Mit einem überraschenden Comeback erscheint mit “Der Dämmerung entgegen” am 13. Mai 2011 das neue Album der Band Vogelfrei. Wir unterhielten uns mit Mastermind Ricky Alex über die lange Bandpause und ihren Neuanfang.

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Mit einem überraschenden Comeback erscheint mit “Der Dämmerung entgegen” am 13. Mai 2011 das neue Album der Band VOGELFREI. Wir unterhielten uns mit Mastermind Ricky Alex über die lange Bandpause und ihren Neuanfang.

 

Vogelfrei haben sich seit ihrer Bandgründung einen enormen Basis-Fankreis aufbauen können. Selbst über die vielen Jahre der Ruhe hinweg, erzielten ihre Videos auf YouTube weit mehr als 200.000 Aufrufe. Auch die vielen Gästebucheinträge zeigten, dass die Band um den Kopf Ricky Alex in dieser schnelllebigen Zeit nie wirklich in Vergessenheit geraten ist. Zahlreiche Headliner-Angebote auf namhaften Festival verdeutlichen darüber hinaus, welchen Status sich Vogelfrei innerhalb der deutschsprachigen Straßenrock-Szene über all die Jahre erspielt hatten. Nach sieben Jahre Bühnen-Abstinenz, ist die Band nun zurück und feiert im Jahr 2011 ein fulminantes Comeback!

Wir trafen Mastermind, Sänger und Gitarrist Ricky Alex, um herauszufinden, weshalb die Band so lange auf Eis lag und wie sie nun erneut angreifen, um mit dem neuen Album ihren Status weiter zu festigen.

 

Pressure Magazine: Hallo Ricky, am 13.05. erscheint euer neues Album “Der Dämmerung entgegen”. Der letzte Vogelfrei-Longplayer stammt aus dem Jahre 2004. Was hast du in den letzten Jahren gemacht?

Ricky Alex: Hallo, und vielen Dank erst einmal für das Interesse an einem Interview. Das zeigt zumindest, dass man uns in den letzten 7 Jahren nicht ganz vergessen hat. Was die erste Frage betrifft, könnte ich wahrscheinlich ein Buch schreiben. In sieben Jahren erlebt man so viel! Ich werde mal versuchen, es aus musikalischer Sicht zu schildern:

Mir war schon bei Bekanntmachung unserer Auflösung klar, dass ich irgendwann wieder Musik machen würde, nur nicht unter dem Namen Vogelfrei. Als ich dann 2005/2006 anfing das erste Lied zu schreiben stellte ich fest, dass es total nach VF klingt. Scheinbar kann ich machen was ich will, sobald ich einen Text schreibe und ihn in eine Melodie kleide, kommt am Ende ein Song von VF heraus. Ich akzeptierte mein Schicksal und begann ein Lied nach dem anderen zu schreiben, bis ich 12 Lieder zusammen hatte…

 

Pressure Magazine: Und was war letztlich der Antrieb und die Gründe dafür, die Instrumente wieder in die Hand zu nehmen und Songs zu schreiben?

Ricky Alex: Mit der Zeit wuchs das Verlangen die aufgenommenen Lieder einmal zu veröffentlichen und so versuchte ich die alte Band zu reformieren, was mir aber leider nicht gelang, da die alten Mitglieder mittlerweile in andere Projekte eingebunden waren oder aus beruflichen Gründen keine Zeit hatten. Carsten, ein guter Freund von mir, bot mir seine Hilfe als Schlagzeuger an und so begannen wir zu zweit den 12 Liedern Seele einzuhauchen. Da sich auch in den kommenden Monaten keine feste Band formieren ließ, beschlossen wir allein ins Studio zu gehen.

Ich bin halt mit Leib und Seele Musiker und ich halte es auf lange Zeit nicht aus, keine Musik zu machen. Außerdem hatte ich, durch die Jahre nach der Auflösung, auch wieder langsam das Gefühl, etwas loswerden zu müssen. Ich hatte auch kurz überlegt, dem neuen Projekt einen anderen Namen zu geben, aber da waren die alten Lieder von VF, an die ich heute noch glaube und so wollte ich diesen Weg fortsetzen.

 

Pressure Magazine: Um welche Themen drehen sich die neuen Songs auf dem Album?

Ricky Alex: Wenn es einem zu eng wird in seinem Ort, weil man das Gefühl hat, dass sich irgendwie alles wiederholt, dann will raus, vielleicht nur an diesem Wochenende. Etwas erleben wovon man zehren kann. Darum geht es in “Ein Platz für uns”. In “Sie kriegen uns nicht” wird man Zeuge einer nicht näher genannten Straftat und die anschließende Flucht vor der Polizei. “Wer wir sind” ist eine Selbstreflektion. Ein Blick in Vergangenheit und Gegenwart. Was trieb uns an? Was ist davon übrig? Haben wir uns verändert?

 

Pressure Tipp: CD-Review von “Vogelfrei – Der Dämmerung entgegen”

 

Pressure Magazine: Eure Texte sind vorwiegend sehr persönlich und emotional. Wie entsteht ein Song von Vogelfrei und was inspiriert dich?

Ricky Alex: Der erste Schritt ist eigentlich das klimpern auf der Gitarre. Dabei fallen mir dann die Grundmelodien für Strophe und Refrain ein. Dazu singe ich meistens in einem Phantasie-englisch, dadurch lässt sich die Gesangsrhythmik besser erkennen. Wenn ich mich dann ans Texten mache, habe ich dadurch schon immer mehrere dieser Rohfassungen vorbereitet und kann somit je nach Stimmung oder Aussage des Textes die Lieder zusammenstellen. Diese werden dann direkt in die Rohfassung eingearbeitet. Dann erst bekommt das Lied bei der Probe seinen eigentlichen Charakter.

Inspiriert, wenn man das so nennen will, fühle ich mich von den einfachen, zumeist zwischenmenschlichen Geschichten und Erfahrungen die das Leben so bietet. Aber auch sozialkritische Themen beschäftigen mich.

 

Pressure Magazine: Plant ihr eine Tour und auf welchen Festivals werdet ihr dieses Jahr zu sehen sein?

Ricky Alex: Leider kann ich diesbezüglich noch keine Angaben machen. Wie schon erwähnt, wurde das neue Album nur von Carsten und mir eingespielt. Ich bin jetzt also erstmal damit beschäftig, eine komplette live-taugliche Band zusammenzustellen.

Wie lange das dauert wird sich zeigen. Es soll ja auch alles passen und kein Schnellschuss sein, der auf lange Sicht nicht funktioniert. Abgesehen davon bin ich kein Freund von Tourneen und auch Festivals schrecken mich aufgrund ihrer Größe eher ab.

Kleinere Clubkonzerte sind schon eher mein Ding.

 

Pressure Magazine: In den vergangenen Jahren habt ihr bestimmt die Musikszene mit einem gewissen Abstand verfolgt und Entwicklungen beobachtet. Was fällt euch auf?

Ricky Alex: Das Internet und seine Möglichkeiten haben auch vorm Untergrund nicht halt gemacht. Früher musste man mit guten Songs überzeugen, um bekannt zu werden. Heute wird man bekannt, in dem man sich bei Myspace, Facebook, LastFM und was weiß ich nicht noch wo anmeldet.

Jeder bekommt seine eigene Plattform und es geht immer weniger um die Musik. Äußerlichkeiten bestimmen den Alltag. Du kannst noch so schlecht sein – Hauptsache du hast ein Forum, einen fetten Shop und vielleicht sogar schon ein Video. Der King bist du aber, wenn du ein Studiotagebuch an den Start bringst. Dann hast du es geschafft. Es gibt ein paar Bands, die ziehen ihr Ding durch und bleiben dabei authentisch. Es gibt aber auch ein Haufen Schrott da draußen!

 

Pressure Magazine: Wirft man einen Blick auf die Musiklandschaft und die Entwicklung der letzten Jahre, haben sich auch Oi-Musik, Punk und deutsche Rockmusik stark verändert. Wo positioniert sich Vogelfrei mit seiner Musik?

Ricky Alex: Ich sehe uns irgendwo dazwischen oder am Rand. Schwammige Aussage, das weiß ich selbst, aber ich kann mit Schubladen und Musikrichtungen, was VF betrifft, nicht viel anfangen.

Ich habe das Schubladendenken und szene-typische Gehabe in meinen Texten schon oft kritisiert, weiß aber auch, wo ich herkomme und was mich geprägt hat. Wahrscheinlich machen wir Musik für genau die, die ebenso die Schnauze voll von Klischees, Normen und Szene-Eitelkeiten haben und für die Leute, die den Mainstream wegen seiner kommerziellen Ausrichtung ablehnen.

Wir waren schon immer einfache Leute und werden das auch immer sein. Wir wollen weder auf der Stelle treten, noch hoch hinaus – Vogelfrei ist und bleibt ‘Straße’!

 

Video: “Vogelfrei – Ein Platz für uns”

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Pressure Magazine: Abschließende Frage – Wie seid ihr damals eigentlich auf euren Bandnamen gekommen?

Ricky Alex: Ich kann mich nur noch vage daran erinnern… Es war 1998 bei unserem alten Schlagzeuger und Gründungsmitglied Stev in der Wohnung. Wir waren auf der Suche nach einem Bandnamen und jeder musste im Wechsel einen Vorschlag machen.

Irgendwann rutschte mir plötzlich das Wort Vogelfrei heraus. Die Begeisterung hielt sich anfangs jedoch noch in Grenzen. Wir hatten eher das Gefühl noch weiter suchen zu müssen. Da wir aber nichts fanden und auch immer mehr an diesen Namen gewöhnten, behielten wir ihn auch. Heute sind wir natürlich vollkommen glücklich mit dieser Entscheidung.

 

Interview von Florian Puschke im Mai 2011

 


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Mehr zu Vogelfrei:

Offizielle Homepage: www.vogelfrei-torgau.de

MySpace Seite: www.myspace.com/vogelfrei-torgau