Wilde Zeiten – Auf dem goldenen Weg

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Label: Impact Records/Broken Silence
Veröffentlichung: 11.09.2006

Es muss wohl 1998 gewesen sein, als wir zu den Glanzzeiten des Untergangskommandos jede Party eskalierten und Songs wie “Wir sind Punks und wir sind frei…” sangen, während wir uns munter über die Alkoholreserven der Gastgeber hermachten. Da möchte man doch “noch einmal 18 sein”. Übrig geblieben aus der soeben angesprochenen Combo ist Sänger Michel, der mit den Mainzern Melvin, Matze und David seit 2004 die Band Wilde Zeiten bildet. Bei Michel einen Vergleich zu Campino von den Toten Hosen anzustellen wäre denkbar, aber arg vermessen. Dieser Typ ist ein Original und kann gar nicht anders, der muss Musik machen; seit Jahrzehnten Punk durch und durch – eine richtige Rampensau! Das neue Wilde Zeiten Album “Auf dem goldenen Weg” ist eine Bestandsaufnahme einer gereiften Punkband. Das die vier Mainzer ein solides und gutes Produkt abliefern wollen zeigt auch, dass sie sich diesmal ins Studio der Düsseldorfer Kollegen begeben haben und die Scheibe von keinem geringeren als dem Hosen-Produzenten Dr. Uwe Faust veredelt bekommen haben. Das Ergebnis kann sich hören und, wer hätte es gedacht, auch sehen lassen: Auf dem Silberling befinden sich 15 sauber produzierte Songs mit einem zusätzlichen Videoclip des 2005 auf dem Album “Fünf Sterne Punks” veröffentlichten Stücks “Liebesbrief”. Musikalisch liefern Wilde Zeiten alles andere als stumpfsinnigen 08/15 Punk, sondern Inhalte und Impulse zum Nachdenken. Reinhören solltet ihr in Songs wie “Vom Gehen und vom Denken”, “Du bist Nazi”, oder den The Boys Klassiker “Terminal Love”. Meine persönlichen Highlight sind eindeutig “Wo bist du” und der “Weg ans Meer”. Da bilden “Jenseits von Eden” vom damals jungen Nino de Angelo noch die Ausnahme und sollten daher mit einem Augenzwinkern betrachtet werden. Insgesamt also eine gute und hörenswerte Scheibe mit ordentlichem Tiefgang. Schade eigentlich, das Revolution zur Lasten von Melancholie und Schwermut gehen, die hier zu stark Einzug genommen haben und sich wie eine Träne im Ozean durch das Album ziehen – um es mal mit dem Titel einer Romantrilogie von Manès Sperber zu sagen. Nichts desto trotz, Hoch die Tassen, denn diese Jungs sind ganz klar auf dem richtigen Weg. mehr unter: www.wildezeiten.com

Wertung: 0=4 Sterne