Herzlos im Interview zum ‘Zweifler & Gewinner’-Album

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Hey Jungs, für die interessierten Leser, die euch noch nicht kennen, möchte ich euch bitten euch vorzustellen. Wo kommt ihr her, wie lange seid ihr bereits musikalisch unterwegs und was brachte euch dazu eure Formation „Herzlos“ zu nennen?

Oliver: In unserem Song „Herzensache“ heißt es „…wir haben unseres an Euch verschenkt…“ Damit ist unser Herz gemeint, weshalb wir eben unser „Herz los“-sind.

Ne, im Ernst… *lacht* wir saßen 2008 in unserem Proberaum und haben überlegt und mir ist dieser Name eingefallen. Völlig unspektakulär, aber doch zutreffend.

Am 30. September 2016 erscheint das neue Album „Zweifler & Gewinner“. Mit „Unter Strom“ ist bereits der erste neuen Song erschienen. Weshalb ist eure Auswahl gerade auf diesen Song gefallen und was drückt er für euch aus?

Oliver: Es gab verschiedene Ideen bzgl. des ersten Videos. Es standen mehrere Songs im Raum. Wir haben uns für „Unter Strom“ entschieden, weil wir ihn auch als Opener fürs Album ausgesucht haben. Wir hatten dazu auch gleich unsere Vorstellungen wie das Lyric-Video auszusehen hat.

Was war die Herausforderung bei der Produktion des Videos und gibt es hierzu eine Anekdote vom Drehtag, die ihr uns verraten wollt?

Oliver: Den Text zu lernen und still zu sitzen ! *lacht* Man muss nur jedem von uns im Video in die Augen gucken, das sagt alles.

Welche Botschaft steckt hinter dem Titel „Zweifler & Gewinner“ und welche Themen lagen Euch diesmal besonders am Herzen?

Marvin: Zweifler und Gewinner beschreibt genau den Scheideweg, den irgendwann jeder in seinem Leben einmal vor sich hat. Bleibst du auf der Stelle stehen, oder nimmst du es in Kauf, vielleicht noch mehr Dreck zu fressen, um am Ende für deine Strapazen belohnt zu werden. Genau darauf bauen die Songs auf dem Album auf. Jeder einzelne Text bezieht sich auf einen dieser beiden Wege.

In welchen Momenten geratet ihr ins Zweifeln?

Marvin: Hauptsächlich bei der Auswahl der Setlist für anstehende Konzerte. Da gibt es immer weit auseinander gehende Meinungen *lacht*. Um Ernst zu bleiben, gerät jeder einmal ins Zweifeln. Gerade heute, wo du als Band froh über jeden Konzertbesucher sein kannst fragst du dich manchmal, ob du wirklich deine Zielgruppe erreichst. Umso schöner ist es, wenn deine ganze Arbeit, die sich über Jahre hinausstreckt, irgendwann belohnt wird. Das zeichnet einen Gewinner aus.

Welche Ereignisse haben Euch in der Schaffenszeit des Albums für das Schreiben der Songs inspiriert?


Marvin: Puuh, schwer zu sagen. Songtexte schreiben ist immer etwas, bei dem viel in dir unterbewusst abläuft. Man setzt sich nicht hin und schreibt innerhalb von 6 Wochen eine ganze Platte. Vielmehr sind es Fragmente, die sich Stück für Stück zusammensetzen. Von der Idee, bis zum letztendlichen Track auf dem Album passiert so unheimlich viel. Da ist es schwierig, bestimmte Ereignisse als Auslöser für die Songs zu fassen.

Was hat die Produktion des neuen Albums diesmal besonders gemacht?

Oliver: Wir hatten gegen Ende der Aufnahmen die Situation, dass uns unser Gitarrist Kutscher aus privaten Gründen verlassen hat. Dass wir das Album bei ihm zu Hause aufgenommen haben, machte alles nicht einfacher für uns. Aber während den Aufnahmen das Studio und den Produzenten zu wechseln ist schon etwas besonders.

Letztendlich haben wir aber alle Zweifel ablegen können und sind jetzt mit einer sehr, sehr geilen Scheibe am Start!

Mit dem aktuellen Cover-Artwork zieht ihr alle Register, Hut ab! Wer verantwortet die visuelle Umsetzung zu „Zweifler & Gewinner“ und wie kam die Motivauswahl zustande?

Oliver: Marvin hatte die Idee, das Artwork diesmal komplett in Fremde Hände zu geben. Wir waren vorerst etwas skeptisch, weil Marvin bisher alle grafischen Sachen selbst gestaltet hat und wir mit seinem Stil vertraut waren. Allerdings wurden wir keinesfalls enttäuscht und das grafische Layout von Nicola Steegmüller, einem sehr begabten Grafiker, ebenfalls aus Eulenbis passte perfekt zu unseren Vorstellungen. Die Eule steht klar für unsere Heimat, aber alles andere ist reine Interpretationssache und sehr vielschichtig. Du erkennst den Zweifler und den Gewinner, vielleicht auch erst auf den zweiten Blick. *grinst* 

Im Song „Mittelpunkt“ geht es um das Bekanntwerden von Bands und dem steinigen Weg nach oben. Die Antwort scheint uns ja fast im Song „Straßenköter“ zu liegen. Welche Werte sind aus Eurer Sicht unabdingbar, um nicht die Bodenhaftung zu verlieren? Und ist ‚Bekanntsein’ als solches aus Eurer Sicht erstrebenswert?

Marvin: Schau dir heute mal die Youtube-Stars an. Du erreichst mehr Klicks, wenn du das ABC rülpsen kannst, als wenn du als ambitionierte Band ein echt ausgereiftes Musikvideo am Start hast. Die Interessen der Leute haben sich stark verändert, da kann man als Band echt froh sein, noch so viel Support und Rückhalt genießt. Du darfst einfach nicht vergessen, wer damals schon vor und wer hinter dir gestanden hat. Musik ist so schnelllebig, wir haben da gar keine Zeit dafür, uns irgendwelche Allüren anzueignen, wir nutzen die Zeit lieber sinnvoll und genießen den Moment, solange er da ist. 

Der Song „Der Stärkste am Tresen“ handelt von Maulaffen und Freibiergesichtern. Welche Story steckt hinter diesem Song?

Marvin: Wenn man genauer hinsieht, steckt noch einiges mehr hinter der Message von dem Track. Wer kennt sie nicht, diese Stammtischpropheten, aber jetzt mal ehrlich: Irgendwie tun sie einem manchmal schon etwas leid. Wir hätten den Song auch ganz einfach in der Ich-Perspektive schreiben können, dann hätten wir nen klassischen Saufsong. Aber durch die Geschichte drumherum befasst sich der Hörer dann doch etwas mehr mit dem eigentlichen Charakter, als nur sein Glas stumpf in die Luft zu reißen. (Obwohl das WESENTLICHER Bestandteil des Live-Set´s ist) *lacht*

Ab Oktober 2016 seid Ihr mit dem neuen Album auf Tour. Welche Bands habt ihr außerdem live mit im Gepäck. Was verbindet euch mit den Supportbands und was erwartet die Besucher der Konzerte?

Oliver: Da sind zum einen Bands mit denen wir einen persönlichen Kontakt haben und Freunde von uns sind, wie die Freibier Franken oder Formlos.

Zum anderen gibt es mittlerweile Bands, die uns anschreiben, weil sie uns supporten wollen. Das ehrt und freut uns sehr. So sind Feuerkind bei zwei Konzerten dabei. Die kennen wir selbst noch nicht und sind sehr gespannt.

Was uns betrifft: Wer uns schon einmal auf der Bühne gesehen hat, der weiß, dass wir einen absolute Liveband sind. Ich persönlich freue mich auf die Tour. Auf die Städte, die Clubs und die Leute.

Herzlichen Dank für das ausführliche Interview. Die abschließenden Worte an eure Fanbase überlassen wir gerne Euch.

Oliver: Danke für eure Zeit, wir danken allen Fans und Freunden für ihre Unterstützung, kauft euch die CD, besucht uns auf Tour und werdet Teil dieser Bewegung. Denn ein Zweifler wird nie ein Gewinner sein!!

Interview von Marcus Liprecht im September 2016