Killerartworx: Künstler, Illustrator und Musiker Christian Bögle im Interview

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Christian Bögle machte bei Contest der Folkpunker Flogging Molly den 1. Platz
Christian Bögle machte bei Contest der Folkpunker Flogging Molly den 1. Platz

Christian Bögle ist Künstler, Illustrator und Musiker. Kürzlich hat er mit seinem Design bei einem Contest der Folkpunker von Flogging Molly den 1. Platz gemacht und nun kommt am 20. Januar das Debut-EP seiner Band Arms Like Snakes heraus. Pressure Magazine hat sich mit dem Allround-Talent getroffen und sich mit ihm über T-Shirt-Designs, Musik und Kunst unterhalten.

Christian Bögle von Killerartworx ist Künstler, Illustrator und Musiker.
Christian Bögle von Killerartworx ist Künstler, Illustrator und Musiker.

Hallo Chris, bitte stelle Dich kurz unseren Lesern vor.

Chris: Hi, ich komme aus dem kleinen Städtchen Coburg im Norden Bayerns, bin Anfang 30 und arbeite hauptberuflich als Webdesigner. Als Freelancer designe ich Shirts, Poster, Skateboards für Bands und Labels. Und manchmal auch Etiketten für extrascharfe Soßen. Außerdem bin ich Bassist/Sänger in der Band Arms Like Snakes – die neue EP erscheint am 20.01. bei iTunes/Amazon.

Woher nimmst Du die vielen Ideen für Deine Zeichnungen und was inspiriert dich?

Chris: So als Künstler rattert’s ja eh ständig im Kopf – was könnte funktionieren, was wäre mal was ganz neues – von daher inspiriert mich eigentlich alles den Tag über. Klar schau ich mir übers Web auch an, was andere Künstler so treiben, möglichst immer mit Musik im Hintergrund – gerade K3N, Skrash und Survival haben mich anfangs inspiriert. Aber auch beim drauf los zeichnen kommt man immer mal auf gute Ideen. Eine dieser Ideen hat neulich erst einen Contest bei A Better Tomorrow gewonnen.

Kürzlich hat Dein Design bei einem Contest der Folkpunker von Flogging Molly gewonnen. Wie kam es zur Teilnahme und welche Chancen hattest Du Dir dabei „ausgemalt“?

Chris: Ich hab im Internet – genauer bei wasteofmind – von dem Contest gelesen und hatte – obwohl in dem Moment eigentlich gar keine Zeit war (lacht) – Bock drauf und beim Lesen des Artikels schon ne Idee im Kopf. Den Molotov Cocktail.

Da in dem Artikel auch stand, dass die Band Flogging Molly das Design später selbst drucken wird, wollte ich das ganze relativ simpel und einfarbig halten. Je aufwändiger so ein Motiv ist, umso schwerer ist es ja auch für einen Screenprinter im Nachhinein umzusetzen. Deswegen wollte ich es wie gesagt möglichst einfach, aber aussagekräftig haben. Über Chancen hab ich aber ehrlich gesagt gar nicht weiter nachgedacht, aber ich fand nicht, dass ich schlechte Voraussetzungen geschafft habe (grinst).

Video-Tipp: Siebdruckaktion mit Flogging Molly zugunsten von Oxfam

Es handelt sich dabei nicht um das erste Shirt-Motiv für eine Band, in der Vergangenheit hast Du schon einige Bands mit Motiven ausgestattet. Magst Du uns darüber erzählen?

Chris: Ich glaub mein allererstes Motiv für ne Band war irgendwann Mitte der 90er für eine Band aus den Staaten. Eine brennende Tüte mit Kacke auf dem Fußabtreter einer nostalgischen Haustür. Das war ihr Wunsch. Haha. Gerade für total verrückte Ideen bin ich immer gleich auch Feuer und Flamme.

Heartbreak Club aus Down Under waren aber bisher mit ihren Briefings am skurrilsten. Ihr letztes Tourposter sollte als Hauptbild einen riesigen Pinguin mit einem riesigen weißen Bauch darstellen und der Pinguin sollte einen Menschen wie einen Schokoriegel essen. Haben sie bekommen. Selbstverständlich.

Schräg waren auch die Zusammenarbeiten mit Michael Crafter (Confession), der sich um das Design für Thy Art is Murder kümmerte oder dass ich eines meiner Artworks auf einer Designseite zum Verkauf stellte und Oli Sykes (Bring Me The Horizon) mich persönlich anschrieb und das Motiv für seine Band haben wollte.

Welchen Bezug hast Du denn persönlich zur Musik?

Chris: Ehrlich gesagt habe ich mich schon immer für Musik interessiert und da ich schon von klein auf gezeichnet hab, haben mich schon immer illustrierte und gut gezeichnete bzw. gut designte Album-Cover fasziniert. Iron Maiden, Manowar, Abstürzende Brieftauben, das waren so die ersten Sachen, die ich damals auf Kassette überall dabei hatte. Irgendwann haben wir im Freundeskreis beschlossen, ne eigene Band zu gründen und die Instrumente mehr oder weniger gelost.

Ab dann war ich Bassist und viel mit der Band unterwegs in der Republik, Österreich und Schweiz. Und der Kontrast macht mir sehr viel Spaß. Man zeichnet ja meist ganz allein im Kämmerchen so vor sich hin und auf der Bühne kann man sich völligst austoben.

Welche Musik  treibt Dich persönlich an und was sind Deine „all-time-faves“ bei einem Blick auf Deine Musiksammlung?

Chris: Ich hab das Gefühl mit dem Alter ändert sich das etwas – früher hatte ich nur Metal oder nur Punkrock im Player, inzwischen ist mein Repertoire aber um einiges vielseitiger geworden. Da läuft mal A Day To Remember, Polar Bear Club, Against Me! aber auch Sachen wie Marvin Gaye, Charles Bradley oder The Black Keys. Allgemein finde ich ´ne Gitarre in ´nem Song nie verkehrt.

Bitte erkläre uns Deine Arbeitsweise, nach der Du vorgehst – wie wird aus einer anfänglichen Idee, ein fertiges Kunstwerk?

Chris: Generell überlege ich mir ein grundlegendes Setting, dann setz ich mich ganz die alte Schule an den Skizzenblock und skizziere, bis mir das Motiv taugt. Dann Pergamentpapier über die fertige Skizze und mit ´nem Fineliner schön zeichnen. Die Lineart-Zeichnung wird dann gescannt und meist mit Fotoladen coloriert. Das wäre so der reguläre Vorgang.

Aber wenn mir das Projekt die Möglichkeit lässt – und es passt – setze ich schonmal für Schriften ´nen Tipp-Ex-Roller ein oder klatsche Farbkastenfarbe drauf.

Gibt es bestimmte Motive und Werkzeuge mit denen Du am liebsten arbeitest?

Chris: Generell bin ich eher der oldschool-Typ – ich besitze zwar ein Tablet zum Zeichnen, benutze es aber nur sporadisch zum kolorieren. Sonst passiert eigentlich alles mit ´nem Stift auf ´nem Stück Papier. Ich brauch einfach raues Papier unter meinen Händen (grinst)

Was war rückwirkend betrachtet, Deine bislang wichtigste Arbeit?

Chris: Puh, das ist echt schwer zu sagen.. Ich hab ja mit Cartoons angefangen und damit 2004 mein erstes Buch veröffentlicht. Das war definitiv ein wichtiger Abschnitt. Aber ich denke auch meine Arbeiten für die letzte The Marples-Platte – wann lobt der Metal-Hammer schon mal ein Punkrock-Band Artwork? Außerdem ist das tatsächlich mein extra verschüttetes und gescanntes Blut da im Booklet – und das Cover für die Metalband Ashes of a Lifetime – die Arbeit daran hat fast ein halbes Jahr verschlungen – haben mich designerisch weitergebracht.

An welchem Projekten arbeitest Du im Moment und was steht demnächst bei Dir an?

Chris: Gerade erst hab ich ein relativ großes Projekt abgeschlossen – ein komplettes Album-Artwork für die Thrillerpunks The Marples zum neuen Album und jeweils ´ner Zeichnung zu jedem der 14 Songs. Aber ausruhen und beklagen kann ich mich nicht. Sachen für die Herren von Scorefor oder Radio Havanna sind in der ersten Jahreshälfte noch dran und dann geht’s schon an die Plakate für den Festivalsommer, aber ich versuche mir – und denke das ist auch wichtig, um die Kreativität weiterzutreiben – immer Raum zu halten, um eigene Sachen zu machen.

Interview von Marcus Berg im Januar 2012

 

Über Arms Like Snakes:

Genre: Punkrock mit Hardcore-Einflüssen

 
Im Mai 2010 gegründetes Trio von Alien101- & Mofakette-Mitgliedern. Auf diesen Festivals bisher unterwegs gewesen: Rauh Open, Die Festung Rockt, 7Point Open Air, Midsummer Open Air. Erste EP erschien im Herbst 2011 – Veröffentlichung bei iTunes/Amazon: 20.01.2012.

 

Mehr zum Thema:

Offizielle Homepage: www.killerartworx.de

Bandseite Arms Like Snakes: www.armslikesnakes.de