Sanctuary

Zwei Alben in den späten Achtzigern, dann Schluss – und trotzdem gehören Sanctuary aus Seattle zu den Bands, über die im Power- und Thrash-Metal bis heute geredet wird. Into the Mirror Black steht auf Platz 20 der Rock-Hard-Liste der 500 besten Metalalben, und aus der Konkursmasse der Band ging mit Nevermore eine der einflussreichsten US-Metal-Gruppen der Neunziger hervor.

Der ältere Teil dieses Profils endet 2010 bei einer angekündigten Reunion. Was danach kam, ist eine Geschichte aus Comeback, zwei Todesfällen und einer Band, die 2026 aktiver ist als in den vergangenen fünfzehn Jahren.

Sanctuary auf einen Blick

  • Gegründet: 1985 in Seattle, Washington (USA)
  • Genre: Power Metal / Heavy Metal mit Thrash-Einschlag
  • Aktuelle Besetzung: Joseph Michael (Gesang), Lenny Rutledge (Gitarre), Will Wallner (Leadgitarre, Live-Besetzung), George Hernandez (Bass), Dave Budbill (Schlagzeug)
  • Aktuelles Album: The Year the Sun Died (2014, Century Media); aktuelle Single Not Of The Living (2026, BLKIIBLK)
  • Status: aktiv – 40th-Anniversary-Tour läuft, Südamerika-Termine im August 2026 (Stand: August 2026)
  • Bekannteste Nachfolgeband: Nevermore (gegründet 1992 von Dane, Loomis und Sheppard)

Die Geschichte von Sanctuary

Bevor die Band Sanctuary gegründet wurde, war Warrel Dane Sänger der Heavy-Metal-Band Serpent’s Knight, die 1983 ein Studioalbum veröffentlichte. Bassist Jim Sheppard spielte in einer Glam-Metal-Band namens Sleeze, Sänger dieser Band war der spätere Alice-in-Chains-Sänger Layne Staley.

Die Band Sanctuary wurde 1985 gegründet und spielte 1986 ein Demo ein, welches einen Vertrag mit Epic Records einbrachte. Das Debütalbum „Refuge Denied“ wurde 1987 veröffentlicht. Produziert wurde das Album vom Megadeth-Sänger Dave Mustaine. „Refuge Denied“ ist das einzige Album, auf dem Warrel Dane mit einer extrem hohen Stimmlage singt. Es gibt Spekulationen, dass sich Dane bei den Aufnahmen verletzte und deshalb auf den späteren Alben mit einer tieferen Stimme arbeitet. Mit „White Rabbi“ befindet sich eine Jefferson-Airplane-Coverversion auf dem Album. Mustaine steuerte ein Gitarrensolo bei. Die Band ging nach der Veröffentlichung mit Megadeth und Warlock auf Tournee.

Nach Abschluss der Tournee nahm die Band ihr zweites und letztes Studioalbum „Into the Mirror Black“ auf. Dieses Album gilt als Genreklassiker und wurde von der Redaktion des deutschen Rock-Hard-Magazins auf Platz 20 einer Liste mit den 500 besten Metalalben gewählt. Für das Lied „Future Tense“ wurde ein Videoclip gedreht, der von MTV in der Sendung „Headbangers Ball“ gelegentlich gespielt wurde. Während der Tournee mit Forbidden und Death Angel verließ Sean Blosl die Band und wurde durch den damals erst 19-jährigen Jeff Loomis ersetzt.

Auch wenn sich das Album gut verkaufte, waren Epic nicht zufrieden. Durch den einsetzenden Grungeboom versuchte Epic, die Band in dieses Genre zu drängen. Innerhalb der Band kam es zu Spannungen über die zukünftige musikalische Ausrichtung. Diese Spannungen führten 1991 zur Auflösung der Band. Um den Vertrag zu erfüllen, veröffentlichte Epic im gleichen Jahr noch die rare Live-EP „Into the Mirror Live“. Ein Jahr später gründeten Dane, Loomis und Sheppard die Band Nevermore. Lenny Rutledge wurde Musicalproduzent und ist Inhaber eines eigenen Studios. Blosl ist heute als unabhängiger Musik- und Filmproduzent tätig. Budbill kehrte der Musik den Rücken zu, hilft aber Warrel Dane bei seinem Soloprojekt.

2010 kündigte Warrel Dane ein neues Sanctuary-Album an. Die Band werde in Original-Besetzung außer Sean Blosl wieder zusammenfinden. Lenny Rutledge habe Dane bereits neue Songs vorgespielt, die letzterer als „großartig“ bezeichnete. Man sei auf der Suche nach einer geeigneten Plattenfirma.

Was seit 2010 passiert ist

Aus der 2010 angekündigten Reunion wurde tatsächlich eine zweite Bandphase. Jeff Loomis stieg für gut ein Jahr wieder ein, danach übernahm Brad Hull die Gitarre. Am 6. Oktober 2014 erschien über Century Media The Year the Sun Died – das dritte Studioalbum und das erste seit 24 Jahren. 2017 folgte mit Inception eine Veröffentlichung des frühen Demomaterials von 1986, ebenfalls über Century Media.

Dann kam der Einschnitt: Sänger Warrel Dane starb am 13. Dezember 2017 im Alter von 56 Jahren in São Paulo. Zwei Jahre zuvor hatte bereits Bassist Jim Sheppard die Band verlassen; seinen Platz nahm George Hernandez ein, der zuvor schon als Gastmusiker gespielt hatte. Im Januar 2025 wurde zudem bekannt, dass Gründungsgitarrist Sean Blosl im Alter von 58 Jahren gestorben ist.

Weitergemacht haben Lenny Rutledge und Dave Budbill trotzdem. Seit 2018 steht Joseph Michael, auch bei Witherfall aktiv, am Mikrofon. 2026 unterschrieb die Band bei BLKIIBLK und veröffentlichte mit Not Of The Living die erste neue Musik seit über einem Jahrzehnt. Parallel läuft die Tour zum 40-jährigen Bandjubiläum, die im Frühjahr 2026 durch Europa führte – unter anderem zum Keep It True und nach Hamburg – und im August in Lateinamerika weitergeht. An der zweiten Leadgitarre spielt dabei Will Wallner.

Besetzung

Von der Gründungsbesetzung von 1985 sind heute noch Gitarrist Lenny Rutledge und Schlagzeuger Dave Budbill dabei. Zwei Gründungsmitglieder sind verstorben.

Aktuelle Besetzung

  • Joseph Michael – Gesang (seit 2018; spielt außerdem bei Witherfall)
  • Lenny Rutledge – Gitarre (1985–1992 und seit 2010, Gründungsmitglied)
  • Will Wallner – Leadgitarre (seit 2026, Live-Besetzung)
  • George Hernandez – Bass (seit 2016; zuvor Gastmusiker 2014–2016)
  • Dave Budbill – Schlagzeug (1985–1992 und seit 2010, Gründungsmitglied)

Ehemalige Mitglieder

  • Warrel Dane – Gesang (1985–1992 und 2010–2017, Gründungsmitglied; † 13. Dezember 2017 in São Paulo im Alter von 56 Jahren)
  • Sean Blosl – Gitarre (1985–1990, Gründungsmitglied; verließ die Band während der Tournee mit Forbidden und Death Angel, Grund nicht öffentlich genannt; † 2024 im Alter von 58 Jahren)
  • Jim Sheppard – Bass (1985–1992 und 2010–2016, Gründungsmitglied; Grund des Ausstiegs nicht öffentlich genannt)
  • Jeff Loomis – Gitarre (1990–1992 und 2010–2011; Grund nicht öffentlich genannt)
  • Brad Hull – Gitarre (2011–2015; Grund nicht öffentlich genannt)
  • Nick Cordle – Gitarre (2015–2016; Grund nicht öffentlich genannt)
  • Attila Vörös – Gitarre (2017 und 2020; Grund nicht öffentlich genannt)
  • Joey Concepcion – Gitarre (2018–2020; Grund nicht öffentlich genannt)

Stand der Besetzung: August 2026.

Diskografie

Alben

  • 2014 – The Year the Sun Died (Century Media, erschienen am 6. Oktober 2014) – bei Amazon
  • 1990 – Into The Mirror Black (Epic Records) – bei Amazon
  • 1988 – Refuge Denied (Epic Records, produziert von Dave Mustaine) – bei Amazon

Singles

  • 2026 – Not Of The Living (BLKIIBLK)

Live-Alben & Kompilationen

  • 2017 – Inception (Century Media; Veröffentlichung des frühen Demomaterials von 1986) – bei Amazon
  • 1991 – Into The Mirrir Live (Live-EP, Epic Records; korrekt: Into the Mirror Live) – bei Amazon

Sanctuary live: Tourdaten 2026

Zum 40-jährigen Bandjubiläum sind Sanctuary 2026 durchgehend unterwegs. Die Europa-Etappe mit Terminen in Geiselwind, Hamburg und Andernach liegt bereits hinter der Band; diese Termine stehen noch an:

DatumStadt & LocationTickets
22/08/2026Mexiko-Stadt (MX) – Venue noch offenTickets
23/08/2026Mexiko-Stadt (MX) – Venue noch offenTickets
25/08/2026Lima (PE) – Venue noch offenTickets
27/08/2026Concepción (CL) – Venue noch offenTickets
28/08/2026Santiago (CL) – Venue noch offenTickets
29/08/2026Buenos Aires (AR) – El Teatrito, Sarmiento 1752Tickets
30/08/2026São Paulo (BR) – Venue noch offenTickets
18/09/2026Wisconsin (USA) – Crucible / Blades Of SteelTickets

Neue deutsche Termine sind über die Europa-Etappe im Frühjahr hinaus derzeit nicht angekündigt. Weil die aufgeführten Konzerte über lokale Vorverkaufsstellen in Amerika laufen, führt der Ticketlink auf die allgemeine Eventim-Suche. (Stand: August 2026)

Häufige Fragen zu Sanctuary

Gibt es Sanctuary noch?

Ja, Sanctuary sind aktiv. 2026 hat die Band bei BLKIIBLK unterschrieben, mit Not Of The Living neue Musik veröffentlicht und ist auf Tour zum 40-jährigen Bestehen. Von der Gründungsbesetzung sind Gitarrist Lenny Rutledge und Schlagzeuger Dave Budbill dabei; am Mikrofon steht seit 2018 Joseph Michael (Stand: August 2026).

Wann spielen Sanctuary das nächste Mal live?

Die nächsten belegten Termine sind die Südamerika-Konzerte Ende August 2026, unter anderem am 29. August in Buenos Aires im El Teatrito und am 30. August in São Paulo. Danach folgt am 18. September ein Auftritt in Wisconsin. Deutsche Termine gab es zuletzt im Frühjahr 2026 in Geiselwind, Hamburg und Andernach; neue sind bislang nicht angekündigt. Konzerttickets findest du auf der Eventim-Seite. (Stand: August 2026)

Was ist das aktuelle Album von Sanctuary?

Das aktuelle Studioalbum ist The Year the Sun Died von 2014, erschienen über Century Media – das erste neue Album seit Into the Mirror Black von 1990. Seitdem folgten 2017 die Demo-Veröffentlichung Inception und 2026 die Single Not Of The Living beim neuen Label BLKIIBLK; ein viertes Studioalbum ist in Arbeit.

Wer ist der Sänger von Sanctuary?

Seit 2018 singt Joseph Michael, der auch bei Witherfall aktiv ist. Sein Vorgänger war Gründungsmitglied Warrel Dane, der die Band von 1985 bis 1992 und ab der Reunion 2010 prägte und am 13. Dezember 2017 im Alter von 56 Jahren in São Paulo starb. Dane sang auf allen drei Studioalben – auf dem Debüt Refuge Denied noch in auffallend hoher Lage, danach deutlich tiefer.

Welche Alben haben Sanctuary veröffentlicht?

Es sind drei Studioalben: Refuge Denied (1988), Into The Mirror Black (1990) und The Year the Sun Died (2014). Dazu kommen die Live-EP Into the Mirror Live (1991) und die Demo-Veröffentlichung Inception (2017). Die ersten beiden Alben erschienen bei Epic Records, die späteren bei Century Media.

Wie hängen Sanctuary und Nevermore zusammen?

Nevermore entstand 1992 direkt aus der Auflösung von Sanctuary: Sänger Warrel Dane, Gitarrist Jeff Loomis und Bassist Jim Sheppard gründeten die Band unmittelbar danach. Auslöser war der Streit mit Epic Records, die Sanctuary im einsetzenden Grunge-Boom in eine andere Richtung drängen wollten. Nevermore wurde in den Neunzigern deutlich erfolgreicher als Sanctuary je war.

Sanctuary erleben & entdecken

Zwei Genreklassiker aus den Achtzigern, ein Comeback-Album und frisches Material zum 40-Jährigen – wer Sanctuary erst über Nevermore kennengelernt hat, findet im Backkatalog eine der spannendsten Vorgeschichten des US-Metal.

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Sanctuary im Netz

Offizielle Social-Media-Kanäle der Band konnten wir zum Redaktionsschluss nicht zweifelsfrei verifizieren; um keine falschen Profile zu verlinken, verzichten wir hier auf entsprechende Einträge.

Pressure Fazit

Kaum eine Band hat aus so wenig Material so viel Nachwirkung gezogen. Into the Mirror Black war 1990 zu sperrig für das, was Epic verkaufen wollte, und genau deshalb hält es bis heute – ein Album, das den Übergang vom Power Metal zum technisch verschachtelten Thrash vorwegnimmt, den Nevermore später ausbuchstabierten. Dass Lenny Rutledge und Dave Budbill nach dem Tod von Warrel Dane weitermachen, hätte leicht pietätlos wirken können; mit Joseph Michael ist stattdessen eine Besetzung entstanden, die den Katalog verteidigt, statt ihn zu imitieren. Vierzig Jahre nach der Gründung ist diese Band überraschenderweise die interessanteste Version ihrer selbst seit 1990.

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