Label: Side One Dummy
Veröffentlichung: 18.06.2010

Eigentlich kann einem eine Band fast Leid tun, wenn sie ein derart grandioses Debütalbum veröffentlicht hat wie The Gaslight Anthem mit „Sink or Swim“ 2007. Sie schufen etwas neues und waren doch irgendwie retro. Die Lieder klangen melancholisch und spendeten trotzdem Hoffnung. Sie erzählten uns Geschichten aus längst vergangenen Tagen obwohl die Bandmitglieder kaum 30 Lenze auf dem Buckel haben.

Mit „The 59 Sound“ lieferten die vier Herren aus New Brunswick einen würdigen Nachfolger, der internationalen Erfolg bescherte. Fans und Medien waren begeistert, obwohl der etwas verstörende Chorus Effekt auf Brian Fallons Stimme für einige Verwirrungen sorgte. Daher war ich erst einmal sehr positiv überrascht als ich das wunderschön gestaltete Vinyl von „American Slang“ auflegte und Brians Stimme in alter Rauheit vernehmen durfte. Erster Eindruck: sehr gut, aber nicht überragend.

Die Band zeichnet ein zwiespältiges Bild auf ihrem neuesten Longplayer: einerseits zu simple, zu gewollte, zu eingängige Läufe der Sologitarre, andererseits großartige Spannungsbögen und tolle Arrangements. Man weiß nicht, ob man der Band zu ihrer Weiterentwicklung gratulieren soll oder nicht. Ist das ein Sprung nach vorne, ober haben sie sich einfach nur zu weit aus dem Fenster in Richtung radiotauglicher Singles gelehnt?

Und so sitz man grübelnd mit einem Bier in der einen, dem Booklet in der anderen Hand vor der Anlage, liest die Texte und taucht ganz wie von selbst wieder in die nostalgische Welt von The Gaslight Anthem.

 

Nach ein paar Durchläufen steht fest: alle anfänglichen Sorgen waren unbegründet, denn bei Songs wie „The Queen of Lower Chelsea“ oder  „We Did It When We Where Young“ ist es wieder da: dieses Flair von altem Dieselgeruch der sich mit Geschichten über verflossene Liebschaften paart und zu einer einzigartigen Mischung aus Nostalgie und Hoffnung verschmelzt. Schade nur, dass man nach 10 Songs relativ abrupt aus der Tagträumerei gerissen wird.

So spielen sich die sympathischen Herren einmal mehr in die Herzen nicht nur altbackener sondern sicherlich auch vieler neuer Fans. Schließlich konnte man bereits den Opener des Albums im Airplay kommerzieller Radiosender hören.

 

Review von Philip

Wertung: 0=4 Sterne

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