„Es gibt Momente auf der Platte, die mir beim Anhören wirklich Angst machen“, sagt Tim Henson über das kommende Album seiner Band. Am 23. Oktober erscheint BE NOT AFRAID bei Rise Records – das fünfte Studioalbum von Polyphia und das erste seit Remember That You Will Die von 2022. Mit „With Eyes To See“ ist die dritte Single samt Musikvideo draußen.
Vier Jahre Pause sind in diesem Genre eine Ewigkeit, und die Band hat sie genutzt, um ihren Radius noch einmal zu erweitern. Wer Polyphia bisher als Gitarren-Nerd-Angelegenheit abgetan hat, bekommt hier das schlechtere Argument geliefert: Das Album verschränkt Metal, Prog und House so dicht, dass die Frage nach dem Genre ihren Sinn verliert.
Was über BE NOT AFRAID bekannt ist
Aufgenommen wurde 2024 und 2025 in Miami, Los Angeles und Dallas, gemeinsam mit Co-Produzent RJ Pasin und dem Gitarristen Spiro Dussias. Henson hat seinen Kompositionsweg dabei umgedreht: Er sang die Melodien zuerst laut vor und übersetzte sie erst danach auf die Gitarre – ein Umweg, der hörbar andere Linien produziert als das übliche Griffbrett-Denken.
Inhaltlich arbeitet die Platte laut Henson mit zwei Polen: „Das Album führt einen durch die Extreme zweier unterschiedlicher Welten bzw. Stimmungen: Die eine ist sehr erhebend und triumphierend, die andere ist gruselig und furchterregend.“ Gut und Böse, sauber gegeneinandergestellt – für eine Instrumentalband ist das ein ambitionierter Ansatz, weil kein Text die Richtung vorgibt.
Die Vorboten zeichnen das nach. „Can You Feel It“ war Anfang des Jahres die erste Single seit über vier Jahren und schob Metal und Dancemusic ineinander. Es folgte „Power In The Blood“, dessen Video in der Kirche São Francisco da Penitência in Rio de Janeiro entstand. „With Eyes To See“ setzt jetzt auf Hypnose: Das Video verwebt Bilder einer auf den Kopf gestellten Welt mit Ausschnitten geschwärzter Akten und Aufnahmen von Zerstörung.
Wo das im Werk steht
Polyphia gibt es seit 2010; die Besetzung aus Tim Henson (Gitarre), Scott LePage (Gitarre), Clay Gober (Bass) und Clay Aeschliman (Schlagzeug) hat sich über Muse (2014), Renaissance (2016), New Levels New Devils (2018) und Remember That You Will Die (2022) vom Progressive-Metal-Randphänomen zur Chart-Größe entwickelt. Der Vorgänger stieg auf Platz eins der Billboard Top Hard Rock Albums ein und landete in den Top 40 der Billboard 200 – mit einem Gastspiel-Aufgebot von Steve Vai über Chino Moreno bis zu Rapper SNOT.
Das Bemerkenswerte daran: Diese Reichweite entstand ohne eine einzige Gesangsspur als Trägermedium. In einer Szene, in der selbst Spiritbox und Kollegen über Hooklines gehen, ist das eine Ausnahme – und der Grund, warum „With Eyes To See“ vier Jahre Wartezeit rechtfertigen muss.
Polyphia live 2026: Die Termine im deutschsprachigen Raum
Im November und Dezember tourt die Band mit Perturbator und RJ Pasin durch Europa. Sechs Abende liegen im DACH-Raum:
| Datum | Stadt & Location | Tickets |
|---|---|---|
| 18/11/2026 | Zürich, Halle 622 (CH) | Tickets |
| 27/11/2026 | München, Zenith | Tickets |
| 30/11/2026 | Leipzig, Haus Auensee | Tickets |
| 02/12/2026 | Hamburg, Docks | Tickets |
| 05/12/2026 | Berlin, Tempodrom | Tickets |
| 06/12/2026 | Oberhausen, Turbinenhalle | Tickets |
Die Hallengrößen sind die eigentliche Nachricht: Zenith, Haus Auensee und Tempodrom sind keine Clubs mehr. Eine Instrumentalband, die das Berliner Tempodrom füllt, hätte vor zehn Jahren niemand für möglich gehalten. Wie voll der Konzertwinter insgesamt wird, siehst du in unserem Konzertkalender – im selben Zeitraum spielen unter anderem Papa Roach ihre Arenatour.
Polyphia erleben & entdecken
Karten für die Dezembertermine findest du bei Eventim. Das neue Album und den bisherigen Katalog gibt es bei Amazon.
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Pressure Fazit
Drei Singles, drei sehr unterschiedliche Richtungen – das kann ein Album ergeben, das alles kann, oder eines, das sich nicht entscheidet. Bei Polyphia spricht die Bilanz für Ersteres: Die Band hat noch nie eine Platte gemacht, die wie die vorherige klang, und sie ist bisher immer davongekommen. Hensons Hinweis, dass ihn Teile der eigenen Platte erschrecken, ist dabei das interessanteste Detail – Gruselstimmung ist für eine Band, die zuletzt vor allem für Eleganz gelobt wurde, tatsächlich neues Terrain. Die Tourhallen zeigen unterdessen, wo diese Band inzwischen steht. Am 23. Oktober wissen wir mehr.












