Veröffentlicht am 8. September 2013 von Pressure Magazine in Bandprofil
 
 

Fauxpas


Bandhistorie:
1993 – 1995 Es war 1993, Metal und Fußball waren nicht mehr angesagt und die zunehmende Radikalisierung der politischen Lager verlangte nach neuen Bands, dachten viele zumindest. Viele Metaller und Punks der Vorwendezeit orientierten sich eindeutig nach links oder rechts. Es entstand eine starke, nationalistische Skinheadszene. Auch in Brandenburg/Havel gründeten sich Combos mit politischer Attitüde. Auf der einen Seite die Bloody Bones, eine Deutschpunkband die auch über die örtlichen Grenzen hinaus zu einer Kultband avancierte, auf der anderen Thorshammer, die ebenfalls, trotz teilweise mieser Auftritte, einen gewissen Status erlangten. Nebenbei existierte da auch noch eine, politisch eher uninteressante, Hippieband namens Einstein, wo ein gewisser Peter „Pitti“ Jupe und ein Frank „Else“ Wagenbrett ihre ersten musikalischen Gehversuche unternahmen. In unserer Metal Clique, die sich nun schon seit einigen Jahren zum allwöchentlichen ( -abendlichen ) Besäufnis traf, gab es, bis auf einige Ausnahmen, keine politischen Betätigungen. Die Party stand eindeutig im Vordergrund. Sicher gab es einige Gefechte, unter anderem mit ein paar Glatzen während eines Konzerts auf der Belziger Burg, oder mit den Asipunks, denen beim Geyer ( unserem Schankwirt) ihre Grenzen aufgezeigt wurden, auch einige Scharmützel mit den Bullen, jedoch nie vor einem politischen Hintergrund, wie es in späteren Erzählungen oft hineininterpretiert wurde. Es waren die gleichen, machomäßigen Schlägereien, die man auch untereinander hatte, mit den gleichen, „gewichtigen“ Anlässen, aus denen man sich, irgendwo in der Pampa, mit der Dorfjugend schlug. Meistens das Anderssein, das Aussehen oder die Lust an der Randale. Für viele Linke waren wir aufgrund von Motörheadshirts Nazis, für etliche Rechte, vor allem für die, die mit etwas weniger Hirn ausgestattet waren, standen wir, als zum größten Teil Langhaarige, eher links außen. So hatte man des öfteren Stress. Dabei hatten wir nur ein Ziel, und das bestand darin, nach unseren Saufereien in der „Kegelklause“ noch in irgendwelche Diskotheken einzufallen und uns, sehr zur Freude unserer aufgestylten, tanzbeinschwingenden Mitmenschen, wie eine Horde Geisteskranker zu gebärden. Wir waren ein Haufen, wie es besser keinen geben konnte. Und wir erlebten, glaube ich, die schönste und unbeschwerteste Zeit unseres Lebens. Alles war scheißegal, uns gehörte die Welt. Oder zumindest das, was das Brandenburger Land hergab. Da war Deet, der ein ziemlich mieses Arschloch sein konnte, immer dabei, einen Streit zu provozieren. Der sich erst wohl fühlte, wenn irgendetwas zu Bruch ging. Zwischen ihm und mir entbrannte ständig der Machtkampf um die Vorherrschaft im Metal Club Cerberus. Den aber eigentlich niemand so richtig ernst nahm, da es egal war, unter welcher Flagge wir feierten, wenn immer nur genug zum saufen da war. Es gab die traditionsbewussten Metaller, die Deet um sich scharrte, und die etwas abgedrehteren Death Metal Freaks, zu denen ich mich zählte. Heute ist Deet einer der letzten, die übrig geblieben sind, und wir verstehen uns besser, als je zuvor. Da waren von Anfang an die Härtel Brüder, Kalle und Henrik, die vom Charakter her nicht unterschiedlicher sein konnten. Kalle, als ruhiger, besonnener Typ, der sich als Metal Maniac auszeichnete, praktisch jede Cd mit Namen, Produzenten und Erscheinungsdatum kannte, und Henrik, Schlachter von Beruf und auch ganz gerne mal so über die Stränge schlagend, dass man schon mal an seinem Geisteszustand zweifeln konnte. Aber die Krankheit hatten wir ja fast alle. Zum Beispiel Tinnef, der schon zu DDR-Zeiten mit Napalm Death und den Dead Kennedys angerannt kam, und es immer wieder schaffte, für einige ganz besondere Kapriolen zu sorgen. Und in dessen Wohnung in der Strauss Strasse, die schon einigen linken Krawallköpfen als Unterschlupf diente, wir manch durchzechte Nacht bis zum nächsten Abend weiterfeierten. Oder Panther, mit dem ich mich wahrscheinlich noch zusammen beerdigen lasse, da sich unsere Wege immer wieder kreuzen. Er war einer meiner besten Freunde, was immer es auch war, das uns verband. Vielleicht unser Humor, über den nicht viele Leute lachen können, und mit dem wir schon zu Schulzeiten unsere Lehrer zur Weissglut brachten. Mit ihm teilte ich bis dahin die meiste Zeit meines Lebens. Die ersten Fußballspiele, die ersten Kneipengänge, die ersten Demonstrationen gegen Honecker und Co. und die ersten Konzerte. Ja, Panther war schon immer da. Dazu kam Terror aus der legendären Trauerberg Metal Clique, die, mit Mitläufern; zu DDR Zeiten bis zu achtzig Mann groß war und Angst und Schrecken verbreitete, ebenso wie Trypke, der nebenbei immer noch als Hooligan unterwegs war, den auch sieben Leute vor einer Dorfdisko nicht stoppen konnten, als er Tinnef einmal den Weg frei schlagen musste. Und Fiete, der einzige Metaller aus Wusterwitz, durch den sich die Gemeinde durch sein Aussehen und Auftreten provoziert sah, so dass als sein letzter Ausweg nur noch das Sündenpfuhl Brandenburg blieb. Oder Mutz, der es gerne ordentlich krachen ließ und sich somit als Polizist mit menschlichen Seiten outete, manchmal soweit, dass ihn seine eigenen Kollegen nach irgendwelchen Randalen belangen mussten. Dazu kam irgendwann Rocky, dessen Welt sich aber nur zwischen Dartpfeilen, Karten und Spielautomaten befand 1998 Die Lieder, die nun entstanden, wurden aufgrund Elses immer öfteren Abwesenheit und unserer Gleichgültigkeit auch niveauloser. Geyer’s Inn war eine Abrechnung mit unserem ehemaligen Kneiper, Fauxpas eine unnötige Selbstbeweihräucherung auf Kindergartenebene. Zu dieser Zeit stand ich oft mit Christian allein im Proberaum, wir verstanden uns so gut wie nie zuvor. Wir übten mit Buch der Erinnerung eines der schönsten Onkelz Stücke ein. In dieser Zeit dachte ich manchmal an Maja. Nicht bewusst, es waren eher kurze Blitze, die sich in meine Gedanken einschlichen, und eine seltsame Melancholie kam auf. Das Resultat daraus: In meinen Träumen. Zudem verwursteten wir Lynyrd Skynyrd’s Sweet Home Alabama, welches wir, mit einem anderen Text versehen, kurzerhand in Meine Heimat umbenannten. Es war ein Lied für unsere Stadt, in der alles kaputt ist, was kaputtzumachen ging. Eine Stadt, für die ich eine sehr schwierige Zukunft sehe, eine Stadt, deren Menschen davonlaufen. Auch mich trieb es oft fort, jedoch kehrte ich immer wieder zurück. Denn auch anderswo stank es. Und wenn man im eigenen Inneren mit sich im Reinen ist, erscheint auch eine Stadt wie Brandenburg in einem anderen Bild. Trotz der Perspektivlosigkeit für viele Einwohner, trotz der Tristesse, trotz der Sturheit und Unfähigkeit der Stadtoberen, es war ein Gefühl für die Heimat, das ich stärker nirgendwo hatte. So scheiße die Leute hier auch waren, in dieser Stadt wurde ich geboren, hier fickte ich das erste Mal, hier ich trank mein erstes Bier und hier erlebte ich Liebe und Schmerz. Diese Erinnerungen werde ich immer in mir tragen, auch wenn der Rahmen dafür diese Stadt ist. Diese Lieder übten wir größtenteils ohne Schlagzeug ein. Ab und zu half mein Bruder aus. Wenn man Else anrief, hörte man aus dem Hörer einen wirren Mix aus Doors, Flaschengeklimper und Selbstmordfaselei. Es war ein Sound, der mich tief berührte. Else wurde von einer Frau verarscht, die nicht mit seiner Sucht umgehen konnte, er war fertig, designiert, ein sabbernder Lappen. Dazwischen immer wieder die Erkenntnis, dem ein Ende zu setzen, wie auch immer. Diese Szenerie war die Grundlage für den Stummen Schrei. Ein Lied, das von seinem Gitarrenspiel und dem Text lebt, eines der Lieder, die mir sehr nahe gingen. Eine Textzeile hieß: „Jim Morisson singt“. Später wurde dieser Name durch Kevin Russel ersetzt, da es viele Parallelen zwischen Else und mir gab, und auch er die Onkelz mittlerweile mehr als mochte. Obwohl ich Else damals innerlich schon aufgegeben hatte, fühlte ich mich zu ihm verbunden. Aber, was sollte ich tun? Rayk und Pitti erkannten den Ernst der Lage nicht, oder es war ihnen egal. „Dann muss er einfach aufhören zu saufen!“ So einfach war das, und auch wieder nicht. Wir schenkten Else den Stummen Schrei zu seinem Geburtstag, aber er bekam es nicht mehr mit. Noch einmal spielten wir im Klubhaus der „Seth Typhons“, auf Christians Geburtstagsparty. Else saß eher teilnahmslos hinter seinem Schlagzeug, ihn ging das alles nichts mehr an. Lustlos spielten wir unsere Stücke herunter. Am Nachmittag diesen Tages stand das Brandenburger Fußball Ortsderby an. Unser FC Stahl gegen den BSC Süd 05. Ein Hassduell. Die Anhänger beider Vereine halten den jeweils ihren für den einzig wahren der Stadt. Gesunde Rivalität schlägt schnell in blinden Hass um. Das merkte ich auch an diesem Tag. Von den Schmähgesängen der Süd-Fans angestachelt, hetzte ich einige Skinheads und ehemalige Stahl – Hooligans auf, mit mir in den Gästeblock zu gehen um denen ihr verdammtes Maul zu stopfen. Dort angekommen trafen wir auf eingeschüchterte Gestalten, Frauen, die ihre Männer begleiteten und Großväter. Angesichts der Tatsache, dass man ihre Angst förmlich roch, wurde von einer Schlägerei abgesehen. Erst dort wurde mir bewusst, was ich getan habe, und was hätte passieren können, wenn einige Leute nicht besonnen geblieben wären. Warum wollte ich mich mit Leuten prügeln, mit denen ich im „zivilen“ Leben wahrscheinlich klarkommen würde? Und warum soll ich an der Seite von Typen kämpfen, von denen ich einige für Arschlöcher hielt? Und, aus welchem Grund überhaupt? War es dieser ganze Fußball überhaupt wert? Was brachte mir denn das alles? Selbst wenn mein Verein die Deutsche Meisterschaft gewonnen hätte, wie lange hält dieses Glücksgefühl denn an? Zwei Stunden? Zwei Tage? Und was habe ich dafür getan? Natürlich kann man sich darüber freuen, wenn jemand anderes etwas erreicht. Und selbstverständlich kann man traurig sein, wenn jemanden eine Niederlage wiederfährt. Doch zählt nicht vielmehr, was man selbst erreicht? So sehr mich dieser Sport immer noch fasziniert, ich stelle mich nicht mehr hinter eine einzige Mannschaft, um ihr bedingungslos hörig zu sein. Ich betrachte es differenzierter, mache es weder zum Kult, noch zur Religion. Und seit der Einführung von Ablösesummen in Millionenhöhe, seit der Übersättigung des Zuschauers im Fernsehen mit täglicher Berichterstattung, seit der Überschwemmung des Marktes mit Merchandiseartikeln von albernen Socken bis hin zum vereinsfarbenem Kondom, seit Abschaffung des Europapokals der Landesmeister und seit der Einführung von Pay TV ist, wie ich finde, der eigentliche Reiz dieser Sportart, nämlich der Sport selber, verloren gegangen. Dem Fan wird die letzte Kohle aus den Taschen gezogen und er lässt es zu. Aber dafür ist er Fan, dafür lebt und arbeitet er. Und merkt nicht, dass er eigentlich gar nicht mehr gern gesehen ist. Möglicherweise entwickelt sich Fußball zum gleichen Kaspertheater wie das Schwergewichtsboxen. Mit VIP’s auf den besten Plätzen und der eigentliche Fan als zahlender Gast vor dem Fernseher. Weltmeisterschaft auf Premiere? Ohne mich, so weh es tut! Eine neue Band sollte im Mai ihre erste Mini Cd vorstellen, Human Propaganda. Sie beinhaltete vier eigene geniale Stücke und eine Coverversion. Bei den Jungs handelte es sich um keine Unbekannten, immerhin waren Nico Rittner, Ex-Gitarrist von BMK Ost, Frank Möde, Sänger und Bassist von Einstein und Johnson, der ehemalige Fronter der Bloody Bones mit am Start. Das versprach einiges. Zusammen mit SFB (Stiefelfroinde Brandenburg) sollten wir die Record Release Party in den Brandenburger Heidrichmühlen eröffnen. Während SFB ihre Sache halbwegs gut machten, folgte bei uns das Desaster. Kurz vor dem Konzert tauchte Elses mysteriöse Frau, von der niemand etwas genaues wusste, auf und verschwand gleich wieder. Daraufhin ließ er sich vollaufen. Leider bekam ich davon nichts mit, sonst hätte ich das Konzert sofort abgesagt. Ich wusste, dass Else derzeit in einer sehr schlechten Verfassung war, glaubte aber, dass er, in nüchternem Zustand, die sechs geplanten Titel einigermaßen ordentlich über die Bühne bekommen würde. Nichts von alledem. Er verstrickte sich in totales Chaos und schlug ohne jedes Taktgefühl drauflos, um gleich darauf aufzuhören und hinter dem Schlagzeug zusammenzusacken. Nach vier, nur bis zur Hälfte oder gar nicht gespielten Titeln, verließ ich entnervt die Bühne. Unsere Freunde, von denen auch ein kleiner Teil Karten für die ausverkaufte Veranstaltung abbekommen hatte, riefen uns auf die Bühne zurück. Wir probierten noch ein Stück, aber es hatte sich erledigt. Es war gut gemeint von ihnen, aber wir hätten beim besten Willen nichts mehr herumreißen können. Else schrie uns hinterher, wo wir hinwollen, warum wir uns jetzt von der Bühne verpissten. Merkte er denn überhaupt noch etwas? Pitti wollte ihn später zur Rede stellen, worauf Else weiter schrie und die Sache fast in einer Schlägerei geendet wäre. Bleibt nur noch zu erwähnen, dass Human Propaganda ein geiles Konzert gaben…Erst in der Nacht wurde mir klar, welche Blamage wir erlebt hatten. Ich erlebte jeden Augenblick noch einmal. Am nächsten Abend traf ich den Rest der Band, bis auf Christian, im Pink Panther. Sie waren am Bechern. Ich stellte Else zur Rede. Er versicherte mir, nichts getrunken zu haben, seine Fahne jedoch bewies mir etwas anderes. Ich hatte keine Lust mehr. Erst das Desaster, und jetzt wurde ich eiskalt angelogen. Da mir das Recht nicht zustand, jemanden zu feuern, nahm ich allen die schwere Entscheidung ab, und ging selbst. Sagte es, und verließ den Raum. Else rannte mir hinterher, und was jetzt kam, damit rechnete ich nicht im Entferntesten. Ich machte mich auf eine Schlägerei gefasst, oder zumindest auf einen harten Wortwechsel. Aber er- fing an zu weinen. Er heulte mir was vor und mit dieser Reaktion kam ich nicht klar. Als Alkoholiker schluckt man viel Stolz, aber das? Else war fertig, das wusste ich und das wusste er selbst. Aber ich blieb hart, es gab kein Zurück, nicht mit Else, nicht in seinem Zustand. Im Nachhinein erwies sich diese Reaktion als richtig. Am nächsten Morgen lies sich Else in die Landesklinik einweisen. Hatte ihn der Schock dahin getrieben, mit seiner Frau auch noch seine Band zu verlieren? Was es auch war, Else zog jetzt durch. Entgiftung, Therapie, alles, was mir selber nicht geholfen hatte. Aber bei Else schien es anzuschlagen. Ich besuchte ihn einige Male und wir redeten das erste Mal über Dinge, an die er sonst niemanden heranließ. Und wir waren uns einig, wenn er das hier schaffte, dann gab es auch eine Zukunft für die Band. Nach Wochen der Entbehrung und Qualen war es geschafft. Else war trocken und ist es bis heute auch geblieben. Ist es seine neue Frau, in der er einen Lebenswillen sieht, ist es die Band oder einfach nur der Gedanke daran, wie erbärmlich man enden kann, was ihm die Kraft für diesen Kampf verleiht. Und es bleibt ein Kampf, jedes Mal, wenn er den Drang verspürt, bis an sein Lebensende. Ich bin mir aber jetzt sicher, dass er es schafft, weil er stark geworden ist, ein völlig anderer Mensch im Vergleich zu dem wimmernden Häufchen Elend beim Geyer ein paar Wochen zuvor. Bald waren wir wieder in der Lage aufzutreten. Es ging, wieder mit Human Propaganda, nach Marquede, auf Öko Härties Wiesen, zum Helter Skelter Festival, veranstaltet von den Betreibern des gleichnamigen Plattenladens in Genthin. Die Bühne bestand aus einem LKW- Anhänger, die Organisation war zu chaotisch für die Anzahl der Bands. Weniger ist manchmal mehr. Der Anfang verzögerte sich immer weiter nach hinten, und wir verloren langsam die Lust. Aber wir mussten spielen, schon allein für Else. Und für uns, um unseren Traum weiterzuleben. Als wir endlich dran waren ließ man uns nur fünf Stücke spielen. Mehr Zeit war nicht, da der Techniker das Ende der Veranstaltung für 2 Uhr anvisiert hatte. Unsere Lieder wurden, besonders von einigen Punks, gut aufgenommen. Erstmals spielten wir Auf gute Freunde von den Onkelz, wobei es unter den meisten Anwesenden kein Halten gab. Allerdings gab es auch wieder einige Leute, die uns ziemlich hasserfüllt ansahen. Das störte mich schon lange nicht mehr. Ich habe kein Problem damit, überall meine Meinung zu vertreten, selbst vor blinden Fanatikern nicht. Zur geforderten Zugabe kam es allerdings nicht mehr, da uns der Assi hinter dem Mischpult kurzerhand den Strom abdrehte. Ich konnte meinen Bruder nur mit einiger Mühe davon abhalten, den Bulli mit der Technik, in dem er saß, umzustoßen. Die Entschuldigungen des Veranstalters waren mir ziemlich egal. Wir hatten bewiesen, dass wir immer noch in der Lage sind, die Leute zu begeistern. Auch Peggy und Mario, ihr damaliger Freund, hatten sich eingefunden. Ich kam das erste Mal mit Mario in’s Gespräch, und er war mir von Anfang an sympathisch. Einer der ersten Punks aus Rathenow und ein grundehrlicher Typ. Jemand, der sagte, was er dachte. Er versicherte mir, auch auf unseren nächsten Konzerten dabei zu sein. Es war ein unwahrscheinlich geiles Gefühl. Nicht nur, dass sie, zusammen mit Böttcher, die ersten waren, die sich damals zu unserer Musik bewegten, sondern sie waren auch die ersten außerhalb unseres Bekanntenkreises, die mehr als einmal unsere Auftritte besuchten. Diese Geste stufte ich als ehrlich ein. Ich war glücklich darüber, dass sie mit unserer Musik etwas anfangen konnten, auch wenn sie nicht so ausgefeilt ist, wie die Masse es nun mal hören will. Was an diesem Abend noch blieb war ein guter Human Propaganda – Auftritt, ein völlig besoffener Bruder, der mal wieder sämtliche Peinlichkeitsrekorde ad absurdum führte und die Gewissheit, neue Freunde gewonnen zu haben. Kurz darauf fuhr ich mit Mandy, Terror und seiner Frau Uta noch ein letztes Mal zum With Full Force Festival. Trotz Venom, Danzig, Hate Squad, Slayer und den Suicidal Tendencies hatten wir keine Lust mehr auf diese Massenveranstaltungen. Drei Tage am Stück und drei Bühnen waren einfach zuviel. Diese Festivals verlieren ihren Charakter. Mit der Anzahl der Anwesenden erhöht sich auch zwangsläufig die Anzahl an Idioten. Trotzdem schien in diesem Sommer alles zu meinen Gunsten zu verlaufen. Das Arbeitsamt bot Panther und mir Jobs in unserem Beruf als Dachdecker an. 20 DM die Stunde, Montage und am Wochenende zu Hause. Es sollte endlich mal wieder etwas Geld reinkommen, durch geregelte Arbeit. Des kleinen Mannes Sonnenschein. Und die Chance auf Erwerb eines neuen Motorrades, nachdem meines langsam seinen Geist aufgab. Es war der Sommer, in dem Frankreich im eigenen Land Fußballweltmeister wurde und ich besuchte. Sie spielten im „Klubhaus der Eisenbahner“ in Kirchmöser und ich war so hypnotisiert, dass ich mir noch einige ihrer darauffolgenden Konzerte ansah. Ich war wieder mal von der Macht der Musik und vor allem der Texte ergriffen. In mir gingen komische Sachen vor. Ich sah mich um Jahre zurückversetzt, seltsam schwebend in einer eigenartigen Melancholie. Es war die Zeit vor den dreizehn Jahren, in denen Kotze, Sperma und Blut mein Leben bestimmte. Ein dürrer Kerl, der mit einem Armvoll Schallplatten, die er von Mutters Lohn als Sekretärin im Stahlwerk erstanden hatte, aus dem Kunstkabinett oder dem An- und Verkauf nach Hause rannte. Karat, Rockhaus, Berluc, egal, Hauptsache Stromgitarre. Und eben die Puhdys, deren Texte für mich etwas hatten, obwohl ich damals wahrscheinlich die wenigsten verstand. Nur einer meiner damaligen Klassenkameraden, ein Typ namens Rene Richly teilte diese Vorliebe mit mir. Mit ihm gründete ich auch eine Art Schülerband. Zu diesem Zweck wurde ein Mikrofon in eine Wandergitarre gesteckt und das ganze über einen Kassettenrecorder verzerrt. Dazu kam ein altes Amati- Schlagzeug und die staatliche Genehmigung, eine Stunde täglich in einer Neubauwohnung der Plattenbausiedlung in Hohenstücken proben zu dürfen. Wegen der Talenteförderung. Wenn die gewusst hätten… Übrig blieb von dem Ganzen nur der Schul blacks, in dem sich gegen die Schule und das Elternhaus gestellt wurde. Leider wurde nie etwas aus dem anvisierten Auftritt beim Elternabend. Kontrovers ging es immer zu in der Schule, jedes Wort des Lehrers wurde in Frage gestellt. Vor allem wenn es um die politische Bildung ging. So wurde uns bereits in der siebenten Klasse mit dem Ministerium für Staatssicherheit gedroht. Die Sache schien zu eskalieren, als Richly ein Hakenkreuz an die Schulwand schmierte, während drinnen bei Kindern für eine militärische Offizierslaufbahn geworben wurde. Nur einer besonnenen Lehrerin hatten wir es zu verdanken, dass wir nicht mit Jugendhaft bedacht wurden. Viele Schüler der Willy Sägebrecht Oberschule wurden in sie strafversetzt. Ich kam von der Anton Saefkow OS, wurde zwangsversetzt, weil ich es mir erlaubte, an einer Klassenfahrt teilzunehmen, von der ich eigentlich ausgeschlossen war. Ein halbes Jahr später landete ein Typ in der Klasse, dem es zuviel war, in die nächsthöhere Klassenstufe versetzt zu werden. Ohrring, Jeansweste mit Harley Davidson Rückenaufnäher (was schon ziemlich gewagt war, wenn man bedenkt, dass schon Mickey Mouse Federtaschen verpönt waren), die obligatorische Schwarz Rot Gold Kordel im Knopfloch und immer einen Spruch auf den Lippen. Er war so ziemlich das coolste, was wir anderen Pfeifen gesehen hatten. Statt seine Zeit mit dem Erlernen irgendwelcher Formeln zu verschwenden, holte er lieber das Letzte aus dem Bunsenbrenner heraus. Auch vom Biologielehrer wurde er ab und zu in einen Nebenraum gezogen, aus welchem man dann nur ein lautes Poltern vernahm. Man konnte über diesen Vogel herrlich abfeiern, da auch er bis aufs Messer provozieren konnte. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis wir die besten Freunde wurden. So lernte ich Panther kennen. Von nun an wurden die Haare länger und unsere Mütter gleichzeitig vorgeladen. Die erste Kippe, das erste Bier, die erste Metal Band. Alles, was mit dem Teufel zu tun hatte, brachte mir Panther bei. Ellenlange Diskussionen in der Klasse, die auch mal in einer Schlägerei endeten, welche Musik und welcher Fußballverein denn nun angesagter ist. 1. FC Magdeburg, Carl Zeiss Jena oder Dynamo Dresden? Elvis Presley, AC/DC, oder doch die Puhdys? Ich fand alle geil, aber auch das durfte damals nicht sein. Entweder oder! Es siegte der Heavy Metal. Krokus Iron Maiden, Kreator, Venom, Motörhead. Jeden Samstag, wenn kein Fußball war, trafen wir uns bei Panther, um die Heavy – Stunde auf Jugendradio DT 64 mitzuschneiden. Meistens in einer Dreierrunde, Schugardt, ein ehemaliger Klassenkamerad, gesellte sich oft dazu, wurde aufgenommen was die Sternrecorder hergaben, Pfefferminzschnaps gesoffen und Panthers jüngere Schwester und ihre Freundinnen, deren Titten mittlerweile enorme Ausmaße annahmen, geifernd beobachtet. Sie und ihre Artgenossinnen wurden in unseren Gedanken tausendmal durchgefickt. „Wen würdest Du gerne mal ficken, hä?“ „Machst Du es Dir selbst, wie?“ „Wat, mit einem Müllsack voller Lumpen, mit einem rohen Steak?!?“ Dinge, welche die Welt bewegten. Unsere Späße wurden teilweise ziemlich derb, auch untereinander. Um zu testen wie weit ich gehen konnte, pisste ich Panther in das Bier, was ihn doch ziemlich wütend machte. Wahrscheinlich hätte er mir die Fresse poliert, wenn ich unmittelbar neben ihm gestanden hätte. So kam allerdings die Retourkutsche einige Tage später, als ich nicht merkte, dass ein Glas Kirschen, welches ich mir einhalf, seltsam schäumte… Es hätte eine unbekümmerte Zeit sein können, wenn ich nicht das erste Mal bewusst mit dem Tod konfrontiert worden wäre. Im Februar 1987 starb meine Großmutter. Den größten Teil meiner Kindheit verbrachte ich bei ihr. Es waren schöne Jahre in der Saefkow- Allee, gleich neben dem Knast, und im Bootshaus am Quenz, wo ich auch schon mal in der Kneipe aushelfen durfte. Vieles, was ich wusste, hatte sie mir beigebracht. Die ersten Jahre war ich verdammt gut in der Schule. Es war ein gutes Gefühl, sie und meine Mutter stolz zu machen. Nun hatte sie der Krebs besiegt, nachdem sie ihn Jahre zuvor einmal erfolgreich bekämpft hatte. Es war ein schlimmes Ableben. Kein Tod, wie man ihn sich für sich selbst wünscht, sondern ein langsames Dahinsiechen. Die Ärzte teilten uns nach einiger Zeit die Diagnose mit. Von nun an begann das Warten. Das Warten auf die Erlösung. Für sie, da ihr Zustand sich immer mehr verschlimmerte und sie sich oft quälte, und für mich, da ich ihren Anblick nicht mehr ertragen konnte. Ich glaube, es gibt nichts Schlimmeres, als auf den voraussehbaren und unabwendbaren Tod eines geliebten Menschen zu warten. Endstation Beelitz Heilstätten. Mit ihrem Tod zerbrach auch der Kontakt zum Rest unserer Verwandtschaft. Sie war noch nicht unter der Erde, als sich schon die Aasgeier auf ihr weniges Habe stürzten. Ihr wurde kurz zuvor noch eine neue Wohnung eingerichtet. Nun wurden die Ärzte verteufelt, da sie zu spät mit der Wahrheit über den Zustand meiner Großmutter herausrückten. So hätte man sich diese Investition ja sparen können! Und das von einem ihrer Söhne! Wie scheiße, wie herzlos und gierig veranlagt können Menschen nur sein. Es ist doch nur Geld! Wüsste ich, dass ein von mir geliebter Mensch nur noch einen Tag zu leben hätte, würde ich, wenn es mir möglich wäre, ihm noch ein Schloss bauen. In dieser Zeit erfuhr ich das erste Mal in meinem Leben, was es bedeutet, von ganzem Herzen zu hassen. Hass auf diese materialistischen Schweine, die meine Verwandten waren, aber auch Stolz auf meine Mutter, die nur ein paar persönliche Dinge haben wollte, sowie auf Jürgen, einem meiner Onkel, der sich an diesem Scheiß nicht beteiligte. Vielleicht waren es diese Ereignisse, die meine Umgangsformen rauer werden ließen. Vorbei die Zeit von Jeansjacke und Fleischerhemd. Jetzt musste Leder her, Leder und Härte. Die Grenze meiner Skrupel wurde erheblich zurückgeschraubt. Immer öfter wurde randaliert. Lehrer wurden mit „Fotze“ und „Hure“ tituliert, wobei mir letzteres einen erneuten Schulwechsel einbrachte. In einer Nacht und Nebelaktion wurde ich an die Juri Gagarin Schule verfrachtet. Der dortige Direktor drohte mir bei einer Fortsetzung meiner Eskapaden die sofortige Einweisung in den Jugendwerkhof an. Von da an schaltete ich zwei Gänge zurück. Das war es nicht wert, zumal Schugardt schon dort saß. Um uns ein First Claas Assi Leben zu finanzieren, beging er immer mehr Einbrüche und schreckte auch vor einem großangelegten Scheckbetrug nicht zurück. Nichts ahnend holte ich die Summen von diversen Postämtern und Banken ab. Erst als es in die Tausende ging, machte ich mir erste Gedanken. Trotzdem führten wir unser Leben weiter, als 15-16jährige Kriminelle, denen kein Schuppen zu nobel war, und die der verdutzten Kellnerin auch schon mal 70 Ostmark Trinkgeld gaben. Fettlebe am Jugendklub. Schugardt erzählte uns, es handle sich um Geld, welches er regelmäßig von seiner Großmutter bekam. Waren wir naiv? Oder wollten wir es gar nicht wissen? Natürlich dauerte es nicht lange, bis man uns auf die Schliche kam. Schon als die Polizeisirenen zu hören waren, hatte ich ein ungutes Gefühl. Sie jagten Schugardt durch Hohenstücken. Einige Minuten später waren sie bei mir. Was jetzt folgte waren endlose Verhöre und die Angst in den Knast zu gehen. Glücklicherweise blieb Schugardt ehrlich, wenigstens hier, und hielt uns aus der Sache heraus. Haarscharf am Hafthaus vorbei schwor ich mir: “Nie wieder solche Scheiße!“ Nichts gegen Spaß im Leben, aber nicht auf den Kosten anderer. Schugardt kam erst kurz vor der Wende 1989 bei einer Amnestie wieder frei. Panther und ich zogen von nun an allein durch die Gegend. Man kannte zwar viele Leute vom Klub am Turm, wo man jeden Tag soff, oder die Fußballfans von Stahl Brandenburg, aber in Sachen Heavy Metal waren eher wenige unterwegs. Natürlich blieben wir nicht lange allein. Als erster gesellte sich Henryk Hertel zu uns. Er nahm vorher schon an einigen Sauftouren mit uns teil. Hotel „Stadt Magdeburg“ in Plaue, Gartenkneipen auf dem Görden und Spelunken in der Altstadt. Später auch noch sein Bruder Jens, und die Kneipe „Waldfrieden“ wurde unser Domizil. Es wurden Metalseiten aus der „Bravo“ oder einzelne Bandberichte aus dem „Metal Hammer“ für 20 Mark gehandelt. Man MUSSTE sie haben! Ganze Hefte waren, ebenso wie Original Schallplatten oder T-Shirts fast unbezahlbar. Glücklicherweise konnte Henryk gut malen und so zierte bald ein Motörheadcover meine Kutte. Später dann ein Venom- Aufnäher aus Polen sowie ein selbstgemalter Death- Schriftzug darunter, um den ich in manchem Stadion beneidet wurde. Eine Metal Clique sollte 1988 als Nachfolger der berühmt-berüchtigten Trauerberger wieder in`s Leben gerufen werden. Diesmal sollte der Stadtwall zwischen Nord und dem Puschkinplatz (heute Nicolaiplatz) als Standort herhalten. Wir wollten als „Ghetto Fraktion“ (Plattenbausiedlung Hohenstücken im Volksmund) unbedingt dabei sein. Dazu kamen Terror und Tinnef vom Görden, Trypke, Anko Müller, Tarzan, Otto, Karius, Golsch, Peuser und einige andere. Einige kannten wir vom Fußball, andere mussten wir erst mal beäugen. Die Freude sollte nur von kurzer Dauer sein. Immer öfter wurden wir von den Vopos bewacht und schikaniert, einige Male kam es auch zu Überfällen auf Passanten, was ich wiederum nicht lustig fand. Nach nur einem Jahr sollte Schluss sein. Die Freundschaft zu Tinnef und Terror allerdings blieb. Auch Trypke sollte uns noch oft über den Weg laufen. Andere schlugen einige Zeit später, als politisch alles drunter und drüber ging, eine komplett andere Richtung der Subkulturen ein und suchten teilweise sogar die Auseinandersetzung mit uns. Auch wir steigerten uns ziemlich hinein. Langhaarige gegen Glatzen, Rechte gegen Linke, Schwule gegen Heteros, Arme gegen Reiche, Männlein gegen Weibchen. Hauptsache es gab auf die Fresse! Wer heute noch an meiner Seite kämpfte konnte mir morgen schon ein Knüppel über den Schädel ziehen. Vier Jahre später sollte sich das allerdings auch wieder beruhigen. Heutzutage können wir über soviel Dummheit, die uns damals geritten hat, nur noch lachen. 1989 trafen wir uns also wieder verstärkt im „Waldfrieden“, die Lehre lief so nebenbei. Sehr zum Unmut meiner Mutter, da ich es mir angewöhnte, jede Nacht fünf Stockwerke tief aus dem Fenster zu kotzen, anstatt das Klo zu benutzen. Meistens zur Zeit, als die letzte Straßenbahn noch irgendwelche Kinobesucher nach Hause brachte. Sie hatten den Carnivore –Sound zu „Jack Daniels and Pizza“ live und am nächsten Morgen auch in Farbe. Der Rest der Mieter fand das wohl auch ziemlich widerlich, so dass irgendwann eine Abordnung von ihnen vor unserer Tür aufkreuzte, um mir ins Gewissen zu reden. Was konnte ich denn dafür? Das ist schließlich Rock `n Roll…Jens, der übrigens damals noch nicht Kalle hieß, trat seinen Wehrdienst beim Wachregiment an und wir fuhren auf unsere ersten Konzerte. Prinzz in Genthin, Asathor in Telz, Melissa in Magdeburg. Die politische Lage in der DDR wurde immer gespannter. Einige von uns betätigten sich an Demonstrationen, die leider größtenteils von der Kirche ausgingen. Aber für eine gute Sache ging man schon mal einen Pakt mit dem Teufel ein. Man roch förmlich die explosive Stimmung. Bei Fußballspielen wurde jetzt noch verschärfter kontrolliert. Man befürchtete beim Pöbel Aufruhr. Aber nicht nur der verließ das Land, sondern auch Vertreter der Intelligenz und prominente Künstler. Schon seit Jahren. Die Menschen flüchteten jetzt zu Tausenden über Ungarn und die Prager Botschaft in die BRD. Niemand wusste, was als nächstes geschah. Würde es eskalieren? Proteste in dieser Größenordnung gab es erst einmal in der Geschichte der DDR, und da wurden sie blutig niedergeschlagen. Es wurde überall zum Thema, man sprach auch auf der Arbeit nicht mehr hinter vorgehaltener Hand, obgleich man wusste, dass die Staatssicherheit mithörte. Wo man früher allein stand, hatte man jetzt das Gefühl des Zusammenhaltes. Man spürte, dass immer mehr Menschen zu ihren Gedanken standen. Auch ich zog die Republikflucht, wie es im DDR- Jargon hieß, in Erwägung. Doch was sollte dann kommen. Ich war kurz davor, meine Ausbildung abzuschließen. Ohne Beruf im Westen? Was war mit meinen Freunden? Ich wollte eigentlich gar nicht weg. Warum davonlaufen anstatt hier etwas zu verändern? Deswegen die Demonstrationen. Der 9. November war das Datum, dass die Welt wieder einmal verändern sollte. Am Abend besorgten wir es uns im Club am Turm, wie immer, mit einigen Flaschen Korn. Es war einer jener Tage, an dem wir bis zur Besinnungslosigkeit soffen. Irgendjemand kam und sagte, die Mauer wäre gefallen, doch von uns nahm das keiner für voll. Ich glaube, wir verarschten denjenigen noch. Am nächsten Morgen stand ich mit einem dicken Schädel auf der Baustelle und wunderte mich, dass niemand meiner Kollegen auftauchte. Mittags gab ich es auf und fuhr nach Hause. Erst in der 13 Uhr Tagesschau sollte ich die Bilder von jubelnden Menschen auf der Mauer sehen. Das konnte doch wohl nicht wahr sein! Ich hatte eine Revolution verpennt. Den Weg zu Panther rannte ich. Er lag auch noch im Koma. „Alter, die Mauer ist weg!!! Glaubste nich, dann mach den scheiß Fernseher an!!!“ Wir fuhren noch am gleichen Tag nach Berlin. Ich ahnte schon als Schüler, dass die bestehende Gesellschaftsform nicht ewig halten konnte. Und ich wusste, dass ich einmal West – Berlin sehen würde, den Eiffelturm und vieles mehr von der Welt. Allerdings glaubte ich nicht, dass es so schnell gehen würde. Und auch die Umstände, unter denen ich das erleben würde, waren unklar. Es war einfach nur ein Gefühl. Wir blieben zwei Tage in Berlin. Zwei Tage, in denen ich schon bettelnde Menschen sah und Orte, an denen man nur mit dem nötigen Kleingeld willkommen ist. Und eine eigenartige Kälte spürte, trotz sich umarmender Menschen, die ich übrigens nur im Fernseher sah, und des ganzen Einheitsgeschreis. Ich wusste genau, warum ich wieder den Zug nach Brandenburg nahm. Dort sind meine Wurzeln und dort wollte ich menschenwürdig leben. Dann ging alles viel zu schnell. Keine Wiedervereinigung mit gleichberechtigten Verhandlungspartnern, sondern eine Annektierung durch die BRD mit all ihren Nachteilen, eine viel zu schnelle D-Mark, allerdings ohne das Wirtschaftswunder Ost. Und ein von „blühenden Landschaften“ predigender Helmut Kohl als selbsternannter „Kanzler der Einheit“. Warum konnte man nicht die Errungenschaften beider Systeme vereinigen? Ganz einfach, weil sie sich nicht einen lassen. Sie funktionieren nur getrennt, da man die Faktoren Neid, Missgunst, Gier, Profilierungssucht nicht einfach wegwischen kann. Und natürlich das Streben nach maximalen Gewinn. Die Menschheit ist nicht reif für ein gerechtes System, in dem jeder zufrieden leben kann. Wird sie es jemals sein? Was bleibt ist ein politischer Umbruch, bei dem kein einziger Schuss gefallen ist. Möglich gemacht aus der Kraft des Zusammenhaltes der Masse. Aus dem Unmut eines Volkes. Wäre so etwas heute noch möglich? In der westlichen Welt wohl kaum. Jeder kocht seine eigene Suppe, ohne Blick über den Tellerrand. Wir werden offensichtlich verarscht und niemanden interessiert es. Das „Wir“ – Gefühl des Ostens fehlt. Denn nur die Scheiße, in der man gemeinsam steckt, nennen wir sie Armut, Not oder Perspektivlosigkeit, schweißt zusammen. Allerdings nicht mit dem heute anerzogenen Duckmäusertum, das viele davon abhält, Risiken einzugehen. Und nur so scheint die Welt ja zu funktionieren. All diese Dinge sah ich bei dem Puhdyskonzert, die frühen Jahre meines Lebens zogen an mir vorbei und kurzzeitig quälte sich eine Träne in die Nacht. Nicht solch eine, die für alle sichtbar ist, sondern eine, die man herunterschluckt und die sich langsam durch Dein Innerstes kämpft. Ob es den anderen ebenso ging? Die ganzen Leute, die um einen herum waren, die man nicht kannte, die jedoch durch dieses Ostgefühl miteinander verbunden waren. Oder nur durch die Erinnerungen, die in vielen Fällen gleich waren? Im Juli, zwei Tage bevor ich meinen neuen Job antreten sollte, folgten wir einer Einladung der Roskower Freebiker. Es war eines dieser typischen Bikertreffen, wo die Leute sich teilweise einhundert Meter von der Bühne entfernt ihrem Getränk widmen und dabei nur am Rande Notiz von der Band nehmen. Noch bei Tageslicht gaben wir nicht gerade eines unserer besten Konzerte. Trotzdem hatten sich wieder einige Unverbesserliche vor der Bühne eingefunden. Unter anderem ein blonder Typ, der zwar etwas schräg in mein Mikro brüllte, jedoch zur verhältnismäßig frühen Stunde schon ziemlich gut drauf zu sein schien. Nach dem Auftritt laberte er mich auch gleich voll und lud uns zu seinem 30. Geburtstag ein. „Klar Alter, machen wa. Girlanden und Papierschlangen bringen wa mit…“ Das war der Tag, an dem sich die Wege von Jens und seiner Frau Antje und unsere das erste Mal begegnen sollten. Wege, die man bald gemeinsam ging, was wir allerdings zum damaligen Zeitpunkt noch nicht wussten oder wissen konnten. Komisch nur, dass es wieder Onkelzlieder waren, welche die richtigen Leute miteinander verbanden… Des weiteren traten an diese Abend noch Sakata um Frontfrau Conny , die mit ihrer Röhre Sabina Classen alle Ehre erweist und michschon sieben Jahre zuvor mit Supremacy auf dem Steckelsdorfer Open Air begeisterte, und Scrapauf, deren Musik zwar nicht mein Fall ist, es aber immer wieder Spaß macht, ihrem Sänger Schiebi zuzusehen und –zuhören. Die Querelen mit den Seth Typhon`snahmen immer größere Ausmaße an. Was in einem Streit um Belanglosigkeiten begann, uferte immer weiter aus. Besonders ihr Präsi Sachse und ich wichen keinen Zentimeter von unseren Standpunkten ab. Es stand kurz vor handfesten Auseinandersetzungen, selbst vor einem offenen Kampf mit ihnen wäre ich nicht zurückgeschreckt. Glücklicherweise kam es nicht dazu und die Sache gipfelte nur in der Kündigung unseres Proberaums. Holger Hiestermann, ein ebenfalls in Ungnade gefallener bei den Seth Typhon`s, besorgte uns sogleich einen neuen, in den Räumen der „Stube“, einer Institution des Arbeitslosenverbandes, direkt unter dem Domizil der Seth Typhon`s in Kirchmöser, wo er als Streetworker der Jugendeinrichtung tätig war. Es zeigte wieder mal, wie schnell eine Sache eskalieren kann, wenn man seinen Verstand nicht benutzt. Zumal es sich hierbei wirklich um Dinge handelte, die ein vernünftiges Gespräch aus der Welt geschafft hätten. Immerhin waren die Typhon`s die ersten, die uns die Chance gaben, vor einem guten Publikum aufzuspielen. Das vergessen wir ihnen nicht. Auch in diesem Jahr sollten wir noch einmal auf ihrer Sommerparty spielen. Am Freitagabend vor ca. 50 Leuten auf einem Feld nahe Plaue wurde die Veranstaltung von den Bleeding Hearts eröffnet. Wir versuchten, die feindselige Stimmung zwischen uns und den Veranstaltern einigermaßen zu überspielen. Es kam zu keinen Vorfällen. Auch am Samstag nicht, als die Party noch richtig gut werden sollte. Nachdem Quasimodo und die Peachers ihr Programm zum Besten gaben, sollte noch eine Nacht folgen, die viel zu schnell zu Ende war. Stunden, in denen man über Gott und die Welt sprach, über irgendwelche Idioten abgelästert wurde und in denen eine gewisse Romantik lag, weil ich sie bis zum Morgen mit Peggy verbrachte. Es war wieder der Reiz des Neuen und Ungewissen, der mich dazu brachte, es dort solange auszuhalten. Diese Nächte bedeuten mir verdammt viel und ich möchte sie nicht missen. Da sie auch so selten sind. Augenblicke, in denen die Gesellschaft einfach stimmt und in denen man sich gut fühlt. In denen man jemanden in den Arm nehmen möchte, es aber nicht macht, weil es nicht sein darf. Nur dachte ich damals höchstens einen Augenblick daran. Ich genoss eben nur den Moment. Es ist nicht immer das Ficken, das ich als Höhepunkt sehe, da es, zumindest bei mir, den Anfang vom Ende bedeutet. Viel mehr ist diese Kennenlernphase, das gegenseitige Antasten besonders reizvoll und eigentlich die schönste Zeit. Trotzdem hielt ich mich zurück, da ich immer noch eine Beziehung mit Mandy hatte und auch Peggy sich in einer festen Verbindung mit Mario befand. Zudem wurde er einer meiner besten Kumpels. Er war es auch, der im Herbst ersatzweise auf zwei Konzerten den Bass spielte, als sich Rayk auf Turtelurlaub in Asien befand. Zum einen bei seinen Kumpels von den „Bastards“ in Göttlin bei Rathenow, und zum anderen auf der Abzeltparty der Roskower Biker, unter freiem Himmel bei lausigen Temperaturen. So blieb es also vorerst bei stundenlangen Telefonaten mit Peggy, die sich darüber hinaus zu einer guten Freundin entwickelte. Die Proben sollten jetzt zeitaufwändiger werden, da Else endgültig zu Doreen nach Berlin zog. Er hatte einiges durchzustehen, da ihr Ex-Freund, dummerweise auch ein guter Kumpel von Else, sie ihm nicht ganz kampflos überlassen wollte. In dieser Zeit telefonierte ich oft mit Else. Ich hielt zu ihm, denn ich machte selber die Erfahrung, dass man Gefühle nicht erzwingen bzw. vorhandene nicht verdrängen kann. In solchen Dreiecksgeschichten gibt es immer ein bis drei Verlierer, je nach Konstellation und Ausgang. Am besten, man macht sich nichts vor und sieht der Wahrheit in`s Gesicht. Es ist, wie es ist, verdammt… Der neue Job, den Panther und ich angenommen hatten, stank. Wir bekamen weder Geld noch bezahlte unserer Arbeitgeber seine Rechnungen für unsere Unterkünfte pünktlich, so dass es uns einige Boshaftigkeiten von Vermietern im Hamburger Raum einbrachte. Wir waren auf Sönke Asmussen, einem ostfriesischen „Bauunternehmer“ hereingefallen, der unsere Arbeitskraft skrupellos ausnutzte. Nachdem wir über zwei Monate nur Almosen gesehen hatten, forderte ich meine Kollegen auf, mit mir die Arbeit niederzulegen. Ich stand allein, denn sie hatten Angst um ihre Existenz. Welche Existenz? Asmussen nahm uns unsere Existenz. Er belog und verarschte uns offensichtlich. Warum hatte niemand die Eier, gegen ihn anzugehen? Warum ließen sie sich wochenlang vertrösten? Ich hatte die Schnauze voll und legte die Arbeit nieder. Und sie folgten mir. Warum sind Menschen eigentlich eine Hammelherde? Wer verbietet das eigenständige Denken? Zum Beispiel die deutsche Gerichtsbarkeit. Als der Fall vor dem Brandenburger Arbeitsgericht verhandelt wurde, erklärte man uns, dass uns zwar das ausstehende Geld zustehen würde, wir jedoch kein Recht hätten, einen ganzen Betrieb stillzulegen, da sich Asmussen noch innerhalb der gesetzlichen Fristen befand. War ich denn bescheuert? Realisiert jemand mit dem Gehalt einer Richterin überhaupt, wie es ist,< wenn man drei Monate kein Einkommen hat und sich verschuldet? Außerdem gab es keine Firma, die stillzulegen war, da es sie nur auf dem Papier gab, und die meisten Werkzeuge aus privatem Besitz kamen. Selbst große Teile der Benzinrechnungen trugen wir selbst. Nach über einjährigem gesetzlichen Hickhack und nach abgelehntem Insolvenzgeldverfahren sollte ich in England (da die Firma Bishopall Ltd. dort noch existierte) über ein Zivilgericht meine Ansprüche geltend machen. Kurz und gut, ich sah die Kohle bis heute nicht. Und ich scheiß auch darauf. Leider hatten wir zuviel Anstand, Asmussen und seinem Brandenburger Geschäftsführer körperliche Gewalt anzutun. Deshalb wählten wir den Weg über das Gericht. Natürlich das letzte Mal, da man sich das getrost sparen kann. Was nützt einem das Recht auf dem Papier, wenn es nicht praktisch angewendet wird und ein Typ wie Asmussen sich vor Gericht auch noch von einem Winkeladvokaten vertreten lassen kann, während wir alle persönlich erscheinen mussten? Auch die Gewerkschaft war in dieser Sache keine große Hilfe, so dass ich in Zukunft wohl besser ohne diese Vereine lebe und mir andere Wege suchen werde. Mein Glaube an die deutsche Justiz war nie der festeste, da ich schon viele ihrer Kapriolen bei Freunden und Bekannten erlebt habe die, unschuldig, verurteilt wurden. Man bedenke nur, dass in diesem Land Sexualstraftäter und Mörder teilweise milder bestraft werden als Steuersünder… Genau richtig kam in dieser Zeit mal wieder eine Onkelztour. Mandy und ich fuhren anderthalb Wochen quer durch Deutschland und Österreich, um einige der Konzerte zu verfolgen. Mit dem Federbett im Opel Kadett bei eisigen Novembertemperaturen. Es waren großartige Konzerte, und vor allem Dortmund hatte mich tief beeindruckt. Zwei Stunden vor Konzertbeginn war die Westfalenhalle voll und es wurde ein Lied nach dem anderen angestimmt. Aus zehntausend Kehlen. Gänsehaut. Die Onkelz haben nichts von ihrer Einzigartigkeit verloren. Den Kritikern aus den eigenen Reihen zum Trotz. In dieser Woche merkten wir beide, dass wir, außer unsere Begeisterung für die Onkelz, nichts mehr gemeinsam hatten. Wir führten, aufgrund ihrer Bundeswehrtätigkeit, eine Wochenendbeziehung, die wir uns ohnehin oft ziemlich schwer machten. Aber jetzt, wo wir vierundzwanzig Stunden am Tag zusammen waren, zeichnete sich eine Trennung langsam ab. Ich zog mich in Mandys Wohnung, die sie sich nur unseretwegen eingerichtet hatte und die mir jetzt einsam und fremd vorkam, zurück, um für einige Tage fernab jeglicher Realität zu sein. Kein Telefon, kein Besuch, nichts außer mir und meine Gedanken. Und trotzdem holte mich gerade hier die Wirklichkeit ein. Ich war hier nie richtig zuhause. Das Feuer war ziemlich schnell erloschen, und wir wussten es. Doch wir quälten uns über die Zeit. Hier, in diesen Räumen, fühlte ich mich allein. Und hier entstanden neue Lieder. Zum einen die erste Version von Nachtgedanken, in der ich versuchte, die Einsamkeit zu beschreiben, in der ich mich befand. War es jedoch die Sehnsucht nach einem bestimmten Menschen? Hätte es nicht irgendwer sein können? Zum anderen Meine Freiheit. Einige Handlungen in meinem Leben kann bis heute niemand nachvollziehen. Und genau das muss auch niemand tun. Denn es sind meine Wege, die ich gehe. Selbst wenn ich, infolge von neuen Erkenntnissen oder aus einer Laune heraus plötzlich eine andere Richtung einschlage, muss das niemand kommentieren. Oder sogar versuchen, es zu beeinflussen. Und erst recht keine Leute, die ich nicht zu meinen Freunden zähle. Denn am Ende meines Lebens will ich zurückblicken können, und zwar nicht sagen, dass ich alles richtig gemacht hätte, denn dass habe ich zur Hölle nicht, aber wenigstens immer nach meinem Willen gehandelt zu haben. Sicher muss man Kompromisse eingehen, sonst hat man in dieser Welt kaum eine Überlebenschance. Aber gewisse Grundwerte und meinen Stolz will ich niemals verkaufen. Und auch meine (relative) Freiheit nicht. Wilde Jahre beschreibt die Zeit nach dem Alkohol. Ich trank nun über ein Jahr nicht mehr und trotzdem hatte ich oft das Gefühl, immer nur daneben zu stehen. Nicht mehr uneingeschränkt das tun zu können, was ich wollte. Unter anderem mal einen zu saufen. Die Zeitspanne der Momente nahm immer weiter ab, aber es gab sie noch zu oft. Ich habe nie ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, wieder anzufangen zu trinken. Meine wilden Jahre waren vorbei, zumindest die wildesten. Trotzdem hörte ich nicht auf zu leben, wurde nicht häuslich und bin immer noch in den Kneipen zuhause. Aber auch andere Sachen zählten von nun an. Dieses Lied sollte mir helfen, über die dunklen Augenblicke, in denen ich den Whiskey roch, hinweg zu kommen. Kurz vor Weihnachten spielten wir in einem Bunker in Magdeburg auf einer Musiker-Geburtstagsparty. Abgesehen von Else und mir waren alle so besoffen, dass sie es nicht einmal schafften, ihre simplen Akkorde in die richtige Reihenfolge zu bringen. Nein, Fauxpas war noch nie etwas für verwöhnte Ohren, aber das? Hier entstand der Vorsatz, zumindest vor den Konzerten nur soviel zu saufen, dass man noch so halbwegs etwas auf die Reihe bekam. Mandy und ich trennten uns. Es war ein komisches Gefühl, weil es eine endgültige Entscheidung war. Wir erkannten beide, dass unsere gemeinsame Zeit vorbei war. Es ging ohne böse Worte und ohne Dreck. Wir waren ehrlich zueinander, was manchmal hart war, uns aber immer noch das Gefühl gab, uns in die Augen sehen zu können. Unsere Band hatte mittlerweile viele neue und alte Freunde gefunden, und auf jeden einzelnen waren und sind wir stolz. Es war, wie im Leben. Einige verschwinden und neue kommen hinzu. Oder verlorene kehren nach fünfjähriger Odyssee zurück. Wie Fiete, der während und nach seiner Bundeswehrzeit quer durch Deutschland zog um festzustellen, dass doch nichts an die märkischen Kiefern heranreicht. Oder Fräsie, der immer zur Stelle war, wenn es galt, jemanden gewaltsam zur Ordnung zu rufen. Oder Nico Rittner, der uns oft mit seinem technischen Wissen zur Seite stand, da wir diesbezüglich absolute Tiefflieger sind und der bei unseren Auftritten ab und zu einige Onkelzstücken auf der Gitarre spielte, “begnadet” wie Gonzo persönlich. Auch Jens, der Typ aus Berlin, der immer soviel erzählen konnte und den wir mit seiner Frau Antje in Roskow kennen lernten, meldete sich und verschaffte uns den nächsten Auftritt, zusammen mit Human Propaganda in Hohenluckow, zu dem uns einige Rathenower und Brandenburger begleiteten. Das dortige Publikum konnte man getrost als wilde Jungs bezeichnen. Skins und Rocker aus der Bad Doberaner Umgebung, die ziemlich krass drauf waren, und ihre Gäste. Trotzdem waren sie ein obergeiles und dankbares Publikum, was wiederum uns dankbar machte. Nur die Übernachtung im Freien bei Minusgraden im Februar war etwas gewöhnungsbedürftig, da es sich Fiete und Mario im letzten verbliebenen Auto bequem machten und man in den Räumen Gefahr lief, “einzuschneien” bzw. von einem der letzten Stehenden angepisst zu werden. Also harrten wir wachsam aus und warteten, bei voll aufgedrehter Anlage, in der sich die Dimple Minds und Landser abwechselten, auf die Dinge, die bis zum Morgen noch geschehen sollten. Wiederholt fragten uns Leute nach Tonträgern, auch bei diesem Konzert. Bisher war es nie wichtig für uns, unsere Auswürfe für die Ewigkeit haltbar zu machen. Zumindest dachte niemand ernsthaft darüber nach. Im Mai begaben wir uns für einen Tag mit Nico in unseren Proberaum, um einen großen Teil unserer bisherigen Lieder live aufzunehmen. Das Ergebnis hörte sich dementsprechend an. Strotzend vor Spielfehlern und ich bekam teilweise einen Lindenberg – mäßigen Anstrich. Praktisch keinen Unterschied zu unseren Liveauftritten. Zumindest manchmal…. Hier hörte man bereits Christians zunehmende Gleichgültigkeit, was sicherlich auf seinen erhöhten Drogenkonsum zurückzuführen war. Aus den einst genialen Soli wurde uninspiriertes Gefiedel. Wir entwickelten uns zurück. Eine geringe Auflage dieser Aufnahmen wurde als Kassettenversion unter die Leute gebracht. Kostenlos, versteht sich. Schon um diese Aufnahmen entstand ein großer Wirbel. Mitarbeiter der Jugendeinrichtung “Die Stube”, in der sich unser Proberaum befindet, beschwerten sich bei Torsten Dickes, dem Leiter der Einrichtung, wie er es zulassen konnte, dass eine Cd mit neofaschistischen Texten in diesen Räumlichkeiten produziert werden konnte. Eine Mitarbeiterin, die an besagtem Tag ihren Dienst tat, hätte wohl eindeutige Parolen gehört. Komischerweise hörten wir diese nicht…Doch das Gerücht, es würde einen neuen Stern am Kirchmöseraner Neonazihimmel geben, hielt sich natürlich hartnäckig. Vorerst beließen wir es mit einem offenen Brief an die Jugendeinrichtung, in dem wir zu etwas mehr Toleranz und weniger Dummheit aufforderten. Wir ahnten jedoch noch nicht, dass dies nur der Anfang einer Hexenjagd war, die Ende des Jahres ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen sollte. Einen kleinen Vorgeschmack lieferten uns die Behörden, als im Juli eine Geburtstagsparty in der Harlunger Str. 37 aufgelöst wurde. Grund: Verdacht der Volksverhetzung. Zwei vorläufige Festnahmen. Anwohner hatten sich über rechtsextremistisches Liedgut beschwert, welches sie zu hören glaubten. An diesem Abend drehten sich nur drei Bands vorrangig auf dem Plattenteller: Onkelz, Rammstein und Fauxpas… 1999 sollte eines der schönsten, aber auch bittersten Jahre in meinem Leben werden. Vom Arbeitsamt bekam ich wieder eine Dachdeckerstelle angeboten. Es ist eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass ich sie gemeinsam mit Panther annahm. Erst viel später erfuhren wir, dass der wahre Drahtzieher dieses seriösen Unternehmens ein aus Aserbaidschan stammender, ehemaliger Offizier der Roten Armee war, der den Truppenabzug verpasst hatte. Nun versuchte er sich hier und da als Geschäftsmann und war auch in der Unterwelt kein Unbekannter. Mit einer von ihm ausgestellten, nicht gerade den Tatsachen entsprechenden Lohnbescheinigung wurde ich nun endlich wieder kreditwürdig und ich konnte mir meinen Traum eines neuen Motorrades erfüllen. Eine nagelneue BMW R 1100 GS, der einzige Luxus, den ich mir jemals leistete, ohne lange zu überlegen, woher das Geld für die Finanzierung kommen sollte. Die Aussichten auf einen Job in der Firma, in der Fiete untergekommen war, ließ mich diesen Schritt tun. Es sollte eine große Reiseenduro sein, ein Motorrad, mit dem man ohne größere Schwierigkeiten binnen kürzester Zeit das Ende der Welt erreichen kann. Mit dem man auch abseits der Straßen an entlegende Orte vorstoßen kann. Und auf dem man feststellen kann, dass der stahlgewordene Traum von Freiheit nicht unbedingt immer auf einem Chopper geboren wird. Im April wurde Rayk stolzer Vater. Er nennt seinen Spross Kevin. Kevin, wie Russel… Im August stand beim MC “Heilige Dämonen” die Sommerparty an, zu der auch wir und Human Propaganda geladen waren. Es sollte für mich ein unvergesslicher Tag werde, da er zu den schönsten meines Lebens gehörte. Nicht, dass wir ein besonders gutes Konzert gaben. Während Else sich vorher einen Joint gönnte, war Christian wieder dermaßen stoned, dass er nichts mehr auf die Reihe bekam. Trotzdem kam teilweise gute Stimmung im einsetzenden Dauerregen auf. Mir war es diesmal egal, selbst Christians Ausfälle. In den letzten Wochen konnten Peggy und ich unsere Zuneigung zueinander nicht mehr bekämpfen. Ich konnte Mario schon lange nicht mehr in die Augen sehen. Zwischen ihm und ihr gab es nichts mehr, trotzdem trennten sie sich nicht oder schafften wenigstens klare Fronten. Als ich an diesem Abend mit Peggy in dem kleinen Wald nahe des Sportplatzes, auf dem die Party stattfand, verschwand konnte ich darauf kein Rücksicht mehr nehmen. Gefühle sind stärker als die Vernunft, auch wenn sie einen bitteren Beigeschmack haben. Weit weg hörten wir noch Human Propaganda, zu weit für uns, da wir uns schon in einer anderen Welt befanden. Nach monatelangem Zurückhalten ließen wir unseren Gefühlen auf dem nassen Waldboden freien Lauf. Nichts konnte uns aufhalten. Wir spürten weder den Regen noch die Kälte, nur uns. Die Nacht verging viel zu schnell. Es war fünf Uhr morgens als wir zum Gelände zurückkehrten. Wir waren sechs Stunden weg und hatten es nicht einmal gemerkt. Übrig waren nur ein paar Alkoholleichen. Es fiel schwer sich voneinander zu trennen, da wir nicht wussten, wann wir uns wiedersehen konnten. Es war wie eine Schnulze, unglaublich schön, verbotene Liebe… Die Wochen darauf verbrachten wir zusammen in Sachsen, an der Ostsee oder in Brandenburg. Niemand merkte etwas. Trotzdem wurde der Druck immer größer, wir konnten Mario nicht länger hintergehen. Aber auch in der Band mussten wir eine schwere Entscheidung treffen. Christian hatte einen Job angenommen, der ihn auch am Wochenende beanspruchte. Er konnte also für die Auftritte nicht mehr da sein. Zum anderen stieß einigen von uns seine zunehmende Drogensucht und die Unlust am Spielen auf. Man merkte immer mehr den großen Altersunterschied. Christian musste seine Lebenserfahrung erst noch sammeln, während wir unseren Zenit schon erreicht hatten. Rayk redete schließlich Tacheles und schmiss ihn aus der Band. Einzig Else wehrte sich dagegen, konnte er doch gut mit Christian jammen. Wir hatten aber endgültig die Schnauze voll und so war er überstimmt. Vielleicht besinnt sich Christian irgendwann auf seine Stärken, bekommt die Drogen in den Griff und ist das, was ihm am besten steht, ein begnadeter Gitarrist. Zu wünschen wäre es ihm. Es war ein ungünstiger Zeitpunkt, da noch zwei weitere Auftritte anstanden. Aber auch zu viert zogen wir uns in Perleberg und Königs Wusterhausen gut aus der Affäre. Es ging weiter, auch im normalen Leben. Peggy hielt den Druck nicht mehr aus und trennte sich von Mario und ich bekam den Job als Materialprüfer in Lübeck. Von nun an verdiente ich soviel Geld, dass ich, meinen wenigen Ansprüchen entsprechend, gut leben konnte. Trotzdem war ich unzufrieden. Ich war ständig unterwegs, immer irgendwo in Europa und hatte weder Zeit für die Band noch für Peggy. Mein Arbeitskollege stank mir und ich ließ die Wut, die ich auf ihn und auch auf mich hatte an dem Menschen aus, der es am wenigsten verdient hat. An Peggy. Das änderte sich nicht einmal, als ihr Vater starb. Statt ihr jetzt beizustehen und ihr die Kraft zu geben, die sie brauchte, machte ich ihr Vorhaltungen über belanglose Dinge. Erst viel später konnte ich realisieren, wie weh ich ihr getan haben muss. War ich völlig entmenscht? Aus irgendeinem Grund glaubte ich ihr nicht, dass sie Gefühle für mich empfand, ich dachte, sie spielt nur mit mir. Machte ich ihr deshalb das Leben zur Hölle? Ich zerstörte, was ich liebte. War es meine eigene Unzufriedenheit, die mich dazu trieb? Was steuerte mein Unterbewusstsein? Warum konnte ich nicht mehr vernünftig mit den betreffenden Leuten reden um Missverständnisse aufzuklären? Musste ich sie vielleicht unter den gleichen Druck setzen, unter dem ich mich ständig befand? Was trieb mich dazu, das Beste, was mir passieren konnte, so scheiße zu behandeln? Werde ich jemals dahinterkommen? Fragen, auf die ich keine Antwort gefunden habe. Die nächsten Wochen quälte ich mich mit Zweifel. War sie nur ein Groupie, oder hat sie wirklich etwas empfunden? Hat sie mich verarscht? War es, weil wir die Spiele im Bett nicht bis zum Ende ausreizten? Dazu kamen die Selbstvorwürfe für die Dinge, die ich falsch machte. Warum wusste ich nicht einmal, wie ich reagieren sollte, als ihr Vater starb? War ich ein Riesenarschloch? Wir konnten uns nie aussprechen, da auch sie Probleme hat, die Dinge bei Namen zu nennen. Was war aus dem Vertrauen geworden, das wir zueinander hatten, lange bevor es zwischen uns mehr als Freundschaft wurde? Oder war es schon immer mehr. Warum kann man in einer Beziehung kein guter Freund mehr sein, zumal es vorher ging? Verdammt, sie fehlte mir so sehr. Die Tage im Herbst verbrachte ich in Rüsselsheim, allein, ohne Fernseher und nur mit meinen Gedanken. Tagsüber einen Arbeitskollegen, mit dem mich eine Art Hassliebe verband und nachts eine Stimmung, in der ich fast wahnsinnig wurde. Ich wollte weinen, Sturzbäche von Rotze von mir geben, aber übrig blieben nur unterdrückte Tränen. Ich war nie der Typ, der sich anderen aufdrängt, sie noch ewig nervt. Vorbei ist schließlich vorbei, oder nicht? Trotzdem unternahm ich ein paar Anläufe, um sie zurückzugewinnen. Sie bedeutete mir einfach zu viel. An ihrem Geburtstag im November beispielsweise. Seit kurzem hingen wir in der Erbse ab, seinerzeit eine kultige Metalkneipe in Brandenburg. Uwe entpuppte sich als cooler Wirt und mir kam die Idee, Peggys Geburtstagsparty dort auszurichten. Mit einer Liveband namens Fauxpas. Die Kneipe war ziemlich klein (nomen est omen), aber gemütlich. Wir spielten das erste Mal Meine Freiheit, ein für uns bis dahin, auch musikalisch, völlig untypisches Lied und jagten damit einigen Anwesenden eine Gänsehaut über den Rücken, was sie uns später berichteten. Also hatte es Wirkung. Leider konnte ich mich darüber nur wenig freuen, da die Person, um die es mir eigentlich ging, erst kurz vor Schluss kam. Völlig besoffen und bekifft, unfähig, mir in die Augen zu sehen oder auch nur ein klares Wort zu reden. Dabei war doch eigentlich ich derjenige, der sich hätte beschissen fühlen müssen. Mir reichte es für diesen Abend. Ich verließ den Ort des Geschehens und vergaß sogar das Freibier zu bezahlen, das ich sponserte. Ich konnte keine klaren Gedanken mehr fassen. Nur: Vorbei. In dieser Nacht entstanden die ersten Strophen zu Abschied. Am darauffolgenden Wochenende sollte zu meinem persönlichen Tiefschlag auch noch einer für die ganze Band folgen. Im Saal der “Stube” veranstalteten wir ein Festival, zu dem wir SFB, die Beatniks und Human Propaganda einluden. Es sollte ein Non Profit Abend werden, eine subkulturelle Veranstaltung, bei der sich die Gäste wohl fühlten, und ihnen vor allem nicht das Geld aus den Taschen gezogen wurde. Wir legten den Eintritt auf 5 DM fest sowie einen Bierpreis von 1,50 DM für den Halbliter Pils, was wir für verbraucherfreundlich hielten. Es war uns wichtig, dass unsere Gäste den Charakter der Veranstaltung erkannten, als Gegenpol zu den geldgeilen Einrichtungen und Veranstaltungen in unserer Stadt. Die Bands sollten ohne Gage spielen und die Sache war auch beim Ordnungsamt ordnungsgemäß angemeldet und amtlich beglaubigt und das ganze Drumherum. Ich erwähne das, weil wir es nicht fassen konnten, was letztendlich an diesem Abend geschah. Einige unserer Freunde halfen uns bei der Durchführung, unter anderem Nico, der für die Technik zuständig war, Fräsi, Falko und Limo als schlagkräftige Security, sowie Regina, Janet und Doreen an der Bar. Mit 160 Zuschauern lagen wir, für Brandenburger Verhältnisse, gut im Schnitt. Skinheads, Biker, Metaller, Punks und auch “normales” Publikum, sowie einige Kids aus der Jugendeinrichtung. Nach dem SFB die Menge mit Oi Punk unterhielt, kamen die Beatniks mit ihrem 50er Jahre Rock `n Roll. Während ihres Auftritts kam es vor der Halle zu einem Polizeiaufmarsch. Nach ihrem Treiben befragt, entgegnete uns der Einsatzleiter Krombholz, man höre eindeutig rechtsradikale Parolen der Bands. Ich fragte mich, wie rechtsradikal Peggy Sue wohl gewesen sein mag. Wir luden ihn ein, sich doch erst einmal ein Bild von der Lage zu machen, bevor er überstürzt und unüberlegt handelte. Krombholz ließ sich auf keine Diskussion ein und gab, nach Rücksprache mit einer höheren Stelle, die Anweisung, das Konzert bis 23 Uhr zu beenden, da man ansonsten die “Naziveranstaltung” gewaltsam auflösen würde. Ich hatte keine Lust auf diesen Scheiß, denn ich dachte, dass an diesem Abend vielleicht meine letzte Chance war, mich jemals wieder mit Peggy zu versöhnen. Meine Wut fraß mich fast auf, mir war alles scheißegal, als wir um dreiviertel elf die Bühne betraten. Ich dachte gar nicht daran, jetzt das Konzert zu beenden. Dann sollten sie mich schon von der Bühne prügeln. Pitti war sehr nervös, die Tatsache, dass die Lage in jedem Moment eskalieren konnte nahm im seine gewohnte Ruhe. Zu diesem Zeitpunkt waren schon einige Zivilfahnder in der Halle, was mich zu provokanten Ansagen trieb wie: “Hört genau her. Ihr Scheißbullen: MEINE FREIHEIT!!!” Mit welchem Recht störten diese Arschlöcher unsere Party? Nach dem fünften Titel flogen die Türen auf und eine Horde übermotivierter Bullen stürmte in den Saal und nahm Aufstellung bis vor die Bühne. Ich konnte noch in das Mikro brüllen, dass es ihre Schuld wäre, wenn die Sache jetzt eskalieren würde, dann wurde der Strom abgestellt. Nun gab es natürlich ein paar Leute, die über die Stränge schlugen und sich der Räumung wiedersetzten. Es kam zu acht Festnahmen, darunter unsere Security. Es war ein cleverer Schachzug, die Leute festzunehmen, die für Ordnung sorgen sollten. Es folgten endlose Diskussionen. Neben den unbeleckten Brandenburger Polizisten waren auch die Mobile Einsatzgruppe gegen Ausländerfeindlichkeit (MEgA) und die Einsatzgruppe LESE aus Potsdam vor Ort. Sicher waren im Publikum einige Leute, die man als rechtsradikal einordnen konnte. Nur schreien wir nicht gleich und verfallen in Panik, wenn sich welche von ihnen auf unsere Konzerte verirren. Im Gegenteil, denn ich bin immer noch der Meinung, dass viele Rechtsradikale einfach nur zu faul zum Denken sind, und daher ihren, falschen, Idealen hinterherlaufen. Einige von ihnen werden die Wahrheit noch finden, doch das müssen sie selbst tun. Wenn wir mit unseren Liedern nur einen von einhundert Anwesenden dazu bewegen können, über sein Leben nachzudenken und das in Frage zu stellen, was darin stinkt, ja überhaupt zu erkennen, wo die Ursache liegt, dann haben wir mehr erreicht als jeder Politiker oder Polizist mit irgendwelchen Verboten, die sie ja in ihrer Ansicht bestärken und genau das Gegenteil bewirken. Aber auch Politiker und Polizisten sind oft nur Mitläufer, ohne sich jemals Gedanken zu machen, aus welchem Grund sie jetzt eigentlich so handeln müssen. Einige Potsdamer Polizisten zweifelten zwar daran, dass ein rechtsradikales Konzert stattfand, an der Gesamtsituation änderte es an diesem Tage jedoch nichts. Mich überkam eine ohnmächtige Wut, angesichts der Tatsache, nichts dagegen ausrichten zu können oder dem faschistischen Treiben des Staates, denn so verhielt er sich im Moment, etwas entgegensetzen zu können. Sie mussten ja eine gewaltige Angst vor uns haben. Und die Ohnmacht gegenüber einem Befehlempfänger wie Krombholz, der sich anmaßte, darüber zu entscheiden, mit wem wir zu feiern hatten bzw. welche Haarlängen der Besucher er für angemessen hielt. Er berief sich auf einen Erlass des Landes Brandenburg, nachdem er willkürlich eine Veranstaltung auflösen könne, wenn die Besucher zu mehr als

Besetzung:
Torsten Gränzer – Gesang Ronny Grzeska – Gitarre Peter Jupe – Gitarre Rayk Buchmüller – Bass Frank Wagenbrett – Schlagzeug

Diskografie:
???? – Zerschlagt die Ketten

1999 – Ich bin so, ich kann nichts dafür

2000 – Wilde Jahre (Demo)

2001 – Brandenburg/City (Demo)

2001 – Komm’ in meine Welt

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