bad religion the dissent of man

Über Bad Religion muss man eigentlich nicht mehr viel labern. Wer die US-Punker und Epitaph-Besitzer Anno 2010 nicht kennt, hat in Sachen Punk soviel nachzuholen, dass wir es einfach bei einem „Setzen, sechs“ belassen und uns „The Dissent of Man“ widmen, dem neuen Album des kalifornischen Sextetts. Das wievielte nochmal? Bei fast 30 Jahren Bandgeschichte kommt man durchaus ein wenig ins Grübeln, aber gut, wir haben ja Online-Lexika. Nummer 15 ist es geworden und es klingt, nun ja, eben wie Bad Religion immer klingen.

Denn Bad Religion sind so etwas wie die Motörhead des Punk und das seit den Anfangstagen. Bis auf einige kleine Ausreißer, die man mittlerweile verziehen hat (mal ehrlich: so übel war „The New America“ doch nun auch nicht), heißt das: Melodisch, schnell, mehrstimmiger Gesang und nicht so recht wütend, wie es die Texte manchmal sind.
Auf „The Dissent of Man“ geht’s dennoch irgendwie zahnloser als sonst zur Sache. Denkt man zumindest bei Songs wie „Won’t Somebody“ oder „The Devil in Stitches„. Bei „Pride And The Pallor“ wird’s eingangs sogar richtig schlimm, denn ja, diese Melodie kennt man irgendwoher: „Ball & Chain“ von Social Distortion lässt mehr als nur grüßen. Geht’s noch übler? Ja, etwa bei „Cyanide„. Aber gut seien wir mal nicht einseitig, denn da sind auch noch Songs wie „Wrong Way Kids“ oder „Only Rain„, da geht’s dann wieder mit ordentlich Speed zur Sache und so gefallen Bad Religion einfach besser.
Alles in allem kennt man aber sowohl die guten als auch die eher lahmen Tracks so oder so ähnlich schon. Und das nicht erst seit den letzten Veröffentlichungen der Band, sondern schon gefühlte Dekaden. Schön, so kauft man immerhin keine Katze im Sack, heißt: Wer bislang mit Bad Religion konnte, wird’s auch weiterhin prima tun können. Wer nicht, der hat auch nach „The Dissent of Man“ keinen Grund, seine Haltung der Band gegenüber zu ändern.Denn wie eingangs erwähnt: Es ist alles beim Alten im Hause Graffin, Gurewitz und Co. Mal einige eingängige Songs, die sich schon beim ersten Hören im Ohr festsetzen, mal Tracks, die man guten Gewissens überspringen kann. Nur leider fehlt der große Song, das airplaytaugliche Stück, das einem wochenlang nicht mehr aus dem Hirn will. Kein „Punk Rock Song“ dieses mal, auch kein „Honest Goodbye„.
Apropos direkte Vergleiche mit dem Vorgänger: „New Maps of Hell„, die 2007er-Veröffentlichung, war irgendwie rauher, direkter und erdiger. Dieses Mal ist einfach alles einen Tick zu glatt, es fehlt der große Moment, wo das Album wirklich zündet. Nicht falsch verstehen: „The Dissent of Man“ ist prima, bietet gewohnte Kost und ein angenehm hohes Niveau, das andere Bands im Laufe einer ganzen Karriere nicht zu erreichen vermögen. Aber es ist für Bad Religion-Verhältnisse eben auch nicht der Überflieger, dafür sind zu viele Midtempo-Nummern drauf, die besonders gegen Ende sogar zu nerven vermögen. Da war jemand definitiv schon mal wütender und aggressiver – und zu dieser Zeit auch besser. Kurz und gut: Alles ok im Jahre 2010 – nicht weniger und leider auch nicht mehr.
 
Review von Volker Bonacker
 

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