Uli Sailor setzt mit seinem neuen Album „Besser anders“ ein bewusstes Punkpiano-Statement gegen den Zeitgeist und klingt dabei erstaunlich unaufgeregt und reflektiert.
Der erste Song „Punkrock-Lebensberatungstermin“ beschreibt, wie auf der letzten EP humoristisch ungeschminkt Sailors Jugendjahre in der Provinz zwischen Bad Religion und Bausparvertrag. Ernster geht es hingegen bei „Der demographische Wandel“ zu, wenn Sailor vom Verlust der Menschlichkeit, erstarkenden Populisten und den Leiden des Alters in Form knirschender Zähne und schlechtem Schlaf berichtet. Musikalisch wird er vom mitgealterten Guido Donot (The Donots) unterstützt, der damit wohl das Gitarrensolo seines Lebens abliefert.
Bei „Kiezblock“ tritt als Gast Chris Kotze (Kotzreiz) auf und beschwört mit Sailor hymnisch das Leben im Kiez, die Wut auf die Gentrifizierung und ihren ungebrochenen Willen, gegen den Zeitgeist aufzubegehren.
„Wenn ich mal groß bin“ ist hingegen eine nicht so ernst gemeinte Absage an gesellschaftliche Normen und an überholte Vorstellungen über die Pflichten, die angeblich das Erwachsenendasein ausmachen sollen. Nur dumm, dass bei vielen dieser Pflichten das Leben im Hier und Jetzt und die wirklich wichtigen Fragen aus dem Fokus geraten und in Vergessenheit geraten. Sailor stellt dagegen viele Fragen an das Leben und erhält wenige Antworten, die ihm gefallen. Vielleicht gefällt er sich aber – vielleicht auch nur ein wenig – in der Rolle des ruhelosen Suchenden, wie er es im Song „Auf der Suche“ beschreibt. Sailor sucht demnach sein inneres Gleichgewicht, um dem Glück ein Stückchen näher zu kommen. Nur wer garantiert ihm, dass dann sein Leben sorglos sein wird? Bestimmt ist das Streben nach dem Gleichgewicht – oder für andere nach dem Glück – ein zutiefst menschliches Bedürfnis; das Glück als Dauerzustand ist jedoch alles andere als natürlich. Möglicherweise ist selbst der Gedanke, dass Sisyphus gar nicht mal so unglücklich gewesen sein dürfte, nicht ganz so abwegig. Und genauso stelle ich mir Uli Sailor als einen Künstler vor, der durch seine Musik seiner inneren Unruhe kreativ begegnet.
Mein zweitliebster Song heißt „Weißt du noch„, in dem in den Strophen melancholisch die Gegenwart und nostalgisch verklärend die Vergangenheit („Weißt du noch…?“) beschrieben wird. Seine Stärke erfährt er durch den melodisch eingängigen Refrain, wenn Sailor an seine Hörer appelliert, trotz nahezu auswegloser Situation aktiv zu werden, da die Geschichte nicht vorgeschrieben ist und die Zukunft – vielleicht nicht unbedingt besser, aber – anders werden kann.
Wahrscheinlich genauso mitreißend und mein persönlicher Favorit ist „Dings GPT„, das den Kampf des kreativen Künstlers gegen die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz satirisch-zynisch schildert und offenbart, dass für Sailor die KI zu perfekt ist, um künstlerisch authentisch wie ein Mensch Punkrock performen zu können.
Das Album endet mit dem Lied „Wassereis“, das man im Sommer nebenher laufen lassen kann, wenn viele ansonsten komplexe und schwermütige Themen sich aufgrund der Hitze als nichtig und nahezu irrelevant darstellen.
Fazit: „Besser anders“ ist ein gelungenes Debütalbum, dessen zehn Lieder zeigen, dass Punkrock auch mit Klaviertasten funktionieren kann, solange man das richtige Maß an Wut, Humor und Zärtlichkeit mitbringt.
Album Review von Sveni
Live-Termine ganz bei euch in der Nähe: Uli Sailor aka Punkrock Piano on Tour mit neuem Album
05.03.2026 Dresden – Chemiefabrik
06.03.2026 Kassel – Goldgrube
07.03.2026 Karlsruhe – Alte Hackerei
11.03.2026 München – Backstage
12.03.2026 Wiesbaden – Kreativfabrik
13.03.2026 Köln – Wohngemeinschaft
14.03.2026 Hannover – Lux
15.03.2026 Berlin – Badehaus
19.03.2026 Hamburg – Nochtwache
20.03.2026 Bremen – Eisen
21.03.2026 Erfurt – Ilvers
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