Ehrliche Texte und harte Musik, nicht nur für harte Kerle.

RIEFENSTAHL repräsentieren das Genre der „Neuen Deutschen Härte“, wie keine andere deutsche Band derzeit. Die Band um den Sänger Jens Esch „Centurio“ weiß, wo sie hin will. Nach einigen Jahren Pause sind sie mit „Triumph“, ihrem neuesten Werk, zurück und seit dem 27. Mai im Handel. Pressure Magazine sprach mit Jens Esch über das Resultat von jahrelanger Arbeit, über ‘kleingeistige Journalisten’ und die Provokation als stetiger Begleiter.

 


Hallo die Herren, für die Leser des Pressure Magazine, die euch möglicherweise noch nicht kennen, möchte ich euch bitten, einmal vorzustellen.

Jens Esch: Wir sind die Band RIEFENSTAHL, die nicht, wie so oft missverstanden, aus Hannover kommt. Nein! Wir sind eine Multibundesland – Band mit Hauptquartier in Sachsen, außerdem mit brasilianischem Flair.

 

Als eine Band, die den gleichen Namen der 2003 verstorbenen prominentesten Künstlerinnen aus der NS-Zeit trägt, und gleichzeitig auf harte deutsche Texte setzt, stoßt ihr sicherlich nicht nur auf offene Türen. Diese Verknüpfung kann man euch berechtigt, als besonders „geschmacklos“ auslegen. Wie ist die Geschichte hinter der Namensfindung und wie würdet ihr gerne in der Musikbranche allgemein wahrgenommen werden?

Jens Esch: Unsere Medien agieren zu oft mit gefährlichem Halbwissen, taktieren mit pseudomoralischen Auffassungen und zu viele kleingeistige Möchtegern-Journalisten alimentieren diese Vorgehensweisen im Internet. Heute kann ja jeder etwas irgendwo publizieren und Meinungen schaffen.

“Der Dumme glaubt den Dümmeren oder die Dümmeren glauben den Dummen.”

Wenn man sich einmal nur ansieht, wie Wikipedia funktioniert. Da wird mir wirklich schlecht! Das Internet ist die Spielwiese jener, die heute zwischen Nichtstun und Pseudointelligenz wandern und am Ende des Tages scheinheilig offerieren, dass sie der Gesellschaft ihren Beitrag leisten.

Insgesamt haben wir aber gesellschaftlich mittlerweile eine hervorragende Stellung, bei uns hat sich ja alles sehr fortschrittlich entwickelt. Ich denke, die Gesellschaft selber, hätte aber allgemein noch viel weniger Probleme mit unserem Namen, wenn sie nur weniger beeinflusst wäre von dieser Art Informationspolitik.

 

Am 27. Mai ist mit „TRIUMPH“ euer drittes Album erschienen. Vor welchen Herausforderungen standet ihr bei der Arbeit am Album und wie zufrieden seid ihr mit dem Ergebnis?

Jens Esch: Wir sind außerordentlich zufrieden. Das Ergebnis ist wirklich sehr gut. Als Künstler willst du aber immer mehr und natürlich auch beim nächsten Werk wieder eine Schaufel zulegen. Wir haben vier Jahre uns darauf vorbereitet und nichts dem Zufall überlassen. Viele Veränderungen haben wir erfahren und am Ende war alles richtig und genau das, was wir wollten. Glückliches RIEFENSTAHL! (lacht)

 

Wie lange habt ihr an eurem neuen Album „TRIUMPH“ gearbeitet?

Jens Esch: Die Vorbereitung war, wie bereits gesagt, ca. 4 Jahre. Im Studio selber waren wir ca. 10 Monate.

 

Was sind deine persönlichen Highlights auf dem Album und weshalb?

Jens Esch: Da muss ich Dich wirklich enttäuschen, denn ich habe keine persönlichen Highlights in dem Sinne. Meine Lieder sind für mich immer wie Kinder und würde ich ein Lied zu sehr bevorzugen, dann wäre ich ein schlechter Vater.

Ich will aber gern spontan drei Songs nennen um zumindest etwas mehr Einblick in meine Gefühle zu geben.

Nehmen wir einmal “Was du siehst”. Dieser Song ist in der letzten Schaffensphase entstanden, wir haben ihn quasi im Studio neu aufleben lassen, dazu habe ich den Text geschrieben. In Angesicht der Tatsache, dass wir ständig belogen werden auf dieser Welt und nahezu jede mediale Information als potentielle Lüge gewertet werden darf,  soll er einfach etwas aufmuntern und das Wachwerden erleichtern.

Beim Song “Ich zeig dir meine Welt” geht es darum, dass wir einem fremden Wesen, von einem fernen Planeten unsere fragile, dreckige und unmoralische Welt zeigen. Alles was das Wesen erfährt kann es mitnehmen und weitertragen, vielleicht kommt es eines Tages zurück und hat die Lösung. Der Song ist bereits 2008 entstanden.

“Sieben Sünden für den Fraß” ist die Interpretation des Zustandes unserer Gesellschaft allgemein und das im Wesentlichen hier im eigenen Land. Wir unterwerfen uns einer Diktatur der Medien, des Fernsehens, der Unterhaltung usw. Das alles geschieht, ohne uns dabei auch nur im Ansatz im Klaren zu sein, welch Ausmaß das eines Tages haben könnte.

 



 

Auf der Scheibe fallen vereinzelt Titel, wie „Sing dein Lied“ auf, die verhältnismäßig „poppig“ klingen – was hat euch denn da geritten?

Jens Esch: Was soll uns da geritten haben? Ich denke wir machen ja auch nichts anderes als Popmusik, daher eine relativ logische Sache. Ich könnte mir nie vorstellen den Output unserer Musik nur auf das totale harte Brett zu limitieren. Handkehrum ist “Sing dein Lied” auch voller Energie.

 

Mich persönlich fasziniert eure Album-Aufmachung, insbesondere das aufwendige Artwork des aktuellen Albums. Wer zeichnet sich für das Grafikdesign verantwortlich und welche Storyline steckt im Booklet des „TRIUMPH“ Albums?

Jens Esch: Julian von Bern lebt zurückgezogen in New York, sehr oft auch im Sommer irgendwo in North Carolina. Er ist ein Ausnahmekünstler der sich unserer Musik annahm und diese visuell umzusetzen wusste. Produzent Carlos Perón und ich konnten ihn während eines Movie-Meetings zu einem Soundtrack in Neuchâtel treffen. Danach ging alles sehr schnell, er konnte sich für das neue Album TRIUMPH begeistern und übernahm die grafische Gestaltung, wo natürlich die lyrische Vorlage Pate stand.

 

Welche Bedeutung steckt hinter dem Album Titel „TRIUMPH“?

Jens Esch: Jeder Song erfährt seinen eigenen Triumph. Den Triumph der Sehnsucht, der Triumph der Liebe, der Dummheit, des Hasses, des Neides und bis hin zum schlussendlichen Triumphzug.

 

Impliziert er vielleicht auch eine Anspielung auf den Nazi-Propagandafilm “Triumph des Willens” von der Regisseurin Leni Riefenstahl (1933), den sie seiner Zeit über den Reichsparteitag gedreht wurde?

Jens Esch: Warum? Lediglich das gemeinsame Wort Triumph kann man da finden. Wenn ein Sportler nach einem Sieg seinen persönlichen Triumph feiert und diesen öffentlich ausspricht, fragen wir ja auch nicht nach einem Dokumentarfilm von vor 80 Jahren.

 

‚Provokation’ wird euch oft als Stilelement unterstellt. Im aktuellen „Rolling Stone“ Magazin wirft euch ein Redakteur in seinem Artikel „Die Stallknechte der Herzen“ vor, gerne „doppelbödig böse wie Rammstein“ zu sein und mit Kalkül Karriere zu machen. Wie geht ihr mit solchen Statements um und wie treten ihr dem entgegen?

Jens Esch: Dieser Herr Ziemer agiert wie ein Kleingeist im Dienste eines deutschen Schülerforums, aber nicht eines gestandenen Musikmagazins und was will man da entgegentreten. Er sieht uns ja in den Charts, da ist mal alles okay.

Grundsätzlich kann man den Rolling Stone so aber auch nicht ernst nehmen. Wenn ich mir die aktuelle Ausgabe ansehe, wo Naidoo‘s Texte als Rettungsanker für Menschen bezeichnet werden aber meine Lyrik angeblich wenig gesellschaftsfähig sein soll, dann wundert mich nichts mehr.

 

Um beim Thema zu bleiben – wodurch erklärst du dir den Erfolg den deutschsprachige Rockbands, wie Rammstein, In Extremo, neuerdings auch Frei.Wild oder gar Künstler wie „Der Graf“ (Unheilig) haben?

Jens Esch: Soviel ich weiß haben sie alle eines gemeinsam, nämlich sehr gute Plattenfirmen und eine gute Infrastruktur. Da scheint einfach der Mechanismus auch zu stimmen. Ansonsten beschäftige ich mich mit diesen Bands und Künstlern überhaupt  nicht.

 

Unterstützung habt ihr euch diesmal bei Carlos Perón geholt, der in der Vergangenheit mit seiner Band YELLO große Erfolge feierte. Wie kam die Zusammenarbeit zustande und wie hat sich die Erfahrung Peróns auf euren aktuellen Sound ausgewirkt?

Jens Esch: Carlos Perón wurde uns von einem anderen Künstler empfohlen. Er ist der richtige Mann zur richtigen Zeit und ein wichtiges Bindeglied in unserem Netzwerk.

Wir hatten ja schon immer unseren Sound, hier ging es im Wesentlichen noch einmal um den Glanz und gewisse Definitionen.

 

 

Wenn ich richtig informiert bin, habt ihr zum Kinofilm „Die 4. Revolution“, der im April 2011 in die Kinos kam den Track “The Day before the 4th Revolution” beisteuert. Wie kam es denn zu dieser Ehre?

Jens Esch: Das war eine Sache nur von Carlos Perón und mir. Das hat mit RIEFENSTAHL nichts zu tun. Wir haben zu dem Kinotrailer die passende Musik geschrieben und produziert. Das ganze unter unserem gemeinsamen Namen The Bellum Brothers. Wir arbeiten ja nebenher noch für verschiedene andere Sachen, gerade auch im Bereich Soundtrack.

 

Inzwischen habt ihr mit Membran und Sony Music ein neues Label und Vertriebsstruktur gefunden, das euch sicherlich viele neue Möglichkeiten bietet, aber auch Verpflichtungen mit sich bringt. Was hat sich gegenüber den Anfangsjahren Bandintern geändert und worauf legt ihr heute mehr wert, als damals?

Jens Esch: Eine Band entwickelt sich ja über all die Jahre und das in vielerlei Hinsicht. Wir bewegen uns da eigentlich genauso wie andere Bands auch. Heute sind wir natürlich viel besser aufgestellt als noch vor Jahren. Nein, im Gegensatz zu den Anfangsjahren ist das wahrlich kein Vergleich.

Ich würde heute viele Dinge grundlegend anders machen, mit der Zeit wird man einfach reifer und erfahrener. Plattenfirma und Band arbeiten viel näher zusammen und die Unterstützung für uns ist wirklich großartig.

 

Bandintern gab es bei euch auch eine Neubesetzung mit eurem neuen Drummer Tiago Shade Saldanha. Die Lobeshymnen zu seinen musikalischen Fähigkeiten überschlagen sich förmlich. Welcher Band habt ihr ihn denn abwerben können und was magst du uns über eure neue Bandkonstellation verraten?

Jens Esch: Wir haben niemanden abwerben müssen. Er war völlig frei und von Anfang an sehr begeistert bei uns zu sein. Seit 2009 ist Tiago offiziell dabei und kaum wegzudenken, da er eben ein ganz anders Rhythmusgefühl hat, als beispielsweise deutsche Schlagzeuger.

Wir mussten ja die Farce nach Sven Petersen irgendwie schnell negieren. In Deutschland einen wirklich guten progressiven Dummer zu finden, das noch für unsere Musik, ist nahezu unmöglich und Brasilien hatte für uns das Talent parat. Ich kannte Tiago ja schon länger über befreundete Musiker aus Brasilien.

Jetzt haben wir eine ideale Mischung in unserer Band. RIEFENSTAHL macht jetzt wieder richtig Spaß.

 

Besten Dank für die interessante Unterhaltung! Welche Botschaft möchtest du noch unters Volk bringen?

Jens Esch: Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. Alles was ich zu sagen habe, kann man auf unserem aktuellen Album TRIUMPH hören. Viel Spaß!

 

Pressure-Tipp: Riefenstahl – “Triumph” CD-Review jetzt lesen

 

Interview im Mai 2011 von Marcus Berg


Über Riefenstahl:

Besetzung: Jens Esch (Gesang), Ralph Laskowski (Gitarre), Tiago Saldanha (Schlagzeug seit 2009), Daniel Peschel (E-Bass seit 2003)

Gründung: 2002

Standort: Sachsen

Genre: Neue Deutsche Härte

Label: Membran / Vertrieb: Neo / Sony Music

 



 

Mehr zu Riefenstahl:

Bandportrait: Riefenstahl bei Pressure Magazine

Offizielle Homepage: riefenstahl-music.com

MySpace Seite: myspace.com/bandriefenstahl

facebook Seite: facebook.com/Riefenstahl/

 

Bilder: Claudia Rox

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