Label: Street Justice Records
Veröffentlichung: 13.05.2011

Nach sieben langen Jahren der Abstinenz erscheint mit „Der Dämmerung entgegen“ ein neues Album von Vogelfrei. Es gibt nicht viele Bands, die es schaffen, ihren eigenen Sound zu finden. Vogelfrei gehören allerdings schon immer dazu, denn durch die fast einmaligen Texte und dieser Stimme mit dem unglaublichen Wiedererkennungswert haben sie es geschafft, sich ihren eigenen Stil anzueignen.

Das neue Album enthält zwölf Titel, auf die der ein oder andere Fan sicherlich schon sehnsüchtig gewartet hat. Den Anfang macht „Wer wir sind“, der meine persönlichen Erwartungen bereits komplett erfüllt und ich kann mit Überzeugung sagen: Vogelfrei sind wieder da! „In Szene gesetzt“ handelt von einem Leben, welches von anderen so gelenkt wird, dass der Werdegang vorherzusehen ist. Die Stilikonen machen es vor und die Masse macht es nach.

Der Song „Wir flogen aus“ ist sicherlich der persönlichste, den Sänger Ricky Alex jemals gesungen hat. Ein ruhiger Titel, indem es um die Liebe zur Musik geht und dass jede Minute genutzt wurde, um zu proben und Songs zu spielen. Hier kommt auch eine Mundharmonika zum Einsatz, welche sich gut an die Gitarrenriffs anlehnt. „Ein Platz für uns“, den wir bereits auf unserer Seite präsentiert haben, handelt davon, dass der Ort verlassen werden muss, um noch etwas zu erleben. Wie gerne möchte man irgendwo neu anfangen, doch im Endeffekt kommt alles anders und diesen Platz, der nur für einen bestimmt ist, wird nie gefunden und erreicht. „Mit jedem Schritt“ erzählt eine Liebesgeschichte, in der man verlassen wird, aber die Gründe nicht kennt. Der Verlassene kann nur das mitnehmen, was ihm bleibt, gute Erinnerungen und eine schöne Zeit. „Sie kriegen uns nicht“ erzählt die Flucht vor der Polizei, die mitten in der Nacht stattfindet.

„Auf und davon, es gibt nur einen Ausweg / wir rennen durch die Dunkelheit, sie kriegen uns nicht. / Auf und davon, es gibt nur einen Ausweg / wir rennen durch die Dunkelheit, die kriegen uns nicht.“

Eine weitere Ballade ist „So lange du hier bist“ und ist eine Ode an seine Freunde und Familie. Denn solange sie, oder auch eine ganz bestimmte Person bei einem sind, muss der Ort nicht verlassen werden. Denn dort gehört man hin, dort sind alle Menschen, die einem wichtig sind. Der abschließende Track „Lass los“ handelt vom Loslassen und treiben lassen, denn dass was passiert ist, sollte auch irgendwann fallen gelassen werden, zumindest für eine Nacht.

Ein Vogelfrei-Album, wie es sich ganz bestimmt sehr viele gewünscht haben. Melancholie, ruhige Akustikparts, Mid-Tempo-Tracks und Texte, die tief unter die Haut gehen. Das Gitarrenspiel, bekannt und sogleich neuorientiert, die Stimme, wie immer, ein Genuss. Vogelfrei sind zurück und lassen wahrlich nichts vermissen. Die sieben Jahre Wartezeit haben sich definitiv gelohnt und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

 

Review von Florian Puschke

Wertung: 0=5 Sterne

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