Es ist Donnerstag, der 17.03.2011, ich steige am Kottbuser Tor nähe des Festsaals Kreuzberg aus der U-Bahn. Es ist kalt. Ich warte auf meine Freundin. Es ist nass.

Was sich anhört wie der Beginn eines Romans von Stephen King, ist eigentlich nur typisch Berlin.

 

 

 

Lärm, Dreck, lästiges Wetter und gute Konzerte.

Vollkommen unabgesprochen kaufte ich am Vorabend Karten für das Rostock Konzert, der Banner, sprich Aufhänger der Veranstaltung war zunächst irrelevant, ich habe dann aber auch prompt das Interview auf den Seiten des Pressure Magazine`s entdeckt und kurz reflektiert. Es geht um einen guten Zweck, Nazi-Kleidung stoppen, löblich.

 

Mit-Veranstalter und Organisator, die Jungs von Radio Havanna. Die Band kannte ich bereits, da sie wie auch Stakeout schon in meiner Heimat gespielt haben. Es soll an dem Abend wohl auch eine beachtliche Summe zum spenden erwirtschaftet worden sein, wie viel genau entzieht sich jedoch meiner Kenntnis.

Den Abend eröffneten gegen glaube ich ca. 20 Uhr Stakeout, eine lustige Showeinlage nach der anderen, musikalisch gut drauf aber nichts, was mir jetzt konkret im Ohr bleiben würde. Der Schlagzeuger der Band ist schon ne coole Sau mit Wampe wie man erfahren konnte. Fazit – gelungener Auftritt ohne wesentliche Highlights oder „Aha“-Effekte.

Danach enterten Not Called Jinx die Bühne. Zunächst dachte ich mir „was kommt denn da auf die Bühne“ und wurde enttäuscht, dass meine zunächst ablehnende Haltung den „Bubis“ gegenüber nicht eingehalten werden konnte, da sie musikalisch und Performancetechnisch an diesem Abend für mich direkt nach dem Headliner Jennifer Rostock anzusiedeln sind. Erst dachte ich wirklich, die wollen nur gut aussehen, dass sie aber auch Ihre Instrumente so gut beherrschten, überraschte mich dann letztlich doch. Klang alles sauber, keine hörbaren Patzer, Top!

Die Kafkas – kannte ich bis dato lediglich vom Namen, bzw. von Flyern und wusste auch erst nicht so recht was damit anzufangen, als die Alt-Herren-Runde die Bühne betrat. Jeansjacke, Blues Brothers Brille – das war der Sänger. Ein Gitarrist, der auch Grundschulrektor sein könnte und der lustige Rest der Band. Cool war das ganze dennoch irgendwie, weil es so gar nicht in das abendliche Klischee passen wollte, oder gab es keines? Alles schön NDW angehaucht und super für die Meute vor der Bühne, bei den Kafkas kam das erste mal im ganzen Saal gute Laune auf, als von der Bühne ausgerufen wurde, dass die Anti-Nazi-Polonäse gestartet werden soll. Eine echt gelungene Show, leider, wie am ganzen Abend, mit schlechtem Mix um die Vocals herum, so dass man immer nur Wortfetzen verstand. Klasse abgeliefert Kafkas, nice.

Als vorletzte Band und wohl Pre-Headliner und zum späten Abend traten jetzt Radio Havanna auf. Die Organisatoren der Veranstaltung (sicher nicht 100%ig alleine) ballerten erst mal ordentlich los, das gefiel mir auch so lange, bis man nach drei Songs resignieren konnte, dass da leider nicht mehr drin war. So wurde es dann auch irgendwann etwas monoton, wenn gleich auch die Technik und die Instrumente beherrscht werden. Da ich aber noch nie eine reine „Punk-Keule“ war, können damit andere Leute sicherlich mehr anfangen. Vielleicht lag es auch am nur mäßigen Mix, es kann ja auch langweilig werden, wenn man 30 Minuten lang nur Rifffetzen und Drums hört, aber kein Wort vom Sänger versteht.
Was mir etwas aufgestoßen ist, ist das ich dort als unpolitischer objektiver Betrachter 4 mal in 30 Minuten darauf hingewiesen wurde, dass Nazis scheiße sind und by the way – „Atomkraft nein danke“. Das kuriose war ja, dass dies wirklich vier mal in dieser Reihenfolge kam. So das ich mir schon dumm vorkam das ich es nicht beim ersten oder zweiten mal verstanden habe und es deshalb so oft wiederholt wurde. Etwas weniger plakativ hätte es auch getan.

Ich glaube das es ca. 23:30 Uhr war, als Jennifer Rostock endlich mit dem Set begannen, einige Leute im Saal waren ja nur wegen dieser Band da, meine Freundin und mich erst mal eingeschlossen. Rostock üblich wurde man auch nicht enttäuscht, der Keyboarder hat jetzt keine Haare mehr, bzw. einen modischen Kurzhaarschnitt, Gewöhnungssache. Die Rostocker lieferten eine üblich spektakuläre Show mir kurzem Knall und Konfetti – Lametta – Ende. Was sich hier von den bereits gesehenen Konzerten unterschied war, dass Songs vom kommenden Album gespielt wurden, die scheinbar auch gut angekommen sind, mein persönlicher Favorit war der Song, dessen Namen ich leider nicht verstanden habe. In diesem kam Gastsänger Nico Webers von der Band War From A Harlots Mouth auf die Bühne und versuchte genauso gut zu shouten wie Jennifer Rostock. Hat auch wunderbar geklappt und für ein breites Grinsen in meinem Gesicht gesorgt.

Fazit des Abends: Es war nett, klanglich nicht perfekt, und hat gut gerockt. Alle Bands konnten das Publikum zum tanzen bringen und waren musikalisch gut drauf, ein lohnenswerter Abend mit eher wenigen Highlights, aber dafür solide und für einen guten Zweck.

 

{youtube width=”500″}PnqCDTHg6qE{/youtube}

 

Konzertbericht von Hendrik Dähnert

 

Mehr zum Thema:

Details zum Termin: „Stoppt Nazi-Kleidung“ Benefiz-Konzert, Berlin

Offizielle Homepage: www.stopptnazikleidung.de

Radio Havanna Homepage: www.radiohavanna.de

Kommentar verfassen