In den vergangenen Jahren hat sich in Deutschland ein regelrechter Hype um Japan entwickelt.
Ob popkulturelle Phänomene wie Manga und Anime, kulinarische Spezialitäten oder einfach die Faszination für Land und Leute – Japan hat längst einen festen Platz im Herzen des Westens gefunden. Daher überrascht es kaum, dass auch Bands aus dem Land der aufgehenden Sonne zunehmend ihr Publikum in Europa suchen und finden. Eines der erfolgreichsten Beispiele dafür ist One Ok Rock, die seit nunmehr zwanzig Jahren auf der Bühne stehen, jedoch erst vor rund zehn Jahren den Schritt außerhalb Japans wagten.
Mit ihrem Sound, der zwischen Alternative Rock, Punk und Pop pendelt, dabei aber stets authentisch bleibt, haben sie sich auch hierzulande eine treue Fangemeinde aufgebaut, die stetig wächst. Das zeigt sich an einem kühlen Samstagabend in München, als sich vor dem restlos ausverkauften Zenith eine riesige Schlange bildet. Das Publikum ist so vielfältig wie die Musik der Band selbst: Eltern mit Kindern, japanische Expats, enthusiastische Otakus und neugierige Musikfans aller Altersklassen.
Bevor One Ok Rock die Bühne betreten, sorgt Paledusk aus Fukuoka für den perfekten Auftakt. Das Quintett liefert eine energiegeladene Show, die ihren von Electronica durchzogenen Metalcore in seiner reinsten Form präsentiert.
Frontmann Kaito überzeugt mit emotionalem Gesang, während Gitarrist Daisuke mit seiner entfesselten Bühnenpräsenz, barfuß und oberkörperfrei. Mit einem Dropkick nach dem anderen, für offene Münder sorgt, ohne je den Takt zu verlieren. Dass er nebenbei als Produzent und Gastmusiker bei Bands wie Bring Me The Horizon mitwirkt, erklärt sein souveränes Auftreten. Nach diesem wuchtigen Auftakt ist die Menge mehr als bereit für den Hauptact.

Als das Intro zum aktuellen Album Detox ertönt, wird es laut. Mit dem Opener „Puppets Can’t Control You“ verwandelt sich der Saal sofort in ein kollektives Singalong, und spätestens bei „The Beginning“ gibt es kein Halten mehr. Die Band ist in Bestform, Sänger Taka trifft jede Note mit beeindruckender Präzision, und das Publikum dankt es mit unermüdlicher Energie.
Der Fokus liegt klar auf dem neuen Material: Zehn der sechzehn Songs stammen von Detox. Dennoch fehlen die großen Hymnen nicht. Allen voran „We Are“, das als fulminanter Abschluss den Saal in ein letztes Mal kollektive Ekstase versetzt. Nach fast zwei Stunden intensiver Musik bleibt der Eindruck einer Band, die längst über kurzfristige Trends hinausgewachsen ist.
Selbst wenn der Japan-Hype eines Tages abebbt, wird One Ok Rock bleiben, weil sie mehr sind als ein Exportprodukt, nämlich eine Band, die auf jeder Bühne der Welt zuhause ist.
Konzertbericht von Igor Barkan mit Fotos von Lutz WeArePhotographers









































