Mittwoch, April 24, 2024

Totenmond – Thronräuber

Label: Massacre
Veröffentlichung: 05.2008

Statements von „Totenmond“-Frontmann Pazzer kann man normalerweise glauben oder nicht. Meist lässt der sympathische Schwabe unschwer erkennen, dass ihm Interviews eigentlich zu blöd sind, etwa wenn er über den „eschatologischen Priapismus“ von HC-Bands wie „Biohazard“ lästert. Oder gänzlich sinnfreie, aber stets komische Antworten abgibt. Die Ankündigung, dass der siebte „Totenmond“-Longplayer „Thronräuber“ mehr in Richtung Black Metal gehen sollte, dazu viel Death und wie immer Doom bis zum Abwinken, war jedoch ernst gemeint. Das wird recht bald klar, wenn die erste halbe Minute von „Luzifer stampft“ vorbei ist – was da noch steht ist entweder übergewichtig oder festgewachsen, so überdeutlich und Black-Metal-lastig kommt der Hochgeschwindigkeits-Opener daher. Schwer, das mit alten Songs der Band zu vergleichen. „Achtung Panzer“ macht das dann aber wieder gut, da klingen „Totenmond“ wieder nach dem, was man von der Band gewohnt ist: Zähflüssige Riffs, viel Zeit für ein Intro und ein Sänger, der so doom klingt, dass man sich schon fragt, ob da nicht jemand die Abspielgeschwindigkeit auf 50 Prozent gesetzt hat, um so verdammt tief zu grollen. „Nihil Novi“ ist dann der eher etwas schnellere Sound, den man von „Totenmond“ ja bisweilen auch kennt. Dennoch ungewohnt „schnell“, wenn man das so sagen kann. „Dornenschlaf“ ebenso – das wäre vor einigen Alben noch deutlich länger ausgewalzt worden, nun geht es schon schneller zur Sache, zudem fällt langsam auf, wie viele Tempowechsel sich auf „Thronräuber“ finden. Auch eine Sache, die man den Herren aus Backnang bislang nicht andichten konnte. Alles also gänzlich anders? Ein klares Jein. Dass sich „Totenmond“ jemals neu erfinden, wird wohl kein Kenner der Band ernsthaft behaupten wollen. Stattdessen peu a peu, hier ein wenig mehr Tempo, da mal wieder etwas Hardcore, aber im Kern immer noch die selbe Mischung aus Doom und Crustcore, die man natürlich immer noch mit „Carnivore“ vergleichen kann. Nur eben auf „Thronräuber“ mit nicht mehr derart vielen Sechs- oder Siebenminütern vertreten, stattdessen gibt es auch mal Songs mit unter fünf Minuten Spielzeit. Dennoch nur zehn davon auf der gesamten Platte. Noch einige Worte zum Rest der Scheibe: „Schlachtinfarkt“ kommt wieder mit deutlicher Black-Metal-Kante daher und erfreut sicher das schwarze Herz eines jeden Corpsepainters. „Sonnenstrahl“ ist gewohnte „Totenmond“-Kost, langes Intro, langsam, schleppend, kennt man, mag man. Recht bekannt auch der Rest der Scheibe, das könnte auch alles „Fleischwald“ oder „Lichtbringer“ sein, prima Zeug also. Fazit daher: Nicht neu erfunden, aber gut gemacht. Hier und da einige Nuancen Veränderung zu erkennen, insgesamt aber dem eigenen Sound treu geblieben. Solide Scheibe für die wenigen Menschen, denen der Sound vielleicht nicht zu extrem ist, beziehungsweise die sich nicht daran stören, eine sehr interessante Band zu hören, die man nunmal in keine Schublade stecken kann, sei sie noch so groß und weitläufig.

Wertung: 0=5 Sterne

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