Label: Edel
Veröffentlichung: 10.09.2010

2009 und 2010 sind scheinbar die Jahre großer Reunions. Atari Teenage Riot, Slime, Blood for Blood und vor allen dreien bereits im März des letzten Jahres Skunk Anansie. Und wie immer steht die Frage im Raum: Bringen die es noch oder wären sie in der Versenkung besser aufgehoben gewesen? Denn vielfach macht man mit einer Rückkehr nach Dekaden mehr vom eigenen Erbe kaputt, als einem lieb ist. Vor allem, wenn’s nur der Kohle wegen geschieht. Derartiges Anbiedern war glücklicherweise nie die Sache von Skunk Anansie und so gehen wir mal unvoreingenommen an „Wonderlustre“ ran.
Das erste Album nach über elf Jahren und dem grandiosen „Post Orgasmic Chill“, das der eine oder andere garantiert noch aus der Jugend kennt, vor allem „Charlie Big Potatoe“, „Lately“ und natürlich „Secretly“. Die eigenen Fußstapfen sind verdammt groß und der Einstieg auf „Wonderlustre“ wird dem leider nicht so ganz gerecht. Textlich zeigen Skin und Co. glücklicherweise immer noch die bekannte Wut, nur musikalisch fängt man ein wenig verhalten an. Immerhin wandelt sich der Track noch in ein ganz rockbares Stück.
Zweifel, ob man es noch bringt, sind dann mit „My Ugly Boy“ auch zerstreut, das Teil ist bleischwer, äußerst tanzbar und tritt gut nach. Passt! Und mit „Over the Love“ geht’s schön balladesk weiter, sauber, auch das hat man also nicht verlernt. Die ewige Mische zwischen wuchtigen Rockern und tränenschweren Tracks hat’s auch ins Jahr 2010 geschafft. Vor allem Skins Gesang bleibt auch nach der Wiedervereinigung das Aushängeschild der Combo – und das in bekannter Qualität.

Im Mittelteil des Albums gehen Skunk Anansie zwar fast ein wenig zu lahm zu Werke, bevor man jedoch Gefahr läuft, in Kuschelrock-Gefielde abzudriften, schiebt man wieder gitarrenlastiges Material nach. Und ehrlich: Wenn die schmachtig-langsamen Tracks so gut arrangiert sind wie ein „You saved me“, dann will man sich nicht weiter beklagen. Überhaupt, das ganze Album scheint geradezu auf den nahenden Winter komponiert worden zu sein, irgendwie fühlt man sich beim Hören öfters eher in Teetrink- denn Abgeh-Laune. Aussetzer? Kaum bis gar nicht. Skunk Anansie gehen zwar nicht mehr so laut und brachial wie 1995 bis 1999 zur Sache, aber das schadet nicht. 12 Songs und 40 Minuten lang gibt’s weder eine Neuerfindung des eigenen Sounds, noch Altbekanntes, dafür irgendwas in der Mitte zwischen beidem. Und das ist in jedem Fall hörbar. Gelungenes Comeback!

Wertung: 0=5 Sterne

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