„Gegen den modernen Fußball!“ Mit dieser Formel, die man vielleicht auch nicht ganz zu Unrecht oftmals als leere Worthülse bezeichnet, werden hierzulande die Ultras in Verbindung gebracht. Und in der Tat scheint es der Mehrzahl der im neutralen Sinne „Fußballverrückten“ um den Ballsport zu gehen, was man von einigen alpenvorländischen Brauseherstellern weniger behaupten kann.
Der Mehrheit der Ultras geht es bei ihrer „Herzensangelegenheit“ darum, selbst aktiv zu werden und nicht nur eine Marke „Verein xyz“ oder die „Ware Fußball“ blind zu konsumieren. Dabei agieren die Anhänger oftmals emotional und wenig rational, wie man u.a. bei der Diskussion um den Einsatz von Pyrotechnik in deutschen Stadien mit verfolgen konnte. Dummerweise treffen sie dabei auf die Vertreter und Bürokraten der Vereine und des DFB, die andere, gegensätzliche (v.a. ökonomische) Interessen verfolgen und dabei viele Vertreter der Medien und Politik hinter sich wissen. Die Lobby der Ultras hingegen ist klein, sodass Aufklärungsarbeit im Stil des von Peter Czochs herausgegebenen Buch „Ultras in Deutschland“ notwendig erscheint.
Herauszuheben ist meines Erachtens der Aufsatz von Sandra Müller über die Datei „Gewalttäter Sport“. Diese Maßnahme wird unterschiedlich von den Behörden gehandhabt, sodass Fußballanhänger für ein und dasselbe Vergehen komplett unterschiedlich behandelt werden. Für einen Eintrag in die Datei reicht es mancherorts, wenn man mit im Stadion mit einem „Problemfan“ gesichtet wird oder sich dummerweise in einer Gruppe Fans aufhält, in der es einen Menschen gibt, der in der Vergangenheit auffällig wurde. Kritische Stimmen sprechen gar davon, dass diese Datei zur Sippenhaft einlädt und unsere Vorstellungen von Gerechtigkeit in einem aufgeklärten Rechtsstaat zutiefst widerspricht.
Und trotz aller Grabenkämpfe, Gegensätze und Vorbehalte sollten sich die Beteiligten zum Wohle aller und des Fußballs wieder an einen Tisch setzen und Konzepte entwickeln, welche aktive und unterstützende Rolle die friedlichen Vertreter unter den Ultras im Vereinsleben in Zukunft übernehmen sollen. Durch die Einbindung und die Übertragung von echter Verantwortung würde ihnen signalisiert, dass der Dialog wirklich auf Augenhöhe stattfindet und gewollt ist im Sinne eines zusammenführenden und nicht aufspalteten Volkssportes. Die Fortführung des Konfrontationskurses der letzten Jahre ist aus Sicht aller Autoren keine Alternative.
Buchkritik von Sveni
Peter Czoch: Ultras in Deutschland
Großformat 210 x 210mm, gebunden, 336 Seiten
1. Auflage Mai 2016
Erschienen im Hirnkost Verlag – Hier bestellen