Die Dänen von Malrun waren zwei Wochen lang mit Emil Bulls aus München auf Deutschlandtour. Wir haben Jacob, Mikkel und Patrick vor dem Abschlusskonzert in Duisburg getroffen und über die Tour und ihr zweites Album gesprochen.

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Die Dänen von Malrun waren zwei Wochen lang mit Emil Bulls aus München auf Deutschlandtour. Wir haben Jacob, Mikkel und Patrick vor dem Abschlusskonzert in Duisburg getroffen und über die Tour und ihr zweites Album gesprochen.

 

Wie fühlt ihr euch so kurz vor dem Konzert?

Mikkel: Wir freuen uns. Wir haben zwar noch einen Kater, aber wir freuen uns. (Gelächter)

 

Jacob: Ja, die Location ist gut und es wurden auch schon viele Karten im Vorverkauf verkauft.

 

Seid ihr aufgeregt bevor ihr auf die Bühne geht?

Patrick: Mittlerweile nicht mehr. Bei unseren ersten Konzerten hatten wir immer so ein Kribbeln im Bauch, aber man gewöhnt sich immer mehr daran. Es wird zwar nie “alt” und langweilig, aber nervös sind wir nicht mehr.

 

Jacob: Wir sind eher gespannt. Besonders heute, denn es ist der letzte Tourtag und das heißt, es werden die ein oder anderen Streiche gespielt. (Schmunzeln)


Wie ist es denn generell mit den Emil Bulls zu touren?

Jacob: Es ist wirklich toll. Wir haben viel Spaß und sind richtig gute Freunde mit ihnen geworden. Musikalisch passt es auch sehr gut und wir kommen anscheinend sehr gut bei dem Publikum an. Aber am wichtigsten ist, dass die Emil Bulls coole, nette Typen sind, mit denen wir uns gut verstehen. Wenn man so viele Tage zusammen in einem Bus sitzen muss und sich nicht gut versteht, wird die Tour echt lang. Aber in unserem Fall ist es wirklich so, als würden wir mit alten Freunden unterwegs sein.

 

Kommen wir mal zu eurem aktuellen Album. Im März diesen Jahres wurde es veröffentlicht und im Gegensatz zu eurem ersten Album “Beauty of Chaos” ist es deutlich härter und kraftvoller. Wie kam diese Entwlicklung zustande?

Mikkel: Die meiste Musik, die wir selbt hören und die uns beeinflusst, ist wesentlich härter als unsere eigene Musik. Ich denke wir hatten einfach Spaß daran in dieser Art zu spielen.

 

Patrick: Wir haben uns selbst auch weiterentwickelt. Und wir fanden es einfach besser energievoll zu spielen. Natürlich muss es auch Raum für ruhigere Töne geben, aber der ist nicht so groß wie auf dem ersten Album.

 

War es denn eine bewusste Entscheidung das neue Album so klingen zu lassen?

Jacob: Nicht wirklich. Es hat sich während der Arbeit so entwickelt und wir wussten einfach schon eher was wir wollten. Ich denke, wir wollten nicht mehr so viele “Sugar Balads” schreiben wie auf dem ersten Album. Wir wollten mehr Metal werden. Aber gleichzeitig ist es für uns auch wichtig die melodische Seite zu behalten. Wir wollen nicht so eine “Crapcore-” Metalband sein, auch wenn unsere Musik insgesamt härter wird. Das Melodische ist so etwas wie unser Markenzeichen.

 

Der Titel eures Albums heißt “The Empty Frame”. Ich würde sagen, der Name bezieht sich auf das Leben. Das Leben ist wie ein Bild. Zuerst ist nur ein Rahmen vorhanden und dann liegt es an einem selbst dieses Bild, dieses Leben zu füllen.

Jacob: So ist es. Du bist allein verantwortlich für dein Leben und wie du es gestaltest. Viele Leuten versuchen oft andere dafür zu beschuldigen, dass man etwas nicht so gemacht hat wie es vielleicht besser gewesen wäre. Aber am Ende liegt die Verantwortung in deiner Hand. Nur du kannst den Pinsel nehmen und das Bild so ausmalen, wie du es willst. Die Frage ist ob du es auch tust.

 

Wie würde euer Bild denn aussehen?

Mikkel: Für mich ist es am wichtigsten an den Punkt zu gelangen von der Musik leben und das ganze mit dem Leben zu Hause (Freundin, Familie) gut kombinieren zu können. Darauf versuche ich hinzuarbeiten. Das wäre mein Bild.

 

Jacob: Ich denke, bei mir ist es auch so. Wir leben zwar in gewisser Weise schon unseren Traum. Vor einem Jahr sind wir zum Beispiel nie außerhalb Dänemarks auf Tour gewesen. Und dieses Jahr haben wir schon um die 45 Konzerte im Ausland gespielt. Aber trotzdem ist es natürlich noch ein langer Weg bis wir von der Musik leben können.

 

Was macht ihr denn neben der Musik? Womit verdient ihr euer Geld?

Patrick: Ich studiere Ingenieurswesen.

 

Mikkel: Ich studiere auch.

 

Jacob: Ich arbeite als Jurist und Mads, unser Gitarrist, ist Arzt. Rasmus musste für ihn an den letzten paar Tagen einspringen, weil er zu einer Konferenz musste. (Gelächter)

Das hört sich vielleicht etwas schwierig an, alles unter einen Hut zu bekommen, aber wir schaffen es immer. Wir finden immer Lösungen. Rasmus war zum Beispiel auch schon bei der letzten Tour dabei. Es ist uns wichtig Lösungen für etwas zufinden anstatt Dinge abzusagen. Denn ich denke, eine Band muss sich immer weiter bewegen.

 

Ist es wichtig für euch, dass bestimmte Leute, wie Freunde, befreundete Bands, das Album hören und ein Feedback abgeben, bevor ihr es veröffentlicht? Oder macht ihr einfach euer Ding, egal wie die Bewertungen Anderer ausfallen?

Mikkel: Ich zeige es immer meiner Familie und meinen besten Freunden. Sie haben halt eine objektivere Sicht auf das Ganze. Wenn man lange im Studio sitzt, besteht die Gefahr, dass man blind wird und ein wenig den Überblick verliert.

 

Jacob: Wir beziehen die anderen aber nicht richtig mit ein. Wir machen alles selbst und entscheiden selbst wie das Album am Ende wird.

 

Ich habe ein Review über “The Empty Frame” gelesen und da stand geschrieben “Malrun führt den Melodic Metal aus einer Sackgasse.” Das ist schon ein ziemlich großes Lob. Wie fühlt ihr euch, wenn ihr so etwas über euch hört oder lest?

Jacob: Mir persönlich gefällt diese Aussage sehr. Ich würde es hassen, wenn wir irgendwie feststecken und die Musik nicht weiter voran treiben würden. Die Musik, die wir machen ist eine Mischung aus Melodic und Metalcore. Ich denke wir haben unseren eigenen Weg, unser eigenen Stil gefunden. Wenn wir es in diesem Musikdschungel zu etwas bringen wollen, ist es wichtig, dass wir auf eine gewisse Art einzigartig sind. Und wenn ich so etwas höre, weiß ich, dass der Autor des Reviews genau das bemerkt hat. Und das macht mich glücklich.

 

Mikkel: Wenn wir schlechte Kritik bekommen, ist mir das ziemlich egal. Wir machen unsere Musik so, wie wir es wollen. Aber ist immer nett solche Bewertungen zu bekommen, denn es zeigt dir, dass du das Richtige tust. Es motiviert dich und drängt dich dazu weiterzumachen.

 

Setzt euch so etwas vielleicht auch ein wenig unter Druck das nächste Album genauso gut zu machen?

Patrick: Man hat immer Angst, das nächste Album könnte schlechter werden. Aber wir halten uns da nicht an solche Reviews. Wir versuchen es so gut zu machen, wie es geht.

 

Mikkel: Ich denke der größte Druck kommt von uns selbst.

 

Jacob: Ehrlich gesagt würde ich den Lesern dieses Interviews versprechen, dass es sogar noch besser wird. Denn das, was seit der Veröffentlich der Platte neu ist, ist unsere Tourerfahrung. Auf Tour lernt man Dinge, die man zu Hause oder im Studio nicht lernen kann. Man lernt was bei den Leuten wirklich ankommt. Wie sich das auf die Arbeit im Studio auswirkt, weiß ich noch nicht, aber ich denke, dass es eine gewisse Verbindung zu den Hörern geben wird, denn es muss live ja auch funktionieren.

 

Ihr seid zwar noch nicht richtig bekannt, aber die Band gibt es schon seit 2005. Wie kamt ihr überhaupt dazu eine Band zu gründen?

Jacob: Wir haben zwar 2005 angefangen, aber da waren wir noch eine Coverband. In den ersten Jahren haben wir gar keine eigenen Sachen gespielt. Es waren auch nur zwei aktuelle Mitglieder dabei. Ich und Mads haben die Band gegründet. Die anderen wollten nur Covermusik spielen, aber Mads und ich fingen irgendwann an, eigene Musik zumachen. Es hat eigentlich erst mit der Veröffentlichung unseren Debutalbums richtig begonnen. Und das ist erst zwei Jahre her.

 

Gab es denn Momente, in denen ihr es bereut habt, in einer Band zu spielen?

Mikkel: Andauernt. (Gelächter)

Nein. Es gibt kaum Konflikte innerhalb der Band. Wir sind wirklich gute Freunde und arbeiten zusammen daran unsere Ziele zu erreichen. Also nein, niemals eigentlich.

 

Aber es gibt ja einige große, bekannte Bands, deren Mitglieder nicht mal in dem selben Tourbus fahren.

Jacob: Ja wir haben auch schon ein paar Bands getroffen, deren Mitglieder überhaupt nicht miteinander klar kommen und viele Konflikte haben. Für uns wäre es ziemlich schwierig so zufunktionieren. Es ist wichtig für uns in dem selben Bus zu sitzen und die Zeit miteinander zu verbringen.

 

Auf Youtube gibt es unter euren Songs Kommentare von Leuten aus den USA und sogar aus Indien. Denkt ihr, dass es heute durch solche Plattformen einfacher ist, Erfolg zu haben?

Mikkel: Die Welt hat sich eben geändert. Ich denke, es wäre unklug solche Plattformen nicht zu nutzen um die Leute zu erreichen. Und wir haben viel mit Labels und Booking-Agenturen gesprochen. Sie sagen alle, dass man heutzutage eine Platte aufnimmt um für die Tour zu werben. Denn das bringt das eigentliche Geld ein. Mir ist es eigentlich egal, ob die Leute sich die Musik nur runterladen. Es bedeutet, dass mehr Leute unsere Musik kennenlernen und man neue Fans gewinnen kann, die zu den Konzerten kommen.

 

Jacob: Aber es wäre auch ein enormer Aufwand beispielsweise nach Indien zu gehen. Wir müssen natürlich auch auf unsere Finanzen gucken und unsere Konzerte müssen sich lohnen. Es ist wichtig die Leute in einem bestimmten Gebiet für sich zu gewinnen und dort auch öfter zu spielen und nicht nur einmal. Es wäre also ziemlich schwachsinnig einmal in Indien zu spielen. Es sind vielleicht zehn Leute dort, die unsere Musik kennen. Es wäre sehr schwer uns dort einen Markt aufzubauen.

 

Mikkel: Für mich ist es auch schwer nachzuvollziehen, dass da irgendwo in Indien, Brasilien, China und wo auch immer Leute sitzen, die unsere Musik gut finden. Das ist wie Autogramme schreiben. Ich bin halt einfach ich selbst und es ist wirklich lustig zu sehen, dass da Leute auf der ganzen Welt sind, die uns schreiben und Kommentare geben. Das ist ein wirkliches Kompliment. Aber es ist ein bisschen komisch.

 

Wenn ihr euch ein Land für die nächste Tour aussuchen könntet, welches wäre es?

Mikkel: Ich fände es super nach Japan zu gehen. Das wäre wirklich gut.

 

Jacob: Amerika wäre auch interessant. Aber das ist natürlich nicht einfach. Im Moment fokussieren wir uns wirklich auf Deutschland und die umliegenden Länder. Der Markt hier ist für uns schon groß genug.

 

Dann kommen wir zur letzten Frage. Die Emil Bulls haben 2001 “Take on me” gecovert. Welchen Hit würdet ihr covern?

Mikkel: Ich würde auf jeden Fall die selbe Art wählen. Einen anderen Metalsong zu covern wäre ja kein wirklicher Unterschied zu dem was wir machen.

 

Jacob: Wir haben noch nicht herausgefunden, ob so etwas gut für uns wäre. Es wäre ein Vorteil, weil die Leute diesen Song schon kennen. Aber der Nachteil wäre, dass man so einen Stempel aufgedrückt kriegt. “Oh, das ist die Band, die den und den Song gecovert hat”.

 

Mikkel: Vielleicht könnten wir “It’s raining men” covern und dann in Badeanzügen auf der Bühne spielen. (Gelächter)

 

Vielen Dank für das nette Gespräch.

Interview von Meyrem Anna Yücel im November 2012

MALRUN sind:

Jacob Løbner – vocal
Patrick Nybroe – guitar
Mads Lind Ingeman – guitar
Ulrik S
ølgaard-Nielsen – bass
Mikkel Johnsen – drums

Mehr zum Thema:

www.targetdistribution.dk/malrun
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