Label: Bad Dog Records
Veröffentlichung: 27.07.2007

Troopers aus Berlin sind eines der wenigen Phänomene in der heutigen Subkulturenszene, was seines gleichen sucht und eine Kombo, die an Streetcredibility kaum zu toppen ist. Fünf Alben in einen Zeitraum von 20 Jahren zu produzieren ist nicht gerade viel – zeigt aber auch, dass es die Band nicht eilig hatte den Markt mit ihren Platten zu bereichern.

Dennoch haben sie schon sehr früh erreicht, sich mit markigen Texten aus dem Leben über Hass und Perversion und der markanten Stimme von Frontsänger Atze, einen Namen zu machen. Seit Jahren schon spielen sie Schulter an Schulter mit Bands wie The Business, OHL, Verlorene Jungs oder Discipline. Das ganze wohlgemerkt, ohne sich den üblichen Klischees und den Phrasen der Punk und Oi!-Szene zu bedienen.

Genauer gesagt waren das genau die Dinge, die den Berlinern von Anfang an Scheißegal gewesen sind – vor allem in welche Schublade man sie versucht hat zu stecken. So haben die selbstbetitelten „Wichser aus Berlin“ immer genau das gemacht, worauf sie gerade Bock hatten. Konzerte gab es wenige bis gar keine, was teilweise aber wohl eher auf Lustlosigkeit oder völliges Desinteresse zurückzuführen war, als auf mangelnde Anfragen von Konzertveranstalter. Dazwischen wurde dann alle Paar Jahre an einem neuen Album gearbeitet und die Bombe auf dem authentischen Kreuzberger Label Bad Dog Records zum platzen gebracht.

Kaum ein anderer, drückt soviel Hass und Wut durch die Boxen wie Atze, der die Band ausmacht, da die Bandmitglieder um ihn herum, sich bei jedem Release neu zusammengesetzt haben. „Bestialisch“ heißt diese „Best of“ Zusammenstellung, die einen Querschnitt über die vergangenen Werke liefern soll.

Schauen wir uns die 16 Songs einfach mal etwas genauer an, die es auf den Silberling geschafft haben. Vom selbstbetitelten Debutalbum TROOPERS finden sich die die Songs „Attack„, „Kopf hoch“ und „Gewalt„, was von der Selektion nachvollziehbar ist – also machen wir hier schon mal einen Haken dran. Ebenso wurde die EP „Märchenprinz“ berücksichtigt, welche damals auch als 12″ Vinyl-Version erhältlich war und vor etwa 10 Jahren aufgrund des grandiosen Titelsongs eine meiner absoluten Lieblingsscheiben war. Sehr erfreulich , diesen auch hier wieder zu finden. Im Jahre 1998 veröffentlichten die Haudegen das wohl wichtigste ihrer Alben „Gassenhauer„, welches aufgrund der Textzeile „Troopers für die ganze Welt, denn Onkelz find ich Scheiße“ dafür sorgte, dass die Band in Interviews mehr Zeit damit verbrachte über die Onkelz zu reden, als über irgendein anderes Thema.

Gerade im Fanlager der Böhsen Onkelz sorgten diese Zeilen verständlicherweise für einigen Unmut und kontroverse Diskussionen. Letztlich waren es aber genau die Onkelz-Hörer, die den Songs später in ihrem aufgemotzten VW-Golf am lautesten aufdrehten.

Vom Titelangebot der „Gassenhauer“ fällt die Auswahl eher gering aus, bietet allerdings zwei erstklassige Titel wie „Scheißegal“ und eben den Evergreen „Gassenhauer„. Zwei Jahre später kam im Jahre 2000 „Geliebt, Gehasst„, auf den Markt, knüpfte nahtlos an „Gassenhauer“ an und überraschte durch einen deutlich kürzeren Veröffentlichungsintervall, als man es von den Herren gewohnt war. Kernige Riffs und eingängige Melodien prägten die Scheibe und machten zudem deutlich, dass sich Atze in Sachen Songwriting treu geblieben war. Auch wenn „Teletubbies„, „Ein Freund“ und „Wie es uns gefällt“ auf der Tracklist so schön gewesen wären, schafften es die Titel „Geliebt, Gehasst“ und „Tausendschönchen“ auf die Platte. Vom letzten Werk, aus dem Jahres 2004, hat man sich für „Tritt, kratzt & beißt„, und den Prolltitel „Respektlos, Scheiße & Jung“ entschieden. Aber wo sind die Mitgröhlsongs „Verrückt genau wie wir “ oder die legendäre Band-Hymne „T-R-OO-P-E-R-S„? Als Ausgleich gibt’s on-top eine einwandfreie Live-Version von „Gewalt“ auf die Mütze, welche hier ebenso als Video auf dem Multimedia-Track zu finden ist.

Hat man die CD nämlich erst in das Laufwerk des Computer geschoben, gibt es zusätzlich tolle Dinge, wie einen Interview-Trailer, sowie Eindrücke im Zeitraffer aus dem Arbeitsalltag im Berliner Coretex Shop – nur doof, dass es sich hierbei um nichts Exklusives mehr handelt, weil das Video schon lange auf der MySpace Seite der Troopers eingebunden ist.

Um den Mehrwert zu erhöhen wurde eine Discographie integriert – ich persönlich hätte mich hier zudem auch über die jeweiligen Tracklisten und Songtexte gefreut. Eine Bildergalerie, die im Dauerloop eine viel zu kleine Anzahl an Schnappschüssen bietet, rundet das spärliche Multimediapaket ab – das üben wir noch mal, okay?

Natürlich stellt sich zu guter letzt auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Jubiläums-Album zum 20-jährigen Bestehen, wenn die Band nach ihrem ersten Debüt im Jahre 1987 de facto 10 Jahren zunächst die Eier geschaukelt hat und erst ´97 wieder aktiv wurden.

Umfang und Aufmachung weisen für meine Ansprüche an ein „Best of“ Album starke Defizite auf. Die Idee mit der Schellackplatten-Optik der CD und dem schlichten Schwarz-Gold-Artwork ist zwar irgendwie ganz nett, wurde aber schon 1997 von Guildo Horn mit seiner „Danke!“ Scheibe mit etwas mehr Liebe für’s Detail umgesetzt.

Der im Digipak enthaltene PR’ler-Text ist für ein „final-product“ leider viel zu unpersönlich und an der Zielgruppe vorbei geschrieben, als das er sich an die Käufer der Scheibe – sprich, die geneigten Fans richten könnte. Auch hier hätte ein persönliches Resümee der Band nicht geschadet und die Wertigkeit des Produkts deutlich erhöht. Für die gelungene Songauswahl gäbe es von mir die volle Punktzahl in Verbindung mit einem tosenden Applaus – da man es leider nicht geschafft hat, ein dem Anlass entsprechendes Jubiläums-Paket zu schnüren, fällt meine Beurteilung eher unbefriedigend aus.

Um einen groben Einblick in die abstrakte Welt der Berliner Prolls zu gelangen taugt die CD allemal – wer allerdings in Besitz der Alben ist, sollte doch lieber auf die in Kürze erwartete DVD warten.

Wertung: 0=2 Sterne

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