfinde mehr Freude darin in der Lage zu sein durch die Welt zu fliegen und nach einem gelungenen Projekt mir mit meinen Partnern den ein oder anderen Drink zu genehmigen. Das verrät viel über die Menschen mit denen ich arbeite und daraus entstehen die besten Freundschaften.

Zum Teil weiß ich nicht einmal, was wirklich in Produktion gegangen ist. Oftmals macht mich irgendwann jemand darauf aufmerksam, dass er eines meiner Arbeiten in einem Geschäft gesehen hat.

ABER. Die wahrscheinlich beste Geschichte hat sich kürzlich erst ereignet. Ich besuchte die „Magic“ in Las Vegas im vergangenen Februar und hatte Mr. Limpy im Gepäck, das ist quasi der „Stretch Armstrong“ unter den Gummi-Dildos. Mein Freund Adrian steckte ihn mir in meine Zeichen-Box, in der ich gewöhnlich meine Stifte aufbewahre und mit denen ich an einem Stand der Messe auch für eine Auftragsarbeit arbeiten sollte. Am Anfang dachte ich mir „du blöder Arsch“ aber daraufhin zog ich es vor, mir einen Spaß daraus zu machen. Ich schnappte mir eine Box und begann diese aufwendig zu bemalten. Auf dem Deckel schrieb ich den Text: „Ein besonderes Geschenk von Ed Hardy“ und brachte die Box rüber zu den Standkollegen von „Metal Mulisha“. Die Reaktionen auf den Penis in der Box waren legendär. Bis zum Ende des Tages haben wir uns gegenseitig mit dem Plastikdildo gejagt und ihn als Peitsche genutzt, das tat verflixt nochmal weh, wenn du von ihm getroffen wurdest… Ich glaube, einer der Jungs hat ihn tatsächlich mit nach Hause genommen. Ich bin froh, dass Mr. Limpy so ein neues Zuhause gefunden hat.

Woher nimmst du deine Ideen für neue Designs?
Joshua: Das Variiert von Tag zu Tag und kommt immer darauf an, woran ich gerade arbeite. Inspiriert haben mich vielmehr eher die verschiedenen Techniken einzelner Künstler und nicht das eigentliche Design. Mich interessierte ihre Stift und Tusche-Technik oder wie sie ihre Schattierungen hinbekommen haben. Ich suche immer nach Möglichkeiten, um meine digitale Kunst weniger digital wirken zu lassen, ohne das verdammte Ding aber von Hand zeichnen zu müssen. Ich die digitalen Formate, da es leichter ist das Ergebnis anschließend in verschiedenen Ausgabeformaten zu reproduzieren.

Die meisten meiner Ideen ergeben sich eher zufällig, während ich dasitze und grüble „Verdammt, soll ich es so oder so machen“.

Gibt es auch irgendwelche Lieblings-Künstler, Bücher, Zeitschriften die du empfehlen kannst?
Joshua: Meine Lieblingskünstler sind Rick Griffin, Greg Irons, Robt Williams (wegen seiner Zeichnungen und Farben), Julie West, Munk One, Zombieyeti, und so weiter.

Bücher: alles von Stienbeck oder Hemingway

Zeitschriften: Be Street (Französisch), Hi Fructose (stateside) und Hustler

Gib uns einen Einblick, wie eine deiner Ideen schließlich Realität werden. Wie gehst du bei einem Job exemplarisch vor?

Joshua: Bah, das ist wirklich ziemlich simpel. Nachdem ich endlich eine Idee von dem habe, was ich machen möchte, bereite ich meine Vorlagen für die digitale Bearbeitung der späteren Illustration vor. Nehmen wir an, es soll ein Schimpanse oder ein Tiger werden, dann sammle ich reichlich Bildmaterial für die Perspektive, die ich benötige. Von dort aus beginnt meine Arbeit in Adobe Illustrator und erstelle die Grafik. Der Rest ist wie ein Puzzle bei dem Du die richtigen Teile zusammensetzt, um das Bild zu vervollständigen.

Es gibt keine universell anwendbare Vorgehensweise oder Technik dafür. Ich lege einfach drauf los. Bei keiner meiner Arbeiten gab es bisher die selbe Vorgehensweise – von der ersten Idee ab heißt es im Grunde nur den Kram zusammenzuschustern und viel Zeit damit zu verbringen, bis es funktioniert.

Welche Art von Musik und Bands hörst du?
Joshua: Was Musik angeht, bin ich wirklich sehr Old School. Ich mag Dead Can Dance, The Who, Pink Floyd, Tom Petty, The Smiths, The Smashing Pumpkins, Front 242, Front Line Assembly, Siouxsie & The Banshees, so weiter und so fort.

Viele DJ-Mixe, klassische Musik und den ganzen ungewöhnlichen Kram ebenso.

Gibt es irgendwelche Musiker du gerne arbeiten würdest?

Joshua: Wahrscheinlich wäre das Front 242. Ich bin Fan seit 1992. Oder Nazareth (Ich liebe das „Hair of the Dog“ Album) oder Pink Floyd.

Was sind aus deiner Sicht die 3 besten Plattencover aller Zeiten?
Joshua: Das wäre zunächst einmal: Appleseed Cast – Low Level Owl Vol. 1 & 2. Gerade weil es so einfach gehalten ist.
Zweitens: Chemical Brothers – Dig Your Own Hole. Es ist einfach ikonischen.
Drittens: Guns and Roses – Appitite for Destruction. Weil es einfach großartig ist, vor allem weil es Robt Williams gemalt hat.

Bedenkt aber bitte auch, dass durch das verdammte iTunes der Anspruch an künstlerisch wertvollen Coverartworks stark nachgelassen hat und sich viele Musiker kaum noch um deren Bedeutung kümmern. Vielmehr vermisse ich übrigens Vinyl.

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An welchen Projekten arbeitest du aktuell und was sind deine Pläne in der nächsten Zeit?
Joshua: Im Moment verhandle ich die meiste Zeit mit Kunden und versuche nebenher noch meine neue Website an den Start zu bringen. Außerdem arbeite ich an einer kleinen Mini-Serie meines eigenen Klamottenlabels „Purveyor of Sin“. Wenn alles klappt, werde ich jeden Monat zwei neue T-Shirts veröffentlichen bis ich eine Bandbreite an unterschiedlichen T-Shirt-Designs anbieten kann und das ganze dann offiziell machen. Wir werden sehen…

Ich habe eine Menge Reisen vor mir. Ich bin im Gespräch mit einem Magazin und werde Ende des Jahres nach Frankreich fliegen. Schmerzlich vermisse ich übrigens auch Deutschland (Wink mit dem Zaunpfahl). Ich mache dieses Jahr eine Menge Art-Shows, um meine Kunst zu präsentieren und arbeite außerdem noch an einigen anderen Spielereien. Ich habe keinen genauen Überblick über die ganzen Dinge die ich gerade mache, habe aber gelernt, damit umzugehen.

Vielen Dank für deine Zeit und die interessante Unterhaltung!
Joshua: Ich bedanke mich für euer Interesse und grüße die Leser des Pressure Magazines.

Interview von Marcus Liprecht im April 2012

Mehr zum Thema:

Offizielle Homepage: www.hydro74.com

Hydro74 Fonts & Merch Store: www.merchline.com/hydro74/

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