Zwakkelmann: Die unvermeidbare Rückkehr des „erfolglosesten Musikers aller Zeiten“

Schön ist, wenn man in diesen Zeiten angesichts der Realsatire aus dem Weißen Haus, dem Kreml und Co. noch die Fähigkeit besitzt, über sich selbst lachen zu können, weil es einfach gut ist, sich selbst nicht so ernst zu nehmen. Leider scheint sich diese Kompetenz auch bei vielen Mitmenschen zurückzuentwickeln, sollten die Profile und Posts auf Instagram, Snapchat etc. auch nur halbwegs authentisch sein. Es ist, als ob Bands wie Zwakkelmann damit einer aussterbenden Gattung angehören. Konsequenterweise gab die Band ihrem neuen Album den Titel „Gemischte Tüte“, welche ebenfalls aus dem kollektiven Bewusstsein für immer zu verschwinden droht.

Für die jüngeren Leser sei deswegen der Hinweis erlaubt, dass früher, also bis in die 80er Jahre hinein, die „Gemischte Tüte“ für die sündigsten Träume süßigkeitsfanatischer Kinder stand. Auch für mich. Für eine D-Mark erwarb man nur das Beste (jedenfalls glaubte man das damals) aus der Welt des Dorfkiosks. Böse Zungen behaupteten zwar, dass in der Tüte nur die alten Süßigkeiten, die keiner sonst haben wollte, gesteckt hätten, aber allein der Name war für mich schon Grund genug, mich zum Kiosk zu bewegen. 
Vermutlich hat Schlaffke Wolff, seines Zeichens Kopf und Sänger von Zwakkelmann, ähnliche nostalgische Erfahrungen gesammelt, weswegen er der gemischten Tüte gleich ein ganzes Album widmete. Anstelle von Süßigkeiten steckt darin eine bunte musikalische Mischung eingängiger, abwechslungsreicher Lieder irgendwo zwischen Punk, Rock, Indie und Hardcore. Inhaltlich bleibt die Band ihrer Linie treu: persönliche, direkte Texte, oft humorvoll, immer wieder sozialkritisch. Aber der Reihenfolge nach.

Das interessiert noch kein Schwein

Es beginnt mit „Das interessiert noch kein Schwein“. Darin rechnet Zwakkelmann im Stil eines melancholisch-allwissenden Liedermachers mit sich selbst- angesichts über 40-jähriger Existenz in der zweiten Punkrockliga- gnadenlos ab. Ähnlich schonungslos geht es im 3. Song „Der erfolgloseste Musiker aller Zeiten“ zu. Gut, dass Zwakkelmann in „Jammerlappen“ (noch so ein aussterbendes Wort) den Fokus auf die in Luxus und Wohlstand lebenden Mitmenschen legt, die sich über alles und jeden beschweren und dabei oft vergessen, welches Glück sie trotz allem haben.

Blöde Boomer und andere Abrechnungen

„Blöde Boomer“ ist inhaltlich ähnlich gelagert, kann mich aber durch die Country-Klänge noch mehr begeistern. Es ist nach der Zwakkelmann-Country-Hymne „Dusselige Kuh“ ein Lied für viele Männer, die leider zu viel Macht und zu wenig Empathie besitzen. In die Reihe der sozialkritischen Lieder passt dann auch noch „Muss das wirklich sein?“.

Zwakkelmann hadert hörbar mit dem, was er in seiner Umwelt wahrnimmt. Manchmal überkommen ihn dann die dunklen Gedanken, wie er sie in „Prozedur in Moll“ niederschreibt. Denn dann „verblüht mein ansonsten heiteres Gemüt“. Wie wahr, aber zum Glück ist es nur ein trister Song, der von den Punkrocksongs „Detlef“ und „Das war doch klar“ in den Schatten gestellt wird.

Schlechter Mensch und musikalische Grenzen

Mein persönliches Lieblingslied ist „Schlechter Mensch“, in dem Zwakkelmann humorvoll von seinen kleinen und großen Sünden berichtet und am Ende der Meinung ist, dass kein Mensch ohne Fehler ist und man durch Fehler lernen könne. Und dann weiß ebenfalls „Spiel doch mal Jazz“ zu gefallen, welches die musikalischen Grenzen von Zwakkelmann humorvoll aufzeigt.

Fazit zur Zwakkelmann-Platte „Gemischte Tüte“

Zwakkelmann sind und bleiben solide Punkrock-Handwerker mit Herz, Hirn und selbstkritischem Humor.

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