Montag, Mai 20, 2024

Die Toten Hosen – In aller Stille

Label: JKP
Veröffentlichung: 14.11.2008

In den vergangenen zehn Jahren hat es sich beinahe schon zur Tradition entwickelt, dass ich mir die neuen CDs der Toten Hosen nicht mehr selbst kaufe, sondern sie mir von meiner Verwandtschaft meistens zu Weihnachten schenken lasse. Und so war es auch heuer keine so große Überraschung, als ich an Heiligabend von meinen Eltern das neue Album „In aller Stille“ überreicht bekam.

 

Mit einer gesunden Portion Skepsis, die sich aufgrund der Alben „Zurück zum Glück“, „Unsterblich“ und vor allem durch die unplugged-CD der Düsseldorfer bei mir eingeschlichen hatte, schob ich am ersten Weihnachtsfeiertag den Silberling in meinen CD-Player und wurde zuerst von der Single-Auskopplung „Strom“ punkrockig begrüßt. Dieses Lied macht Spaß und erinnert mich an die kraftvollen und energiegeladenen Songs des Albums „Auswärtsspiel“ oder die der „Friss oder stirb“-EP.

 

Überhaupt merkt man an der einen oder anderen Stelle, dass der neue Produzent Vincent Sorg ein Freund der härteren musikalischen Tonart zu sein scheint und mit frischem Elan versucht, alles aus den Altpunks herauszuholen. Dies gelingt ihm sicht- und hörbar auch bei den Songs „Innen alles neu“ sowie „Teil von mir“, die sich beide für die nächsten Singles anbieten würden.

 

Doch die Hosen können auch anders, so reichen sie dem Hörer die bedeutungsschwere Ballade „Auflösen“ dar. Nicht wirklich kitschig, aber gefühlvoll wird dieses Lied mithilfe der Schauspielerin Minichmayr vorgetragen. Am besten gefallen mir die Texte von „Ertrinken“ und „Alles was war“. Man merkt hierbei deutlich, dass die Hosen älter und weiser geworden sind. Mir persönlich macht es eine große Freude, wenn ich mich- wie hier geschehen- teilweise in den Liedtexten wiederfinden kann. Und genau nach „Alles was war“, dem achten Lieder von „In aller Stille“ hätte die CD zu Ende sein dürfen.

 

Es war alles dabei, von ernsten zu spaßigen Texten, von Punk- bis hin zu Kuschelrock. Stattdessen setzen die Hosen nicht zwei, nicht drei, nein, fünf Lieder drauf und die hören sich nicht wirklich neu oder innovativ im Vergleich zu den ersten acht Songs an. Sie als Abklatsch zu bezeichnen, wäre jetzt ein bisschen zu hart, aber wenn ich unbedingt Wiederholungen will, dann sehe ich mir die Neujahrskonzerte an.

 

Trotzdem möchte ich betonen, dass es alles in allem ein gelungenes Album ist, besonders wenn man es mit vielen seiner Vorgänger der letzten Jahre vergleicht.

Wertung: 0=4 Sterne

Pressure Magazine
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