
Kein Augenblick mehr ohne das Gefühl von gestern Abend
Die Sportis sind für mich vor allem nostalgische Erinnerung an die Leichtigkeit der Jugend, an laue Sommerabende, die Zeit mit Freunden im Proberaum oder auf dem Bolzplatz. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten spielten Sie für das Leipziger Publikum. Nachdem ich ihre Show im Haus Auensee im Mai verpasst hatte, konnte ich mir das jetzt nicht entgehen lassen. Eine der Bands meiner Jugend auf der schönsten Bühne Leipzigs.
Eröffnet wurde der Abend aber erstmal von den mir bis dahin unbekannten Kytes, laut eigener Aussage selbst große Fans der Sportis seit Jugendtagen, die mit ihrem erfrischenden Indie Rave das Publikum an der Parkbühne im Clara-Zetkin Park direkt auf Temperatur brachten. Definitiv ein starker Opener!
Die Sportfreunde Stiller selbst kamen kurz vor 20 Uhr auf die Bühne. Rüde am Bass, Peter am Gesang und Flo an den Drums verbreiten vom ersten Moment an das erwartete und erhoffte Wohlig-Gute-Laune-Sporti-Gefühl. Über zwei Stunden spielen sie sich dann durch drei Jahrzehnte Bandgeschichte, aber der Abend fühlt sich dabei niemals lang an. Überall strahlen, lachen und tanzen die Menschen um mich herum. Zum Klassiker Ein Kompliment kann dann auch spätestens jeder der anwesenden Zuschauer*innen den Text voller Inbrunst mitsingen… „Ich wollte dir, nur mal eben sagen, dass du das…“ Good Vibes im Clara-Zetkin Park, Sportis und Publikum auf der Parkbühne ganz nah beieinander. Zum ruhigeren Siehst du das genauso gab es dann ausgedehnte „Ooohhhhhhh oooohhhhh ohhhh“-Chöre des Publikums als Dankeschön an die Band. Die wiederum revanchiert sich mit Jetzt zum allerletzten Mal, das spontan zum Medley mit Neil Diamonds Sweet Caroline umgestaltet wird. Das Publikum bedankt sich wiederum mit Lautstärke: „Sweeeeeeeet Carolineeeeeeee. Good Times never seemed so good … SO GOOD! SO GOOD! SO GOOD!“
Doch auch neuere Songs wie Ti Amo, Italiano! oder Keine Blumen ohne Regen vom neuen Album Happy Birthday! kamen hervorragend an, genauso wie Live-Gitarrist Mario, der von der zweiten Gitarre aus ordentlich einheizte und seinerseits mit Sprechchören gefeiert wurde.
Hatten die Sportfreunde Stiller eigentlich jemals was mit Fußball am Hut? Mit einem Augenzwinkern verrät Flo dem Publikum, man sei ja keine Fußballband. Aber nachdem die deutsche Nationalmannschaft nach der Niederlage im Sechzehntelfinale am Vorabend gegen Paraguay die Sachen packen und das WM-Lager verlassen durfte, könne man die Zeilen des folgenden Songs Wie lange sollen wir noch warten, bis endlich wieder bessere Zeiten starten? schon auch als Kommentar auf das Abschneiden der DFB-Auswahl bei der Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA lesen. Gesungen mit einem weiteren Augenzwinkern und Gruß an Jürgen Klopp.
Ein weiterer Hieb in diese Kerbe folgte, als die Band einen anderen Klassiker auspackte: Mit Ich, Roque huldigt die Band seit dem Album Burli dem einstigen Stürmer und Champions League Sieger des FC Bayern München sowie Nationalspieler Paraguays, Roque Santa Cruz. „Ich sag zu meinem Fanblock: Ich, Roque!“ Und das Publikum rockte!
Mein persönliches Highlight waren aber die Songs Fast wie von selbst und vor allem Wellenreiten. Beide vom ersten Album der selbsternannten Nicht-Fußball-Band: So wie einst Real Madrid. Während Fast wie von selbst das Publikum relativ früh ins Set der Sportis trug, trieb Wellenreiten meine nostalgischen Gefühle zum Höhepunkt. Schnell, Energiegeladen, Ekstase:
„Uns umgibt der Glanz der Sonne,
Lass uns Wellenreiten gehen!
Heute fallen wir hundertpro nicht vom Brett!
Kein Augenblick
Kein Augenblick mehr
Kein Augenblick mehr ohne das Gefühl von heute morgen!“
Damit war der Abend perfekt, ich befriedigt und selig. Zum Abschluss gab es dann noch ein herzliches Lass mich niemals los, performt in einem nicht enden wollenden Wechsel zwischen dem Leipziger Parkbühnen-Chor und den extra für diesen Anlass aus Germering bei München angereisten Sportfreunden Stiller. Mit Gänsehaut und einer gehörigen Portion Glückshormonen entließen uns die Sportis damit in den lauen Leipziger Sommerabend, der bei dem einen oder der anderen noch einige Zeit nachhallen dürfte.
Kein Augenblick mehr ohne das Gefühl von gestern Abend!
Fotos von Alexander Thoms – https://at-fotografie.de









































