Label: Gold Klang
Veröffentlichung: 2004

Erst jüngst habe ich das erste Album von den Ruhrpott-Punks “SS-Kaliert” genauer unter die Lupe genommen. Jetzt habe ich wieder Stuff der Band vor mir liegen – diesmal aber nichts neues, sondern die Debüt-Single der Band aus dem Jahre 2004. Dass ich die Jungs von SS-Kaliert recht geil finde, mag wohl an ihrer kompromisslosen und ehrlichen Musik liegen, vielleicht ist es auch ganz einfach dieser Arschtritt-Sound mit dem Hang zu den 80er Jahren (eine symphatische Mischung aus US-Harcore-Punk und deutschen Underground-Punk), sowie eine gewisse Energie die hier transportiert wird. Viel Spielfreude und ein positives Geknüppel bei dem sehr viel Kraft dahinter steckt kommt da sicher mit hinzu. Kaum hatten die Jungs von SS-Kaliert im Jahre 2004 ihr (wie sie selbst zugeben) miserables Demo-Tape veröffentlicht, wurden sie vom Kassierer Sänger Wölfi “entdeckt”. Dieser ermöglichte auch, daß diese Single bei seinem Label “Gold Klang” erscheinen konnte.
Und das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen. Ein stabiler und reich bebilderter Pappumschlag schützt die 7″ Single, zudem ist alles sehr edel und geil gestaltet. Ein Beiblatt mit allen Texten ist vorhanden und bei der ersten Auflage der Single (ich habe hier leider nur die zweite) gab es sogar noch ein Poster. Gut, böse Zungen mögen fragen, für was eine Punk Band ein Poster in ihrer Single braucht – ebenso fällt das sehr professionelle “Pressefoto” auf, bei dem die Bandmitglieder von SS-Kaliert äußerst Poserhaft und perfekt gestylt (also ganz im Kontrast zu dem was Punk – im üblichen Sinne – ausmachen soll) in die Kamere schauen bzw. an ihr vorbei gucken.
Ebenso kann man kritisieren, daß die Texte sehr gemischt sind. Einerseits nahe an der Grenze zum peinlichen (z.B. im Lied Bestätigtes Klischee: “Letztens hab ich mir meine Haare hochgemacht / ein Bullenschwein hat mich dafür ausgelacht / gibt es einen Grund warum du so scheiße glotzt? / Nicht so frech und Ausweis her, sonst kommst Du in den Knast) bis hin zu arschgeilen Texten die klar Stellung nehmen (z.B. im Lied Faschistenpack: “Ich himmel keine toten Führer an / weder Hitler, Che Guevara noch die Taliban / drum geht mir mit euerm Scheiß nicht auf den Sack / ihr dummes Scheiß-Linksfaschisten-Pack!”).
Just im letzt-erwähntem Song kriegen sämtliche Extremisten und Spinner einen akustischen Faustschlag ins Gesicht. So soll das sein. Allgemein schafft es SS-Kaliert, einen geilen Punk zu spielen, der in die richtige Richtung geht, jedoch manchmal zu sehr in die Klischee-Ecke abrutscht (Stichworte “Scheiß Bullen”, “Scheiß Staat”, “Ich bin der arme Aussenseiter”, …) aber andererseits das pflegt, was für mich Punk ist: Stellung beziehen, den richtigen ans Bein Pissen, sein Ding durchziehen und einfach Wut durch die Lautsprecher jagen – das alles in Verbindung mit druckvoller und pogotauglicher Musik.
Für mich ist auch der Hang zur Tradition bei den Jungs sehr positiv aufgefallen. Hier wird nicht diese sture und Klischee-Linke schiene gefahren (z.B. dieses Che Guevara Rasta-Punk Ding) aber auch nicht die eher gen neutral gehende Assi-Oi!-Punk schiene, vergleichbar mit Bands wie Pöbel und Gesocks. Mich erinnert das alles sehr an die 80er Jahre, was Textstellen wie “Oi! Oi! Oi! Wir gegen die Welt Punks & Skins Wir tun was uns gefällt” oder der Querverweis zu den Böhsen Onkelz (der im Beiblatt nicht nachzulesen ist, aber den man deutlich raushören kann) “Polizei Dein Freund und Helfer / schlag sie tot und helf Dir selber” (bekannt aus einem Demotape der Frankfurter aus den 80ern) beweist.

Wertung: 0=5 Sterne

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