Frau Doktor – Onkel Punk

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So also hört sich deutschsprachiger Ska 2020 an?

Frau Doktor aus Wiesbaden versteht sich selbst Band, welche die Genres Ska, Punk und Soul miteinander musikalisch vereint und zu einem eigenen Sound kreiert. Dieses kreative Rezept wird auch auf dem aktuellen Album „Onkel Punk“ beibehalten. Songs wie „F.R.A.U.D.O.K.T.O.R.“, „Viva la senil“ und „Onkel Punk“ sind recht punkrockig und gehen inhaltlich selbstironisch mit dem eigenen Status als flotte und junggebliebene „Altherrenband“ um. Wobei das nur bedingt stimmt, denn beim letzten und meines Erachtens auch besten Lied „Emelie Rose“ wird das Akkordeon-Intro (!) von einer Frau gespielt.

Ansonsten gibt es z.B. bei „Im Sommer“, „Hängematte“ und „Zuhause süß“ gute Ska-lastige Hausmannskost. „Im Sommer“ sticht als würdiger Nachfolger des Klassikers „Alte Männer“ hervor, während „Hängematte“ so lässig verträumt vorgetragen wird, als befände sich der Hörer selbst auf einer solchen. Und Frau Doktor wäre nicht Frau Doktor, wenn sie nicht auch noch ein paar gesellschaftskritische Lieder im Gepäck hätten. Beim Album „Onkel Punk“ ist dies u.a. das Lied „Zuhause süß“, das den eigenen Lebensstil kritisch hinterfragt und so der „Friday for Future“-Bewegung in ihren Forderungen recht gibt.

Fazit: Frau Doktor ist wahrlich keine reine Ska-Band und wird daher wohl nie den Bonus oder die Bürde einer Szene zugehörigen Band haben. Die Wiesbadener behalten auch auf „Onkel Punk“ den bandimmanenten Sound bei, der natürlich zahlreiche Ska-Elemente beinhaltet, aber eben nicht nur. Das ist manchmal  akustisch nicht ganz so eingängig bzw. eintönig wie bei anderen Bands. Und auch textlich ist es manchmal unbequem, Frau Doktor zu hören, ohne sich selbstkritisch zu reflektieren.

Album-Review von Sven

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