Label: Nix Gut
Veröffentlichung: 03.11.2006

Deutschpunk-Sampler gibt’s ja nun wirklich nicht gerade wenige und ehrlich: Die meisten sind nicht mehr als die geschnorrten fünf Euro wert. Da bietet es sich doch an, einen weiteren zu veröffentlichen, den für sieben Euro zu verticken und der Punkerseele neue Nahrung zu liefern.
Et voila: “Deutschpunk Balladen” von Nix Gut schneit ins Haus. Genau darauf hat die Punkwelt gewartet, das Geld liegt ja bekanntlich auf der Straße, vor allem, wenn man drauf lebt. Wie vergangene Sampler des Labels entstanden auch die “Deutschpunk Balladen” in enger Zusammenarbeit mit Einhorn, seinerseits bei Atemnot tätig und von Nix Gut als “alte Deutschpunklegende” gepriesen (oder bemittleidet?). Aha. Auf einem Sampler kann bisweilen nicht nur Gutes vertreten sein, die schlechten Tracks werden üblicherweise durch große Namen oder Hits wettgemacht.



Wirklich große sind auf “Deutschpunk Balladen” aber nicht vertreten, stattdessen gibt es mit Dritte Wahl, Daily Terror und Fliehende Stürme so was wie eine gehobene Mittelklasse. Sicher sieht das Ottonormalstraßenköter anders, soll er aber auch, denn um sein Geld geht’s, nicht um meins. Da sind dann eben auch Combos wie AufBruch, Mofagang oder Was Ze Essen die großen Helden. Dem Label kann’s nur recht sein, Creative Artists sind nun mal teuer. Der jedoch, der hinter dem Cover der Platte steckt, kann bestenfalls einen Kasten Oettinger Alkfrei wert gewesen sein: Quentin Tarantino in bekannter Pose mit 45er an der Schläfe ziert das Konterfei des Samplers.
Wer mir erklären kann, in welchem Kontext das zum Thema “Deutschpunk Balladen” steht, bekommt ne Buddel Smokehead.

Bis dahin bleib ich mal bei der eigenen Deutung: Suizid ist für den Deutschpunk ein romantisches Unterfangen. Find ich prima. Qualität und Auswahl der Songs sind Nix-Gut-typisch, man weiß also, dass hier gar nicht erst versucht wird, mit überragender Darbietung oder Chartstürmern zu bestechen.
Stattdessen beweist Nix Gut lieber Mut zur Lücke, da macht es schon mal nix aus, wenn Töne nicht getroffen werden oder etwa zwei Drittel der Songs gleich klingen.
Das bedeutet, dass ansonsten raue Straßenpunker nun einen auf emotional machen, sprich Themen wie Liebe, Verlust oder Armut beackern, das allerdings mit langsamen Gitarren und ohne großartiges Geschrammel.

 

Das allein könnte man durchgehen lassen, sobald dann allerdings der Gesang einsetzt, wird’s einfach tragikomisch. Sorry, aber breitest grinsend oder auch mal in Lachkrämpfen windend muss eingesehen werden, dass manche der Bands sicherlich ihre Qualitäten haben, was gröhlende Auftritte als Vor-Vorband betrifft, von ernstem Gesang aber doch bitte schleunigst absehen sollten. Danke sehr.

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