
Chris Rea ist gestorben. Ein großer Musiker, dessen Stimme, Gitarre und Lieder Millionen berührt haben. Rea wurde 1951 in Middlesbrough geboren.
Er begann früh mit Musik, arbeitete sich über Clubs und Sessions nach oben und wurde in den späten 1970ern und 1980ern zu einem der markantesten Singer-Songwriter im britischen Rock und Blues. Seine Stimme war rau, warm und direkt. Sein Gitarrenspiel war expressiv, voller Gefühl und immer ehrlich.
Sein Lebenswerk ist geprägt von authentischen Songs über Leben, Reisen, Sehnsucht und die einfachen, großen Momente im Alltag. „Driving Home for Christmas“ wurde zu einem internationalen Klassiker, der jedes Jahr zur Weihnachtszeit wiederkehrt und ein Gefühl von Heimkehr und Nostalgie weckt. Hits wie “On the Beach”, “The Road to Hell” und “Fool (If You Think It’s Over)” zeigen die Bandbreite seines Schaffens – von eingängigen Melodien bis zu tiefgründigen, eindringlichen Texten.
Ich habe Chris Rea persönlich als Musiker erlebt, der trotz Weltruhm bodenständig und reflektiert war. Im Jahr 2017, schickte ich ihm für das Pressure Magazin eine Liste an Interviewfragen. Die Antwort war etwas, das ich nie vergessen werde: Rea schrieb seine Antworten von Hand auf das ausgedruckte Stück Papier mit meinen Fragen. Keine E-Mails, sondern echte, handschriftliche Worte eines Künstlers. Wohlmöglich während seiner damaligen Deutschland Tour im Tourbus bearbeitet.
In dem Interview mit Pressure Magazine sprach er über seine Arbeit:
- Er berichtete, dass er das neue Album „Road Songs For Lovers“ selbst auf einem Tascam-Recorder aufgenommen hatte, weil ihm der rohe, ehrliche Klang wichtig war.
- Er sagte, die Stimme dürfe „nicht im Weg stehen“ – sie müsse direkt zum Hörer sprechen.
- Seine drei liebsten Songs auf dem Album – darunter „Two Lost Souls“ und „Rock My Soul“ – spiegeln seine Liebe zu Blues und Road-Erfahrung wider.
- Rea erzählte, dass er mit 22 Jahren seine erste Gitarre kaufte, eine Hofner V3 aus Hamburg, und dass ihn Musiker wie Charlie Patton inspirierten: „Every new thing I hear.“
- Als ich ihn fragte, welche Clubs oder Musikbars er in seiner Heimat empfehlen könne, um freitagabends ein Bier mit guter Musik zu trinken, schrieb er sinngemäß zurück: „Too old for all that.“
Ein Satz. Punkt. Typisch Chris Rea. Selbstironisch. Ehrlich. - Auch bei seinen Hobbys zeigte sich dieser trockene Humor. Er schrieb, er fahre gern alte 50s-Rennwagen. Und fügte hinzu, dass er darin „sehr schlecht“ sei und das wohl auch bleiben werde. Kein Rockstar-Mythos. Einfach ein Mann mit Interessen und einem Augenzwinkern.
- Besonders interessant wurde es, als ich ihn fragte, welche Musiker aus Deutschland er kenne und ob es über die Jahre Beziehungen oder Freundschaften gegeben habe. Seine handschriftliche Antwort war kurz, aber eindeutig: Peter Maffay. Dazu Ute Lemper (Berlin). Keine weiteren Erklärungen. Keine Wertung. Nur Namen.
Er sprach über das Leben unterwegs, über das Glück, nicht nur Musiker, sondern Geschichtenerzähler zu sein, und über den besonderen Wert von Vinyl – „es ist etwas Besonderes, vor allem das Cover-Artwork“.
Am Ende des Interviews bat ich ihn um ein paar letzte Worte an seine Fans. Seine Antwort war leise und aufrichtig:
„Thank you, we never take it as always granted.“
Diese handschriftlichen Antworten waren mehr als ein Interview. Sie zeigten, wer Chris Rea war: ein Mensch, der zuhört, reflektiert und seine Musik nicht nur macht, sondern lebt.
Chris Rea hinterlässt eine einzigartige musikalische Handschrift. Seine Songs gehören zur Alltags-Soundtrack vieler Menschen rund um den Globus. Sie sprechen von Straßen, Sehnsucht, Liebe und Heimkehr. Heute sagen wir nicht nur Lebewohl an einen Songwriter und Gitarristen. Wir verabschieden uns von einem Klang, der uns alle lange begleitet hat.
Sein Werk bleibt.
Ein Nachruf von Marcus Liprecht
Foto: Pressefreigebe / Chris-Rea






























