BROILERS Band Santa Muerte

Am 10. Juni 2011 erschien mit „Santa Muerte“ das neue Album der BROILERS, womit die Düsseldorfer Punkrocker, um den charismatischen Sänger Sammy Amara einen gewaltigen Schritt nach vorne machten.

Das allgegenwärtige Gefühl, ist der Mut zur „Veränderung“, das auf dem mittlerweile fünften und somit wichtigsten Studioalbum der Düsseldorfer vorherrscht. Pressure Magazine unterhielt sich mit dem Allround-Künstler Sammy über die Entstehung von „Santa Muerte“, seinem neuen Lebensabschnitt mit den Broilers, seinem Umgang mit Kritik, sowie die Liebe zur Musik.

„Letztlich siegt diese Unvernunft, dieser Kampf Couch gegen Altstadt und am Ende gewinnt die Altstadt.“ – Sammy Amara

Euer neues Album „Santa Muerte“ steht in den Startlöchern, am 10.06.2011 ist Release. Wie fühlt man sich so kurz vor dem „Geburtstermin“ eures neuen „Babys“?

Es ist total aufregend – vor allem wenn wir, wie im Moment, mit jedem Newseintrag oder unserer Webisode, Stück für Stück das große Geheimnis lüften und auf die Veröffentlichung zusteuern. Wir sind sehr gespannt, wie die Leute darauf reagieren und verfolgen die ersten Reaktionen darauf regelmäßig.

Wir warten auf den Tag, an dem „Santa Muerte“ veröffentlicht ist und wir nichts mehr daran ändern können. Das ist dann vergleichbar mit dem Moment, wenn man in den Tourbus steigt und die Türen zugehen. Die nächste große Hürde ist allerdings erst dann genommen, wenn wir live auf der Bühne stehen, die Leute unsere Songs kennen und die Texte mitsingen. Das ist dann echt ein gutes Gefühl.

Am 29. April habt ihr mit „Harter Weg“ bereits eure Vorab-Single veröffentlicht. Wie waren denn die Resonanzen darauf?

Die Resonanz ist zum großen Teil positiv, aber wir achten in dem Moment eher auf die negativen Kommentare und versuchen dann nachzuvollziehen, warum sie negativ sind. Ob das jetzt besonders schlau ist, wissen wir nicht, aber so sind wir nun mal. Viele Leute versuchen schon jetzt, anhand der ersten Songs auf der Single, die gesamte Platte bewerten zu können.

„Santa Muerte“ ist aus meiner Sicht eine gute und abwechslungsreiche Platte geworden und „Harter Weg“ ist ein Baustein aus dieser Platte. Ansonsten bin ich wirklich zufrieden mit den ersten Reaktionen. So sind wir und dazu können wir mit breiter Brust stehen. Wenn es den Leuten nicht gefällt, dann tut es mir leid, aber dann müssen diese Leute nun leider aussteigen und können nicht weiterfahren. Fakt ist, wir gehen den Weg so weiter, denn das ist unser Ding und wir haben uns bewusst dazu entschlossen.

Das klingt also nun wirklich nach einem „harten Weg“, fangen wir mal bei der meist spekulierten Frage an – in der Vergangenheit war es für eure Hörer immer wieder spannend in eine neue Scheibe hineinzuhören, da ihr eigentlich stetig, euren Stil verändert bzw. weiterentwickelt habt. Wie klingen die neuen Broilers in 2011?

Wenn man versucht jetzt irgendeine Schublade aufzumachen, dann sind die Broilers das, was sie immer waren, Punkrock! Obendrauf gibt es eine ganze Menge Einflüsse, die gar nicht mehr so genau zu beschreiben sind… Ska, Reggea und Offbeats spielen immer eine Rolle bei uns und wir verwenden auch Einflüsse des Folk, Country oder Rockabilly in unseren Songs. Das ist mittlerweile so derart verwaschen und das ist auch gut so, dass das Ergebnis einfach nach „Broilers“ klingt.

Das war wirklich ein „harter Weg“ dahin, es war ein „harter Weg“ uns einzugestehen, dass es keinen Sinn macht, klingen zu wollen, wie Blood for Blood oder Mr. Review. Alles was am Ende dabei rauskommt, sind wir und deshalb gehen wir mit einer großen Gelassenheit an die Sache heran. Denn am Ende werden es die Leute entweder lieben oder auch nicht.

Im Vergleich zu früher fällt bei „Santa Muerte“ auf, dass ihr euer Mafioso-Image abgelegt habt. Was waren die Gründe dafür?

Das werden viele Leute anders sehen. Anzüge und Hüte tragen wir noch immer gerne und das nicht nur auf den Fotos. Aber Mafialieder sind uns mittlerweile nicht mehr so wichtig, wie sie es damals waren. Es gibt im Moment wichtigere Themen und da wollen wir nicht über das Popkultur-Phänomen „Mafia“ singen. Zumal die Mafia in Wirklichkeit ja alles andere als glamourös ist… Das sind keine Styler in Anzügen und Fedora-Hüten, sondern Asoziale in Jogginghose in Kalabrien. Der Gomorrha-Film veranschaulicht ganz gut, wie die Realität aussieht. Nach wie vor sehe ich die Mafiafilme und bekomme eine Gänsehaut. Die „Sopranos“ sind immer noch heißer Scheiß für uns. Es kann sein, dass wir irgendwann nochmal diesen Trip haben und eine kleine Mafia-Geschichte erzählen möchten.

Für die „Oi“-Band von damals, habt ihr eine gewaltige Entwicklung hingelegt, die euch möglicherweise so schnell keiner nachmacht. Wie siehst du das?

1996 haben wir die erste Single aufgenommen, waren kontinuierlich im Proberaum. All die Jahre, als Mensch, der die Musik lebt, habe ich neue Einflüsse, neue Bands und Songs kennengerlernt – Ist doch klar, dass sich da der Horizont zwangsläufig erweitert. Wenn du jetzt die ersten Platten hörst, dann ist der Schritt zu heute natürlich riesengroß. Wenn du jetzt aber Blood for Blood beobachtest, dann sind die Schritte sehr natürlich, sehr logisch und keinesfalls überraschend. Von der „Lofi“ bis zur „Santa Muerte“ – das ist ein Schritt. Von der „Vanitas“ zur „Santa Muerte“ ist er dann gar nicht mehr so groß.

In vielen der neuen Songs reflektierst du und ziehst Resümee, der vergangenen Jahre. Vieles verändern sich, man selbst wird älter und sieht manche Dinge nun anders. War das Album für dich persönlich auch ein Abschluss von einem bestimmten Zeitabschnitt in deinem Leben verbunden mit einem Neuanfang?

Ein Neuanfang nicht… aber man sagt, dass sich die Stimme des Menschen alle 8 Jahre verändert. Das kann ich bei mir zwar nicht beurteilen, aber in Bezug auf Lebensabschnitte trifft es zu. Es ändern sich Prioritäten in Deinem Leben. Mit 16 waren in deinem Leben andere Sachen wichtig, als mit 32, die jetzt wichtig sind für mich. Was auf der Platte zu hören ist, ist eben dieser Zustand, in dem wir gerade sind… Das Gefühl irgendwo zwischen den Stühlen zu sitzen, denn auf der einen Seite, sind wir laut Gesetz und Außenwirkung inzwischen mehr als Erwachsen – auf der anderen Seite, haben wir das gar nicht so wirklich mitbekommen und bauen noch immer viel Scheiße und machen durchaus noch sehr unvernünftige und peinliche Sachen am Wochenende, bei denen unsere Partner und Partnerinnen den Kopf schütteln und sagen, „Was macht ihr da für ‚ne Scheiße!“.

Dieses Lebensgefühlt wird auch im Lied „In ein paar Jahren“ besonders deutlich. Hier heißt es im Text: „Vor ein paar Jahren sollte alles brennen und vor uns lag, wo wir heute stehen – in ein paar Jahren, frag mich was leichteres, ich muss die Welt in Flammen sehen“. Zum Abschluss gibt es jedoch die Aussage, dass dein Feuer noch nicht erloschen ist. Das ist wohl so zu verstehen, dass wir Männer im Herzen immer noch Kinder sind?

Wir sind glücklich, dass wir so sind und wir möchten das auch nicht verlieren! Das ist es, was in vielen Songs eine Rolle spielt. Im Moment schwerelos zu sein und nicht genau zu wissen, was wir eigentlich wollen. Letztlich siegt ja auch diese Unvernunft, dieser ständige Kampf „Couch gegen Altstadt“, am Ende gewinnt die Altstadt.

Wir sind noch lange nicht satt und haben auch gar keine Lust behäbig zu sein. Wenn wir ab und zu in Kneipen oder Bars unterwegs sind und dort durch Zufall auf Klassenkameraden stoßen, sind wir doch schockiert, was das für Spinner geworden sind. Es gibt so Typen, da kann man es gar nicht fassen, dass wir wirklich im gleichen Alter sind. Mit 32 Jahren sind doch die meisten Leute sehr gesetzt und haben Familie und ein Haus, schauen abends die Sportschau und grillen einmal im Monat.

„Im ersten Moment mögen einige Stilelemente auf „Santa Muerte“ für viele Leute falsch klingen, aber das ist alles bewusst so gewählt und spricht für die Platte. Die Platte braucht Zeit, damit sie funktioniert.“ – Sammy Amara

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Ok, schlagen wir mal den Bogen vom Erwachsenwerden zu „Santa Muerte“. Der Opener „Harter Weg“ erinnert doch noch sehr stark an die alten Broilers.
Erzähl ein bisschen über den Song….

„Harter Weg“ ist tatsächlich zwei Jahre nach „Vanitas“ entstanden. Es gibt Stücke, die sind in späteren Phasen entstanden, aber auch welche, sogar noch während den Aufnahmen zur „Vanitas“. „Harter Weg“ ist deswegen so speziell, weil er einen simplen Refrain hat aber die Strophen für viele sehr schwierig klingen, da es Halbtonschritte sind, die in der Punkrock oder Rock’n’Roll Szene gar nicht so üblich sind. Im ersten Moment mögen einige Stilelemente auf „Santa Muerte“ für viele Leute falsch klingen, aber das ist alles bewusst so gewählt und spricht für die Platte. Die Platte braucht Zeit, damit sie funktioniert. Solche Platten mag ich persönlich am liebsten. Wie zum Beispiel auch die erste Platte von Andrew W.K. (http://www.andrewwk.com/), die direkt in den Kopf geht, aber du nicht lange Spaß daran hast, sie zu hören. Ich glaube „Santa Muerte“ wird länger vorhalten, da bin ich mir sicher!

Welche Songs gefallen dir den persönlich auf dem Album am besten?

Im Moment höre ich gerne „In ein Paar Jahren“. Die Melodie des Songs ist sicherlich 12 Jahre alt, aber wir konnten es damals noch nicht umsetzen. Einer meiner Lieblingssongs ist „Vom Scheitern“, weil er polarisiert und es uns sehr viel Spaß macht, ihn zu spielen. Es sind verschiedenste Songs für verschiedene Stimmungslagen auf der Platte, was ich auch mal wieder gut finde ich.

Mit „Vom Scheitern (The World Is Yours, Nicht!)“ habt ihr den perfekten Sommer-Hit geschaffen. Inhaltlich ist er jedoch gar nicht so fröhlich und erzählt vom Scheitern in einer fremden Stadt. Was hat euch zur Thematik des Songs bewogen?

Einfach mal den Fernseher einschalten und das neue Sendeformat „Die Auswanderer“ sehen. Diese Arroganz, mit der völlige Idioten glauben, mit Handkuss in einem anderen Land empfangen zu werden und dort mit fester Absicht in Italien oder Dubai eine Würstchenbude eröffnen wollen. Kein Wort der Landessprache sprechen und zu glauben, dass man auf die Deutschen gewartet hat – Völlig dämlich.

Ich bin der Meinung, dass wenn du schon hier in Deutschland scheiterst, dann scheiterst du auch überall wo anders in der Welt. Wenn du was kannst, dann kannst du was – egal ob Handwerk, Kunst, etc. und dann kannst du es überall zu etwas bringen.

Genau das ist auch die Grundaussage der Platte – Arsch hoch kriegen und selber was machen.  Nicht nur faul konsumieren und lethargisch auf dem Sofa sitzen, um darauf zu hoffen, dass irgendjemand was für dich ändert… Das Problem ist in dir und das musst du alles alleine machen!

Ein Leben unter Palmen ist wohl nicht für dich, oder suchst du dein Glück vielleicht doch mal im Süden?

Ich fände das großartig! Meine Vorstellung von all dem kommt ja auch im Song „Vor ein paar Jahren“ vor, mit einem weißen Haus, direkt am Meer mit Rotwein, Brot und schwarzen Oliven. Das ist schon eine geile romantische Vorstellung, wie man seinen Lebensabend verbringen könnte. Mit dem eigenen Restaurant, in dem du nie selber kochst und sitzt den ganzen Tag mit einer roten Knubbelnase vor der Tür und begrüßt die Gäste. Und wie der Pate dann irgendwann im orangenen Feld mit einer Orange im Mund tot umfallen, während man seinem kleinen Neffen nachjagt.

Mit dem Song „33 rpm“ beschreibst du sehr treffend die Liebe zur Musik. Welche Musik muss immer in deiner Nähe sein, beispielsweise um dich wohl zu fühlen oder um Kraft zu schöpfen?

Musik muss immer da sein! Wir kommen aus dem Proberaum und die Ohren bluten, aber Musik geht immer noch auf der Heimfahrt. Musik ist unheimlich wichtig und wenn man sich einmal in Musik verliebt hat, dann bleibt das ein Leben lang. Speziell bei mir gibt es immer Bands und Künstler, zu denen ich immer wieder zurückkehre und die eine Art Heimatgefühl auslösen. Die wichtigste Band in meinem Leben ist The Clash oder auch Bruce Springsteen. Durch die Konzerte, die ich besucht habe und seine Art, die soviel auslöst bei mir und mir so ein gutes Gefühl gibt, dass auch er einer geworden ist, auf den ich immer gerne zurück greife.

Gegen Ende macht sich thematisch allerdings Resignation breit. War es beabsichtigt, das Album so enden zu lassen?

Ja, es war schon ziemlich früh klar für uns, dass „Singe, Seufze & Saufe“ am Ende steht und du im besten Fall ratlos davor stehst und sagst „Wow…!!!“ und den Song im besten Fall gleich nochmal hören musst, um ihn zu verstehen. Das war bisher auch der Eindruck, den alle hatten, denen wir die Platte vorgespielt haben.

Es hätte auch mit einem „Happy End“ enden können, wenn wir uns für „Stoßen wir an“ entschieden hätten, aber es ist nun mal nicht alles „Happy End“ im Leben und daher müssen wir uns da schön an der Realität halten.

Sprichst du da aus persönlicher Erfahrung?

Es gibt viele Dinge, die um mich herum geschehen, die ich in meinen Texten einfach überspitzen muss, damit sie klar werden. Ich möchte im schlimmsten Falle niemandem eine Spritze mit Luft in die Venen rammen, das muss man aber manchmal auf die Spitze treiben.

Sprechen wir über die Produktion der Scheibe, die sehr professionell klingt und ihr Vincent Sorg (u.a. Die Toten Hosen, Donots, In Extremo) auch einen fähigen Produzenten im Boot hattet. Was habt ihr im Zuge der Zusammenarbeit gelernt?

Wir haben gelernt, dass man auch mit Zopf ein netter Kerl sein kann. (lacht)

Wir haben uns natürlich umgeschaut, welche Studios für uns in Frage kommen und haben geprüft, was in der Nähe liegt. Das Principal Studio lag sowieso schon auf unserem Schirm, da wir dort als Kinder mal einen Prospekt angefordert haben. Wir fanden das  Studio total super, haben es dann aber lange Zeit aus den Augen verloren. Aber wir sind durch die Platten von den Toten Hosen wieder auf sie aufmerksam geworden. „Machmal lauter“ und „In aller Stille“ klingen super und waren so ausschlaggebend, dass wir uns für das Studio entschieden haben.

War die Vorgehensweise dadurch auch eine andere…?

Wir haben komplett anders als bisher gearbeitet und jeden Tag nur einen neuen Song aufgenommen, dann gehen wir in den großen Regieraum und spielen den Song erstmal. Hier überlegen wir gemeinsam, an welcher Stelle man noch etwas verbessern kann. Erst wenn wir damit zufrieden sind, dann fangen wir an, aufzunehmen. Wir haben einen Monat lang im Studio draußen auf dem Land gewohnt und gelebt, dadurch konnten wir uns komplett ohne Ablenkung darauf konzentrieren. Wir sind mit 18 Liedern ins Studio gegangen und haben jetzt noch ein paar Songs hier, bei denen wir haarscharf entscheiden mussten, weshalb wir sie doch nicht auf’s Album nehmen. Die Leute werden früher oder später in den Genuss kommen, sie zu hören…

„Es ist wichtig, dass du auch mal vom Computer aufstehst und irgendwas kaputt machst.“ Sammy Amara

 

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Wie wir alle wissen sind Broilers-Produkte voller künstlerischem Herzblut und Liebe zum Detail. Was vermutlich damit zusammenhängt, dass du Grafikdesigner bist und großen Wert darauf legst, alle Designarbeiten in Eigenregie zu erstellen.

Sammy: Ich bin Grafikdesigner, das ist mein Real-Life-Beruf, aber im Moment ist leider keine Zeit dafür, so wenig, wie selten zuvor. Ich habe übrigens mein Diplom bis heute nicht fertig gemacht. Ich werde im Leben auch niemals ein Diplom brauchen, denn beim Grafikdesign machst du deine Mappe auf und da fragt keiner nach deinem Diplom oder einem Zeugnis.  Aber das gilt nicht für alle Berufe… daher immer schön weiter zur Schule gehen!

Erinnerst du dich noch an die Herangehensweise an der Storyline von „Santa Muerte“?

Sammy: Da gab es viele, viele Ansätze, die sehr aufwendig geworden wären. „Santa Muerte“ klingt ja erst einmal gut. Es handelt sich um eine fiktive Stadt, die wir selbst geschaffen haben und soll für jeden ruhig etwas anderes bedeuten. Die Herkunft des Wortes ist aus dem mexikanisch-katholischen Glauben und ist eine Heiligenfigur in Skelettform, die dort verehrt wird. Wir haben beschlossen, das Konzept der Platte relativ schlicht und reduziert halten zu wollen.

Im Ergebnis haben wir nun ein sehr stylisches, aber dennoch reduziertes Artwork. Das spricht auch für die Fotos, die Eric Weiss aus Berlin gemacht hat und die alle in schwarz-weiß gehalten sind. Klar hätten wir auch sommerliche Motive mit Palmen wählen können, wir wollten es jedoch so halten, da „Santa Muerte“ nicht nur ein glücklicher Ort ist, sondern auch etwas Bedrohliches in sich hat. Deswegen haben wir die schwarz-weiß Fotos bewusst als Kontrast gewählt, denn Kontraste sind gut und überall präsent im Leben.

Von der anfänglichen Idee, bis zum fertigen Artwork, wie viel Zeit nimmt das in Anspruch?

Sammy: Das hat bei mir bereits alles schon letztes Jahr begonnen und hat Monate an Zeit geschluckt. Hinterher fragt man sich immer, was daran eigentlich so lange gedauert hat, aber gerade wenn du etwas für dich selber machst, dann bist du noch pingeliger mit jedem kleinen Detail. Für sich selber arbeiten ist nicht besonders dankbar.

Es ist bekannt, dass du eine Menge T-Shirt-Designs, Webseiten und Covers für andere Bands machst, bleibt dafür im Moment überhaupt noch Zeit?

Sammy: Im Moment bleibt mir keine Zeit mehr, da die Broilers sehr viel Zeit einnehmen. Ich habe am Ende auch nur noch an Projekten der Broilers und der Toten Hosen gearbeitet. Da die Hosen im Moment an ihrer neuen Platte schreiben, kommen wir ganz gut klar. Aber wenn die Broilers wieder etwas ruhiger werden, dann sind die Designarbeiten für die Toten Hosen wieder dran.

Was war bislang wichtigste Arbeiten neben den Broilers Projekten?

Sammy: Im Sinne der namentlich relevanten Projekte, sind es natürlich die Toten Hosen. Hier schließt sich für mich auch der Kreis, denn ich bin ja immer ein Fan gewesen. Daher ist es mir persönlich wichtig und immer wieder eine besondere Freude.

Woher nimmst du kreativen Ideen und was inspiriert dich?

Sammy: Inzwischen habe ich mir ein kleines Notizbüchlein angeschafft, in dem ich immer mal etwas hineinmale, was mir hilft, mich daran zu erinnern. Zum Beispiel, wenn ich mal wieder ein Asi-T-Shirt sehe und mir denke, das könnte in cool, sogar richtig gut aussehen. Man findet ja immer wieder neue Dinge, wenn man mit offenen Augen durchs Netz surft und es gibt Design-Blogs, durch die man sich inspirieren kann.

„Mit Würfel und Flammen kannst du heute nicht mehr um die Ecke kommen. Das ist selbst bei H&M nicht mehr „in“.“ Sammy Amara

Was denkst du über Merchandise auf Konzerten. Wird hier noch viel Wert auf Design und Qualität gelegt, oder steht da eher das schnelle Geld im Vordergrund?

Sammy: Es ist wesentlich besser geworden, muss ich sagen. Wenn ich mir heute einen Rock-Katalog ansehe, dann ist die Qualität des Grafikdesigns im Bereich des Punk, Rock oder im Musikbereich generell deutlich gestiegen. Das war vor zehn Jahren eine ganz andere Nummer. Ich habe allerdings auch das Gefühl, dass es vor 20-30 Jahren, wenn man in alte Bücher schaut, besser war. Es ist aber auch nicht gut, das zu kopieren, was man in den Rock-Katalogen sieht, denn du musst den Leuten nun schon etwas Neues anbieten.

Mit Würfel und Flammen kannst du heute nicht mehr um die Ecke kommen. Das ist selbst bei H&M nicht mehr „in“. Aber gestorben wird immer.

Du arbeitest mit unterschiedliche Techniken und zeitgemäßen Trends, wie 3D-Grafiken oder Druckrastern. Gibt es eine Technik, die du mit Vorliebe benutzt?

Sammy: Wenn du ewig guckst, was in deiner Szene geschieht, dann wirst du keinen Schritt weiter kommen. Du musst immer schauen, was die größeren Bands oder die Leute machen, die nur im Design-Bereich arbeiten. Wenn man als Grafiker arbeitet, so wie ich, dann musst du dich an anderen Grafikdesignern orientieren. Das bedeutet auch, dass man mit den Bands diskutieren und sie von einer neuen Idee überzeugen muss.

Was die Technik angeht, ist es wichtig, dass du auch mal vom Computer aufstehst und irgendwas kaputt machst. Ich habe sehr intensiv und lange Zeit meine Kleckse benutzt, was wiederum bedeutet, dass du auch mal analog arbeitest und Sauereien machst.

Professoren mit den silbernen Haaren erzählen immer davon, wie sie früher ihre Schrift mit Bleilettern selbst gesetzt haben. Es ist wichtig, auch mal ein Design komplett analog zu machen, mit der kleinen Stempelschule oder mit den Bleilettern. Klar, fragen mich die Leute, warum ich mir die Arbeit mache, obwohl es das doch alles schon digitalisiert gibt, aber gerade das macht es so individuell. Außerdem hast du eine schöne Geschichte zu erzählen.

Was bedeutet Design für dich?

Sammy: Design ist mir total wichtig. Es war bei mir auch immer so, dass ich als Konsument die Produktionen genossen habe, die gut aussahen und wo ich was entdecken konnte und in der Hand hatte. Ich mag zum Beispiel von Blood for Blood die „Outlaw Anthems“, aber von der Aufmachung der Platte bin ich total enttäuscht. Da denke ich mir, wenn die jetzt noch gut aufgemacht wäre, das wäre ein Träumchen.

Dann würde es sich doch anbieten, dass du dort mal vorstellig wirst…

Sammy (lacht): Ich glaube die sind gar nicht mehr so richtig da und der eine Typ lebt zwar noch, aber nicht mehr so richtig… White Trash rocks! Das liegt aber auch daran, dass ich gerade wieder in meiner Blood for Blood Phase bin oder auch Lars Frederiksen and the Bastards höre. Es kann aber auch sein, dass ich wieder ganz derb abrutsche in eine Folk/Gitarren-Phase und wieder Bob Dylan höre.

Dabei fällt mir ein, dass mir noch die neue Platte von den Dropkick Murphys fehlt.

Was sind denn deine Vorbilder im Bereich Grafikdesign – Stichwort: Dirk Rudolph?

Sammy (grübelnd): Jaaa, Jaaaaaaaa….Nein. Dirk Rudolph ist ein großartiger Designer, der seinen eigenen Style besitzt, aber niemand, der mich total nervös macht. Es gibt aber keinen Grafikdesigner, von dem ich sage, dass alles was er macht, bedingungslos geil ist. Was man natürlich sagen muss, dass Joshua Smith von Hydro47 gerade am Anfang wichtig für mich war.

Früher gab es jedoch mehr Designer, wo deren Designs gefallen haben. Aber dass sich in der letzten Zeit eher verselbständigt, da ich gar keine Zeit habe, herum zu suchen, bevor ich ein neues Projekt beginne. Ich habe auch viele Design-Bücher, aber mit denen komme ich nicht mehr weit. Wenn ich erst anfange zu blättern und mir überlege, wie es aussehen könnte, dann setze ich mich doch eher schnell selber dran und mache es.

Was sind deine Lieblings-Plattencover, die dir spontan einfallen?

Sammy: Man neigt jetzt dazu Cover zu nennen, die selbst zu Ikonen geworden sind zum Beispiel The Clash mit ihrer Elvis Presley-Kopie oder dem „London Calling“-Cover. Das ist aber an sich kein gutes Cover…

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Stichwort: Warm-up-Shows, Konzerte und Festival-Sommer – was erwartet die Besucher einer Broilers-Show?

Sammy: Wir werden testen, wie die Songs live funktionieren und werden im Sommer extrem viel Freude daran haben, endlich wieder auf der Bühne zu stehen und nach der Show wieder mehr zu trinken. Das kannst du auf Tour nicht so gut, aber auf Sommer-Shows hast du ja nur 1-2 Shows am Stück und dann wieder Pause.

Kurzum: Wir freuen und total drauf und das wird sicherlich die Belohnung für die ganze Studiozeit sein.

Wir kommen zum Ende. Was hast du den Lesern des Pressure Magazines und der Welt da draußen zu sagen.

Sammy: Bildet Banden! Im Ernst: Gründet Bands und macht Musik.

Das heißt nicht, mal eben mit Garage Band drei C-Harmonien zusammen zu schieben. „Bandgründen“ heißt auch im Proberaum abhängen und saufen, besoffen in die Bassdrum fallen, auf Billardtischen schlafen und ungemütlich im Bus durch die Gegend heizen. Ganz tolle Erfahrungen, die wir gemacht haben, die ich echt nicht missen will.

Wichtig ist, wenn euch etwas nicht passt, dann ändert das. Macht ein Fanzine, macht Kunst, baut ne Bude… bekommt euren Arsch hoch.

Bands gründen? Haben wir das Phänomen nicht schon seit Facebook, dass ein jeder das Maul aufmacht, auch wenn er nichts zu sagen hat.

Ich meine damit, dass du wirklich etwas Produktives leistest und das kann ganz „oldshool“ bedeuten, dass du mal wieder ein Fanzine kopierst, denn diese Hürde, die nimmt nämlich nicht jeder. Bei Facebook irgend einen Scheiß zu posten oder noch einfacher nur auf den „Gefällt mir“-Button zu klicken, dass kann ja jeder. Vielleicht muss es genau darum, jetzt mal wieder „Back to the Roots“ gehen!

Pressure Magazine wünscht dir und den Broilers alles Gute für die Zukunft, viel Erfolg mit „Santa Muerte“ und viel Spaß auf den Konzerten.

Interview von Marcus Liprecht im Mai 2011

 

Nachfolgend findet ihr alle Live-Termine der Broilers:

31.05.2011: Berlin – Magnet (Warm-Up-Show, AUSVERKAUFT!)

11.06.2011: Interlaken (CH) Greenfield Festival

12.06.2011: Nickelsdorf (A) Nova Rock Festival´

15.06.2011: Köln – E-Werk

16.06.2011: Hamburg – Docks

17.06.2011: Lichtenfels Rock In Concert

22.07.2011: Cuxhaven Deichbrand Open-Air

23.07.2011: Bad Doberan Searock Festival

13.08.2011: Püttlingen Rocco-Del-Schlacko

15.10.2011: Neu-Isenburg – Hugenottenhalle

18.10.2011: Karlsruhe – Substage

19.10.2011: Nürnberg – Löwensaal

22.10.2011: Leipzig – Haus Auensee

27.10.2011: Münster – Skaters Palace

28.10.2011: Hannover – Capitol

29.10.2011: Berlin – Huxleys Neue Welt

30.10.2011: Magdeburg – Factory

31.10.2011: München – Tonhalle

 

Pressure Magazine empfiehlt:

BROILERS – „Welcome to Santa Muerte“-Tour 2011

15.06.2011 Köln, E-Werk
16.06.2011 Hamburg, Docks
15.10.2011 Neu-Isenburg, Hugenottenhalle
18.10.2011 Karlsruhe, Substage
19.10.2011 Nürnberg, Löwensaal
22.10.2011 Leipzig, Haus Auensee
27.10.2011 Münster, Skaters Palace
28.10.2011 Hannover, Capitol
29.10.2011 Berlin, Huxleys
30.10.2011 Magdeburg, Factory
31.10.2011 München, Tonhalle

BROILERS – „Welcome to Santa Muerte“ 2011 Festival-Termine

11.06.2011 CH-Interlaken, Greenfield Festival
12.06.2011 AT-Nickelsdorf, Nova Rock Festival
17.06.2011 Lichtenfels, Rock in Concert / Open Air
22.07.2011 Cuxhaven, Deichbrand / Open Air
23.07.2011 Bad Doberan, Searock Festival
13.08.2011 Püttlingen, Rocco Del Schlacko

Mehr zu Broilers:

Offizielle Webseite: www.broilers.de

Bilder: Eric Weiss

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